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Tippner Das Flüstern der Elbe


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-211-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Eine falsche Identität, ein alter Landsitz und ein berührendes Familiengeheimnis 
Der fesselnde Liebesroman zwischen Nord- und Ostsee

Nachdem Kate beim Ausräumen des Hauses ihres verstorbenen Urgroßvaters fragwürdige Dokumente und Fotos findet, ist für sie klar: Ihr Urgroßvater scheint nicht der zu sein, für den er sich ausgab. Kate weiß, sie muss zurück nach Deutschland, zu dem alten Landsitz ihrer Familie. Nicht nur um herauszufinden, wer sie wirklich ist, sondern auch, was es mit den zwei Mädchen auf sich hatte, die ihr Urgroßvater damals mit nach Amerika brachte. In Deutschland angekommen, merkt Kate jedoch schnell, dass sie nicht die Einzige ist, die sich für ihre Familiengeschichte interessiert …

Erste Leser:innenstimmen
„Fesselndes Familiengeheimnis voller überraschender Wendungen.“
„Die Hintergründe des Zweiten Weltkriegs und die persönlichen Schicksale der Protagonisten werden einfühlsam miteinander verknüpft – sehr mitreißend und emotional!“
„Eine gelungene Mischung aus Familiendrama, zarter Liebesgeschichte und historischen Fakten, die mich sofort gepackt hat!“



Am 10.07.1980 in Reinbek geboren, ist Thomas Tippner für mehrere Hörspiellabels und Verlage aktiv. Sein gegenwartsliterarischer Roman Rose stand zwei Wochen am Stück bei Lovleybooks in der Kategorie 'Gedichte und Dramen', auf Platz 1. Auch arbeitet Thomas Tippner eng mit dem dp Verlag zusammen, wo unter dem Pseudonym Nele Hansen seine Romane Herzklopfen und Meersalz, Meeresrauschen und Inselküsse, Seeluftflüstern und die Booksnacks Was ist schon die Zeit und Schockverliebt erschienen. Weitere Romane sind in Planung.
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Kapitel 2


Die Vergangenheit versteckt sich


„Was ein Rattendreck“, kommentierte Olivia, als sie die auf dem Tisch ausgebreiteten Bilder betrachtete, die Kate wieder und wieder angeschaut hatte und nicht fassen konnte, was sie da zu sehen bekam.

All ihre bisherigen Annahmen, und ihre grenzenlose Liebe zu ihrem Großvater waren im wahrsten Sinne des Wortes ins Stocken geraten. Ihre Verehrung, alles, was sie positiv mit ihm in Verbindung gebracht hatte, war dabei, in einem Schwall von Enttäuschung und Abscheu zu versinken.

„Ich fasse es noch immer nicht“, gab Kate ehrlich zu und deutete auf das Bild, das Paris ihr gereicht hatte, die keinerlei Interesse an der Fotografie gezeigt hatte. „Ich meine, schau dir das doch mal an.

Er steht da, grinst und hat seinen verdammten rechten Arm gehoben.“

„Und wie wohl er sich in seiner Uniform zu fühlen scheint“, bemerkte Olivia, die sich vorgebeugt hatte, das Glas Wein in der Hand, ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und das Bild betrachtete. „Er scheint richtig stolz zu sein.“

„Widerlich“, meinte Kate, die spürte, wie Ekel in ihr aufzusteigen begann.

Sie erinnerte sich vage an den Geschichtsunterricht. Daran, wie ihr Lehrer ihnen damals von dem Sturm der Normandie erzählt hatte. Davon, wie die USA sich nach dem 7. Dezember 1941 in den von Deutschland entfachten Krieg eingemischt hatte, nachdem die Japaner Pearl Harbor angegriffen hatten.

Damals war es ihr todlangweilig erschienen. Sie hatte Kästchen für Kästchen ihres karierten Notizblockes ausgemalt und sich nicht eine Sekunde für den geschichtlichen Käse interessiert, den sie pauken und auswendig lernen musste.

Was ihr jetzt missfiel.

Sie ärgerte sich über ihr jugendliches, desinteressiertes Ich und versuchte, auf die verschüttgegangenen Erinnerungen zurückgreifen, die ihr einfach nicht in den Kopf kommen wollten.

Was für eine Uniform war es, die ihr Urgroßvater da trug?

War es, wie sie innerlich hoffte, nur die Tracht eines Pfadfinders? Eine dieser Einheitskleidungen, bei der Jugend, wo die Kinder in Deutschland einst hingehen mussten, um von dem Gift der Nazis geistig manipuliert zu werden?

Wie hatten diese Organisationen damals geheißen?

Sie fragte Olivia, die daraufhin mit den Schultern zuckte und murmelte: „Das war irgendetwas mit Jungen oder so. Führerjugend?“

„War Hitler nicht so ein narzisstischer Spinner, der seinen Namen überall einsetzen ließ?“

„Hitler-Jugend? Echt?“

Kate zuckte mit den Schultern, deutete auf ihren stramm dastehenden Urgroßvater, und fragte: „Wie hieß er denn wirklich?“

Olivia legte den Kopf schief, blinzelte und murmelte: „Egon Speller.“

Kate zog die Augenbrauen in die Höhe. „Das steht auf seinen Dokumenten und Reisepässen, ja. Aber meinst du wirklich, dass er unter seinem realen Namen hierher aufgebrochen ist? Ich kenne mich mit Geschichte echt nicht aus, aber ich habe gelesen, dass viele ehemalige Nazis unter falschem Namen nach Südamerika geflohen sind. Ich würde gerne wissen, mit welchem Schiff Uropa damals nach New York gekommen ist“, sagte sie.

„Weil?“, fragte Olivia und gab sich dann selbst eine Antwort, nachdem sie an ihrem Glas genippt und den süßen, roten Wein heruntergeschluckt hatte. „Um zu überprüfen, ob damals wirklich ein Egon Speller an Bord gegangen ist. Verstehe.“

„Und ich würde das hier gern lesen können“, meinte sie und deutete auf die aus dem Etui gefischten Briefe, die in einer sauberen, akkuraten Handschrift verfasst waren. Eine Handschrift, die der ihres Großvaters ähnelte; auch wenn dieser in späteren Jahren zittriger geschrieben hatte, nicht mehr so geschwungen, und die Linien so minutiös ausgeführt. „Darin kann man ja vielleicht auch etwas über ihn erfahren. Ich meine, er hat diese Sachen sorgfältig versteckt. Warum?“

„Weil er nicht entdeckt werden wollte. Meinst du, er hat etwas angestellt?“

„Wenn er ein Nazi war?“

Sie seufzte und strich die vor ihr auf dem Tisch liegenden Bilder hin und her. Kate konnte sich nicht erklären, wie es sein konnte, dass sie von ihrem Urgroßvater so gut wie gar nichts wusste. Dass er ihr, in ihren fünfundzwanzig Jahren, als sie gemeint hatte, ihn zu kennen, völlig fremd gewesen war.

Sie schluckte, als sie mit ihren Fingern über das Bild strich. Sie sah Egon mit einem Schäferhund. Ein schönes, elegantes Tier, das zu Füßen seines Herrchens saß, den perfekt gewachsenen Kopf stolz erhoben, die Brust hervorgestreckt. Neben ihm ihr Großvater, ebenso aufrecht und ehrenvoll, in einem Anzug, der nicht verbergen konnte, dass Egon ein athletischer, durchtrainierter Mann gewesen war. Dazu sein ordentlich gescheiteltes blondes Haar, das im Nacken und an den Schläfen kurzrasiert war.

 dachte sie und beugte sich vor, um die im Hintergrund des Bildes abgelichteten Personen erkennen zu können. Eine kleine, dunkelhaarige Frau, die zwei Mädchen an sich presste und diesen schützend die Hand auf die Brust legte.

 dachte sie nicht zum ersten Mal, nahm die Fotografie in die Höhe und kniff die Augen zusammen. Sie versuchte, die junge Frau zuzuordnen, was ihr nicht gelang.

Als sie das Bild in die Höhe hob, es herumdrehte, und wieder diese geradlinige, zackige Handschrift sah und nicht genau lesen konnte, was dort stand, meinte sie, so etwas wie  entziffern zu können.

 dachte sie, als ihre Finger über die Buchstaben glitten. 

In diesem Moment durchfuhr sie ein kurzer, intensiver Schwung aus Stolz, weil sie wusste, dass der Name nachträglich auf das Foto geschrieben sein musste. Kugelschreiber, hatte sie einmal nebenbei in einem Artikel gelesen, als sie beim Arzt im Wartezimmer gesessen hatte oder irgendwo anders ihre Zeit damit verbringen musste, indem sie las, waren erst Mitte der Fünfziger in Umlauf gekommen. Die Fotografie vor ihr, war um einiges älter.

„Weißt du was“, sagte Olivia plötzlich und riss Kate aus ihren Gedanken, die verwundert zu ihrer sich aufrichtenden, das Glas beiseitestellenden, Freundin schaute. Olivias Augen strahlten vor Freude. „Steve kann uns helfen.“

„Dein Hündchen?“

„ Hündchen“, verbesserte Olivia Kate, grinste und sagte: „Er kennt sich doch mit historischen Dingen aus. Er hat doch immer wieder mit den Kriegsdenkmälern und Ähnlichem zu tun.

Vielleicht kennt er ja sogar jemanden, der deutsch kann. Und ich“, sagte sie mit erhobenem Zeigefinger, „werde dir auch helfend unter die schönen Arme greifen.“

„Indem du meinen Wein austrinkst?“

„Auch da werde ich dir behilflich sein, natürlich. ABER“, sie deutete auf Kate und grinste, „ich habe doch letztens herumrecherchiert, wegen dieser einen Familie hier in Beaufort, die damals aus Italien hierhergekommen sind. Da gab es ein spezielles Online-Portal, wo man nach ehemaligen Familienmitgliedern suchen kann. Vielleicht gibt es sowas auch für deutschstämmige Auswanderer. Ich werde mich morgen mal direkt dransetzen und recherchieren. Das mit den Uniformen können wir ja jetzt gleich schon mal nachschauen. Was meinst du?“

Kate leckte sich über die Lippen. Es war ein plötzliches, sie heimsuchendes, sie unangenehm hart treffendes Gefühl von Furcht, das sie beschlich. Ein Gedanke, nicht mehr zum Aufhalten, nicht mehr zurückzudrängen, schoss ihr in den Kopf und ließ sie glauben, von einer Woge ehrlich empfundener Panik heimgesucht zu werden.

Andererseits war sie es gewesen, die angefangen hatte, in der Vergangenheit ihres Opas herumzustochern. Sie hatte in Erfahrung bringen wollen, wer er wirklich gewesen war.

Nun stand, beziehungsweise saß, sie hier auf der Couch in ihrer der Seeseite zugewandten Wohnung, trank Wein und musste entscheiden, ob sie mehr über den Zweiten Weltkrieg, das Dritte Reich und über die Machenschaften ihres Urgroßvaters in Erfahrung bringen wollte.

Sie nickte, nachdem Olivia sie fragte: „Was ist jetzt? Suchen wir oder lassen wir es sein?“

„Suchen“, meinte sie heiser, griff nach ihrem Smartphone und tippte mit bleiern schweren Fingern ein:  und bekam keine zwanzig Sekunden später den Schock ihres Lebens, als sie entsetzt flüsterte: „Waffen SS …“

***

„Viel habe ich noch nicht herausgefunden“, meinte Steve, der auf die ihm gereichten Fotografien deutete und seinen süß geschwungenen, von einem Dreitagebart umgebenen Mund bekümmert verzog. „Außer eben, dass dein Urgroßvater wohl tatsächlich der Waffen SS angehört hat. Was bedeutet, dass er freiwillig in den Militärdienst eingetreten ist. Freiwillig heißt in dem Fall, dass er auch hinter dem Gedankengut der Nazis gestanden hat.“

Kate schluckte und fragte: „Dann wollte er den Krieg?“

Steve zuckte mit den Schultern und antwortete: „Das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber in die SS bist du nicht versetzt worden.“

Kate leckte sich über die Lippen.

Die letzten beiden Tage hatte sie mit kaum etwas anderem verbracht, als sich das Thema Deutschland in den Kopf zu hämmern. Sie hatte über die deutsche Rolle des Krieges gelesen und die tödliche Maschinerie, die diese Nation vor mehr als...



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