E-Book, Deutsch, Band 129, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Terrid Mythor 129: Fluch über Nykerien
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9881-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 129, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9881-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mythor, der Sohn des Kometen, begann vor rund zweieinhalb Jahren seinen Kampf gegen die Mächte des Bösen in Gorgan. Dann wurde der junge Held nach Vanga verschlagen, der von Frauen beherrschten Südhälfte der Lichtwelt. Und obwohl in Vanga ein Mann nichts gilt, verstand Mythor es nichtsdestoweniger, sich bei den Amazonen Achtung zu verschaffen und den Hexenstern zu erreichen, wo er endlich mit seiner geliebten Fronja zusammenkam. Inzwischen haben der Sohn des Kometen und seine Gefährten, zu denen neben Fronja, der ehemaligen Ersten Frau von Vanga, eine beachtliche Streitmacht zählt, Carlumen, die Fliegende Stadt des legendären Caeryll, in Besitz genommen und mit diesem ehemaligen Fahrzeug des Lichts eine wahre Odyssee durch die Schattenzone hinter sich, bevor sie in den Süden Gorgans gelangten. Auch dort haben die Carlumer - allen voran Mythor und seine engeren Vertrauten - eine Reihe von gefährlichen Abenteuern zu bestehen. Vorläufiger Endpunkt dieser Abenteuer ist Tata mit dem Dämonentor, durch das die fliegende Stadt wieder in die Schattenzone verschlagen wird. Nach der Ausschaltung des Dämons Catrox streben die Steinleute Sadagar, Necron und Aeda nun die Rückkehr in ihre Heimat an. Sie ahnen nicht, dass das Unheil noch immer existiert - der FLUCH ÜBER NYKERIEN ...
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2.
Der Dicke schwitzte, als würde er bei lebendigem Leib gesotten. Nun, so war es ja auch – wer sich mit mir am Spieltisch anlegt, hat es nicht besser verdient.
Auf dem Tisch lag die ganze Habe des Dicken, eine stolze Reihe schön klingender Goldmünzen. Wahrscheinlich hatte er eine ganze Schiffsladung verkauft, dass er soviel bare Münze mit sich herumtrug. Purer Leichtsinn, aber er hatte es ja nicht anders gewollt.
»Die Würfel werden schmelzen, Freund«, sagte ich.
Er brauchte einen Klassewurf, um mich noch schlagen zu können, und ich wusste, dass er mit diesen Händen nichts zuwege bringen würde. Er wusste es auch, und daher schwitzte er vor Angst, und seine Hände zitterten, als habe er den letzten Abend beim Trunk und mit käuflichen Weibern verbracht.
Die Würfel kollerten über den Tisch, blieben liegen.
Ich stieß einen leisen Pfiff aus und sah bekümmert auf die Würfel. Dem Dicken quollen die Augen hervor.
»Bei Nadomir – Einstand. Ihr müsst noch einmal würfeln.«
Das kam der lausigen Bande zupass. Ich schnippte den Wirt herbei, einen hageren Nordländer mit verkniffener Miene und großen Füßen; seine Tochter war recht hübsch und alt genug, wahrscheinlich sah er deswegen so grimmig drein. Wenn er hoffte, damit eventuelle Liebhaber seines Kleinods verscheuchen zu können, hatte er sich getäuscht.
»Einen Becher für jeden, auf mein Holz!«
Eine harte Hand schlug mir auf die Schulter.
»Bei Alair«, grölte eine Stimme in meinem Nacken und blies mir einen Atem um die Nase, dass man davon betrunken werden konnte. »Du weißt zu leben, Sadagar.«
»Mein Ruf verpflichtet mich schließlich«, sagte ich. Ich klaubte die Würfel wieder auf.
Mein nächster Wurf war die schönste Pleite meiner Laufbahn, es gab nur einen Wurf, der noch schlechter war.
Es lag nicht nur das Geld des Dicken auf dem Tisch; das andere Glitzertürmchen hatte mir gehört, mühsam zusammengespielt in den letzten Wochen. Ich war nur um Haaresbreite einer Messerstecherei entgangen, hatte mir zweimal ein blaues Auge geholt, und in einer Reihe von ländlichen Schänken hing nun ein Strick an der Wand, um mich beim nächsten Besuch damit aufzuknüpfen.
So mühsam und gefahrvoll ich meine Beute erworben hatte, so wenig Lust hatte ich nun, sie gegen einen Geldsack ohne Hirn und Würfelgefühl zu verlieren.
Ich tätschelte dem Dicken die Wange.
»Nimm es leicht«, sagte ich gönnerhaft. »Bist halt ein armes Schwein.«
Er zuckte zusammen, stierte mich an. Nun war er seines Sieges sicher und griff abermals nach den Würfeln. Ich lehnte mich zurück, grinste breit und sah ihn an.
Er hatte alle Chancen der Welt, mir den Beutel zu leeren – aber er war wirklich zum Verlieren geboren.
Mit zitternden Händen würfelte er – und es kam genau der Wurf, den ich brauchte.
Der Dicke sah hoch, ließ den Würfelbecher fallen, stierte mich an, griff zum Pokal, tat einen Schluck – und fiel bewusstlos vom Sessel. Wieder bekam ich einen anerkennenden Schlag auf die Schulter.
»Noch jemand?«, fragte ich und strich meinen Gewinn ein. Bei Nadomir, das Sümmchen machte den Beutel schwer. Ich konnte ein Jahr lang davon leben, ohne eine Hand rühren zu müssen – und das in einer Schänke der besseren Sorte, wo die Betten weicher, die Weine besser, die Braten fetter und die Mädchen jünger waren als hier.
»Bei allen Lichtgöttern, du bist wirklich der größte Spieler von allen, Sadagar«, stieß einer meiner Bewunderer hervor. »Wie machst du das?«
»Mit Glück«, sagte ich. Ich rollte mit den Augen. »Und natürlich mit Schwarzer Magie. Die Würfel waren verzaubert.«
»Aber ... es waren doch seine Würfel.«
Ich lächelte geheimnisvoll.
»Das eben ist ja das Magische daran«, sagte ich. In dem Schädel schwappte um diese Abendstunde schon soviel roter Wein hin und her, dass er den Sinn meiner Worte nicht mehr zu begreifen vermochte. Der Freund lächelte blöde, als habe er verstanden, schnappte sich seinen Becher und trollte sich.
Es wurde Zeit für mich, das Lokal zu wechseln. Wenn ich länger hier verweilte, war die Versuchung und die Gefahr zu groß, dass mein Gewinn in den nimmersatten Gurgeln etlicher Leute verschwand, die ich zu Beginn des Gelages noch nicht gekannt hatte und die jetzt jeden Eid schwören würden, meine ältesten und besten Freunde zu sein. Wenn es dafür einen Becher Wein gab, war jeder mein Freund.
»Heda, Wirt, ich will zahlen. Und lege noch eine Runde für jeden meiner Freunde dazu.«
Über das Gesicht des Wirtes flog die Andeutung eines Lächelns, dann sah er mich betrübt an.
»Du willst nicht länger bleiben? Gefällt dir mein Haus nicht?«
Der Spruch war abgegriffen wie die Münzen, mit denen der Halunke herausgab – aber er passte immer wieder.
»Freund«, sagte ich so laut, dass jede Unterhaltung erstarb. »Wäre die Suppe so warm gewesen wie der Wein, der Wein so alt wie das Huhn, das Huhn so rundlich wie deine Bedienung und deine Bedienung so willfährig gewesen wie deine Tochter – ja dann ... aber so werde ich gehen.«
Durch das allgemeine prustende Lachen blitzte es zornig aus den Augen des Wirtes. Mochte er sich beleidigt fühlen ...
Mit der Rechten packte ich zu und umklammerte sein Handgelenk. Ein Aufschrei ging durch die Schar der Gäste, als sie das Messer in der Hand des Wirtes erkannten.
»Töte nicht den Boten, meuchle den Urheber der schlechten Nachricht«, sagte ich. »Pack dich, Kerl!«
Ich stieß ihn zurück, dass er der Länge nach auf dem Boden landete. Die Dielenbretter krachten.
Als ich draußen war, konnte ich ein Grinsen nicht unterdrücken. Der Trick hatte also wieder einmal geklappt – der Wirt in seiner Wut hatte über dem Abstechen völlig das Abkassieren vergessen. Jetzt war er zu beidem nicht gekommen – und er war bei den anderen Gästen mit einer Runde im Wort.
Es war ratsam, diesen Straßenzug von Nykor nicht länger unsicher zu machen; wenn ich dem Wirt vor Ablauf von ein paar Jahren wieder begegnete, konnte es mir schlecht gehen.
Nun, es gab andere Gegenden in Nykor. Gelegen an der Silbersee, Handels-, Hafen- und Königsstadt in einem, war Nykor eine der reichsten Städte überhaupt, die Bewohner fett und träge, die Scheuern güterprall. In den Hafenbecken standen die Masten wie ein Wald, aus allen Weltengegenden kam fahrendes Volk nach Nykor, weil hier die Goldfüchse locker saßen und leichter sprangen als irgendwo sonst.
Ich war den Ryger hinabgekommen, der bei Nykor in die Silbersee mündete, von dort aus wollte ich mich weiter umsehen. Für einen Pfiffikus gab es überall etwas zu verdienen, und die Gimpel wurden so wenig alle wie der Leim, auf den sie gelockt wurden.
Ich schlenderte an der Hafenmole entlang. Draußen in der Bucht waren einige Fischer damit beschäftigt, den silberschuppigen Fischen nachzustellen, deren riesige Schwärme im Frühjahr das ganze Meer aufglänzen ließen und dem Meer so den Namen gegeben hatten.
Mir begann Nykerien langweilig zu werden, das Land war einfach zu gut. Die Weiden zu fett, die Seereisen zu glücklich, nirgendwo wirkliche Armut, es gab keine Sklaven und Leibeigenen, Seuchen hatten Nykerien seit Menschengedenken nicht mehr heimgesucht – die Lichtmächte schienen es wahrlich gut zu meinen mit uns Nykeriern. Nun, sie hatten es ja auch gut bei uns – Alair, Lodim, Godh, Rhion, Nadomir, Kirmin und wie sie alle hießen, die bei uns verehrt wurden. Es gab eine Menge Tempel, in jedem Haus Schreinnischen, und täglich wurde jeder Gott von seinen Verehrern mindestens ein Dutzendmal angerufen oder beschworen. Außerdem gab es noch auf das ganze Land verteilt zwölf Häuser für die zwölf Schwestern der Tugenden. Auch für die Lichtgötter war Nykerien ein Glücksland; wo sonst fanden sie Gläubige, die ihre Namen beständig im Mund führten – beim Essen, beim Trinken, beim Geschäft, während des Spiels, bei der Arbeit.
Fleißige Tempelbesucher waren wir allerdings nicht, aber das konnten die Lichtgötter wohl schwerlich verlangen; wenn sie unser Land und seine Bewohner mit solchen Reichtümern segneten, dann musste dieser Reichtum sowohl erworben als auch verwaltet sein. Da blieb für Tempelbesuche nicht mehr viel Zeit.
Ich sah über die Dächer des nächtlichen Nykor hinweg auf den Palast des Königs. Volcar, unser König, hatte in diesen Tagen eine Gesandtschaft von weit her und zeigte ihnen, wie man in Nykerien zu leben verstand. Was das anging, war er wirklich ein Meister, ein Weinschlauch sondergleichen, ein Feinschmecker, der bei einem Biss in eine Auster den Meeresarm nennen konnte, da die Muschel gesammelt worden war. Was seinen Verschleiß an Frauen anging, konnte wohl nur Orphal mithalten, der Herrscher des Reiches Nebenan. Und einfallsreich war Volcar, seine Späße und Einfälle bildeten das Stadtgespräch und waren Vorbild für reiche Bürger, die ihre häuslichen Feiern den Orgien des Königs anzupassen trachteten.
Wie aufs Stichwort kam ich an einer Schenke vorbei, an deren Tür zwei Mädchen die Schenkel zeigten und einladend lächelten. Hm, dachte ich. Der Abend war noch jung, der Beutel schwer vom Gold, die Mädchen warm und rund – warum also nicht. Eine Bleibe für die Nacht hatte ich nicht, und noch einmal konnte ich mich der Daunendecke des Wirtstöchterleins nicht nähern.
Ich drückte jedem der Mädchen einen Goldfuchs in die Hand und erntete zunächst einmal zwei Paar großer erstaunter Augen.
»Es wird dich nicht reuen, Fremder«, sagte die größere der beiden. Sie waren dunkelhaarig und gut im Futter; die eine mit kurzen glatten Haaren, die andere mit Locken, die sorgfältig...




