Tossing Fish Tales & Coyote Stories
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-939832-53-9
Verlag: KUUUK
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Amüsantes und Kurioses für USA-Reisende
E-Book, Deutsch, 274 Seiten
ISBN: 978-3-939832-53-9
Verlag: KUUUK
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bücher über die USA suchen sich oft die Weite, die Größe, die Vielfalt und das Unendliche der Landschaften aus. All das ist wunderschön. Aber in diesem so amüsanten und liebenswerten Buch der kleinen Geschichten und Begebenheiten geht es um noch mehr: um alle die Ereignisse, die sich für den USA-Reisenden inmitten der Schönheiten des Landes und der Vielfalt der Menschen abspielen können.
So kann man ebenso erwarten: Flüsse, die seltsam enden. Ranger, welche Dinge verlangen, die einen stutzen lassen. Strände, die Touristen säubern. Müll, der sich als Schatzsammlung entpuppt. Ach ja: Herrlichstes Seemannsgarn vom Feinsten gibt es außerdem. Und Wüsten, die sich locker über 50° Celsius erhitzen. Natürlich auch eine bisweilen überaufmerksame Polizei.
Es ist der kleine Clash der Kulturen, der immer wieder nachdenklich macht oder zum Schmunzeln anregt. Wir erfahren von den verzwickten Dingen, denen man bei Reisen in und durch die USA begegnen kann. In freundschaftlicher Zuneigung für Land und Leute – und doch höchst ironisch aufgeschrieben. Ein Lesegenuss.
Zielgruppe
Alle Menschen, die in die USA reisen, gereist sind oder noch reisen wollen.
Alle Menschen, die sich für Land und Leute in den USA interessieren.
Alle Menschen, die sich für ironische und humorvolle Betrachtungen interessieren.
Alle Menschen, die sich für kulturelle Unterschiede interessieren.
Alle Menschen, die Reiseerlebnisse in literarischer Form genießen möchten.
Alle Menschen, die Kurzgeschichten und Erzählungen mögen.
Alle Menschen, die Land und Leute besser kennenlernen und verstehen wollen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2. Arizona Highways
Es gibt einen einzigen Menschen auf der Welt, den ich um seinen Beruf beneide. Er nennt sich selbst „The Poor Old Editor“ und ist Chefherausgeber der Monatszeitschrift Arizona Highways.
Mit dem amerikanischen Kultmagazin wurden Dick und ich bekannt, als Theo, unser Onkel aus Portland, uns in den 80er Jahren ein Jahresabonnement zu Weihnachten schenkte.
Als wir die erste Ausgabe in Händen hielten, vermeinten wir, in ihren Hochglanzfotos unsere Urlaubsbilder endlich in der Qualität zu erblicken, die wir mit eifrigem Bemühen zwar ständig anstrebten, aber wegen fotografischen Unvermögens nie erreichten.
Auch die Artikel des Magazins waren durch Übereinstimmungen und Synergien mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen ganz nach unserem Geschmack.
Wir wurden langjährige Abonnenten und beschränkten unser Interesse nicht nur auf die aktuellen Ausgaben, sondern kauften auf USA-Reisen auch gerne antiquarisch Jahrgangsbände dieser Zeitschrift auf.
Das alles führte uns zu einer gewissen Expertise auf dem Gebiet.
„Was glaubst du, über welche Städte in der nächsten Ausgabe von Arizona Highways berichtet wird?“, war eine beliebte Standardfrage von Dick an mich.
Ich antwortete mit „Flagstaff, Prescott und Jerome“ oder auch mit „Kingman, Tuba City und Sedona“ und lag in 90 % der Fälle richtig.
Saisonal bedingte Hauptthemen konnte ich ebenfalls mit hoher Treffsicherheit voraussagen, wie zum Beispiel Bildreportagen zum „Schneefall im Grand Canyon“ für die Dezemberausgabe oder „Wüstenblüte am Apache Trail“ im Märzheft.
Man lernte bei eingehender Lektüre aber auch die Feinheiten zu schätzen: Leserbriefe und Anfragen wurden, so dämlich sie auch sein mochten, mit Güte und Humor vom „Poor Old Editor“ beantwortet, der mit einer ihm eigenen Hintersinnigkeit auf subtile Art Banalität in Komik umzusetzen vermochte.
Circa zwei Jahrzehnte beschränkte ich mich darauf, das Journal mit Begeisterung zu studieren und den Herausgeber um seinen Job zu beneiden.
Als sich aber abzeichnete, dass der „Poor Old Editor“ bald in Pension gehen würde und man einen Nachfolger suchte, erkannte ich Handlungsbedarf.
Es gab in meinen Augen niemanden, der so geeignet war, die Zeitschrift weiterzuführen, wie ich selbst.
Würde ich mich nicht für diese Position zur Verfügung stellen, wäre ein Qualitätsschwund für Arizona Highways unvermeidbar.
Das alles schrieb ich in wohlgesetzten Worten an den Verlag und fügte noch beiläufig hinzu, dass ich sowieso in wenigen Wochen im März zur Wüstenblüte nach Phoenix kommen würde.
Amerikaner sind unkomplizierte Menschen. Sie schrieben mir zurück, dass ich bei der Gelegenheit ruhig mal bei ihnen in ihrer Redaktion in der Lewis Avenue in Phoenix vorbeischauen sollte, und gaben mir einen Termin.
In jenem Frühjahr, das einem extrem trockenen Winter folgte, fiel die Wüstenblüte aus – außer natürlich auf der Titelseite von Arizona Highways, wo eine blühende Präriewiese wie üblich vor der Silhouette der Superstition Mountains am Apache Trail prangte.
Doch das bekümmerte mich nicht weiter, da ich dem Vorstellungsgespräch entgegenfieberte.
Als der große Tag gekommen war, erwarteten mich in der Redaktion in Phoenix neben dem „Poor Old Editor“ der Verleger, der Chefredakteur namens Jeff sowie ein jüngerer Bildreporter.
Während der alte Herausgeber sympathisch lächelte und ganz meinen Erwartungen entsprach, erschien mir der Verleger etwas kühl und reserviert, der Bildreporter kritisch abwartend und der Redakteur nassforsch und angriffslustig.
Nach einem kurzen Small Talk nahm er das Lob der anderen für mein akzentfreies Englisch als Steilvorlage für eine erste Attacke: „Können Sie sich eine Deutsche als Chefherausgeberin von Arizona Highways vorstellen?“, fragte er geradeheraus.
„Können Sie sich einen Texaner in dieser Position vorstellen?“, konterte ich frech mit einer Gegenfrage.
Er zuckte schmerzlich zusammen, denn er stammte gebürtig aus Galveston, was ich im Vorfeld akribisch recherchiert hatte. Die anderen grinsten; der Punkt ging an mich.
Nun wurde es aber ernst, da man mich bat, mich zu meinen eigenen publizistischen Erfahrungen zu äußern.
Als wissenschaftliche Angestellte eines pharmazeutischen Unternehmens waren diese etwas beschränkt.
Um in meiner Branche hohe Leserzahlen zu erreichen, müsste man schon Betriebsgeheimnisse in der Boulevardpresse breittreten, wovon ich bislang allerdings immer Abstand genommen hatte.
So begann ich über meine Erfahrungen beim Aufbau einer Schülerzeitschrift in den 60er Jahren zu berichten und ging – als das nicht den gewünschten Eindruck machte – nahtlos zu meiner jetzigen Co-Herausgeberschaft einer kleinen, hämatologischen Fachzeitschrift über.
Die Stirnfalten meiner Zuhörer vertieften sich, und ich beeilte mich zu versichern, dass ich als Produktspezialistin meiner Firma regelmäßig Artikel schreibe und in hochrangigen, medizinischen Journalen veröffentliche.
Ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen.
„Wie groß schätzen Sie denn Ihre Leserschaft ein?“, fragte der Chefredakteur lässig.
Schmerzhaft wurde mir bewusst, dass es pro Beitrag nur eine Handvoll an Fachleuten sein konnte, die sich mit meinen Arbeiten ernsthaft auseinandersetzten.
Ich chiffrierte diese für mich unvorteilhafte Aussage, indem ich angab, dass die Zahl meiner Leser in etwa der Quadrupelwurzel aus der Zahl der jährlichen Arizona-Highways-Abonnenten entsprach.
Bis auf den „Poor Old Editor“, der verschmitzt lächelte, und den jungen Bildreporter, der verbissen, aber vergeblich nachrechnete, nahm man mir meine Akademikerarroganz ziemlich übel.
„Über welche drei Orte Arizonas würden Sie in unserer kommenden Ausgabe berichten?“, war die nächste Frage an mich.
„Globe, Steamboat Canyon und Show Low“, gab ich mit Bestimmtheit zurück, denn das waren die einzigen Orte, die ich bislang noch in keiner Ausgabe erwähnt fand.
„Über Globe haben wir vor sieben Jahren bereits berichtet, als der Cadillac des Countrysängers Will Rogers dort auf der Durchreise von einem Hagelschauer beschädigt wurde“, knurrte der Chefredakteur.
„Und Steamboat Canyon liegt in Neumexiko“, ließ sich der Bildreporter altklug vernehmen. Doch der Verleger legte mir zugleich eine neue Frage vor: „Was würden Sie an Arizona Highways verbessern?“
Ich zog die neueste Märzausgabe mit der blühenden Wüste am Apache Trail aus der Tasche, zeigte auf das Titelbild und sagte: „Ich würde den Gebrauch an Archivbildern drastisch einschränken.“
Nun war es an ihnen, etwas betreten dreinzublicken.
Der Gesprächstermin ging seinem Ende entgegen.
„Mit welchem Fotomotiv würden Sie sich der Lesergemeinde im Editorial vorstellen?“, fragten sie.
„Mit einem Bild, auf dem ich zusammen mit den Kojoten um die Wette heule“, antwortete ich süffisant.
Wieder war für meinen feineren Sinn für Humor nur der alte Herausgeber empfänglich.
„Und mit welchem Foto würden Sie sich an meiner Stelle im gleichen Editorial verabschieden?“, lächelte er.
„Ich würde mit einer Klapperschlange in der Hand den Lesern ein melancholisches Goodbye rasseln“, war meine Antwort.
Er verabschiedete mich herzlich mit den Worten: „Ich fand unser Gespräch sehr anregend“, doch die anderen schauten kühl bis finster drein.
Mir war inzwischen klar geworden, dass es ihnen um keine würdige Nachfolge, sondern um eine sofortige Ablösung des „Poor Old Editor“ ging.
Entsprechend bekam ich von ihnen nur noch ein höflich-belangloses Schreiben, dass sie sich für einen anderen Bewerber entschieden hätten.
In der Maiausgabe stellte sich dann der neue Editor-in-Chief vor – mit einem Foto, auf dem er beim White Water Rafting im Grand Canyon zu bewundern war.
Der „Poor Old Editor“ verabschiedete sich aber auf der gleichen Seite melancholisch lächelnd und – mit einer Schlange in der Hand – winkend.
Seither beobachte ich kritisch den neuen Chefherausgeber und trage aus der Ferne dazu bei, dass das Niveau des Magazins nicht zu tief absinkt.
Sein erster Staatsakt war die Abschaffung der Humorseite. Die hatte ich zwar auch nicht besonders gemocht, aber um zu schauen, ob er sich verunsichern ließ, schrieb ich einige Dutzend empörter Leserbriefe unter verschiedenen Pseudonymen.
Er druckte sie immerhin zum Teil ab und beantwortete einige sogar weitschweifig.
Mit Verdruss sah ich auch, dass er sich gerne zu „spirituellem Naturerleben“ bekannte, gleichzeitig jedoch zunehmend Beiträge mit computermanipulierten Landschaftsaufnahmen zuließ.
Eine entsprechende Protestbriefflut war die Folge. Wieder reagierte er mit etwas unverständlichen Erläuterungen und vagen Entschuldigungen.
Als ich in der nächsten Ausgabe eine mäßig erzählte Geistergeschichte aus Bisbee über „Ruby and her Jilted Husband“ vorfand, wartete ich – unter Pseudonym – mit einer besseren aus dem dortigen Copper Queen Hotel auf, die ich „A Vengeful Elevator“ nannte.
Er kommentierte, dass er sie als zweitbeste Ghosttownstory aus Bisbee akzeptiere – immerhin ein erster Anflug von Humor.
So beschloss ich, ihm noch eine letzte Chance zu geben. In einem weiteren fingierten Leserbrief fragte ich scheinheilig an, ob ich als Verfasser einer Kurzgeschichtensammlung diese...




