Tillmanns | Mathilda tanzt | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

Tillmanns Mathilda tanzt

Ein Gartenkrimi
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-2119-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Gartenkrimi

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

ISBN: 978-3-8192-2119-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mathildas liebevoll angelegter Garten in Aachen ist ihre ganz private Oase. Mit der Ruhe ist es jedoch vorbei, als sie ausgerechnet am Tag der offenen Gartentür einen Toten in einer versteckten Ecke des Gartens findet und ihre Lieblingsstatue "Waltzing Matilda" sich als die Mordwaffe herausstellt. Und damit nicht genug - Mathilda wird des Mordes verdächtigt, und mit jedem Versuch, ihre Unschuld zu beweisen, verstrickt sie sich und ihre Nachbarinnen nur noch tiefer in den Fall. Dabei hatte der ermordete Anlageberater und notorische Frauenheld mehr als genügend Feinde, doch die haben allesamt Alibis. Oder haben Mathilda und die ermittelnden Polizisten etwas Entscheidendes übersehen?

Andrea Tillmanns, geboren in Grevenbroich, lebt in Ostwestfalen-Lippe und arbeitet hauptberuflich als Hochschullehrerin. Sie schreibt seit vielen Jahren Gedichte, Kurzgeschichten und Romane in den verschiedensten Genres. Weitere Informationen sind auf ihrer Website www.andreatillmanns.de zu finden.
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Kapitel Eins


Der Gesang der Amseln weckte Mathilda. Noch eine Stunde bis Sonnenaufgang, dachte sie mit geschlossenen Augen. Der Tag versprach schön zu werden. Fast wolkenlos, hatte der Wetterbericht angekündigt. Ein perfekter Tag für den „Tag der offenen Gartentür“, an dem sie in diesem Jahr zum ersten Mal teilnahm.

Ein bisschen nervös war sie schon, gestand sie sich ein und öffnete nun doch die Augen, um einen Blick auf den Wecker zu werfen. Halb fünf – das war definitiv zu früh zum Aufstehen. Die ersten Besucher würden nicht vor elf Uhr kommen. Das war zumindest die Zeit, die sie angegeben hatte. Die meisten Aachener Gärten wurden um elf Uhr geöffnet, wobei Mathilda ihren Gästen gerne auch gezeigt hätte, wie zutraulich die Vögel in den frühen Morgenstunden auf den Rasenflächen nach Futter suchten oder in den Büschen und Bäumen saßen und sangen. Aber die Organisatorin der Veranstaltung, mit der sie kurz telefoniert hatte, war von dieser Idee wenig begeistert gewesen. „Sonntagmorgens um acht wird noch niemand zu Ihnen kommen wollen“, hatte die Dame behauptet. „Öffnen Sie um elf, wie es die meisten tun, oder vielleicht um zehn, wenn Sie das für sinnvoll halten … aber weshalb wollen Sie nicht noch in Ruhe frühstücken, ehe die Besucherströme kommen?“

Bei dem Wort „Besucherströme“ hatte Mathilda sofort dem späteren Beginn zugestimmt. Menschenmassen wollte sie eigentlich gar nicht in ihrem Garten haben. Wenn Else und Irmtraud, ihre Nachbarinnen zur Linken und zur Rechten, nicht so überzeugend gewesen wären, dann hätte Mathilda sowieso gar nicht bei dieser Aktion mitgemacht. Dann würde sie sich jetzt noch einmal umdrehen und weiterschlafen. Später würde sie ein paar verwelkte Blüten abzupfen, vielleicht einige junge Löwenzahnpflanzen aus dem Rasen ausstechen und sich dann auf die halbschattige Bank unter dem alten Apfelbaum setzen. Sie würde in einem ihrer zahlreichen Gartenbücher blättern und sich überlegen, ob sie wirklich fünf Reihen Kartoffeln brauchte, oder ob sie nicht eine Reihe in ein weiteres Beet mit Wildblumen umwandeln könnte. Je länger sie alleine lebte, desto mehr Blumen schienen sich auf wundersame Weise in ihrem Garten anzusiedeln und den Nutzgarten Stück für Stück zurückzudrängen. Dass das mit ihren regelmäßigen Besuchen auf dem Wochenmarkt und im Blumenladen zu tun haben könnte, war Mathilda natürlich klar. Vielmehr erstaunte es sie, wie leicht es ihr fiel, die Kartoffeln, Erdbeeren, Möhren, Gurken und Kopfsalate aufzugeben, nur um weiteren Blumen eine Heimat bieten zu können. Manchmal hatte sie das Gefühl, immer mehr Schönes um sich herum haben zu wollen, je älter sie wurde. Und Blumen gehörten für sie zu den schönsten Dingen, die es auf der Welt gab.

Heute aber, fiel ihr wieder ein, war kein Sonntag wie jeder andere, und so schaltete sie schließlich die Nachttischlampe ein, starrte noch einen Moment an die holzvertäfelte Decke und stand dann auf. Nachdem sie nachts gelüftet hatte, war es angenehm kühl im Schlafzimmer, und auch im Bad, das sich jetzt im Sommer schnell aufheizte, war noch die Frische der Nacht gespeichert.

Nach der Hitze der letzten Tage genoss sie es, zumindest eine Zeitlang nicht zu schwitzen. Die ganze letzte Woche war es heiß gewesen, und mit jedem weiteren Tag hatte Mathilda sich mehr Sorgen gemacht, dass die empfindlicheren Blumen nicht bis heute durchhalten würden. Überhaupt begriff sie nicht mehr, wie sie sich von ihren Nachbarinnen überreden lassen konnte, am heutigen „Tag der Offenen Gartentür“ teilzunehmen. Weshalb hatte sie den Sonntag nicht einfach genießen können, statt sich diesen Stress anzutun?

Während sie zum Frühstück wie üblich viel Käse auf wenig Brot aß und ihren ersten Tee trank, beruhigte Mathilda sich langsam ein wenig. Vielleicht würde es ja doch schön werden. Vielleicht kämen ja gar keine Besucherströme, sondern nur wenige und dafür besonders nette, interessierte Menschen. Vielleicht bot sich sogar die Gelegenheit, jemanden kennenzulernen, mit dem sie sich über Gärten austauschen konnte … denn ihre Nachbarinnen bevorzugten durchgehend einen Nutzgarten mit einigen praktischen Apfelbäumen, die man leicht mit dem Aufsitzmäher umfahren konnte. Eine richtige Gartenlandschaft, wie Mathilda sie in den letzten Jahrzehnten angelegt hatte, mit versteckten Ecken zum Träumen und Lesen, gab es in diesem Bereich der Horbacher Straße sonst nicht. Selbst den Gemüsegarten hatte sie mit in die Gestaltung einbezogen und den Nutzgarten für Kartoffeln und ähnliches hinter niedrigen Hecken und sommerlichen Blütenmeeren verborgen. Vielleicht käme ja zufällig eine andere Gartenfreundin vorbei, mit der sie sich unterhalten könnte …

„Stell dich nicht an, Mathilda, du kommst auch alleine zurecht“, murmelte sie und stand auf, um den Frühstückstisch abzuräumen. „Alleine“ war schließlich nicht gleichbedeutend mit „einsam“, solange sie ihren Garten hatte, ihr Haus und nicht zuletzt Tausende von Büchern.

Sie blickte auf die Uhr. Kurz vor sechs. Mathilda spülte, putzte über die Wohnzimmerschränke, nur für den Fall, dass einer der Gäste mit ins Haus wollte, was sie eigentlich nicht vorgesehen hatte. Wo sie gerade dabei war, wischte sie auch die Küchenschränke feucht ab.

Gegen sieben gestand sie sich endlich ein, dass sie sowieso keine Ruhe hatte, ehe sie nicht noch einmal durch ihren Garten spaziert war. Sie musste wenigstens sichergehen, dass die Nachbarskatzen nicht wieder mitten auf dem Rasen ihr Geschäft verrichtet hatten. Oder womöglich auf einem der schmalen Wege zwischen den Staudenbeeten versteckt … das würden ihr die Besucher sicher nie verzeihen, wenn sie mitten in ihrem Garten in Katzenkacke träten.

Rasch zog sie sich eine dünne Strickjacke über, nahm vorsichtshalber gleich eine Plastiktüte mit, um eventuelle „Geschenke“ der Tiere aus der Nachbarschaft aufzusammeln, und trat auf die Veranda hinaus.

Die hölzernen Planken gaben unter ihren Füßen leicht nach. Mathilda mochte es, wie sich die gerippten Balken anfühlten, besonders im Hochsommer, wo sie selbst mittags nicht so heiß wurden wie Steinplatten. Wenn sie viel Zeit hatte, zog sie manchmal die Schuhe aus und versuchte mit bloßen Füßen die Unebenheiten im Holz zu ertasten, die unterschiedlichen Temperaturen, je nachdem, wie lange die Sonne eine Stelle schon gewärmt hatte. Jetzt aber flackerte ihre Nervosität wieder auf und ließ ihr keine Ruhe für solche Gedanken.

Links zwischen den einzelnen Töpfen und Pflanzkübeln am Rand der Veranda, wo die weißen Kletterrosen die Garagenwand zu großen Teilen überwucherten und dazwischen die ersten Hauswurzen sich in die Höhe zu recken begannen, war jedenfalls nichts zu sehen – und vor allem nichts zu riechen. Das einzig Gute an den Hinterlassenschaften der Nachbarskatzen war in Mathildas Augen, dass man diese auch ohne Lesebrille fand, solange man sich auf seine Nase verließ.

Sie folgte dem geschlungenen Weg links um das erste Rondell mit den Rosen herum und beobachtete dabei aufmerksam das kurzgeschnittene Gras und die wenigen freien Flächen zwischen den Blumen auf beiden Seiten des Rasens. Hier war alles in Ordnung. Der Kaffeesatz, ein Tipp der Verkäuferin im Supermarkt, schien bisher wirklich gut gegen die ständigen Besuche der Katzen zu helfen.

Weiter ging es durch die Engstelle zwischen dem alten Nussbaum zur Linken und dem ewig wuchernden Holunder zu ihrer Rechten. Auch hier war alles in Ordnung. Sie hob ein paar Blätter vom Rasen auf. Normalerweise war Mathilda nicht so penibel, aber heute sollte alles ordentlich aussehen.

Aus dem Insektenhotel, das links an dem efeuüberwachsenen Unterstand für das Brennholz hing, hörte sie das Summen der Bienen, und aus dem rot gestrichenen Teil des großen Kastens startete gerade eine Schwebfliege in den Tag.

Im nächsten Beet suchten schon die ersten Hummeln und Bienen an den blauen Blüten der Katzenminze nach Leckereien, und auch bei den weißblühenden Funkien und den rosafarbenen Glockenblumen gleich daneben herrschte bereits reger Verkehr.

Mathilda nahm das als gutes Omen. Es würde ein schöner Tag werden. Besonders, nachdem der Grünspecht gleich vor ihr über den Rasen hüpfte, sie kurz ansah, in der Erde pickte und dann in aller Ruhe weiterlief. Dieser morgendliche Frieden war es, den sie gerne mit ihren Gästen geteilt hätte.

Langsam ging Mathilda weiter und folgte dem Rasen, der sich zwischen den Beeten entlang-schlängelte, bis zu ihrem kleinen Gemüsegarten, der von Weitem betrachtet etwa die Form einer Blüte mit runden Blättern hatte – auch wenn sie zugeben musste, dass man für diese Deutung ein Mindestmaß an Phantasie brauchte. Wenigstens waren die Ränder der einzelnen Beete breit genug gepflastert, um darauf problemlos gehen und auch mal von ihnen aus arbeiten zu können, ohne in die Erde treten zu müssen.

Nur die Kartoffeln...



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