Thomas | Leckerbissen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 155 Seiten

Thomas Leckerbissen

Thriller
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86552-623-6
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

Thriller

E-Book, Deutsch, 155 Seiten

ISBN: 978-3-86552-623-6
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz



»Heute entdeckte ich etwas Schönes und beschloss, es zu zerstören. Ich wollte sehen, wie es in meinen Händen zerbricht und zu meinen Füßen zerbröckelt. Ihr Name ist Emily Vargas.« Emily wird in völliger Isolation gefangen gehalten. Als Teil seiner Konditionierungsmethoden weigert sich ihr Entführer, mit ihr zu sprechen, weil er weiß, wie sehr sich die selbstbewusste Frau nach menschlichem Kontakt sehnt … »Kann ein so schöner Mann ein Monster sein?« Was passiert, wenn alle Gefühle der Lust und des Schmerzes auf den Kopf gestellt werden? Wenn Peitschen Behagen verursachen und Essen zur Strafe wird? »Der erste Tag meiner Gefangenschaft war wie eine Geburt – oder wie Sterben.« Dies ist die Geschichte von Emily, von ihr selbst erzählt. Das ist keine kuschelige Liebesgeschichte. Es geht um echte Sklaverei.
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Eins Der erste Tag meiner Gefangenschaft war wie eine Geburt – oder wie Sterben. Im Endeffekt läuft ja beides gleich ab, mit dem langen Tunnel und dem hellen Licht am Ende. Vielleicht ähnelte es aber auch keinem von beiden. Vielleicht trügt mich nur meine Erinnerung, denn an dem Tag gab es für mich nichts anderes als Dunkelheit. Meine Augen waren verbunden und ich saß auf einem harten Metallstuhl, beide Beine an ein Stuhlbein gebunden und die Arme hinter meinem Rücken gefesselt. Der intensivste Sinneseindruck war die Stille. Sie war wie eine erstickende Decke, unter der ich nicht wegkam. Ich hätte etwas sagen können, um wenigstens meine eigene Stimme zu hören, aber ich wollte nicht schon in den ersten Minuten, nachdem ich das Bewusstsein wiedererlangt hatte, meine Verzweiflung verraten. Ich erinnere mich, wie ich daran dachte, dass Spionagefilme oft so anfingen, mit sensorischer Deprivation – der erste Schritt, um einen Gefangenen dazu zu bringen, seine Geheimnisse auszuplaudern. Aber ich hatte keine Geheimnisse. Ich war ein offenes Buch und vielleicht war gerade das das Problem. Ich hatte durch meine Vorträge einen gewissen Bekanntheitsgrad erworben, war selbstbewusst und wortgewandt. Ein leuchtendes Beispiel für das, was andere gerne wären. Keine Bedrohung für irgendjemanden. Ich hatte ein paar Bücher geschrieben und eine kleine Anhängerschaft treuer Fans um mich geschart. Jemandem würde auffallen, dass ich verschwunden war, spätestens dann, wenn in ein paar Wochen mein nächster Vortrag anstand. Der Tag hatte mit einem solchen Vortrag begonnen. Ein Brunch in einem netten kleinen Restaurant in der Innenstadt von Atlanta war für die Veranstaltung gebucht worden. Ich begann und beendete meine Vortragsreisen üblicherweise in Atlanta, weil ich es von da nicht weit bis nach Hause hatte. Das Publikum bestand überwiegend aus Frauen, meiner vorrangigen Zielgruppe, obwohl ich nie vorhatte, so etwas wie eine »Stimme der Frauen« zu sein. Eine Handvoll Männer waren da, aber ich achtete nicht sehr auf sie. Frauen gehen etwas anders durchs Leben als Männer. Wir sind immer vorsichtig. Es ist nicht so, dass wir rund um die Uhr in elender Panik davor leben, vom nächstbesten Mann vergewaltigt oder umgebracht zu werden; so denken nur die ganz Neurotischen. Aber man weiß nie, was für ein Spinner sich auf einen fixiert. Und trotz aller ermutigenden Reden und der Frauenbewegung sind Frauen doch im Großen und Ganzen immer noch Beute. An dem Punkt befand ich mich gerade: der fast vollständigen Verleugnung, dass es mir passiert war. Mir, die immer so vorsichtig ist. Die immer ihre Türen abschließt, beim Joggen oder Spazierengehen nie Musik auf den Ohren hat, niemals Süßigkeiten von Fremden in Lieferwagen annimmt. Sie wissen, was ich meine. Ich lauschte der Stille und fragte mich, wie zum Teufel das hatte passieren können. Auch andere Dinge gingen mir durch den Kopf. Etwa die Hoffnung, dass ich vielleicht doch ein Regierungsgeheimnis besaß, und sobald ich es ausgeplaudert hatte, könnte ich fröhlich meines Weges gehen. Vergewaltigung. Tod. Verstümmelung. Vielleicht in der Reihenfolge, vielleicht auch nicht. Wobei die Reihenfolge sicherlich besser wäre als Verstümmelung-Vergewaltigung-Tod. Oder Vergewaltigung-Verstümmelung-Tod. Man wünscht sich die Verstümmelung immer nach dem Tod. Der Tod an erster Stelle wäre natürlich das Best-Case-Szenario. Ich hatte genug Frau-in-Not-Filme gesehen und ich war kein McGyver. Ich hatte keine Kugelschreiber dabei, die ich aus meiner Tasche fummeln und zu Kurzstreckenraketen umbauen konnte. Der Fehler, den ich begangen hatte, war sehr dumm gewesen. Ich hatte mein Glas unbeaufsichtigt gelassen. Über solchen Mist müssen Männer sich nie Gedanken machen. Ich schätze, es liegt daran, dass es statistisch gesehen weniger weibliche Psychopathen gibt, die Männern auflauern, als umgekehrt, und die meisten Konfrontationen zwischen Männern laufen eher direkt ab. Wie allen Frauen, die im heutigen Klima der Angst und Abscheu gegenüber Männern aufgewachsen sind, hat man mir beigebracht, mein Glas niemals unbeaufsichtigt zu lassen. Alle Frauen wissen das. Wir wissen es. Selbst wenn man es uns nicht ausdrücklich beibringt, scheint dieses Wissen zum Grundpaket des Frauseins dazuzugehören. Gesunder Menschenverstand im Zeitalter der K.-o.-Tropfen. Zu erwarten, dass wenigstens der einfühlsamste Mann so etwas wirklich versteht, ist so, als würde man von einem Wolf erwarten, die Feinheiten des Kaninchenseins zu verstehen. Trotzdem. Wir glauben immer, es gibt Ausnahmen. Wie diesen Brunch. Aber es gibt keine Ausnahmen. Wenn es so wäre, würde ich nicht an einen Stuhl gefesselt dasitzen und auf das zweifelhaft beruhigende Geräusch meines Ein- und Ausatmens lauschen. Ich musste die ganze Zeit daran denken, wie meine Eltern wohl reagieren würden. Vor einigen Jahren war meine Schwester Katie bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie war taub und konnte den Wagen nicht hören, als er um die Kurve raste. Und der Fahrer war nicht an Glatteis auf der Straße gewöhnt – wie niemand im Süden. Meine Eltern hatten seit Jahren nicht über sie gesprochen, weil sie nicht damit fertigwurden. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sie mein Verschwinden verkraften sollten, und fragte mich, ob sie Gott dafür verfluchen würden, dass er ihnen diese Scheiße zweimal hintereinander antat. In dem Moment öffnete sich quietschend die Tür, genau wie eine Tür in einem Gruselfilm. Zumindest wusste ich jetzt, in was für einer Geschichte ich steckte – sinnlos, mir noch was vorzumachen. Die Schritte seiner Stiefel hallten laut auf dem Betonboden, als er auf mich zukam. Er blieb nicht weit vor mir stehen und die Stille dehnte sich zu einer kleinen Ewigkeit. Schließlich erlag ich dem Zwang, etwas zu sagen. »Warum tun Sie das?« Meine Stimme zitterte, als ich es sagte, und das hasste ich. Ich klang schwach. Ich hatte noch nie in meinem Leben schwach geklungen. Was für eine klischeehafte Frage. Wenn das meine letzten Worte sein sollten, dann waren es ziemlich dumme und unwichtige, aber ich wollte es unbedingt wissen. Warum hatte er mich entführt? Hatte ich irgendeine Vibration ausgestrahlt oder war er einfach nur besessen? Schrie irgendetwas an mir Opfer? Ich hatte immer versucht, den Eindruck zu vermitteln, dass ich keine leichte Beute war. Offensichtlich hatte ich mir nur selbst etwas vorgemacht – es war für ihn lächerlich einfach gewesen, mich in seine Gewalt zu bringen. Aber vielleicht war ich ja auch zu voreilig, wenn ich von vornherein davon ausging, dass mein Entführer männlich war. Theoretisch konnte es genauso gut eine Frau sein. Eine Frau, die eifersüchtig auf meinen beruflichen Erfolg war. Die mich aus irgendeinem imaginären Grund hasste, vielleicht weil ihr Mann mich hübsch fand oder so etwas. Als ob ich die Kontrolle darüber hätte, wer mich hübsch findet. Eine Psychopathin wird immer diesen einen absolut unwahrscheinlichen Grund finden, sich auf einen einzuschießen. Und es ist ja nicht so, dass ich Männer hasse. Es gibt nur einen sehr kleinen Prozentsatz von Männern, die gewalttätig gegenüber Frauen sind, trotz der Leichtigkeit, mit der es ihnen möglich wäre. Die meisten Frauen hassen keine Männer. Und die, die es doch tun, tun es wahrscheinlich nicht, weil so viele Männer Gewalt gegen Frauen ausüben, sondern weil sie es könnten, wenn sie wollten. Dieses Wissen erzeugt eine Art hilfloser Wut in einigen Frauen. Eine Wut, die ich nie verspürt hatte, bis zu diesem Tag. Er hatte noch immer nichts gesagt. Ich hielt diesen inneren Monolog in meinem Kopf, weil ich Angst hatte, etwas zu sagen, das mich das Leben kosten könnte. Oder Schlimmeres. Es war naiv, aber ich wollte daran glauben, dass ich irgendwie den Verlauf der Ereignisse beeinflussen konnte, indem ich das Richtige sagte. Meine Worte, also gerade das, was mich für die Menschen interessant machte, waren nutzloser, als ich einzugestehen bereit war. Meine einzige Waffe war so effektiv wie eine Spritzpistole. Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete, als er näher trat. Da meine Augen immer noch verbunden waren, konnte ich ihn nicht sehen, aber ich wusste, dass er mich beobachtete, mich wahrscheinlich amüsiert betrachtete. Es stank mir, dass er mein Leben in seinen Händen hielt und gleichzeitig amüsiert über mich sein konnte. Ich wartete weiter auf eine Antwort auf die Warum tun Sie das-Frage, aber die Antwort kam nicht. Es gibt ein standardmäßiges Opfer/Täter-Protokoll, eine Art Etikette, wenn man so will. Warum tun Sie das? ist die einleitende Frage, manchmal gefolgt von Schreien oder Weinen. Ich schrie und weinte nicht. Ich wollte meine Energie für die eine entscheidende Gelegenheit zur Flucht aufsparen. Irgendwann würde er einen Fehler machen. Er musste. Nach der Einleitung des Opfers sagt der Täter für gewöhnlich etwas so Schreckliches, dass das Opfer sich wünscht, bloß niemals den Mund aufgemacht zu haben. Dieser Mann jedoch schien aus dem Terror der Ungewissheit Kapital schlagen zu wollen. Denn klar: Wenn er mit mir sprach, entdeckte ich vielleicht etwas Menschliches in ihm, etwas, mit dem ich vernünftig reden konnte, eine winzige, schwache Hoffnung, mit der ich einen Handel abschließen konnte. Eine große, kühle Hand legte sich sanft auf meine Wange. In der Art und Weise, wie er mich berührte, lag keine Gewalt oder Bedrohung. Es war nur...


Thomas, Kitty
Die Amerikanerin Kitty Thomas schreibt Dark Erotic mit literarischem Anspruch. Sie ist die Autorin von bisher 19 Romanen, darunter LECKERBISSEN, einem BDSM-Bestseller über das Stockholm-Syndrom.

Die Amerikanerin Kitty Thomas schreibt Dark Erotic mit literarischem Anspruch. Sie ist die Autorin von bisher 19 Romanen, darunter LECKERBISSEN, einem BDSM-Bestseller über das Stockholm-Syndrom.



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