E-Book, Deutsch, Band 3, 84 Seiten
Reihe: Talon
Thomas Talon Band 3: Der ewige Wächter
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-86305-327-7
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3, 84 Seiten
Reihe: Talon
ISBN: 978-3-86305-327-7
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nur widerwillig nimmt Talon Shions Platz ein - und damit die Herrschaft über die uralte Tempelanlage. Er kann nicht ahnen, dass der Fremde, der ihm zum Sieg über den schwarzen Löwen verholfen hat, diesen Platz für sich beansprucht und auf dem Weg zum Tempel ist. Eser Kru bringt während des Initiationsrituals den Tempel in seine Gewalt und inhaftiert Talon sowie alle Gefolgsleute Shions. Talon kann schwer verletzt fliehen und wird von Akheem, einem alten Mann in den Bergen, gesund gepflegt. Zur gleichen Zeit muss Eser Kru erleben, dass die Stämme nicht gewillt sind, sich ihm bedingungslos zu unterwerfen - und so nutzt er seine Magie, um die alten, verborgenen Kräfte im Tempel freizusetzen ... ___ Dieser Roman wurde bereits 2018 veröffentlicht und vom Autor für die vorliegende Fassung neu bearbeitet.
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Kapitel 1
Etienne Devereux beschlich ein ungutes Gefühl.
Er hielt sich mit beiden Händen am Geländer des Panzerwagens fest, der sich mit ruckartigen Bewegungen seinen Weg entlang des Weißen Nils bahnte. Ein kurzes Tippen auf die Schulter seines Fahrers wies diesen an, anzuhalten. Mit dem rechten Ärmel wischte sich Devereux den Schweiß von der Stirn. Er vermischte sich mit dem Staub auf seinem Gesicht und zeichnete dunkle Linien auf die Haut.
Der Motor des schweren Fahrzeugs röhrte kurz auf. Die Kettenpanzer gruben sich in den trockenen, lehmigen Boden, dann stand der Wagen still. Durch den aufgewirbelten Staub versuchte Devereux etwas zu erkennen. Doch das Gelände lag genauso verlassen vor ihm wie das gesamte Gebiet, das sie in den letzten zwei Tagen passiert hatten.
Unschlüssig sah sich der französische Major der UNO-Blauhelmtruppen um. Die Einheit, die er kommandierte, patrouillierte entlang der Grenzregion zwischen dem Sudan und dem Südsudan, um eine der zahllosen brüchigen Waffenruhen der letzten Jahre zu überwachen.
Offiziell sorgte man für den Schutz der Zivilbevölkerung, hatte inzwischen aber alle Hände voll damit zu tun, illegalen Geschäften und Schmuggelaktionen auf den Grund zu gehen.
Doch dieser Auftrag war anders.
Es war etwa eine Woche her, dass das Militär über Unruhen in diesem Abschnitt der Grenze informiert worden war. Berichten zufolge war es zu Stammesfehden gekommen, die sich ausweiteten. Die Kommentare berichteten von einem Anführer, der die ethnischen Unruhen ausnutzte und damit begann, ein eigenes Machtgebiet aufzubauen. Danach waren die Kontakte abgerissen, und seitdem hatte man aus der Region keine Informationen mehr erhalten.
Devereux schürzte die Lippen. Für solch einen Einsatz hatte seine Einheit weder das nötige Mandat noch die entsprechende Bewaffnung. Sollte sich irgendein Clanführer hier ein Territorium abstecken, in dem er ungehindert herrschen wollte, hatten die Blauhelmtruppen keine Möglichkeit, ihn aufzuhalten. Und das Regime in Juba war bereits zu sehr in innere Unruhen verstrickt, um noch Truppen entsenden zu können.
Das französische Militär hatte sich in einer inoffiziellen Absprache mit seinen NATO-Verbündeten dazu entschlossen, eine Einheit Fallschirmjäger zu den Koordinaten zu schicken. Der Kontakt war jedoch wenige Stunden nach der Landung abgerissen. Auch die anschließende Luftaufklärung hatte keine Hinweise geliefert. Es schien, als sei das ganze Kommando spurlos verschwunden. Deshalb wurden nun die stationierten Blauhelmtruppen unter Devereux hinterhergeschickt.
Der befehlshabende UNO-Brigadier in Khartum war sich sehr wohl bewusst, dass dieser militärische Aufmarsch vor dem Sicherheitsrat für Empörung sorgen würde, sollte er bekannt werden.
Doch sollten die Waffen einer ganzen Einheit in die Hände von Milizen gefallen sein, hatten sie weitaus größere Probleme als eine offizielle Anhörung.
Devereux war inzwischen seit fünf Jahren in diesem Land. Er hatte die meisten Regionen in dieser Zeit bereist und glaubte, langsam ein Gespür für die Menschen hier bekommen zu haben. Damit hatten sich auch seine Vorgesetzten überzeugen lassen. Sie wollten das Risiko von Spannungen so gering wie möglich halten. Niemand wollte ein Ausbreiten des Bürgerkriegs in dieser unsicheren und schwer zugänglichen Region Afrikas riskieren.
Devereux warf einen Blick über die Schulter. Hinter ihm war das gesamte Regiment zur Ruhe gekommen. Eine Kolonne von gut einem Dutzend Transportlastwagen zog sich wie eine strahlend weiße Perlenschnur durch das ockerfarbene Gelände, flankiert von mehreren Panzerwagen, deren Waffenstände mit schweren Maschinengewehren besetzt waren.
Der Major wollte sich auf kein Abenteuer einlassen. Unruhen dieser Art waren für dieses Land nicht ungewöhnlich. Aber es gab keine aktuellen Berichte von bewaffneten Zwischenfällen. Das machte ihn misstrauisch. Er glaubte nicht an islamistische Übergriffe, auch wenn sie sich im Grenzgebiet zum Sudan befanden.
Devereux konnte sich zudem keinen Reim auf die verlassenen Dörfer machen, die sie seit Tagen passierten. Die Häuser sahen aus, als ob sie die Menschen mitten in der Arbeit fluchtartig verlassen hätten. Zahlreiche Fußspuren führten in die schwer zugänglichen Bergregionen. Es gab allerdings keinerlei Anzeichen für Kampfhandlungen oder Opfer. Und dasselbe Bild bot sich ihm nun hier.
Ujeme war ein kleines Fischerdorf, dessen Häuser sich entlang der Flussbiegung aneinanderreihten. Doch weder an den flachen Booten noch vor den einfachen Hütten waren zu dieser frühen Morgenstunde Menschen auszumachen. Alles lag verlassen vor ihm wie die vergessene Kulisse eines längst fertig gestellten Kinofilms.
Devereux griff zum Mikrofon seines Funkgeräts und befahl einem seiner Leutnants in den Lastern, einen Erkundungstrupp vorzuschicken. Unweit des Dorfes waren die Fallschirmjäger abgesprungen. Wenn es ein Lebenszeichen von ihnen geben musste – oder zumindest irgendwelche Spuren, die auf sie hindeuteten –, dann hier. Er drehte sich um und sah, wie sich vier bewaffnete Soldaten von einer der hinteren Ladeflächen lösten. Eine innere Unruhe erfüllte ihn.
Die Luft schien zu knistern und war trotz der anhaltenden Stille erfüllt von einer Vielzahl undeutbarer Geräusche. Der Offizier griff zu seinem Fernglas und verfolgte die Männer, die sich aufgeteilt hatten und im Schatten der ersten Häuser verschwanden. Unbewusst kaute er auf seiner Unterlippe. Sein Herz schlug spürbar in seiner Brust.
Die Druckwelle erwischte ihn vollkommen unvorbereitet.
Das Metall des Panzerwagens kreischte unter den massiven Stößen. Devereux fluchte und hielt sich nur mit Mühe am Geländer fest. Sein Fernglas schlug auf einer Kante des Fahrzeugs auf und verschwand im Staub des Bodens.
Aus den Augenwinkeln musste er mit ansehen, wie mehrere Lastwagen einfach zur Seite gedrückt und umgeworfen wurden. Die schweren Fahrzeuge rutschten das flache Ufer entlang und blieben im Schlamm des Flusses liegen. Schreie erfüllten die Luft. Er wusste, dass er schnellstens Ordnung in die Reihen bringen musste. Dabei wusste er selbst nicht, was geschehen war.
Er hatte keine Explosion gehört, die solch eine Druckwelle ausgelöst hätte. Devereux griff nach dem Funkgerät, doch aus dem Lautsprecher drang nur Rauschen. Wütend warf er das Mikrofon zur Seite. Sein Fahrer sah ihn mit einem unsicheren Blick an. Was sollte er dem Mann sagen?
Im nächsten Augenblick schleuderte eine zweite Welle den Major nach vorne. Er prallte hart gegen eine Kante und schrie schmerzerfüllt auf. Rote Schlieren tanzten vor seinen Augen, als er den Kopf anhob. Ungläubig sah er, wie mehrere der Fahrzeuge wie von unsichtbaren Kräften emporgehoben und durch die Luft geschleudert wurden. Menschen purzelten wie Puppen aus den Lastwagen. Die meisten von ihnen schlugen auf dem Boden auf und blieben regungslos liegen.
Noch immer hielt er sich an dem Gedanken fest, einen Gegenangriff zu befehlen. Ohne auch nur einen Anhaltspunkt zu haben, gegen wen.
Er blickte auf die Lehmhütten, die durch die Druckwellen völlig zerstört worden waren. Strohfasern und geborstene Holzbalken hoben sich wie ein verworrenes Gespinst vor den wabernden Staubwolken ab, die den Himmel verdeckten. Devereux hustete, als die Schwaden sein Fahrzeug erreichten und ihn einhüllten. Er schützte seine Augen so gut er konnte und versuchte noch etwas zu erkennen.
Zuerst glaubte er an eine Täuschung, doch dann nahmen die Schatten, die sich aus dem staubigen Nebel lösten, feste Gestalt an. Männer und Frauen, gekleidet in knappe Trachten, die der Franzose gelegentlich bei Folklorevorführungen gesehen hatte. Doch bei diesen Anlässen hatten die Farbigen keine Waffen getragen.
Schwere, archaisch anmutende Lanzenspitzen leuchteten im fahlen Licht der Sonne. Die Schatten säumten nun das gesamte Blickfeld des Majors. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte. Er war es gewohnt, gegen moderne Waffen vorzugehen. Doch diese Gegner wirkten, als stammten sie aus einer anderen Zeit …
Nun zeichnete sich ein weiterer Schatten hinter den Menschen ab. Der Hüne, der sich aus dem Staub löste, mochte alle anderen um nahezu zwei Kopflängen überragen. Ein unheimliches Leuchten umgab seinen halbnackten Körper, dessen sehnige Muskelpakete beinahe unwirklich wirkten.
Der Mann hob nur stumm eine Hand. Dann lösten sich die Farbigen mit einem vielstimmigen Schrei aus dem Nebel und begannen ihren Angriff …
Mit einem Tuch tupfte Amos Vanderbuildt den letzten Rasierschaum aus dem Gesicht. Er verließ das Badezimmer und schritt durch das in dunklen Tönen gehaltene Schlafzimmer. Achtlos warf er das Tuch auf das breite Bett und öffnete dann eine der verspiegelten Türen des Schranks, der in die gesamte Länge der Wand eingelassen war.
Es war noch früh am Morgen, dennoch war der Mann um die Fünfzig nach knapp vier Stunden Schlaf wieder auf den Beinen und hatte vor dem Duschen bereits mehrere Unterlagen für eine anstehende Konferenz am Vormittag durchgelesen. Vanderbuildt trieb sich selbst noch härter an als die Mitarbeiter, die er überdurchschnittlich gut bezahlte, dafür aber auch die entsprechende Leistung erwartete.
Nachdem er sich angekleidet hatte, ließ er sich von seinem schwarzen Hausdiener ein knappes Frühstück servieren. Während er einen Kaffee trank, schalteten sich automatisch mehrere Monitore ein, auf denen die wichtigsten internationalen Wirtschafts- und Börsenkanäle gleichzeitig abliefen.
Er strich durch seinen grau melierten Backenbart und achtete nur beiläufig auf das Stimmengewirr der Nachrichtensprecher. Die kleine Essdiele ging direkt in das Büro über, das er sich...




