Thomas | Talon Band 5: Nayla, die Löwin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 62 Seiten

Reihe: Talon

Thomas Talon Band 5: Nayla, die Löwin


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-86305-329-1
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 5, 62 Seiten

Reihe: Talon

ISBN: 978-3-86305-329-1
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Nachdem er die Gefangenen des Sklavenjägers befreit hat, zieht Talon zurück zum Tempel Shions. Dabei stößt er auf einen jungen Mann, der seine Schwester sucht. Nayla allerdings ist mehr als nur ein Mensch - und Talon überlebt den Kampf gegen sie nur knapp. Nur um in die Hände jener Menschen zu geraten, für die Nayla etwas Besonderes darstellt. Denn sie sind die Hüter des Auges des Ra ... Von ihnen erfährt Talon den Hintergrund um die Geschichte Sekhmets und die Aufgabe, der sich diese Menschen bis heute verschworen haben. Und bereit sind, dafür alles zu opfern ... ___ Dieser Roman wurde bereits 2018 veröffentlicht und vom Autor für die vorliegende Fassung neu bearbeitet.

Thomas Talon Band 5: Nayla, die Löwin jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2


Trotz der von Leben strotzenden Vielfalt an Pflanzen, die sie umgaben, war außer dem Rascheln des Unterholzes kein einziger Laut zu hören. Kein Vogelgeschrei, nicht einmal das Summen oder Zirpen von Insekten. Nur ein beständiger, dumpfer Ton, der sich fühlbar auf die Haut legte, erfüllte die Luft.

Schweigend liefen die beiden Männer hintereinander her. Talon konnte das Unbehagen des jungen Mannes deutlich spüren. Es wäre ihm offenkundig lieber gewesen, ohne Begleitung nach seiner Schwester suchen zu können.

Das Misstrauen wuchs in Talon, der unwillkürlich die rechte Hand um den Griff des Messers an seinem Gürtel legte. Dieser junge Mann verschwieg ihm viel zu viel, als dass er bereit war, ihm vorbehaltlos zu trauen. Er war aber auch nicht dazu bereit, abzuwarten und zu sehen, was geschehen würde. Lieber stellte er sich der Gefahr, als völlig von ihr überrascht zu werden.

Senmu beschleunigte seinen Schritt. Ihm setzten die Wunden und die schwüle Atmosphäre, in der die Luft stand, sichtlich zu. Immer wieder taumelte er und kam leicht ins Straucheln, wobei er sich mit der Hand an herunterhängenden Lianen festhalten musste.

Ein bedrohlich leises Grollen erklang aus dem dunkelgrünen Halbschatten vor ihnen, nur wenige Dutzend Schritt entfernt. Talon zog das Kampfmesser aus seinem Schaft. Das leise, metallene Sirren ließ Senmu herumfahren. Er sah die lange Klinge und hob abwehrend die Hand.

»Nein, bitte!«, entfuhr es ihm. »Das brauchen wir nicht!«

Keine drei Schritt vor ihm riss plötzlich das Blätterwerk auseinander. Ein schlanker, mannshoher Schatten jagte durch die Öffnung und landete halb verdeckt im Unterholz. Er strich um den jungen Schwarzen herum. Grollende Laute lösten sich aus seiner Kehle. Dann jedoch wandte er sich Talon zu. Blitzschnell schoss die Gestalt aus dem Dickicht hervor und richtete sich vor dem Weißen auf, der das Wesen ungläubig betrachtete.

Nicht das dunkle Fell des raubtierähnlichen Wesens war es, das so unfassbar schien, sondern die Stofffetzen, die sich um den Körper schlangen. Genauso wie die Schmuckstücke, die in dem fahlen Licht der Umgebung aus der Mähne hervorstachen und sanft aufleuchteten.

»Nayla, nicht!«, rief Senmu.

Talon jedoch war nicht bereit, ein Risiko einzugehen und abzuwarten, ob das Tier auf den Ruf reagierte. Er riss die Klinge des Kampfmessers hoch und richtete die Spitze auf den schlanken Leib des Tieres.

Mit einem heiseren Fauchen spannte das Raubtier seine Muskeln an.

»Nayla, nein!«, erscholl abermals der Ruf des jungen Schwarzen.

Doch das Raubtier, das kaum etwas Menschliches an sich hatte, reagierte nur mit einem bedrohlichen Knurren. Die bernsteinfarbenen Augen leuchteten in einem Feuer, das Talon nur allzu bekannt war. In ihnen loderte die unerfüllte Gier nach Blut, die Bereitschaft zu jagen.

Und zu töten.

Talon schloss die Finger fester um den Griff des langen Kampfmessers. Seine Muskeln spannten sich an, während er das Wesen nicht aus dem Blick ließ. Die wenigen Fetzen hellen Stoffs konnten die eindeutig weiblichen Attribute des schlanken Körpers nicht verhüllen, doch die dunkle Haut schimmerte nur an wenigen Stellen unter dem dichten Fell durch, das ihn an das eines Löwen erinnerte.

Der Kopf jedoch wirkte, als habe man die Züge einer Löwin in das Gesicht gemeißelt, das offensichtlich einer jungen Frau gehören musste. Denn anders als bei einer Löwin wurde der Kopf durch eine Mähne aus langen, dunkelbraunen, fast schwarzen Haaren eingerahmt, die an manchen Stellen noch mit farbigen Stoffbändern zusammen gehalten wurden.

Über die schmalen Lippen des Wesens kamen grollende Laute. Talon zuckte zusammen. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Fast glaubte er, aus den Lauten einen Sinn heraushören zu können.

Sie entstammten jedoch keiner Sprache, die von Menschen gesprochen wurde. Und doch waren sie ihm eigentümlich vertraut. Es war lange her, dass er sie das letzte Mal gehört hatte. Seitdem er von den Löwen ausgestoßen worden war, waren diese Laute nicht mehr Teil seines Lebens gewesen. Doch sie waren verwoben mit einer anderen Sprache, die für ihn keinen Sinn ergab.

Ohne Vorwarnung schoss der schlanke Körper aus dem Dickicht hervor, das ihn bis zur Hüfte verdeckt hatte, und flog auf Talon zu. An den Enden der kurzen Finger konnte er die sichelförmig gebogenen Krallen erkennen, an denen dunkles, getrocknetes Blut klebte. Unter der Haut der dünnen Arme, die tatsächlich an die einer jungen Frau erinnerten, war das kräftige Spiel der Muskeln deutlich zu sehen.

Talon war sich unschlüssig, wie er reagieren sollte. Mit einer fließenden Bewegung tauchte er unter dem Wesen weg und rollte sich durch das spärlich wachsende Gras.

»Senmu!«, rief er dem jungen Mann zu, noch während er sich nach der Raubkatze umsah, deren wütendes Fauchen ob der verpassten Beute in seinem Rücken erklang. »Wenn du kannst, tu etwas!«

Der junge Schwarze, der die letzten Augenblicke wie versteinert gewirkt hatte, stand abseits und hielt sich im Schatten eines hoch gewachsenen Baumes, der von Efeu umrankt wurde. Nur langsam erwachte er aus seiner Starre. Er sah zu, wie sich Talon und das Wesen, das seine Schwester sein mochte, mitten in der Bewegung zuwandten, um den Gegner nicht aus dem Auge zu verlieren.

Die lange Klinge blitzte im fahlen Sonnenlicht, das in breiten Streifen durch die Baumkronen drang, bedrohlich auf. Senmu hob abwehrend beide Arme an und stellte sich vor Talon.

»Nein!«, entfuhr es hilflos seinen Lippen. »Sie dürfen ihr nichts tun! Sie kann nichts dafür! Deshalb sind wir doch geflohen!«

Talon war nicht gewillt, dem jungen Mann zuzuhören. Er hatte von ihm erwartet, dass er seine Schwester aufhalten würde. Nicht, dass er ihm die Sicht versperrte. Seine Augen blitzten verärgert auf. Er versuchte den Schatten hinter der Silhouette des Schwarzen auszumachen, der in dem Gras kaum zu erkennen war.

Senmu sah, wie Talon an seiner linken Seite vorbei wollte, und bewegte sich in dieselbe Richtung, um ihn aufzuhalten. Er setzte noch einmal zu einer Erläuterung an, als ihn ein schwerer Hieb in den Nacken traf. Betäubt taumelte er zu Boden. Nur undeutlich konnte er sehen, wie über seinen Rücken hinweg ein schlanker Schatten nach vorne sprang.

»Nayla, bitte …«, kam es schwerfällig über seine Lippen, während er gegen die aufstobenden Wellen einer Ohnmacht ankämpfte.

Talon verfolgte, wie der junge Mann zusammensackte und im Gras förmlich verschwand. Doch ihm blieb keine Zeit, sich weitere Gedanken über ihn zu machen. Einem Schemen gleich glitt das raubtierhafte Wesen durch die unauslotbare Tiefe der grünen Wand des Dschungels und jagte auf den Weißen zu.

[Die Rache … mein!], lösten sich animalische Laute mit einem Grollen aus der Kehle. Die rechte Pranke zuckte noch im Sprung durch die Luft. Talon wich erneut aus, ohne sein Messer einzusetzen. Er wusste jedoch, es war nur eine Frage der Zeit, bis er gezwungen war, keine Rücksicht darauf zu nehmen, ob er ein menschliches Wesen vor sich hatte oder nicht.

»Nayla!«, rief er dem Wesen zu, ohne zu wissen, ob es ihn verstand. Er hob die linke Hand abwehrend an und verdeutlichte damit, nicht kämpfen zu wollen. Ein kurzer Seitenblick zeigte ihm nicht wie erhofft, ob ihr Bruder noch bei Bewusstsein war und ihm helfen konnte.

Das Löwenwesen zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und strich auf zwei Beinen um den hochgewachsenen Mann herum. Geifer tropfte über die dunkle Unterlippe. Talon suchte in den dunkel leuchtenden Augen des Tieres nach einer Bereitschaft, mit ihm zu kommunizieren. Doch das Wesen schien sich vor ihm vollkommen zu verschließen.

Seine zögernde Haltung ermutigte das Raubtier. Es preschte vor und hieb seine Klauen nach dem nackten Oberkörper, der in der feuchten Umgebung vor Schweiß glänzte. Talon schrie unterdrückt auf, als sich die Krallen in seine Haut bohrten und rote Streifen über den Brustkorb zogen.

Schmerzerfüllt taumelte er zurück und hatte Mühe, seinen Stand nicht zu verlieren. Die Wunde brannte, als würde ihm heißes Metall auf die Haut gegossen. Kurz sah er an sich herab und betrachtete die Ränder der zerfetzten Haut, die noch Momente lang in einem schwach auflodernden Licht unwirklich glommen.

Ein wütendes Knurren kam über seine Lippen. Er wusste nicht, was hier geschehen war, doch er war nicht bereit, sein Leben für ein Wesen zu riskieren, das offensichtlich bereit war, ihn zu töten. Der schlanke, weibliche Körper warf sich herum. Sein Kopf wandte sich zu dem Mann um. Fast schien es, als glitten die Züge eines triumphierenden Lächelns über die bizarr verzerrte Mimik.

Sofort wollte das Wesen ein weiteres Mal nachsetzen. Doch nun war Talon auf den Angriff vorbereitet. Er tauchte unter dem nächsten Hieb weg und stieß gleichzeitig die Klinge seines Kampfmessers nach oben. Ein helles Kreischen, in dem sich Überraschung und Schmerz vereinten, durchschnitt die Szenerie.

Talon konnte sehen, wie das Wesen mühsam auf allen Vieren landete und einen Schritt zurücktaumelte, wobei es sich die rechte Schulter hielt. Ein breiter roter Faden löste sich unter der verdeckenden Hand und floss über das kurze Fell hinab, das die Flüssigkeit rasch aufsog.

Die Augen blitzten wuterfüllt auf. Aus dem Stand heraus preschte das Raubtier auf den Mann zu, der den Angriff auf sich zukommen ließ.

Erst im letzten Augenblick stieß er sich selbst ab und warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen den deutlich kleineren Körper. Dennoch presste ihm der Aufprall die Luft aus den Lungen, und ein Schmerz durchzog seine rechte Seite.

Beide Körper wirbelten durch die Luft und...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.