Tillmanns | Hinter den Schatten | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 206 Seiten

Tillmanns Hinter den Schatten


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-5032-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 206 Seiten

ISBN: 978-3-6951-5032-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich wollte Nina nur mit ihrem Freund schwimmen gehen - doch als sie einem jungen Mädchen folgt, das sie um Hilfe bittet, findet sie sich in einer albtraumhaften Welt wieder, in der nichts ist, wie es scheint. Nur eine seltsame kleine Fledermaus begleitet sie auf ihrem Weg durch die Welt der Schatten. Wird Nina es schaffen, das Mädchen zu retten, obwohl überall neue Gefahren drohen? Ein märchenhaftes, phantastisches Abenteuer in einer surrealen Traumwelt.

Andrea Tillmanns, geboren in Grevenbroich, lebt in Ostwestfalen-Lippe und arbeitet hauptberuflich als Hochschullehrerin. Sie schreibt seit vielen Jahren Gedichte, Kurzgeschichten und Romane in den verschiedensten Genres. Weitere Informationen sind auf ihrer Website www.andreatillmanns.de zu finden.
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Kapitel Eins


Prustend tauchte Nina wieder auf. „Frank, lass den Quatsch!“, fauchte sie.

Ihr Freund grinste unschuldig. „Wenn du nicht geduckt werden wolltest, warum hast du dich dann nicht gewehrt?“, entgegnete er.

Nina musste lachen. Als ob sie sich gegen Frank wehren könnte, der einen Kopf größer und viel kräftiger war als sie. Kein Wunder, er hatte früher die verschiedensten Sportarten betrieben, und auch wenn er nach dem Studium dafür kaum noch Zeit hatte, so hatte er doch noch immer einen athletischen Körper. Es war schon fast eine Art Tradition, dass er sie im Freibad immer unter Wasser zu drücken versuchte, während Nina ihre langen braunen Locken möglichst lange trocken halten wollte. Eigentlich war sie nicht sonderlich eitel, aber auf den Struwwelpeter-Look sonnengetrockneter Haare konnte sie gut verzichten.

„Wir können sowieso nicht mehr lange hierbleiben“, bemerkte Frank und deutete zum Himmel. „Da hinten zieht ein Unwetter auf.“

Nina drehte sich um und nickte enttäuscht. Als sie losgefahren waren, war es zwar recht kühl gewesen, aber das Außenbecken war beheizt, und zur Not konnten sie immer noch im Innenbecken ein paar Bahnen schwimmen. Außerdem mochten sie es beide, wenn der Dampf über dem Becken waberte und der ganzen Szenerie trotz des Sonnenscheins eine unheimliche Stimmung verlieh. Aber ein Gewitter würde den schönen Nachmittag im Außenbecken natürlich rasch beenden.

„Vielleicht ziehen die Wolken ja auch vorbei“, antwortete Nina, ohne wirklich daran zu glauben. Plötzlich erschien ihr die Luft auch kühler als noch vor wenigen Minuten.

„Ich schwimme noch ein paar Bahnen“, entschied sie.

„Pass nur auf, dass du deine Kette nicht verlierst“, zog Frank sie auf und paddelte träge in Richtung des Beckenrandes, bis er den flachen Teil erreicht hatte, wo gerade die ersten Luftblasen aufstiegen. Als er sich in die Liegemulde sinken ließ, blubberte das Wasser schon überall um ihn herum, und Frank genoss mit geschlossenen Augen die Massage.

Nina fasste unwillkürlich an die Kette, die sie am Morgen auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Der Anhänger war wohl ursprünglich eine echte Münze gewesen, die offenbar vergoldet und eingefasst worden war. Eigentlich mochte sie Goldschmuck nicht, aber diese Kette hatte sie fasziniert. Und der Händler hatte sich mit ein paar Euro zufrieden gegeben, obwohl die Jahreszahl „1901“ auf der Münze zu sehen war. Für solche alten Dinge hatte Nina schon immer ein Faible gehabt.

Während sie langsam ihre Bahnen durch das warme Wasser schwamm, spürte sie, wie die Münze an der langen Kette immer wieder leicht ihre Brust berührte. Vielleicht, überlegte sie, hätte sie den Schmuck lieber im Spind lassen sollen? Sie war sich nicht sicher, ob das warme, gechlorte Wasser die vergoldete Oberfläche der Münze angreifen würde.

Als Nina die nächste Bahn beendet hatte, blieb sie am Rand stehen und beäugte misstrauisch die Kette, aber bislang schien dem Anhänger sich nicht verändert zu haben. Sie zog den Verschluss der Kette nach vorn und betrachtete ihn genauer. Was stand eigentlich auf dem Stempel? Ohne Brille war Nina sich nicht sicher, was dort eingeprägt war.

Langsam schwamm sie zurück zu Frank, der noch immer reglos und mit geschlossenen Augen im brodelnden Wasser lag.

„Schau mal, kannst du das lesen?“, fragte Nina, nachdem sie sich neben ihm in der Liegemulde ausgestreckt hatte.

Frank grunzte, öffnete dann aber doch die Augen und beugte sich über den Kettenverschluss, den Nina ihm zeigte.

„Drei Zahlen“, brummte er, „vielleicht ‚666‘? Na ja, vielleicht auch ‚585‘“, fügte er hinzu, als er Ninas irritierten Blick bemerkte.

„Dann ist die Kette wirklich aus echtem Gold“, entgegnete sie verwundert.

„Wow, du bist ja reich“, murmelte er, ließ sich wieder zurücksinken und schloss mit einem wohligen Grinsen die Augen.

Nina musste lachen. „Dann solltest du mich lieber festhalten, bevor ich dir noch wegkomme“, grinste sie, strich ihrem Freund sanft über die Wange und stieß sich dann vom Rand ab, um weiter ihre Bahnen zu schwimmen.

Als eine Windbö kalt in ihr Gesicht fuhr, sah Nina erschrocken zum Himmel. Tatsächlich hatten die Wolken sich drohender aufgetürmt, auch wenn die Luft noch nicht nach einem bevorstehenden Gewitter roch. Vielleicht würde es wirklich bei ein paar Tropfen Regen bleiben. Auf jeden Fall war es nun, wo die Sonne kaum noch einen Weg durch die Wolken fand, deutlich kühler geworden, und die Dampfschwaden über dem warmen Wasser wurden immer dichter.

Echtes Gold, überlegte Nina, während sie wieder auf das fast grau erscheinende Wasser vor ihr blickte. Und dazu hatte sie noch eine hübsche Geschichte geschenkt bekommen, auch wenn sie im Gedränge und Lärm des Flohmarktes die Erzählung des Händlers nicht ganz verstanden hatte. Diese Kette sollte angeblich einer jungen Frau gehört haben, die auf merkwürdige Weise verschwunden war. Oder verstorben? Ganz sicher war Nina sich nicht. Auf alle Fälle fand sie den Gedanken spannend, dass mit dem Anhänger eine solche Geschichte verbunden war.

Natürlich hatte Frank dennoch nicht verstanden, dass sie das Schmuckstück gekauft hatte. „Ist doch albern, sich eine Münze mit dem Kopf eines seit Jahrzehnten toten deutschen Kaisers umzuhängen“, hatte er den Kauf kommentiert. Eigentlich hatte er ja recht, dachte Nina, und dennoch hatte sie diese Kette einfach haben müssen.

Als sie zurück zur anderen Seite schwamm, hörte sie Franks Stimme, die ihren Namen rief. Zwischen den aufsteigenden Dampfschwaden konnte sie ihren Freund kaum noch erkennen.

„Was meinst du, sollen wir mal wieder ins Innenbecken zurückschwimmen?“, schlug er vor. „Langsam wird es doch ein bisschen frisch hier draußen.“

„Gut, ich schwimme nur noch einmal hin und zurück“, beschloss Nina. „Das sieht so toll aus …“

Der Dampf über dem Wasser war inzwischen so dicht geworden, dass die anderen Menschen nur noch schemenhaft zu erkennen waren, der gegenüberliegende Beckenrand war längst im Nebel verschwunden.

„Okay“, nickte Frank, „aber beeil dich – das Wetter sieht wirklich nicht gut aus.“ Er sah Nina nach, die schon nach wenigen Schwimmzügen im Nebel verschwand. Als sie nach einigen Minuten noch nicht zurückgekehrt war, wurde er langsam unruhig. Vielleicht hatte Nina einen Wadenkrampf und konnte nicht zu ihm zurückkehren? Aber das Wasser war nirgends so tief, dass sie nicht stehen konnte, sagte er sich. Es bestand überhaupt keine Gefahr.

Er zwang sich, noch ein paar Minuten zu warten, ehe er in Richtung des anderen Beckenrandes kraulte. Doch auch dort fand er Nina nicht. Andererseits war der Dampf inzwischen so dicht geworden, dass Frank nur noch weniger Meter weit sehen konnte. Vielleicht wartete Nina an einem der seitlichen Ränder auf ihn? Oder sie war gerade getaucht? Er schüttelte verärgert den Kopf. „Mist, warum habe ich meine Schwimmbrille nicht mitgenommen?“, murmelte er. Dennoch tauchte er den Kopf unter Wasser und sah sich um, bis ihm die Luft ausging. Ringsum hatte er überhaupt keine anderen Menschen ausmachen können. Sicher waren alle schon ins Gebäude zurückgekehrt und schwammen nun fleißig im Innenbecken ihre Bahnen.

„Nina!“, rief er leise, immer wieder, während er in der Mitte des Beckens zur anderen Seite zurückwatete. Sicher war sie schon durch die Schleuse ins Innenbecken zurückgekehrt, weil sie ihn nicht gefunden hatte, versuchte er sich zu beruhigen. Aber das ungute Gefühl in seinem Magen blieb.

„Nina!“, rief er lauter. Doch niemand antwortete ihm. Schließlich schwamm Frank auf den Durchgang ins Innenbecken zu, den er zu seinem Erstaunen trotz des Nebels auf Anhieb fand. Drinnen kletterte er aus dem Becken, sah sich immer unruhiger um und rief schließlich voller Angst „Nina!“

Er sah, wie einige Gesichter sich verwundert zu ihm umdrehten und manche schmunzelnd oder befremdet den Kopf schüttelten. Doch Nina antwortete nicht.

Nina genoss die Umhüllung durch den Nebel über dem Wasser, der die Welt ringsum verschluckte. Für einen Moment konnte sie fast glauben, in einem endlosen Ozean zu schwimmen. Rings umher, soweit ihr Blick reichte, sah sie nur Wasser, durchzogen von kleinen Wellen, die sie selbst mit jeder Bewegung auslöste. Selbst die üblichen Geräusche schien der Dampf zu verschlucken, aber vielleicht fuhren gerade auch wirklich keine Autos am Schwimmbad vorbei. Und die Vögel hatten sicher schon Schutz vor dem heranziehenden Unwetter gesucht.

Zumindest die Wolken über sich konnte Nina noch erkennen. Der Himmel sah tatsächlich so aus, als könnten jeden Moment die ersten Blitze die tiefdunkle Wolkendecke durchbrechen. Nur noch bis zum Beckenrand und zurück, beruhigte sie sich. Bis dahin konnte eigentlich nichts passieren. Bestimmt hätte längst ein Bademeister sie hineingeschickt, wenn es zu...



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