E-Book, Deutsch, Band 164, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Terrid Mythor 164: Tanz der sieben Monde
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9916-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 164, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9916-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, ist er sich seines Auftrags nicht bewusst, denn man hat ihn seiner Erinnerungen beraubt. Erst bei der Begegnung in der Drachengruft wird Mythor dieses klar, und schließlich sorgt das Duell mit Mythors anderem Ich dafür, dass unser Held in seiner Ganzheit wieder ersteht. Damit beginnt Mythor in bekannter Manier zu handeln. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen ist sein erklärtes Ziel. Deswegen sucht unser Held auch die Verständigung mit den verschiedenen Clans des Drachenlands, in das er und Ilfa nach vielen Abenteuern gelangten. Mythors kluges Vorgehen bleibt nicht lange ohne Wirkung, und schließlich führt das Treffen in Feenor, der von Gönner Amburst beherrschten 100.000 Seelen-Stadt, zu einer gemeinsamen Front aller Clans gegen die Invasion der Streitkräfte Xatans und zu einem Sieg. Mythor selbst kann jedoch nicht im Drachenland bleiben. Er macht sich auf die Suche nach Coerl O'Marn, dem alten Freund und Mitkämpfer, und folgt der Spur der Albträume. Mythor gelangt dabei in das geheimnisvolle Land Trazunt. Dort werden alle denkbaren Schrecken wach beim TANZ DER SIEBEN MONDE ...
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1.
Mythor hatte die Fackel zwischen zwei brüchige Mauersteine geklemmt. Ihr Licht holte einen Teil der Ruine aus dem Dunkel, die Mikel als seine Stele bezeichnete, ein schäbiges, vom Wetter zernagtes Mauerwerk. Gräser und andere Pflanzen nisteten in den Ritzen, die vom Regen tief ausgewaschen waren. Am Fuß der Mauer fristete ein Dornbusch ein kümmerliches Dasein, daneben war eine kleine Öffnung zu sehen, durch die die Mäuse in die Ruine eindringen konnten. Eine fette Spinne kam an dem uralten Backsteingemäuer heruntergekrochen, hockte eine Zeitlang auf einem der Zweige und krabbelte dann eilig davon.
Es war still.
Weitab von Morgangor, im Westen der Ruinenstadt, lag Mikels Stele. Es war weit und breit der einzige Platz, an dem Menschen zu finden waren. Während Mythor draußen saß, hockten drinnen die vier Pfader beieinander und tauschten Kenntnisse aus – eine recht einseitige Angelegenheit, da der alte Mikel seine Kameraden an Wissen und Feingespür bei weitem übertraf. Er war vielleicht der kenntnisreichste Pfader, den Mythor jemals getroffen hatte, dazu abgeklärt und lebensklug.
Mythor hätte sich einiges von Mikels Hellsicht gewünscht. Es wäre ihm zustatten gekommen bei seinen Bemühungen, einen tieferen, gemeinsamen Sinn in den Aufzeichnungen zu finden, die Coerl O'Marn als sein Vermächtnis hinterlassen hatte.
Unschlüssig blätterte Mythor. Immer wieder stieß er auf Begriffe, die er nicht kannte, und die aus dem Wortlauf heraus auch keine Deutung zuließen. Unter einem Albtraumhändler konnte sich Mythor inzwischen etwas vorstellen, und wie die von O'Marn beschriebenen »Unterhändler mit den zwei Gesichtern« aussahen, wusste Mythor auch. Aber was war mit RAONACUM gemeint, was wurde als IRIDISTRA bezeichnet? Mythor hatte nicht die leiseste Vorstellung.
Eines aber wusste er – wenn O'Marn trotz dieses in den Aufzeichnungen verankerten Wissens dem Rätsel BUCH DER ALBTRÄUME noch nicht auf den Grund gegangen war, dann hatte Mythor noch geringere Aussichten, da sein Wissensstand geradezu kümmerlich war, verglichen mit dem des Albtraumritters.
Sinn ergab nur ein Teil der Aufzeichnungen, und auch das nur, weil Mythor durch eigenes Erleben Wissen hinzubekommen hatte.
Aus O'Marns Niederschrift ergab sich, dass O'Marn jenseits des Spiegelsees mit dem MOLOCH gerungen hatte. Mythor konnte sich zu gut an das Albtraumgeschöpf erinnern, und wenn er den Blick ein wenig hob, konnte er einen Ausläufer des Spiegelsees erkennen, der sich von Morgangor bis dicht an Mikels Stele hinzog. Jenseits dieses seltsamen Sees gab es ein anderes Land, das Trazunt genannt wurde, die »Welt der tanzenden Monde«, was immer damit gemeint sein mochte.
Bei diesem Kampf mit dem MOLOCH war O'Marn beobachtet worden, von einem »Unterhändler mit zwei Gesichtern«. Mythor verstand jetzt, dass damit einer der Yorvarer gemeint sein musste, vielleicht sogar Hascarid selbst. Außerdem hatte noch ein Vermummter den Streit beobachtet. Einen Augenblick lang hatte er die Kapuze gelüftet und sein Gesicht gezeigt ...
»... eine unglaubliche Verdichtung von zusammengeballten Albträumen«, murmelte Mythor, den Text leise mitlesend.
Wer mochte damit gemeint sein – vielleicht Thoker, der Albtraumhändler? Wenn ja, war es höchst bedauerlich, dass O'Marn auf diese wichtige Gestalt nicht weiter eingegangen war.
Der nächste Absatz in O'Marns Hinterlassenschaft war klar verständlich. O'Marn berichtete darin, dass er glaube, der Gewalt des MOLOCHS entkommen zu sein. Ein fürchterlicher Fehlglaube, denn so erst war es möglich gewesen, dass O'Marn ihn mitgeschleppt hatte nach Cruncalor, Yhsitas Burg.
Mythor klappte den Band zu. Er hatte genug gelesen. Wenn er mehr wissen wollte, dann musste er nach Trazunt, der Welt der tanzenden Monde.
Mythor stand auf. Er klemmte die Schatulle mit O'Marns Vermächtnis unter den linken Arm, griff mit der Rechten nach der Fackel und machte sich auf den Weg zurück.
Die Pfader saßen in der Nähe der Stele, an einem kleinen Feuer im Freien. Mythor konnte sie schon von weitem reden hören.
»Nach Westen also«, konnte Mythor Harlan sagen hören. Mikel nickte zu diesen Worten.
»Ameristan ist das Ziel«, sagte der greise Pfader. »Dort endlich werden wir die Erfüllung unserer Bemühungen erleben. Ihr werdet euch sofort auf den Weg dorthin machen, ich folge später nach.«
»Du willst zuerst Mythor nach Trazunt führen?«, erkundigte sich Gondor. Wieder nickte Mikel.
»Erst danach werde ich ebenfalls nach Ameristan gehen«, erklärte Mikel. Er musste Mythors Schrittgeräusche gehört haben wie die anderen, aber er hob nicht einmal den Kopf, als Mythor zu den vieren trat und sich neben sie setzte.
»Zeit des Abschieds«, sagte Mythor und sah die drei Gefährten der letzten Tage an. Die drei Pfader wichen Mythors Blick ein wenig aus, es hatte den Anschein, als empfänden sie Schuldgefühle.
Selbstverständlich hätte Mythor gern gewusst, was es mit Ameristan auf sich hatte, aber er verzichtete darauf, Mikel danach zu fragen. Wenn der Pfader von sich aus nicht darüber reden wollte, würde er auf Mythors Fragen ohnehin nur ausweichend freundlich geantwortet haben, und Mikel regelrecht auszufragen, scheute sich Mythor.
»Allein werdet ihr es schwer haben«, sagte Gondor und zupfte ein wenig ratlos an seinen Bandagen.
»Wir werden nicht allein sein«, verkündete Mikel. »Ich sagte doch, ich habe Freunde auf der anderen Seite. Noch heute werden sie sich bei mir einfinden.«
»Vagesen?«, fragte Mythor, und Mikel nickte bedächtig.
»Auch Piraten?«
Mikel lächelte.
»Ich kann mich auf sie verlassen«, antwortete er. »Es sind zuverlässige Leute, du kannst ihnen vertrauen.«
»Vertrauen ist gut, Vorsicht besser«, murmelte Antes. Wie immer hatte er für jede Bemerkung eine Redewendung parat, die er als Pfaderweisheit verkündete und die ebenso oft auf Unglauben stieß. Mikel verdrehte die Augen, und Antes verstummte. Der alte Pfader empfand solche Sprüche geradezu als körperlichen Schmerz.
Mikel schloss kurz die Augen.
»Sie kommen«, verkündete er und stand auf.
Einige Zeit verging, bis Mythor sehen konnte, dass Mikel sich nicht geirrt hatte. Dank seiner Pfaderkünste hatte er das Herannahen der Gruppe weit eher bemerkt als die anderen, allen voran Mythor, der nur auf seine Augen angewiesen war.
Eine Gruppe von acht Vagesen näherte sich. Dicht neben dem Feuer setzten die Fluggeschöpfe auf und schritten dann aufrecht auf die Pfader und Mythor zu.
Ihr Anführer war ein bulliger, muskelbepackter Vagese mit einem harmlos freundlichen Gesichtsausdruck, von dem Mythor sich allerdings nicht in die Irre führen ließ. Die Waffen am ledernen Gurt redeten da eine ganz andere Sprache – es waren keine prunkvollen Zierstücke, sondern hervorragend gearbeitete Gebrauchswaffen, denen anzusehen war, dass der Vagese sie des Öfteren in die Hand genommen hatte.
»Arguar«, sagte Mikel freundlich. »Ich heiße dich willkommen.«
Der Vagese begrüßte den Pfader wie einen alten Freund. Seine Männer hielten sich scheu zurück. Es waren Gestalten, denen Mythor nicht seine Geldbörse, wohl aber sein Leben anvertraut hätte – verwegen wirkende Gesellen, die zu jeder Schandtat gegen andere bereit waren, aber untereinander rückhaltlos füreinander einstanden.
»Du hast mich rufen lassen, Mikel. Ich bin dir noch einen Freundschaftsdienst schuldig – was willst du haben? Gold, Juwelen, kostbare Weine oder Prunkgewänder ...«
Mikel lächelte schwach.
»Ich bedarf dessen nicht«, antwortete er. Arguar zwinkerte.
»Wie wäre es mit Mädchen?«, fragte er, den Kopf ein wenig schief gelegt.
»Ich bedarf dessen nicht ... mehr«, antwortete Mikel und erwiderte das Lachen. »Dies ist ein Freund, Mythor. Ich möchte ihn deinem Schutz anvertrauen, wenn ich mit ihm zusammen nach Trazunt gehe.«
Der Vagese marschierte um Mythor herum und begutachtete ihn wie ein Stück Schlachtvieh. Nachdenklich kratzte er sich den kahlen Schädel.
»Meinetwegen«, sagte er schließlich. »Ich stelle ihn unter meinen Schutz, und damit ist dann wohl meine Schuld bei dir beglichen – oder?«
»Ein Dienst ist des anderen wert«, antwortete Mikel und erwiderte den Handschlag. Das Geschäft war besiegelt.
»Bleibt noch eines«, meinte Arguar schließlich. »Weiß er, was ihn drüben erwartet?«
»Ich habe ihn noch nicht darüber aufgeklärt«, antwortete Mikel.
»Das hättest du aber tun sollen, Mikel«, ereiferte sich der Vagese. »Ich brauche dir doch wohl nicht zu erzählen, dass er in den nächsten Wochen leicht seinen Kopf verlieren kann, wenn er sich nach Trazunt wagt. Nicht, dass mir viel daran gelegen wäre, ob er den Lockenkopf unter dem Arm oder auf den Schultern trägt, aber weil er doch dein Freund ist ... es wäre besser, noch zu warten.«
»Wir wollen noch heute aufbrechen«, verkündete Mythor. Arguar sah ihn zweifelnd an.
»Freund«, sagte er dann. »Bei uns neigt sich der Tag dem Ende zu, die Nacht beginnt, und die Schwestermonde beginnen ihren Tanz. Fahlmond geht gerade auf, keine glückliche Zeit, um als Fremder nach Trazunt zu reisen.«
»Ich fürchte mich nicht«, gab Mythor zurück.
»Ich rede nicht von Furcht. Ich rede von Kenntnissen«, antwortete Arguar. »Wozu, glaubst du, haben wir das Mondorakel, und warum sind die Mondaren trotz all ihrer Künste das Gespött aller Einsichtigen? Weil sich niemals vorherberechnen lässt, was aus dem Tanz der Schwestern wird. Es ist zwar sehr oft das gleiche, aber eben nur sehr oft. Jedes Mal kommt irgendetwas dazu, und dieses Mal wird es besonders schlimm werden. Der Mondarunt hat...




