Thanner | Alpengold - Folge 220 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 220, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Thanner Alpengold - Folge 220

Ihr Herz war noch frei
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-3211-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ihr Herz war noch frei

E-Book, Deutsch, Band 220, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7325-3211-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Leben der hübschen Brandner-Elena gerät von einem Tag auf den anderen aus den Fugen, als sie die Hiobsbotschaft erhält: Ihr Bruder liegt nach einem Sturz in seinem Haus am Walchensee mit schweren Kopfverletzungen im Koma! Und Elena droht, den einzigen Menschen, der ihr lieb und teuer ist, zu verlieren!

Während sie Tag für Tag an Eriks Krankenbett im Spital wacht und in seinem Haus am See übernachtet, wächst in ihr ein böser Verdacht: Kann es sein, dass in der Nacht, in der Erik die Treppe hinunterstürzte, noch jemand im Haus war? Und wo ist die goldene Taschenuhr, die Erik immer bei sich trug?

Seine Nachbarin Irmi will in der Schicksalsnacht etwas Mysteriöses beobachtet haben, dem der junge Dorfpolizist Patrick Schwarze nachzugehen verspricht. Doch in dieser dunkelsten Zeit ihres Lebens vertraut Elena dem Falschen! Und das Drama, das sich schon einmal in Erik Brandners kleinem Hause am See abspielte, scheint sich auf tragischste Weise zu wiederholen ...

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Bitte, bitte, lieber Gott, lass meinen Bruder wieder gesund werden! Er hat noch so viele Pläne für seine Zukunft, aber jetzt liegt er im Krankenhaus und kämpft um sein Leben. Seine Ärztin weiß nicht mehr weiter. Ich habe es in ihrem Gesicht gesehen. Sein Leben hängt am seidenen Faden. Was soll nur werden, wenn er es nicht schafft?

Elena Brandner faltete ihre Hände und flehte den Himmel an, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zu retten. Ihre Eltern hatte sie schon vor sechs Jahren hergeben müssen. Ein Autounfall hatte ihre Familie jäh auseinandergerissen. Seitdem gab es nur noch Erik und sie. Ihr großer Bruder hatte sich um sie gekümmert und ihr beigestanden. Immer. Wenn sie ihn verlor, stand sie ganz allein auf der Welt.

Elena öffnete die Augen und schaute zu dem Kreuz auf dem Altar der Dorfkirche hinauf. Sie sandte ein heißes Gebet zum Himmel und blieb noch eine Weile in der Kirchenbank, bis ihr die Beine einschliefen und die kühle Luft sie frösteln ließ. Draußen schien warm die Sonne, hier im Inneren der Kirche war es jedoch kühl und roch nach Staub und Kerzenwachs. Niemand außer ihr hielt sich hier auf.

Ein Strauß Sommerblumen schmückte den Altar. Doch er konnte den Kummer nicht aus dem Herzen der Dreiundzwanzigjährigen vertreiben. Ihr Bruder war schwer verletzt, und nur ein Wunder schien ihn noch retten zu können.

Das Unglück war an einem sonnigen Sommertag unerwartet über sie hereingebrochen wie eine Lawine. Sie wusste noch nicht genau, wie es hatte geschehen können, aber sie war fest entschlossen, es herauszufinden. Aus diesem Grund verließ sie nun die Kirche und trat hinaus in den warmen Sonnenschein.

Nachdenklich schaute sie sich um. Nur knapp zweihundert Meter entfernt glitzerte das Wasser des Walchensees in der Nachmittagssonne. Die Silhouetten der Voralpen zeichneten sich in der Ferne ab. Insekten summten, und Schmetterlinge tanzten in der milden Luft. Es war ein herrlicher Sommertag. Nichts deutete auf eine Gefahr hin, die irgendwo im Verborgenen lauerte. Doch Elena ahnte, dass der Unfall ihres Bruders kein Zufall gewesen war.

Eine Bäuerin kam die Dorfstraße herunter. Heu klebte an ihren Gummistiefeln, und sie hatte sich ein Kopftuch umgebunden. Sie musterte Elena abweisend.

»Du bist die Schwester von diesem Schmierfinken, nicht wahr?«

»Ich …« Elena stutzte. »Von welchem Schmierfinken?«

»Der Schreiberling, der unser Dorf in der Presse schlechtmacht. Pass bloß auf, dass dir nicht dasselbe passiert wie ihm!«

Erschrocken riss sie die Augen auf. »Wie meinen Sie das? Was soll mir passieren?«

»Wenn du das nicht weißt, kann ich dir auch nicht helfen. Und jetzt geh mir aus der Sonne! Ich hab zu tun!« Mit diesen Worten schob sich die Bäuerin an ihr vorbei und ließ sie stehen.

Bestürzt sah Elena ihr nach. Hatte die Frau ihr soeben gedroht? Oder wollte sie sie lediglich warnen?

Elena schlang die Arme um sich selbst, weil sie trotz der sommerlichen Hitze plötzlich fröstelte. Ratlos schaute sie sich um.

Zwei andere Frauen liefen an ihr vorbei und starrten sie an, wandten sich jedoch rasch ab, als sie merkten, dass Elena zu ihnen hinüberblickte. Es war nicht schwer zu erraten, dass sie kein Interesse daran hatten, sie in ihre Unterhaltung einzubeziehen. Seitdem Elena im Dorf angekommen war, war sie fast überall auf Ablehnung gestoßen.

Noch niemals zuvor hatte sie sich so verlassen gefühlt.

Wie hatte es nur so weit kommen können?

***

Einige Tage zuvor

So wird das nichts!

Irmi Lindner warf sich im Bett herum und seufzte leise. Durch einen Spalt in den Gardinen fiel silbriges Licht in das Schlafzimmer herein. Der Mond stand rund und voll über ihrem Heimatdorf.

Der Nachtwind strich durch das offene Fenster und blähte die Vorhänge, sodass der dunkle Flanellmantel der Nacht von Fetzen hellen Mondlichts durchbrochen wurde. Der stete Wechsel brachte Irmi um den Schlaf. Obendrein sägte ihr Mann im Bett neben ihr einen Wald um. Der Lärm erinnerte an ein Heer aus Forstarbeitern, die jedem Stamm in der näheren Umgebung den Garaus machten. Es grenzte an ein Wunder, dass Greenpeace noch nicht an ihrer Tür geklingelt hatte!

Irmi kniff die Augen zusammen und zählte Schafe. Eins … zwei … Bei zweihundertachtzehn gab sie es schließlich auf und schob ihre dünne Zudecke von sich. Es war zwecklos!

Barfuß tappte sie über den Dielenboden nach nebenan in das Arbeitszimmer, das ihr Mann und sie sich vor einigen Jahren eingerichtet hatten, als ihre Kinder ausgezogen waren und das Haus zu groß für sie geworden war. Das Schnarchen klang hier kaum leiser. Irmi hatte schon überlegt, in einem anderen Zimmer zu nächtigen als Vitus, aber sie mochte nicht allein schlafen. Nicht nach dreiunddreißig Ehejahren.

Sie schaltete den Computer ein. Wenn sie keine Ruhe fand, wollte sie wenigstens etwas Nützliches tun und eine Näh-Vorlage für ein Futteral suchen. Ihre Enkelin trug ständig ein Mobiltelefon mit sich herum, deshalb wollte Irmi ihr eine hübsche Hülle aus Filz schneidern und mit Stickereien verzieren.

Anfangs hatte sie von dem technischen Schnickschnack nichts wissen wollen, den ihr Mann heimgebracht hatte. Einen Computer! Drucker! Router! Wozu brauchten sie das denn bloß? Inzwischen hatte sie jedoch entdeckt, dass das Internet eine Fülle an Informationen bot, wenn man nur gründlich genug suchte. Schnittmuster, zum Beispiel.

Irmi hatte schon zahlreiche Nähvorlagen gefunden: für Hemden, Röcke und Dirndl. Ihre Sachen waren auf den Leib geschneidert, und das war gut so, denn die Konfektionsgrößen im Kaufhaus stimmten meistens nicht mehr. Da konnte man sechs Hosen in der Größe 42 hernehmen und hatte am Ende ein halbes Dutzend verschiedene Weiten und Längen in der Hand. Meistens fielen die Sachen auch noch zu klein aus.

Kein Wunder, dass heutzutage viele junge Madeln an Essstörungen litten! Bei jedem Einkaufsbummel wurde ihnen ja suggeriert, sie seien zu dick!

Während der Computer summend zum Leben erwachte, öffnete Irmi die Balkontür und trat hinaus ins Freie. Sie stützte die Hände auf die Brüstung und sog tief den herb-süßen Duft der Geranien ein, die in den Blumenkästen blühten.

Es war eine milde Sommernacht. Der Walchensee glitzerte im Mondlicht. Das Schu-hu einer Eule wehte durch die Nacht. Irmi liebte ihre Heimat. Das Dorf Walchensee lag am Westufer des gleichnamigen Sees, eingebettet in das malerische Voralpenland. Gepflegte Bauernhäuser schmiegten sich an das Seeufer. Zu den rund sechshundert Einwohnern kamen zahlreiche Urlauber, die sich hier beim Wandern, Segeln oder Skifahren erholen wollten. Manche kamen auch wegen des Goldschatzes, der hier in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen sein sollte. Gefunden hatte ihn allerdings noch niemand.

Für Irmi bestand der wahre Schatz des Sees ohnehin in der unberührten Natur. Viele Wildvögel und Fische waren hier beheimatet, die man in einer solchen Fülle nirgendwo anders fand.

Vom nahen Kirchturm wehten zwei einzelne Glockenschläge herüber. Zwei Uhr in der Nacht …

Versonnen ließ Irmi den Blick schweifen. Plötzlich erhaschte sie aus dem Augenwinkel etwas Helles und stutzte. Im Nachbarhaus war sekundenlang etwas aufgeblitzt. Eine Taschenlampe vielleicht? Alarmiert drehte sie den Kopf, aber das Licht war verschwunden. Hatte sie sich getäuscht?

Vermutlich hat mir das Mondlicht einen Streich gespielt, tat sie die Beobachtung ab. Um diese Uhrzeit ist der junge Mann von nebenan bestimmt nicht mehr wach. Als Journalist steht er meistens früh auf und joggt vor der Arbeit noch eine Runde.

Erik Brandner lebte seit fünf Jahren in dem Luftkurort Walchensee. Er hatte eine alte Fischerhütte gekauft, selbst renoviert und ein richtiges Schmuckstück daraus gemacht. Weiße Mauern, ein Holzbalkon sowie die großzügige Terrasse passten sich harmonisch in die Umgebung ein. Sogar ein Bootsanlegesteg gehörte zu dem Haus. Ein Ruderboot tanzte daran vertäut auf den Wellen.

Unvermittelt wurde nebenan die obere Etage hell.

Offenbar kann Erik auch nicht schlafen, ging es Irmi durch den Sinn. Sie zupfte eine welke Blüte von den Geranien ab und wollte gerade wieder hineingehen, als nebenan ein dunkler Aufschrei die nächtliche Stille zerriss.

»Aaaaah!«

Der Ruf erstarb jäh.

Irmis Blut schien sich in Eis zu verwandeln. Ihre Nackenhärchen stellten sich auf. Und eine Gänsehaut rieselte ihren Rücken hinunter. Was um alles in der Welt war da soeben passiert? Der Schrei hatte nichts Gutes zu bedeuten. So klang ein Schrei in höchster Not!

Die Rentnerin war wie erstarrt vor Schreck, aber dann schüttelte sie die Lähmung ab, wirbelte herum und eilte zurück in das Schlafzimmer. Sie beugte sich über ihren Mann und rüttelte ihn an der Schulter.

»Wach auf, Vitus! Nebenan ist etwas passiert!«

»Wasislos?« Verschlafen regte sich ihr Mann unter der Zudecke und blinzelte.

»So hör doch! Unserem Nachbarn muss etwas zugestoßen sein. Ich habe ihn schreien gehört. Du, ich glaube, er wurde gerade umgebracht!«

»Was redest du denn da, Irmi?« Vitus setzte sich im Bett auf und schüttelte den Kopf, als hätte er Wasser in den Ohren. »Wer wurde umgebracht?«

»Der Erik! Ich habe es genau gehört!«

»Du wirst geträumt haben, Irmi. Vermutlich spukt dir der Fernsehkrimi von gestern Abend noch durch den Kopf. Komm wieder ins Bett! Alles ist gut. Bei uns wird niemand ermordet.«

»Vielleicht...



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