E-Book, Deutsch, Band 1656, 160 Seiten
Reihe: Bianca
Thomas Nie mehr ohne dich
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-888-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1656, 160 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86349-888-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Kuss wie ein Erdbeben! Heather und Royce sind seit Jahren gute Freunde - aber plötzlich ist alles anders. Als sich an einem lauen Abend auf seiner Ranch ihre Lippen berühren, weiß Heather: Nie mehr möchte sie diesen Mann loslassen! Doch am nächsten Tag ist er verschwunden. Ist das Ende ihrer Freundschaft der Preis für diese Nacht? Drei Jahre sind seitdem vergangen, drei Jahre der Ungewissheit für Heather. Als sie ihn nun in ihrer Heimatstadt endlich wiedersieht, setzt sie alles auf eine Karte und gesteht ihm: 'Ich liebe dich!' Ein zweiter Kuss, ein zweites Beben, eine zweite Chance?
Marin wuchs im Mittel-Westen von Janesville, Wisconsin auf. Typisch für echte Stadtkinder war alles, woran Marin denken konnte, Janesville nach der Highschool zu verlassen. Sie war optimistisch, dass die Welt mehr als das bot, was sie bis dahin gesehen hatte. Sie spielte Basketball an der Universität von Missouri in Columbia wo so auf eine Journalistenschule ging. Sie wechselte zur Universität von Arizona in Tucson wo sie im Mittelfeld für die 'Lady Wildcats' spielte. Marin Thomas wurde im Mai 2005 in die Janesville Sports Hall of Fame für ihre Basketball-Erfolge aufgenommen. In Arizona entwickelte sie ein Interesse am Schreiben und machte nebenbei noch Erfahrung im Radio- und Fernseh-Journalismus. Nach ihrem Universitätsabschluss heiratete sie ihre College - Liebe in einer Fünf-Minuten-Zeremonie in Las Vegas. Über die Jahre hatte sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Jobs gemacht. Leiterin einer Handwerker - Firma, Managerin und Lehrerin. Durch den Beruf ihres Ehemannes, einem erfolgreichen PR - Manager, zogen sie sehr viel um. Arizona, Kalifornien, New Jersey, Colorado, Texas und Chicago, wo sie immer noch wohnen. Marins Herz ist immer noch im Kleinstadtleben verankert, welches sie auch oft in ihren Büchern beschreibt.
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1. KAPITEL
„Auf die Plätze. Fertig. Los!“ Das war das Kommando für Heather, so schnell wie möglich auf allen vieren zum vorher ausgemachten sicheren Punkt über den blauen Teppichboden zu krabbeln – und damit begann jedes Mal die wilde Jagd. Die Vorschüler im Hort waren ganz versessen auf dieses Spiel. Noch bevor Heather ihr Ziel erreichen konnte, tobten die Kinder hinter ihr her, um sie zu fangen. So auch heute: Quietschend vor Vergnügen warfen sich die Kleinen auf sie.
„Entschuldigung, Heather.“
Sie lugte aus dem Knäuel von Kinderarmen und – beinen hervor und erkannte die Schuhe ihrer Chefin, nur Zentimeter von ihrer Nase entfernt. „Ja, Mrs. Richards?“
„Da ist jemand für Sie. Kommt, Kinder. Es gibt etwas zu essen.“
Eines nach dem anderen lösten sich die Kinder von Heather und verließen den Raum. Seufzend blieb sie erschöpft einen Augenblick auf dem Boden liegen. Als sie den Kopf zur Seite drehte, fiel ihr Blick erneut auf ein Paar Schuhe. Doch jetzt waren es abgewetzte Cowboystiefel.
Ganz langsam ließ sie ihren Blick aufwärts wandern, über die muskulösen Oberschenkel, die silberne Gürtelschnalle und das hellblaue Westernhemd. Und dann sah sie ihm in die Augen – und mit einem Mal durchströmten sie die Erinnerungen.
„Heather.“
Als Antwort brachte Heather lediglich ein Lächeln zustande.
Tief hatte er den abgetragenen schwarzen Stetson ins Gesicht gezogen. Sein Blick wirkte ernst und undurchdringlich, als er sie unverwandt ansah.
Wollte er etwa so tun, als hätten sie sich nie geküsst? Nun, wenn er Spielchen spielen wollte – das konnte sie ebenso gut wie er. „Hallo Royce“, gab sie betont kühl zurück.
Ihr stockte der Atem, als sie bemerkte, dass sein Blick auf ihrem nackten Bauch ruhte. Royce schien wie gebannt von dem silbernen Schmetterlingsstecker, der ihren gepiercten Bauchnabel schmückte. Sie holte tief Luft und schloss die Augen, doch selbst sie bemerkte, wie ihre Lider flatterten. Angestrengt versuchte sie, ihre Gedanken zu sortieren. Vor drei Jahren hatte dieser Mann ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt. Ihre plötzliche Nervosität war ein sicheres Zeichen dafür, dass sie es nicht geschafft hatte, die Vergangenheit – oder vielmehr diesen Mann – hinter sich zu lassen.
Mit einem Seufzer erhob sie sich, zupfte zuerst ihr T-Shirt und dann ihren Pferdeschwanz zurecht. Der hochgewachsene und breitschultrige Bürgermeister von Nowhere bot einen merkwürdigen Anblick im Spielzimmer ihrer Vorschulgruppe. „Hätte ich gewusst, dass du kommst, hätte ich mir freigenommen.“ Großartig, nun musste er glauben, sie hätte all die Jahre nur darauf gewartet, ihn wiederzusehen.
Er zog eine Augenbraue hoch. „Manche Dinge ändern sich nie.“
„Was willst du damit sagen?“
„Ich hatte dir eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen.“
Machte dieser arrogante Sturkopf ihr etwa Vorwürfe, weil sie ihren Anrufbeantworter nicht abgehört hatte? Sie verdrehte die Augen. „Wie ich sehe, hast du dich nicht verändert. Der gute alte Royce hält mal wieder Volksreden.“
„Das müsste ich nicht, wenn du dich entschließen würdest, erwachsen zu werden.“
Zum Küssen war ich aber anscheinend vor drei Jahren schon erwachsen genug, schoss es ihr durch den Kopf. „Nur zu deiner Information: Die Arbeit hier in der Kinderbetreuung ist kein Job, für den ich Geld bekomme. Er gehört zu meinem Studium.“
Heather wartete auf eine Antwort, doch sie erhielt keine. Stattdessen bemerkte sie, wie er einem der Jungen nachblickte, der etwas aus dem Raum geholt hatte. Seine tieftraurige Miene erschreckte sie so sehr, dass sie ihn am Ärmel zupfte.
Im selben Moment musste sie daran denken, wie Royce sie weinend hinter dem Laden ihres Vaters entdeckt hatte. Damals hatte er ihr seinen Ärmel angeboten, damit sie sich die Tränen daran abwischen konnte. Seit diesem Augenblick war Royce ihr Held gewesen.
Später, als er dann begonnen hatte, sich in alles einzumischen, hatte sie mit allen Mitteln versucht, ihn loszuwerden. Glücklicherweise ohne Erfolg, wie sie sich heute eingestehen musste. Eines stand fest: Hätte Royce nicht eingegriffen und sie vor den größten Dummheiten bewahrt, hätte sie ihr Leben für immer zerstört. Allein deswegen zügelte sie ihre allmählich wachsende Ungeduld. „Hör mal, wenn du mir Vorhaltungen machen willst, weil ich nächste Woche nicht mit allen anderen die Abschlussprüfung ablege …“
„Du machst jetzt keine Prüfung?“
Als ob er das nicht gewusst hätte! „Das ist doch ziemlich offensichtlich. Oder hast du von mir eine Einladung zur Abschlussfeier bekommen?“
Er rieb sich den Nasenrücken. „Ich habe angenommen, du hättest mich einfach nicht eingeladen.“
Dachte er wirklich so schlecht von ihr? Dass sich aus der innigen Vertrautheit an jenem Nachmittag vor drei Jahren nichts zwischen ihnen entwickelt hatte, war doch kein Grund, ihn nicht zu ihrer Abschlussfeier einzuladen. Schließlich hatte sie ihm während ihrer rebellischen Jugend so viel zugemutet, dass er es ganz einfach verdient hatte, dabei zu sein, wenn sie ihre Urkunde in Empfang nahm. „Wenn alles nach Plan verläuft, mache ich im Spätsommer mein Examen.“
„Darf man fragen, in welchem Fach?“
„Psychologie.“
„Wie bitte?“, fragte er ungläubig.
„Psychologie mit dem Schwerpunkt auf Familien- und Kindertherapie.“
Er schwieg. Anscheinend hatte ihm diese Neuigkeit die Sprache verschlagen.
„Was ist los mit dir?“, wollte sie wissen. „Du scheinst zu glauben, ich könnte nicht mit Kindern umgehen.“
„Heather, du bist doch selber noch ein großes Kind.“
„Menschen ändern sich. Sicher war ich früher nicht gerade das Musterbeispiel eines braven Mädchens. Aber meine Erfahrungen können mir bei der Arbeit mit Kindern nur nützlich sein.“ Sie machte eine Pause. „Außerdem liebe ich Kinder.“
Seufzend nahm er den Hut ab und fuhr sich durch das kastanienbraune Haar, das sich an den Schläfen allmählich grau färbte.
„Du hast graue Haare bekommen“, bemerkte sie erstaunt.
Royce lächelte amüsiert. „Und jedes einzelne davon verdanke ich dir.“
Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr gelang es ihr, hinter die Fassade zu schauen. Die strengen Linien um seinen Mund deuteten eher auf Erschöpfung als auf Zorn hin. Sie vermutete, dass Kopfschmerzen – und nicht etwa Gefühle der Enttäuschung – für die tiefe Falte auf seiner Stirn verantwortlich waren. Und sicher deuteten die dunklen Ringe unter den Augen nicht auf Verzweiflung, sondern auf schlichte Müdigkeit hin.
Statt unnahbar und energisch wie früher wirkte er heute erschöpft und besorgt. Wie war das möglich? Royce McKinnon war immer unerschütterlich gewesen. Wie ein Fels in der Brandung.
Er sah auf seine Uhr. „Können wir irgendwo ungestört reden?“
„Ich habe in einer Viertelstunde Feierabend.“
„Ich warte draußen auf dich.“
Einen Augenblick lang schaute sie ihm beunruhigt nach. Dann beeilte sie sich, Mrs. Richards beim Aufräumen zu helfen.
Kurze Zeit später saß sie auf dem Beifahrersitz des großen Trucks, den Royce durch die schmalen Straßen des Universitätsviertels lenkte.
Seit sie losgefahren waren, hatte er nicht ein einziges Wort mit ihr gewechselt. Er war nie besonders gesprächig gewesen, was sie sonst auch nie gestört hatte. Aber diesmal hätte sie nur zu gern gewusst, was gerade in seinem Kopf vorging.
Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Der Duft seines Aftershaves umhüllte sie beinahe wie eine zärtliche Umarmung und ließ Erinnerungen in ihr wach werden. Erinnerungen an einen Kuss …
Als er in die Conner Avenue bog, in der vor allem Studenten wohnten, zeigte sie auf eins der Häuser. „Das gelbe da vorn ist es.“
Royce hielt am Straßenrand vor dem Haus. „Was machen die beiden denn auf deinem Grundstück?“ Mit einer Kopfbewegung deutete er auf zwei junge Männer, die auf der Veranda im Schaukelstuhl saßen und Bier tranken.
„Das sind meine Mitbewohner.“
„Mitbewohner?“, fragte er knapp und biss die Zähne zusammen.
Ohne seiner Reaktion weitere Beachtung zu schenken, stieg Heather aus und ging voran. Auf der Veranda machte sie die drei Männer miteinander bekannt. „Seth, Joe, das ist Royce McKinnon. Er ist der Bürgermeister von Nowhere in Texas.“
„Cool“, sagten die beiden Studenten wie aus einem Munde. Da sie keine Anstalten machten, Royce die Hand zu geben, steuerte Heather eilig auf den Eingang zu.
Royce folgte ihr.
„Das Haus hatte ursprünglich nur zwei Schlafzimmer. Aber ich habe das Wohnzimmer zum dritten Schlafraum umfunktioniert, den ich selber benutze.“ Mit diesen Worten schritt sie hinein und stellte ihre Handtasche auf einen Stuhl in der Ecke.
Für einen kurzen Moment blieb Royce in der Tür stehen und räusperte sich. „Darf ich?“ Ohne die Antwort abzuwarten, trat er ein und schloss die Tür hinter sich. Er schob die Hände in die Hosentaschen und ließ seinen Blick in aller Ruhe über die pfirsichfarbene Tapete und den mintgrünen Baldachin über dem Bett schweifen.
„Du hast ein schönes Zimmer, Heather.“
Ein Kompliment von Royce? Welch ein seltenes Ereignis! „Alles ist besser als die armselige Hütte, in der ich aufgewachsen bin.“
„Wenn ich gewusst hätte, dass dir so etwas wichtig ist, hätte ich dir Geld gegeben. Dann hättest du den Wohnwagen ein bisschen...




