Suchanek | Maddrax - Folge 364 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 364, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

Suchanek Maddrax - Folge 364

Hinter der Maske
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-5223-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Hinter der Maske

E-Book, Deutsch, Band 364, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

ISBN: 978-3-8387-5223-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Endlich kommen Matt Drax und Aruula in Schottland an. Hier wird ihr alter Freund Rulfan ihnen sicher einen Überblick geben können, was während der verlorenen sechzehn Jahre geschehen ist. Doch die Ankunft bei Canduly Castle versetzt den beiden einen Schock. Eine neue Macht hat sich auch in Britana etabliert und nicht vor König Stuart und Rulfan Halt gemacht. Doch es gibt einen geheimnisvollen Kämpfer, der sich gegen die Invasoren stellt - in einer Maske, die viel mehr ist als nur eine Tarnung hinter der Maske.

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Obwohl seine Knochen und Gelenke schmerzten, verharrte er in der immer gleichen Position, die Beine im Schneidersitz, den Rücken gebeugt. Eine halbe Armeslänge entfernt stand die hölzerne Schale, in der die ölige Schwärze waberte. Fast sah es so aus, als habe jemand dunkles Blut dort hineingefüllt.

Er griff mit seiner Hand in den Sand, der den Höhlenboden bedeckte. Dann streckte er den Arm aus und ließ die feinen Körner zu Boden rieseln. Es waren so viele, wie er auch Streiter des Guten und des Bösen hatte kommen und gehen sehen. Hier und in anderen Welten. Die Traumzeit umschloss und durchzog alles. Das pulsierende Netz des Lebens und des Seins, des Todes und des Sterbens.

Als seine Hand leer war, zog er mit einer fließenden Bewegung seinen Dolch. Die Klinge warf funkelnde Reflexe in die Höhle. Der Griff der Waffe stellte einen Manaia dar: ein Vogelkopf auf einem menschlichen Körper; der Bote zwischen der irdischen Welt und dem Reich der Seelen. Es zeichnete ihn als Halter geistiger Energie aus, als Wächter und Beschützer gegen das Böse. Es war ein Geschenk, überreicht von einem neuseeländischen Maori.

Die Klinge fuhr durch die Luft, schuf eine Wunde in seiner Handfläche. Blut rann über seine zur Faust geballte Linke, tropfte hinab in die Schale. Die Schwärze darin sog das Geschenk auf, denn sie nährte sich von der Essenz des Lebens.

Ein Laut drang an seine Ohren, ungewöhnlich, undeutbar, nicht für diesen Ort bestimmt. Gleichzeitig konnte er durch den Eingang der Höhle ein gleißendes Licht ausmachen.

Er ist also endlich gekommen.

Sand knirschte, Schritte näherten sich.

Nur Augenblicke später trat es ein, stand vor ihm in seiner ganzen Fremdartigkeit: ein Wesen einer zukünftigen Welt, lang und dürr, bernsteinfarben, mit Tentakeln am Kopf und keinen sichtbaren Augen. „Wir haben deine Nachricht über die Traumzeitpfade erhalten, Hüter. Du hast etwas für uns?“

„So ist es.“ Bevor er weitersprechen konnte, tauchte das Bild einer Frau vor seinem inneren Auge auf. Wallende schwarze Locken, ebenmäßige Züge, spitze Eckzähne. Wehmut griff nach seinem Herzen. Schnell deutete er auf die Schale. „Nimm ihn mit dir, den Symbionten. Für lange Zeit diente er einem Wechselbalg, einem Wesen zwischen den Welten, als Gefährte und Waffe. Ich habe ihn behütet, aber nun muss ich gehen. Nehmt ihn an euch und verwahrt ihn gut. In den richtigen Händen ist er ein machtvolles Werkzeug des Friedens, in den falschen …“

Der Unbekannte trat näher. „Ich verstehe.“ Er streckte die Hand aus, wollte nach dem Stoff greifen.

„Halt! Berühre ihn nicht!“ Der Leib des uralten Aborigines erbebte unter einem weiteren Hustenanfall. „Er ernährt sich vom Blut der Lebenden und der Toten gleichermaßen.“

Der Fremde zuckte zurück. „Wir können ihn in Stasis legen, nachdem wir ihn erforscht haben.“

„Ich weiß ihn bei euch in den richtigen Händen.“ Er griff nach der Schale und überreichte sie dem Wesen.

„Ich danke dir und wünsche dir eine gute Reise.“ Der Fremde verneigte sich.

Er lächelte. „Nun, vielleicht sehe ich sie dort drüben wieder. Sofern es stimmt, dass es keinen Himmel und keine Hölle gibt, sondern eine einzige Dimension der Toten.“

Während der Archivar die Höhle mit seinem neuen Artefakt verließ und Sekunden später in den zeitlosen Raum überwechselte, ließ Esben Storm seinen Geist in Trance versinken. Es war an der Zeit, die Reise anzutreten. Eine Reise ohne Wiederkehr.

Anfang Januar 2545, Britana

Matthew Drax gähnte herzhaft, während das monotone Summen von PROTOS Antriebseinheit den Kampf gegen seine Konzentration fortführte. Grundsätzlich musste er als Fahrer nicht viel tun, um den Hightech-Amphibienpanzer auf Kurs zu halten, doch er war stets vorsichtig.

In den vergangenen sechzehn Jahren, die Aruula und er bei der Rückkehr vom Mars durch den gestörten Zeitstrahl übersprungen hatten1, mochte sich nicht nur die Umgebung von Menschenhand verändert haben. Auch neue Feinde und Mutationen konnten allerorts lauern.

Einen Vorgeschmack hatten sie bereits in Moskau erhalten, wo sie einem Roboter mit dem Äußeren des legendären mongolischen Heerführers Dschingis Khan begegnet waren, als Statthalter eingesetzt von den „Schwarzen Philosophen“. Über deren Existenz und Hintergrund wussten sie nur, was Aruula in Agartha erfahren hatte – und das war viel zu wenig, um sich eine Vorstellung über ihre Pläne zu machen. Die Agarther sahen sie als alten Feind, das musste vorerst genügen. Zudem schienen sie – wie Matt und Aruula – hinter den verstreuten Artefakten aus dem zeitlosen Raum her zu sein. Das machte sie gefährlich.

Als hätte ich nicht genug von Zeitsprüngen und Robotern, dachte Matt.

Er erinnerte sich daran zurück, wie der einschlagende Komet „Christopher-Floyd“, in Wahrheit eine Wesenheit, mit der die Daa’muren auf die Erde gekommen waren, ihn durch den Zeitstrahl und fünfhundert Jahre die Zukunft katapultiert hatte. Es war eine dunkle Zeit, in der er gelandet war. Ohne Aruula hätte er nicht überlebt. Sein Blick suchte unwillkürlich die schlummernde Kriegerin, die neben ihm auf dem Beifahrersitz kauerte.

Dieses Mal sind wir beide Gestrandete. Immerhin sind es keine fünfhundert Jahre, sondern nur sechzehn.

Was konnte sich in einer solchen Zeitspanne schon groß verändert haben? Natürlich, ihre Freunde waren älter geworden, und vermutlich hatten sich auch die Machtverhältnisse an vielen Orten verschoben. Matts Gedanken fokussierten unweigerlich Waashton, doch im nächsten Moment schüttelte er den Kopf. Es gab Wichtigeres.

Sie benötigten Antworten. Und wo konnten sie die besser bekommen als an jenem Ort, wo sein Blutsbruder Rulfan lebte? Wenn es eine Person gab, die Bescheid wusste, war er es. Als Sohn eines Technos und einer Barbarin war er immer schon ein Kind beider Welten gewesen.

Gedanklich wappnete Matt sich, der gealterten Version des Kampfgefährten und Freundes zu begegnen. Wie mochte es Rulfan ergangen sein? Ihm und all den anderen in der Burg und dem Hort des Wissens?

Neben ihm räkelte sich Aruula. Ihr schwarzes Haar fiel als dichte Lockenmähne über ihre Schultern, die aufgemalten Hennalinien verliehen ihr einen exotischen Touch. Noch heute konnte er sich kaum an ihr sattsehen, trotz aller Stürme, die sie hatten durchstehen müssen und die sie einige Male sogar für Jahre getrennt hatten.

„Woran denkst du, Maddrax?“

Matt zuckte zusammen. Erst jetzt bemerkte er die geöffneten braunen Augen mit den grünen Einsprengseln, die ihn neugierig musterten.

Aruula kannte diesen Ausdruck auf seinem Gesicht. Maddrax haderte mit sich selbst und dem Schicksal. Und wie so oft verstand sie nicht, warum er seine Zeit sinnlos damit verschwendete. Sie konnten an ihrer aktuellen Situation nichts ändern, stattdessen aber kämpfen, wie sie es so oft getan hatten. „Woran denkst du, Maddrax?“, fragte sie trotzdem.

Er zuckte zusammen, was irgendwie niedlich war. Obwohl er nun schon so viele Jahre an ihrer Seite die Welt bereiste, waren seine Instinkte noch immer die eines Mannes aus der Zeit vor Kristofluu. Er war innerlich gereift, würde aber nie über die naturgegebenen Sinne eines Menschen verfügen, der in der Wildnis ums Überleben gekämpft und daraus gelernt hatte.

„Nichts Wichtiges“, kam die Antwort. „Wir sind gleich da. Ein paar Minuten und Hügel noch, dann –“

„Du machst dir Sorgen.“

„Du nicht?“ Er warf ihr einen fragenden Blick zu.

Aruula nickte langsam. „Um unsere Freunde, ja. Und um mein Volk. Was mag auf den Dreizehn Inseln geschehen sein, während wir fort waren?“ Sie schluckte. „Doch wir müssen besonnen handeln. Der Schlund der Taratze erwartet den Ungeduldigen. Es ist, wie es ist. Hier wartet eine neue Aufgabe, da bin ich sicher.“

Er lachte auf, überprüfte kurz irgendein blinkendes Licht auf den Armaturen. „An Aufgaben und Kämpfen hat es uns noch nie gemangelt. Darüber mache ich mir keine Sorgen. Allerdings komme ich mir langsam vor wie ein Hamster im Laufrad.“

Innerlich verdrehte Aruula die Augen. Wieder eine seiner seltsamen Gleichnisse, mit denen sie nichts anfangen konnte. Als legte er es darauf an. „Was meinst du damit?“

„Wir laufen immer weiter und weiter und bleiben doch stets auf der Stelle. Wie ein Hamster – ein kleines Nagetier – in einem sich drehenden …“

Sie winkte ab. „Ich habe schon verstanden, was du sagen willst.“

Maddrax wollte etwas erwidern, hielt dann jedoch inne. Mit aufgerissenen Augen starrte er auf den Monitor, auf dem die Aufnahmen der Außenkamera zu sehen waren. Er stoppte PROTO und vergrößerte das Bild. „O Gott … was ist hier passiert?“

Aruula keuchte entsetzt auf, während sie auf die Ruinen von Canduly Castle blickte.

Sie hatten PROTO in Sichtweite gestoppt und gingen vorsichtig auf die Ruine zu. Matt konnte den Anblick kaum ertragen. Die Außenmauer der Burg war stellenweise zertrümmert, als wären riesige Steinbrocken eingeschlagen. Das Fallgitter bestand nur noch aus zerfetzten Eisenstreben. Die Stille schmerzte ihm in den Ohren.

„Ich behalte die Umgebung im Auge“, sagte Matt. Sein Blick glitt über die Fenster der Burg, die wie tote...



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