Toso | Esmeraldas Blick | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: EDITION AGLAIA

Toso Esmeraldas Blick

Die Ketzerin von Notre-Dame
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95669-136-2
Verlag: Bookspot Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Ketzerin von Notre-Dame

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: EDITION AGLAIA

ISBN: 978-3-95669-136-2
Verlag: Bookspot Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Brand der Kathedrale Notre-Dame hat Victor Hugos 'Der Glöckner von Notre-Dame' wieder ins Bewusstsein gerückt und die Frage nach dem Schicksal der Protagonisten gestellt, die nun endlich äußerst spannend und unterhaltsam beantwortet wurde. Denn die schöne Esmeralda geht in diesem bewegenden Roman einen besonders schweren Weg. Schreckliches muss sie erdulden ehe Rettung naht. Doch wie findet sie sich in ihrer neuen Rolle zurecht? Wird es auch Rettung für den buckeligen Quasimodo geben? Und wie ergeht es Dom Frollo, der fromm und gut sein wollte, sich jedoch schuldig und verdammt fühlt? Eine völlig neue Perspektive entsteht, Zeiten verrinnen ineinander, Schicksale nehmen ihren eigenen Lauf. Flucht, Gewalt und Sehnsucht fragen nicht nach Zeit; sie suchen nach Glück und einemÜberleben im Ankommen. Als Esmeralda jedoch der Hexerei bezichtigt wird, scheint ihr grausames Ende im Kerker gewiss ... 'Der Glöckner von Notre-Dame' aus einem spannenden neuen Blickwinkel betrachtet - eine Verneigung vor Victor Hugo, bewegend, härter, spannender und zugleich historisch unterhaltsam. Für Leser von spannenden Historischen Romanen ein Leckerbissen!

Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt als Religionspädagogin in Wien. Nach mehreren Publikationen legt sie mit 'Esmeraldas Blick' ihren ersten historischen Roman vor, den Auftakt einer Trilogie rund um die Figuren aus 'Der Glöckner von Notre-Dame'. Unterhaltsam und spannend erzählt, bieten Tosos Werke eine neue spannende Perspektive auf Victor Hugos Roman. Mit ihnen verneigt sich die Autorin vor dem Weltliteraten, der sie schon seit langem inspiriert.
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Kapitel 1


Reise nach Paris


Nach all den Jahren lag eine Erstausgabe auf seinem Schoß. Liebevoll öffnete er das Buch, roch an den Seiten, befühlte es, dachte daran, wie viele Menschen es seit 1831 wohl schon in den Händen gehalten und gelesen hatten. Kaum wagte er zu beginnen. Dann aber tauchte Albert Alden in den Trubel des Narrenfestes am sechsten Jänner 1482 ein. Das Französisch des neunzehnten Jahrhunderts las sich zwar sperrig, aber er war zu gespannt, um sich davon abhalten zu lassen. Fast hörte er den Lärm der aufgeheizten Menge, die in den Justizpalast strömte, um dem Mysterienspiel beizuwohnen und die Gesandten aus Flandern zu bestaunen. Albert befand sich selbst inmitten des ausgelassenen Treibens vor den Türmen der Notre-Dame.

Der zehnjährige Claude Frollo stand gehorsam hinter seiner Mutter und der Magd, die den Einkauf trug. Selten durfte er das bunte Treiben des Marktes miterleben, doch diesmal galt es, auch für ihn einiges einzukaufen: Stoffe für neue Kleidung, ein zweites Paar Schuhe, Papier, Federn und Tinte. In wenigen Tagen begann für ihn ein neues Leben als Aspirant bei den Benediktinern in Paris. Das Neue zog ihn an, aber der Gedanke, für immer von zu Hause weg zu müssen, ängstigte ihn auch. Im Augenblick aber faszinierte ihn die Vielfalt am Markt. Eine Gruppe Zigeuner zeigte allerlei erstaunliche Kunststücke und spielte Musik, die Claude noch nie zuvor so nah gehört hatte. Am liebsten wäre er zum Takt herumgesprungen.

Dann sah er sie. Zwischen Kisten musterten ihn zwei kecke schwarze Augen, Kinderaugen. Er konnte nicht anders als zu dem Gewürzstand zu gehen, hinter dem sich das Kind verbarg. Sein süßes Gebäck, das er in der Hand hielt, vergaß er fast, obwohl er selten solche Geschenke von der Mutter bekam. Auch sie sah dem neuen Lebensabschnitt ihres Ältesten mit gemischten Gefühlen entgegen. Dass er ein gebildeter Priester werden sollte, erfüllte sie zwar mit Stolz, doch er wurde ihrer Obhut entzogen. Es stand ein großer Abschied bevor. Das stimmte sie mild, sie erlaubte ihm, ein wenig zwischen den Ständen herumzuschlendern, kaufte Nüsse und getrocknete Früchte für die Reise nach Paris.

Als Claude bei den Kisten ganz im Bann dieser Augen stand, die nur so sprühten vor Lebenslust, lachte das Kind laut auf, sauste hervor, entriss ihm das Gebäck und rannte damit davon. Er wusste nicht, wie ihm geschah, starrte dem Mädchen hinterher. Die kleine Zigeunerin lachte noch immer in ihrem bunten Gewand, mit den offenen, langen, dunklen Haaren und mit Schellen an ihrem Fußgelenk, das jeden ihrer Schritte zu Musik werden ließ. Ihr roter Rock reichte nur bis knapp unters Knie, an den Füßen trug sie Stoffsandalen. Sie war kleiner als er und schöner als ein Engel, jedenfalls empfand Claude es so. Am schönsten fand er ihre fröhliche Lebendigkeit. Nie hätte er gewagt, zwischen den Ständen so wild herumzulaufen. Für diesen kurzen Moment des Staunens opferte er gern das seltene Geschenk des Süßgebäcks. Doch das kecke Kind verschwand nicht mit seiner Beute. Hinter den Ständen blieb es stehen und wartete auf den Verfolger, der wie angewurzelt mit weit aufgerissenen Augen dastand. Das Mädchen winkte ihn zu sich heran. Claude konnte sein Glück kaum fassen.

Nach der Mutter blickte er sich nicht einmal um, denn bestimmt würde sie ihm verbieten, so weit von ihr wegzugehen und noch dazu Kontakt zu dem Mädchen aufzunehmen. Seit jeher galt für alle Christenmenschen, dass Zigeuner und Gaukler zum zwielichtigen Gesindel gehörten, dem nicht zu trauen war. Sie kannten keinen Gott und keine Kirche, das war verdammenswürdig. Doch man musste sie dulden, solange sie keiner bösen Tat überführt wurden, deren sie gewiss täglich mehrere verübten. Claude hatte bisher nur selten Gaukler erleben dürfen, doch er fand es schade, dass die Fröhlichkeit und das Gefühl der Freiheit, die sie verbreiteten, Teil des Bösen sein sollten. Das sogenannte Gute, wie er es kannte, war für ihn als Kind doch recht langweilig. Es bestand aus Gehorsam, Fleiß, Gebet und Bescheidenheit.

Mit zaghaft langsamen Schritten erreichte er endlich die kleine Zigeunerin. Rasch zog sie ihn an eine Hausecke, damit sie vor den Blicken der meisten Leute am Markt verborgen blieben. Dort biss sie herzhaft in das Süßgebäck und hielt es ihm hin. Als er nicht reagierte, presste sie es ihm laut lachend auf die Lippen. Verwirrt biss er ab, dann lief sie noch weiter vom Markt weg.

»Komm!«, rief sie und bog in die nächste Gasse. Er zauderte, da kehrte sie zurück und zog ihn wieder an der Hand mit sich. Seine Lederschuhe klapperten, ihre Schellensandalen klangen hell. Vor einem Tor blieb sie stehen, setzte sich auf die Schwelle und brach das Süßgebäck in zwei gleich große Teile. Eines davon reichte sie ihm. Als er danach griff, entzog sie es wieder, kicherte, wiederholte das Spiel, bis er sie am Handgelenk fasste und das Gebäck an sich riss.

»Ja! Gewonnen!«, rief er vergnügt und setzte sich zu ihr. Doch er aß nicht. Lieber starrte er in ihre schwarzen fröhlichen Augen. Sie kaute an ihrem Teil des Gebäcks.

»Wie heißt du denn?«, fragte er. Sie kicherte schelmisch.

»Und wie heißt du?«

»Ich heiße Claude Frollo de Molendino und werde Priester bei den Benediktinern.«

»Wie willst du das jetzt schon wissen?«

»In ein paar Tagen holt mich ein Pater nach Paris ins Kloster.«

»Macht es Spaß, ein Priester in Paris zu werden?«

»Ich glaube eher nicht.«

»Das glaube ich auch nicht. Mir wäre es zu langweilig. Die tanzen und lachen nicht und singen nur heilige Lieder. Warum willst du denn so einer werden?«

»Das haben meine Eltern bestimmt. Mir wäre es auch lieber, mit dir herumzutanzen.« Er schaute sie vertrauensvoll an.

»Ach ja?!«, rief sie überrascht, legte ihr angebissenes Gebäck auf seinen Schoß und schlug ein paar Räder, die den roten Rock fliegen ließen. Er sah ihre Beine durch die Luft wirbeln. Unter dem Rock trug sie Beinkleider, die bis zum Knie reichten.

Dann setzte sie sich wie selbstverständlich wieder an seine Seite, nahm das Gebäck von seinem Schoß und verzehrte es. Claude sah ihr bei allem wie verzaubert zu.

»Wir werden bestimmt auch in Paris auftreten, dann treffen wir uns dort. Wo wirst du wohnen?«

»Das Kloster ist nahe der Notre-Dame.« Der Gedanke, sie in Paris wiederzusehen, freute ihn mehr als alle Geschenke dieses Tages. Still bewunderte er ihre langen seidigen Haare mit den bunten, lose hineingeflochtenen Bändern. Ein rotes Band zog sie heraus und reichte es ihm. Er drückte es an sein Herz, dann reichte er ihr seinen Teil des Süßgebäcks. Sie lachte, als sie es nahm, gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange und sprang davon.

»Claude! Claude! Bei allen Heiligen, wo ist mein Sohn?!«, hörte er seine Mutter verzweifelt rufen.

Ich weiß nicht mal deinen Namen, dachte er traurig, als er das Band in seine Tasche steckte. Die Mutter war außer sich, dass er sich aus ihrem Blickfeld entfernt hatte.

»Es gibt böse Menschen, die Kinder stehlen. Wo Zigeuner sind, muss man besonders auf der Hut sein!«, mahnte sie. Er hoffte, das Mädchen irgendwo zu entdecken, aber es tummelten sich zu viele Leute auf dem Markt. Seinen Schatz, das rote Haarband, bewahrte er bei sich. Nur er sollte davon wissen.

Dann kam der Abschied. Katherine und Julie wollten den großen Bruder nicht gehen lassen, Mutter wischte sich immer wieder verschämt Tränen aus dem Gesicht, der Vater legte ihm die Hand auf die Schulter und schaute ihn liebevoll an.

»Du bist unser ganzer Stolz, Claude. Aus dir wird ein hochgelehrter Priester, ein Vorbild an Sittsamkeit und Gottesfurcht«, munterte er ihn auf. In seiner Tasche steckten mehr süße Köstlichkeiten für die Reise, als er je bekommen hatte. Da gab es Trockenfrüchte, Nüsse, Zimtgebäck und Karamellbonbons. Auch vier rote Äpfel zur Erfrischung hatte Mutter mit eingepackt. Eine große Kiste mit warmen Stoffen für Kleidung als Novize der Benediktiner, Nachtwäsche und einem zweiten Paar Schuhe stand ebenfalls bereit. Außerdem Tinte und Federn in einem feinen Lederfutteral. Claude dünkte sich reich wie ein Prinz. Und dennoch galt ihm das nicht so viel wie das rote Band, das er an sein Innenhemd gebunden hatte, gut versteckt und hautnah.

Er konnte sich nicht vorstellen, die Eltern, die kleinen Schwestern und das Haus viele Jahre lang nicht mehr wiederzusehen. Mutter hatte ihm das Lesen und Schreiben, vor allem aber sämtliche Gebete der Kirche auf Latein beigebracht. Den Psalter des kirchlichen Stundengebetes konnte er auswendig singen, betete täglich dreimal das Pater Noster, das Ave Verum und natürlich täglich vor dem Frühstück das große Credo. Vor dem Schlafen betete er das Confessio Pecati Mei und als Trost danach das Agnus Dei. Würden seine künftigen Lehrer das anerkennen? Konnte er auf Freundlichkeit hoffen, oder erwartete ihn nur kalte Strenge, wie man es frommen Kirchenlehrern nachsagte? Immer wieder dachte er an das Zigeunermädchen und fragte sich, ob es nicht besser wäre, zu leben wie sie. Doch das stand nicht zur Auswahl. Er war ein Christ, angehender Mönch und Priester, also auf der ganz frommen, langweiligen Seite. Daran ließ sich nun mal nichts ändern.

Die Reise gestaltete sich allerdings überraschend spaßig. Zwei junge und ein alter Mönch sollten jene Kandidaten der Gegend rund um Montereau abholen, die schon seit ihrer Geburt der Kirche geweiht waren. Ihre Kutsche wurde von zwei alten Gäulen gezogen, für die einer der jungen...


Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt in der kaiserlichen Stadt Wien. Nach mehreren Publikationen legt sie mit „Esmeraldas Blick“ ihren ersten großen historischen Roman vor, den Auftakt einer spannenden Trilogie rund um das 15. Jahrhundert und die Figuren aus „Der Glöckner von Notre-Dame“. Sehr spannend und unterhaltsam erzählt, Liebe und Verbrechen, Feigheit und Mut, ein historischer Roman vom Feinsten.



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