Tiernan | Immortal Beloved (Band 2) - Ersehnt | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Immortal Beloved

Tiernan Immortal Beloved (Band 2) - Ersehnt


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0663-2
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Immortal Beloved

ISBN: 978-3-7320-0663-2
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit ihrem ersten Tag auf River's Edge fühlt sich die unsterbliche Nastasja zu Reyn hingezogen. Doch ihre Liebe wird durch Nastasjas tragische Vergangenheit auf eine harte Probe gestellt: Sie erfährt, dass ihre Eltern blutrünstige Mörder waren. Nastasja fragt sich, ob sie überhaupt eine Chance hat, jemals die Dunkelheit in ihrem Wesen zu überwinden. Ihre größten Ängste scheinen wahr zu werden, als auf River's Edge plötzlich einige Dinge aus dem Ruder laufen. Nastasja ist überzeugt, dass sie es ist, die alles verursacht. Kann sie gegen ihr mächtiges und dunkles Erbe ankämpfen? Und hat ihre Liebe zu Reyn eine Zukunft? Die Immortal Beloved-Trilogie überzeugt mit einer fantastischen Geschichte, zeitlosen Charakteren und einer unsterblichen Liebe. Ein Muss für alle, die gerne Romantasy lesen! 'Ersehnt' ist der zweite Band der Immortal Beloved-Trilogie. Der Titel des ersten Bandes lautet 'Entflammt'.

Cate Tiernan wurde 1961 in New Orleans geboren. Nach ihrem Studium der Russischen Sprache und Literatur begann sie in der Kinder- und Jugendbuch-Redaktion von Random House ihre berufliche Karriere, die aber schon bald eine andere Richtung einschlug. 'Umgeben von so vielen tollen Jugendbüchern und Menschen, die sich so stark für Kinderliteratur begeistern ließen, wuchs in mir der Drang, selbst kreativ zu werden.' Nach insegsamt 8 Jahren Verlagsarbeit zog sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern zurück nach New Orleans und begann, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben.
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1

Ich will dich.« Reyns tiefe, eindringliche Stimme schien von allen Seiten zu kommen. Was kein Wunder war, weil er mir ungemütlich dicht auf den Pelz rückte, als ich gerade dabei war, ein großes Glasgefäß mit Basmatireis aus dem Halbzentnersack nachzufüllen, den wir in der Vorratskammer aufbewahren.

Ist das zu fassen: »Wir.« Ich rede jetzt dauernd von »wir«, als würde ich wirklich nach River’s Edge gehören, in dieses Rehazentrum für gestrauchelte Unsterbliche. So eine Art Zwölfstufenprogramm. Nur dass es bei mir eher hundertelfundelfzig Stufen sein dürften. Ich war jetzt zwei Monate hier und hatte keine Ahnung, wie lange es dauern würde, gut vierhundertfünzig Jahre schlechten Benehmens auszumerzen. Bestimmt noch ein paar Wochen. Wahrscheinlich so sieben oder acht Jahre. Oder länger. O Graus.

Ich drückte mich dichter an die große Platte des Küchentischs und hoffte nur, dass ich den Reis nicht überall hinschütten würde, denn Gott weiß, was für eine Schweinearbeit es ist, diesen Kleinviehmist wieder aufzusammeln.

»Du willst mich auch.« Ich konnte beinahe hören, wie er immer wieder die Fäuste ballte.

»Will ich nicht. Geh weg.« Willkommen bei der Freakshow, die sich Nastasjas Liebesleben schimpft. Es ist nichts für Leute, die zartbesaitet sind. Oder einen schwachen Magen haben.

Nastasja: C’est moi. Die nette Unsterbliche von nebenan. Allerdings ohne den netten Teil. Das muss ich ehrlich zugeben. Vor ein paar Monaten musste ich leider feststellen, dass ich mir mit meinem Partyleben das Gehirn so weichgespült hatte, dass von mir nur noch ein kläglicher, gefühlloser Rest übrig geblieben war, und da habe ich Hilfe bei River gesucht, einer Unsterblichen, die ich 1929 kennengelernt hatte. Und jetzt hockte ich hier im ländlichen Massachusetts und lernte, eins zu sein mit der Natur, der Magie, dem Frieden, der Liebe, der Harmonie und was nicht noch allem. Oder zumindest lernte ich, dem Drang zu widerstehen, mich kopfüber in einen Häcksler zu stürzen.

Es gab hier noch mehr Unsterbliche: vier Lehrer und zurzeit acht Schüler. Wie mich. Und Reyn, den Wikinger-Wunderknaben. Zum Beispiel.

Reyn: der Dorn in meinem Fleisch, der Albtraum meiner Vergangenheit, Mörder meiner Familie, ständiges Ärgernis meiner Gegenwart und – oh, ja – der heißeste, heißeste, wundervollste, umwerfendste Typ, den ich in den letzten vierhundertfünfzig Jahren getroffen hatte. Der, dessen Anblick mich heimsuchte, wenn ich zitternd in meinem kalten, schmalen Bett lag. Der, dessen glühende Küsse ich in Gedanken immer wieder durchlebte, wenn ich mich erschöpft und schlaflos herumwälzte.

Ach so, welche glühenden Küsse? Nun, vor ungefähr zehn Tagen war uns beiden quasi die Sicherung durchgebrannt und wir hatten der unerklärlichen Anziehungskraft nachgegeben, die sich seit meiner Ankunft zwischen uns aufgebaut hatte. Darauf folgte dann die ernüchternde Erkenntnis, dass seine Familie all meine Angehörigen ermordet und meine Familie wiederum einen Haufen von seinen Leuten auf dem Gewissen hat. Das ist unser gemeinsames Erbe. Und wir sind verrückt nach einander. Witzig, was? Ich meine, wenn man hört, dass sich andere Paare streiten, weil sie verschiedenen Religionen angehören oder einer der beiden Veganer ist oder so, kann ich nur sagen, Leute, stellt euch nicht so an, es gibt Schlimmeres.

Auf jeden Fall verfolgte mich Reyn seit unserer Knutschaktion/schrecklichen Erkenntnis mit der Ausdauer und Erbarmungslosigkeit eines Winterkriegers. Und doch hatte er sich nicht dazu durchringen können, abends an meine Tür zu klopfen – und das, obwohl er in seinem Leben schon Hunderte Türen eingetreten, aufgebrochen oder in Brand gesteckt hatte.

Nicht, dass ich das wollte oder wüsste, was ich tun sollte, wenn er es tatsächlich täte.

So in meine Welt geschleudert zu werden, ist ein bisschen viel auf einmal? Nun, so geht es mir jeden Morgen, wenn ich die Augen aufmache und feststelle, dass ich immer noch ich bin – und immer noch putzmunter auf Erden.

Draußen war das Spät-Dezemberlicht, so dünn und grau wie Abwaschwasser, bereits einer Dunkelheit gewichen, wie man sie nur noch auf dem Lande sieht. Wo ich mich befinde.

»Warum weichst du mir aus?« Normalerweise hielt Reyn seine Emotionen unter Verschluss. Aber ich wusste, wie er sein konnte – die ersten hundert Jahre meines Lebens hatten Reyn und sein Clan meine Heimat Island und den ganzen Norden Skandinaviens terrorisiert. Bekannt wurde er als der Winterschlächter. Damals wusste ich natürlich nicht, dass er es war. Nur, dass die Eindringlinge blutrünstige Wilde waren, die plünderten, raubten, vergewaltigten und Dutzende Dörfer niederbrannten.

Und jetzt schlief der Winter-Arsch zwei Zimmer neben meinem! Er arbeitete auf der Farm und deckte den Tisch fürs Abendessen und solche normalen Dinge. Das war echt gruselig. Und natürlich zum Dahinschmelzen. Aber ich hatte so meine Zweifel, ob seine derzeitige »zivilisierte« Seite wirklich echt war oder sich nicht womöglich auflöste wie billiges Make-up im Regen. Und dann würde der Berserker zum Vorschein kommen, von dem ich wusste, dass er irgendwo unter der Fassade tobte.

Ich füllte das Glas, stellte den Sack vorsichtig zurück auf den Tisch und schraubte den Deckel auf das Gefäß. Ich hatte schon einen ganzen Haufen schnippischer Bemerkungen auf den Lippen und noch vor zwei Monaten hätte ich sie auf ihn losgelassen, wie James Bonds Auto Nägel verschießt. Aber ich versuchte, erwachsen zu werden. Mich zu verändern. So klischeehaft das jetzt klingt und ungeheuer anstrengend ist es zu allem Überfluss auch – noch hatte ich nicht das Weite gesucht. Und solange ich hier war, musste ich mich bemühen.

»Ich weiche den Dingen gern aus«, sagte ich daher ehrlich.

»Du kannst nicht allem ausweichen. Du kannst nicht mir ausweichen.«

Er war mir so nah, dass ich durch das Flanellhemd seine Körperwärme spüren konnte. Ich wusste, dass unter dem Hemd seine harte, glatte, gebräunte Haut lag, Haut, die ich berührt und geküsst hatte. Ich verspürte ein fast unbezähmbares Verlangen, mein Gesicht an seine Brust zu pressen und mit den Fingern über die Brandnarbe zu fahren, von der ich wusste, dass er sie hatte. Die Narbe, die perfekt zu der Verbrennung auf meinem Nacken passte. Jene, die ich mehr als vier Jahrhunderte lang versteckt hatte.

»Das könnte ich, wenn du mich in Ruhe lassen würdest«, erwiderte ich gereizt.

Einen Moment lang war er still und ich spürte, wie er mich mit seinen goldenen Augen musterte. »Ich werde dich nicht in Ruhe lassen.« Versprechen? Drohung? Keine Ahnung.

Stimmen, die sich der Küche näherten, retteten mich davor, mir einen besseren Spruch ausdenken zu müssen.

Das Haus, River’s Edge, war früher ein Versammlungshaus der Quäker gewesen. Im Erdgeschoss gab es ein paar Büros, einen kleinen Arbeitsraum, ein Wohnzimmer, ein großes, schlichtes Esszimmer und diese etwas unzureichende Küche, die anscheinend in den 1930er-Jahren zum letzten Mal renoviert worden war. Bevor ich herkam, hatte ich in einer teuren, sehr angesagten Wohnung in London gelebt, von der aus man einen irren Blick auf Big Ben und die Themse hatte. Ich hatte einen Portier, einen Zimmermädchenservice und eine Catering-Küche direkt im Haus gehabt. Dennoch war mein Leben in River’s Edge irgendwie … besser.

Wie schon gesagt sind hier alle unsterblich und ein lustiger Haufen noch dazu. Na ja, nicht wirklich. Wenn man bedenkt, dass wir alle hier sind, weil unser Leben irgendwann total aus dem Ruder gelaufen ist. Es gibt übrigens wirklich eine River in River’s Edge. Sie ist die älteste Person, die ich je getroffen habe – geboren 718 in Genua, in einer Zeit, in der es dort noch einen eigenen König gab. Selbst unter Unsterblichen ist das – wow. Ihr gehört das Haus. Sie macht das Rehaprogramm mit den Unsterblichen, die mit ihren dunklen Seiten zu kämpfen haben, und sie ist so ziemlich der einzige Mensch auf Erden, dem ich halbwegs vertraue.

Ich bin übrigens vierhundertneunundfünfzig Jahre alt, auch wenn ich aussehe wie eine Siebzehnjährige (und anscheinend auch ihre Reife besitze). Reyn ist vierhundertsiebzig und sieht aus wie ein heißer Zwanzigjähriger.

Die Schwingtür wurde aufgestoßen und Anne, eine der Lehrerinnen, Brynne, Schülerin wie ich, und River kamen herein, lachten und redeten und hatten von der Kälte draußen ganz rote Wangen. Sie hatten Einkaufstüten dabei, die sie auf den verschiedenen Arbeitsplatten abstellten. Eigentlich produzieren wir einen Großteil unserer Nahrung selbst, aber einiges kauft River doch bei Pitson’s, dem Lebensmittelladen im Ort.

»Und ich habe sie gefragt, ob das ein Damenbart ist«, sagte Anne und die anderen lachten sich halb tot. »Wenn Blicke töten könnten, hätte sie mich erledigt.« River lehnte sich gegen die Arbeitsplatte und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.

Reyn murmelte etwas und verschwand durch die Küchentür nach draußen in die dunkle, eiskalte Nacht. Ohne Jacke. Nicht, dass mich das interessierte. Kein bisschen.

»Gott, so habe ich nicht mehr gelacht, seit –« River verstummte, als versuchte sie, sich zu erinnern. Ich nahm an, dass sie dachte, seit Nell (eine andere Schülerin hier) übergeschnappt ist. Sie hatte versucht, mich umzubringen, und musste schließlich mit magischen Beruhigungspillen versehen weggeschafft werden. Jedenfalls vermutete ich das.

»Ist er okay?«, fragte Brynne und deutete zur Tür. »Haben wir euch bei etwas gestört?« Plötzlich weiteten sich ihre braunen Augen neugierig. In der Nacht, in der Nell ausgeflippt war, hatte sie herumgekreischt, dass sie Reyn und mich dabei...



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