Tielmann | R.O.M. 1 - Daemonicus | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: R.O.M.

Tielmann R.O.M. 1 - Daemonicus


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7320-1265-7
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: R.O.M.

ISBN: 978-3-7320-1265-7
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Drei Freunde. Unheimliche Geschehnisse. R.O.M. Die Freunde Remus, Olivia und Meander: kurz R.O.M., bekommen es mit der Angst zu tun. Ein riesenhafter Geist spukt durch Rom. Überall, wo er erscheint, hinterlässt er Krankheit, Siechtum und Hass. Den Freunden stockt der Atem, doch sie müssen herausfinden, was es mit dem Geist auf sich hat. Denn plötzlich steht das Leben von Olivias Vater auf dem Spiel.

Christian Tielmann wurde 1971 in Wuppertal geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg und Hamburg und schreibt seit 1999 sehr erfolgreich Kinder- und Jugendbücher für verschiedene Verlage. Heute lebt er in Köln, wo er bei einem Spaziergang durch das Römisch-Germanische Museum die Idee zur R.O.M. Reihe entwickelte.
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AUFRUHR IN DER ESELSGASSE

Meander wurde schon früh von seiner Mutter geweckt. Das Haus, in dem Meanders Familie lebte, lag auf einem der sieben Hügel in einer der vornehmen Gegenden Roms. Meanders Vater war Architekt und hatte das Gebäude nach eigenen Plänen bauen lassen. Es hatte zwei Stockwerke, einen Innenhof, auch Atrium genannt, einen Garten und jede Menge Zimmer. In diesem Haus lebten Meander und seine Schwester Aurelia, seine Eltern und zahlreiche Sklaven. Die Sklaven waren dazu da, der Familie das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Wobei Meander nicht jeden Sklaven angenehm fand – auf den griechischen Lehrersklaven Besserwisskrates hätte er gerne verzichten können.

An diesem Morgen wurden die Geschwister von Besserwisskrates im Garten unterrichtet. Zum Glück trat Meanders Vater mitten in der Schulstunde aus seinem Arbeitszimmer, das seine Tür zum Garten hin hatte. Senator Gaius Tiberius begleitete ihn. Er war ein alter, feiner Mann, der eine weiße Toga trug, bei der jede Falte auf der Schulter wie angegossen saß. Meanders Vater brachte den Gast, mit dem er offenbar ein neues Haus geplant hatte, zur Haustür und kehrte direkt zurück in den Garten, um nachzudenken.

„Ich habe keine Ahnung, wo der Senator das Grundstück dafür hernehmen will. Sein Haus ist doch ringsherum von Häusern umgeben“, murmelte Meanders Vater, als er mit großen Schritten begann, seine Runden zu drehen.

Denn wenn Architekt Publius Petronius scharf nachdenken musste, sprach er seine Gedanken immer laut aus. Und am besten konnte er denken, wenn er dabei ging. Meander und Aurelia saßen also mit Besserwisskrates auf dem Rasen, während ihr Vater nun durch den Säulengang marschierte, der den Rasen umgab. Sosehr sich der Lehrer auch bemühte, an Unterricht war nicht mehr zu denken. Das Gemurmel von Meanders Vater lenkte seine Schüler zu sehr ab.

„Er bräuchte Platz für dieses Riesenhaus“, brummte Publius. „Aber das soll nicht meine Sorge sein, hat er gesagt. Ob Quintus davon weiß? Quintus sollte wissen, was sein Nachbar plant … Aber ich selbst kann es ihm nicht sagen, ohne den Senator zu verärgern. Was mache ich nun?“ Meanders Vater blieb hinter Besserwisskrates stehen und sah in den Himmel.

„Der wohl größte Redner Roms war?“, fragte der Lehrer in diesem Moment.

„Papa!“, antwortete Aurelia.

Meander musste lachen. Seine kleine Schwester hatte recht: Ihr Vater redete einfach zu viel.

Besserwisskrates sah seine beiden Schüler streng an.

Doch Publius schien die freche Antwort seiner Tochter gar nicht gehört zu haben. Stattdessen rief er geistesabwesend: „Abendessen! Das ist es!“

„Aber Papa!“, sagte Aurelia entrüstet. „Sei nicht so verfressen! Wir haben doch gerade erst gefrühstückt!“

Meander leckte sich die Lippen. Gegen ein ordentliches Abendessen mit Oliven und Käse und gebratenem Fleisch hatte er eigentlich nie etwas einzuwenden. Auch nicht mitten in einer Lateinstunde am Vormittag.

„Meander! Du läufst sofort zu Onkel Quintus und zu Senator Gaius Tiberius und lädst beide für heute zum Abendessen ein!“, bestimmte der Architekt.

„Aber die Lateinstunde …“, wandte Besserwisskrates ein.

Meanders Vater machte nur eine wegwerfende Handbewegung. „Latein reden wir schon seit Jahrtausenden, oder nicht? Da wird es doch auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankommen! Besserwisskrates, du begleitest meinen Sohn sofort zum Haus von Quintus und anschließend zum Senator Gaius Tiberius!“ Publius Petronius machte kehrt und lief auf das Haus zu, um seiner Frau zu sagen, dass er für den Abend Gäste erwartete. Auf halbem Weg blieb er plötzlich stehen, drehte sich noch einmal zu Besserwisskrates um und sagte: „Oder du unterrichtest Meander einfach unterwegs!“

„Papa! Nein! Das geht doch nicht!“, stöhnte Meander. Sein Vater hatte manchmal echt verrückte Einfälle.

„Sehr gute Idee!“, lobte Besserwisskrates und strahlte übers ganze Gesicht.

Sobald sie auf der Straße waren, hörte er nicht mehr auf, Meander mit Cicero und Cato und all diesen besonders römischen Römern zu nerven. Dabei war es ein schöner sonniger Tag! Einen Spaziergang zu Onkel Quintus liebte Meander schon deshalb, weil sein Onkel ganz in der Nähe der Eselsgasse wohnte. Und die Eselsgasse kannte Meander ziemlich gut. Denn dort wohnte seine Freundin Olivia, die Tochter des Schmieds.

Die Stadt stank zwar wie immer nach Pferdepisse und Schweinemist, aber Meander konnte das die Laune nicht verderben. Zum Launeverderben hatte er seinen Lehrer dabei, der immer schön einen Schritt hinter ihm ging und ihm die wichtigsten Zitate von Cicero ins Ohr säuselte.

Meander fand das überhaupt nicht witzig.

Remus hingegen musste kichern, als er es sah. Er war etwas später als Meander aufgewacht und hatte sein Frühstück, das aus einem Stück Brot und einer Tasse Wasser bestanden hatte, runtergeschlungen. Wie jeden Morgen war er anschließend über die Dächer Roms geklettert, bis er auf Meanders Dach angekommen war. Nur war sein Freund an diesem Morgen nicht mehr in seinem Zimmer, sondern schon beim Unterricht im Garten gewesen. Er hatte alles genau beobachtet und war Meander und Besserwisskrates gefolgt. Natürlich oberhalb der Straßen.

Remus musste unbedingt ein wenig näher heran – der Lateinstunden-Spaziergang sah von oben wirklich zu komisch aus …

Meander ging voran, schließlich war er der Sohn von vornehmen Leuten. Und gleichzeitig wurde er von seinem Lehrer genervt, bis er an der Ecke am Eingang der Eselsgasse endlich stehen blieb. Remus kraxelte auf das niedrige Vordach, das dem Laden des Weinhändlers Schatten spendete, um alles mitzuhören. Da sagte sein Freund Meander gerade zu seinem Lehrer: „Dativ, Genitiv, Ablativ! Das ist mir alles völlig egal! Kapiert? Ich will es gar nicht wissen! Ich kann auch ohne dämliche Grammatik richtig sprechen.“

Besserwisskrates bekam einen roten Kopf vor Wut. „Meander! So sprichst du nicht mit mir! Du …“ Der Lehrer hob drohend die Hand.

Remus durchzuckte es wie ein Blitz. Wollte dieser Lehrer etwa seinen Freund Meander schlagen? Niemals würde er das zulassen. Schnell knüpfte er den Strick auf, der seine Tunika wie ein Gürtel zusammenhielt. Er knotete den Strick zu einer Schlinge und wollte ihn gerade um die erhobene Hand des Lehrers werfen, als das Geschrei in der Eselsgasse losging.

„Kommt raus, ihr dreckigen Schweine!“

„Es ist ein Fluch! Ihr habt uns verflucht!“

„Das werdet ihr büßen und bereuen!“

„Zieht euren Fluch zurück!“

„Ihr verdammten Mistkerle!“

Remus richtete sich auf. Er schlang den Strick wieder um den Körper und schwang sich auf das Dach hinauf. Dann sah er hinüber zu Olivias Haus. Eine Menschentraube hatte sich gebildet. Von der Wirtschaft bis zur Schmiede von Olivias Vater standen sie, ballten die Fäuste und schimpften und schrien durcheinander. Als der Wirt den Kopf aus der Tür streckte, flogen die ersten Tomaten und Eier. Aus einem anderen Haus antwortete jemand, indem er oder sie einen gefüllten Nachttopf auf die Straße kippte.

„Scheiße!“, rief jemand unten.

„Stimmt genau!“, tönte es aus dem Zimmer oben. „Also haut ab!“

Auch Meander und Besserwisskrates hatten den Lärm bemerkt. Nur reagierten sie sehr unterschiedlich darauf: Meander wollte sofort ins Getümmel um herauszufinden, was da los war. Besserwisskrates hingegen wollte die Eselsgasse so schnell wie möglich verlassen.

„Das Haus des Senators ist da vorne rechts!“, sagte der Lehrer.

Meander antwortete sehr bestimmt. „Die sind vor Olivias Haus! Ich muss da hin!“

„Kommt nicht infrage! Meander! Stopp! Bleib stehen! Verflixt noch mal, was ist denn heute mit dir los?“ Der Lehrer versuchte, Meander noch zu erwischen. Aber der Junge war schneller. Er flitzte, geschickter als sein griechischer Lehrer ihm das zugetraut hätte, zwischen den vielen Leuten hindurch in das Gewimmel vor der Schmiede – und schien sich plötzlich in Luft aufgelöst zu haben.

Natürlich hatte er das nicht wirklich. Er hatte nur die Hand ergriffen. Die Hand seines Freundes: Remus hatte ihm geholfen, auf die Dächer zu klettern. Und so kraxelten sie beide über das Dach des Wirtshauses bis zur Schmiede. Remus machte das leichtfüßig wie ein Äffchen. Meander kam dabei ganz schön ins Schwitzen und ächzte hinterher.

Für Olivia hatte der Morgen seltsam begonnen. Erst war sie froh gewesen, dass sie überhaupt noch aufgewacht war. Dann hatte sie beim Frühstück ihrem Vater erzählt, was sie heute Nacht erlebt hatte. Aber der Schmied beruhigte sie: „Olivia, Geister gibt es nicht. Ich bin mir sicher, dass das alles nur ein Traum gewesen ist. Träume fühlen sich manchmal wie die Wirklichkeit an.“

Doch da brach ein Tumult auf der Eselsgasse los. Eine schimpfende Meute hatte sich vor der Schmiede versammelt. Titus trat auf die Treppe um nachzusehen, was der Grund für das Geschrei war. Olivia blieb auf ihrem Bett sitzen.

Plötzlich tauchten zwei grinsende Gesichter vor dem Fenster auf: Remus und Meander! Olivia lächelte. Endlich waren sie wieder alle drei zusammen: R.O.M., Remus, Olivia und Meander – die drei besten Freunde Roms.

Von draußen hörte man die Leute schimpfen: „Pack endlich dein Zeug ein und zieh runter zum Marsfeld oder gleich ganz auf die andere Seite des Flusses, Schmied!“

„Und nimm den dämlichen Kupferschmied gleich mit!“

Die Schreie von der Straße waren auch hier im Hinterhaus deutlich zu verstehen.

„Tu das Messer weg!“, rief plötzlich jemand.

„Quintus wird bald hier sein! Messer weg!“

„Kannst du uns mal eben...


Christian Tielmann wurde 1971 in Wuppertal geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg und Hamburg und schreibt seit 1999 sehr erfolgreich Kinder- und Jugendbücher für verschiedene Verlage. Heute lebt er in Köln, wo er bei einem Spaziergang durch das Römisch-Germanische Museum die Idee zur R.O.M. Reihe entwickelte.



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