Thomas Medienkultur und soziales Handeln
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-90898-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 315 Seiten, Web PDF
Reihe: Medien . Kultur . Kommunikation
ISBN: 978-3-531-90898-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dass Medienangebote in Alltagskulturen eine wichtige Rolle spielen und als Ressource für die individuelle Orientierung und Sinngebung dienen können, gilt inzwischen als Gemeinplatz. Entsprechend sind Dimensionen sozialen Handelns mit Blick auf die Reproduktion sozialer Beziehungen und Strukturen ohne Berücksichtigung der Medien kaum mehr angemessen zu verstehen. In dem Band werden Verschränkungen von Medien- und Alltagserfahrungen auf unterschiedliche Weise konzeptualisiert und theoretisiert. Verknüpft werden diese Zugänge mit Untersuchungen der sozialen Bedeutung von Medien wie von medialen Deutungsangeboten im Gebrauch. Die Mediatisierung zentraler kultureller Praktiken - etwa der Liebe, Freundschaft, des Glaubens, des Spiels, des Sports, des Umgangs mit dem Körper etc. - wird somit gesellschaftstheoretisch wie empirisch diskutiert.
Zielgruppe
Upper undergraduate
Weitere Infos & Material
Medienkultur und Soziales Handeln: Begriffsarbeiten zur Theorieentwicklung.- Kultureller und gesellschaftlicher Wandel im Kontext des Wandels von Medien und Kommunikation.- Netzwerke der Medien — Netzwerke des Alltags: Medienalltag in der Netzwerkgesellschaft.- Alltag mit Internet und Fernsehen: Fallstudien zum Medienhandeln junger Paare.- „Wir telefonieren jeden Abend . . . das ist uns ganz wichtig.“ Rituale bei der mediatisierten Kommunikation in Paarbeziehungen.- „Det is doch wie Kino.“ Marlon Brandos „Der Wilde“ als Vor- und Abbild jugendlicher Subkultur.- Aspekte der Alltagsdramatisierung in der Medienkultur: Produzierte Wirklichkeiten in mediensoziologischer Perspektive.- Fernsehreifer Alltag: Reality TV als neue, gesellschaftsgebundene Angebotsform des Fernsehens.- Symbiotische Religiosität: Die Jugend-und medienkulturelle Rahmung religiöser Erfahrung auf dem XX. Weltjugendtag 2005 in Köln.- Visual kei: Vom Wandel einer ‚japanischen Jugendkultur‘ zu einer translokalen Medienkultur.- BilderWelten — KörperFormen: Körperpraktiken in Mediengesellschaften.- Körperpraktiken und Selbsttechnologien in einer Medienkultur: Zur gesellschaftstheoretischen Fundierung aktueller Fernsehanalyse.- „. . . daß dieses Alles nicht alles sei.“ Über den Zusammenhang von Werbung, Konsum und Zufriedenheit.- „Das ganze Leben ist ein Quiz.“ Spiele im Fernsehen im alltagskulturellen Kontext.- „Ein Kreuz für Deutschland.“ Chancen und Grenzen unterhaltender Politikvermittlung.- Widerständige Sozialität im postmodernen Alltagsleben: Das Projekt der Cultural Studies und die poststrukturalistische Diskussion.
Medienkultur und Soziales Handeln: Begriffsarbeiten zur Theorieentwicklung (S. 17)
Tanja Thomas &, Friedrich Krotz
„Wen sollte das eigentlich mehr fordern als die Kommunikationswissenschaft selbst?", fragen Imhof et al. (2004: 11) angesichts eines „Imperialismus" der Medien- und Informationsbegrifflichkeiten in allen Makrotheorien. Ist der Begriff „Medienkultur" dann lediglich ein paradigmatischer Ausdruck jener hier diagnostizierten Vorherrschaft, deren Legitimität oder Illegitimität zu prüfen wäre?
Ist die häufig konstatierte „Mediengesellschaft" als konkurrierende oder vielleicht doch auch einander wechselseitig konturierende Begriffsalternative ein produktiver Referenzpunkt einer Auseinandersetzung mit „Medienkultur"? Welche Dimensionen erfassen vorliegende Konzepte des Begriffs „Medienkultur"? Und schließlich: Welche wissenschaftstheoretischen und gesellschaftsdiagnostischen Erwartungen können wir formulieren, welche Potenziale birgt „Medienkultur" als Reflexionsbegriff?
Der vorliegende Text kann keine abschließenden Antworten auf all diese vielschichtigen Fragen liefern, zur begrifflichen Schärfung jedoch wird er einen Beitrag leisten. Derzeit lässt sich den Begriffen „Medienkultur" und „Mediengesellschaft" eher der Wert von Zeitdiagnosen zuschreiben als der grundlegender theoretisch fundierter Konzepte, auf die wissenschaftliche Diskurse aufbauen können. Unseren Ausgangspunkt bildet deshalb die Reflexion der beiden Begriffe, die aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen stammen.
Erhellend ist in diesem Zusammenhang auch die prinzipielle Betrachtung der Konjunkturen gesellschaftlicher Makroperspektiven. Vor diesem Hintergrund rekonstruieren wir Verwendungsweisen dieser beiden Begriffe, die damit übrigens auch selbst als (Kampf-)Feld wissenschaftlicher Auseinandersetzung und Positionierung erkennbar werden.
Dies erlaubt es, den Begriff der „Medienkultur" neben „Mediengesellschaft" zu konturieren und zu begründen, weshalb wir dieses bisher in der Kommunikationswissenschaft kaum ausreichend reflektierte Konzept in den Vordergrund unserer weiterführenden Überlegungen stellen. In diesem Zusammenhang entstehen dann zwei weiterführende Fragen:
Erstens ist zu diskutieren, wie man den statischen Begriff der Medienkultur prozessual fassen kann, um den im Kontext des Wandels der Medien gerade heute nicht ignorierbaren Prozesscharakter kenntlich, fruchtbar und zugänglich zu machen.
In diesem Sinne führen wir den Begriff der Mediatisierung ein. Mediatisierung thematisiert insbesondere den Wandel gesamtgesellschaftlicher, zugleich aber auch individueller medialer Potenziale und darauf bezogener Kommunikationspraktiken auf unterschiedlichen Ebenen.
Die damit zusammenhängenden Folgen für Alltag und Lebensbereiche, Wissensbestände, Identität und Beziehungen der Menschen sowie für Kultur und Gesellschaft werden auch in dem vorliegenden Band sichtbar gemacht: Einige Texte beleuchten exemplarisch Bereiche des Alltagslebens, in denen Medien- und Alltagserfahrungen zu jenen Weisen verknüpft sind, in denen Konsum, Körper und Schönheit, Paar- und Geschlechterbeziehungen, Freundschaften, Spiel, politische Partizipation oder Religion/Glaube erlebt und gestaltet werden.
Zweitens wirft der Versuch eines Zusammendenkens von Mediengesellschaft und Medienkultur die Frage nach ihren gemeinsamen Grundlagen auf – dies verlangt eine Auseinandersetzung mit dem Begriff des sozialen bzw. kommunikativen Handelns, weil alle soziale und kulturelle Wirklichkeit letztlich durch die Menschen produziert wird.
Das Verhältnis von Medienkultur und sozialem Handeln ist schon deshalb komplex, weil auch diese beiden Begriffe vor unterschiedlichen Hintergründen entstanden sind und auch unterschiedlich genau kodifiziert sind: Während „Medienkultur" als vergleichsweise neuer Begriff kulturwissenschaftlich fundiert ist, ist „soziales Handeln" in der Soziologie beheimatet.
Da Mediengebrauch u.E. zutreffend als „kulturelles Handeln im Alltag und für den Alltag" (Weiß 2003: 25) beschrieben werden kann, präzisieren wir schließlich unser Verständnis von „Alltag" im Zusammenhang mit dem entwickelten Verständnis von Medienkultur. Als Modus sozialen Handelns kann „Alltag" als Bezugsrahmen beschrieben werden, in dem die Menschen unter ihren Lebensbedingungen Wandlungsprozesse bewältigen.




