Strienz | Ritomare | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

Strienz Ritomare

Ötzi war Ritomare
3. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-1335-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ötzi war Ritomare

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

ISBN: 978-3-7526-1335-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ötzi, der Eismann, der eigentlich Ritomare hieß, wurde vor über 5.000 Jahren ermordet und liegt nun in einem Museum. Sein Volk ist seither verflucht und will ihn deshalb ehrenvoll bestatten. Sie wollen Ötzi wieder zurückhaben. Wie soll das gehen? Gianni und Andreas müssen die Lösung finden, sonst bleiben sie in der Welt des Ötzi zurück. Eine phantastische Geschichte aus verschiedenen Welten.

Joachim Strienz ist Arzt und lebt in Stuttgart. Er hat bereits mehrere Bücher geschrieben.

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1. Tag Ankunft am See
Der große gelbe Postbus hielt auf einem Platz in der Mitte des Dorfes. Ich war endlich am Ziel angekommen. Wir hatten Orte wie Camuns, Uors, Tersnaus, Bucarischuna und Lunschania passiert. Die Straße war schmal und immer wieder mussten wir anhalten, um ein entgegenkommendes Fahrzeug passieren zu lassen. An manchen Stellen ging es von der Straße steil nach unten. Am besten war es, ich schaute nicht mehr aus dem Fenster, denn ich hatte bemerkt, dass meine Handflächen feucht waren. Im Stauraum des Buses befanden sich mein Koffer und der Rucksack. Also musste ich jetzt aussteigen, um die Sachen zu holen. Das Dorf lag in einem Hochtal. Grüne Matten führten das Auge nach oben. Ganz oben war der Fels kahl und glänzte in der Sonne. Die Matten spiegelten in unterschiedlichen Grüntönen und wie zur Dekoration schauten verschieden große Felsbrocken daraus hervor. Bauern verteilten gerade das abgemähte Gras zum Trocknen oder zogen es mit großen Rechen in kleine Reihen zusammen. Ein idyllisches Bild fand ich. Ich blickte mich um. Neben der Bushaltestelle sah man ein mit großen Quadern befestigtes Flussbett, allerdings floss heute dort nur ein kleines Rinnsal. Wahrscheinlich war das aber nicht immer so. Der Busfahrer hatte inzwischen auch meine Gepäckstücke aus dem Bauch des Buses geholt und vor mir abgestellt. „Uf wiederluege!“ sagte er freundlich in seiner Mundart und zwinkerte mit dem linken Auge. „Dann bis in 3 Wochen“, sagte ich, schlüpfte in die Schlaufen meines Rucksackes und hob den Koffer an. Ich schaute mich erneut um. Wo wollte ich hin? Eigentlich wollte mich ja Gianni Moretti mit seinem Auto abholen, aber der war noch nicht zu sehen. Ich stellte also meinen Koffer zunächst auf den Gehsteig. Zwei weiter Leute waren auch mit mir ausgestiegen und liefen inzwischen schon in der Ferne davon. Der Bus wendete gerade und schickte sich zur Rückfahrt an. Ich schaute wieder zu den Berggipfeln hoch. Sie waren wirklich sehr steil und sicherlich zu Fuß nicht zu erreichen, dachte ich mir. Ein bisschen Hunger hatte ich auch schon. Wasser gab es noch genügend in der grünen Flasche. Vielleicht sollte ich jetzt erst einmal einen großen Schluck nehmen. Mein Handy klingelte. „Hallo! Ich bin`s, Gianni Moretti! Das Auto wollte nicht anspringen, aber jetzt komme ich! Noch ein paar Minuten Geduld, dann bin ich da! Tutto bene, Andreas Steinfeld?“ „Ja“, sagte ich. Mehr ging nicht, denn er hatte bereits wieder aufgelegt. Da stand ich nun. Gianni Moretti hatte mich eingeladen, drei Wochen in seiner Almhütte zu verbringen. Jutta machte eine Fortbildung in Hannover und ich hatte die Praxis geschlossen. Eigentlich ganz reizvoll hatte ich mir das vorgestellt. Aber jetzt in diesem Dorf. Eigentlich zu viel Idylle, dachte ich mir. Drei Wochen, ob ich das hier oben aushalten würde? Ohne PC und Internet. Wahrscheinlich funktionierte dort oben auch das Handy nicht mehr. Das war bestimmt ein Funkloch. „Es wird keinen Computer geben und auch das Handy funktioniert dort oben nicht. Aber das wirst Du dort überhaupt nicht brauchen. Wir stehen auf, wenn die ersten Sonnenstrahlen leuchten und wir gehen Schlafen, wenn die Sonne untergeht, Fantastico!“ Das hatte er mir erst vor Kurzem geschrieben. Im kleinen Laden neben der Haltestelle gab es Postkarten. Sollte ich vielleicht welche an Freunde oder Bekannte schicken. Sie an dieser Idylle teilnehmen lassen? Weiter konnte ich nicht mehr denken, denn da hielt schon mit quietschenden Reifen Gianni Moretti mit seinem Auto neben mir. Er grinste breit und im Mundwinkel steckte ein Zigarillo. Er sah jetzt aus wie ein Revolutionär, nicht wie der Feingeist, den ich bisher gekannt hatte. Wir begrüßten uns herzlich. Er klopfte mir auf die Schultern. „Herzlich willkommen! Ich freue mich so sehr, dass du wirklich gekommen bist. Es wird dir hier sehr gut gefallen. Bei mir oben ist alles noch richtig ursprünglich. Wie es früher war.“ Er öffnete die Seitentüren, verstaute Koffer und Rucksack auf der Rückbank und lud mich ein, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. „Si accomodi, nimm Platz!“ rief er. Wir fuhren los. „Schön, dass du gekommen bist, ich freue mich sehr!“ Er wiederholte den Satz nochmals Er gab mir auch nochmals die Hand. Er war jetzt ganz aufgeregt und strahlte mich an. „Erinnerst Du dich, wie wir uns letztes Jahr in der Bar o. T. getroffen haben und wir so interessante Gespräche geführt haben? Über Quantenphysik etwa. Es war so aufregend mit dir und deinem Freund, ich glaube Siggi hieß er, über diese Themen zu sprechen. Ich bin Künstler und Philosoph, aber es war nicht immer so. Einmal musste ich auf meine Almhütte flüchten, aber das ist jetzt schon lange her.“ In der Zwischenzeit hatten wir das Dorf verlassen und fuhren nun auf einer schmalen Straße aufwärts. Ein dichter Wald säumte den Weg. Kurve um Kurve umrundete der Wagen. Plötzlich hörten die Bäume ganz auf und Weiden kamen zum Vorschein. Wir bogen dann nach rechts auf eine Schotterstraße ab und der Wagen fing an, immer mehr zu schaukeln. „Halte dich fest!“ rief Gianni. „Die Straße hatte viele Löcher.“ Es ging immer weiter bergauf. Links und rechts standen Kühe und schauten uns neugierig an. Sie hörten plötzlich alle auf zu fressen. Nur noch ihre Kiefer bewegten sich gleichmäßig. „Die kennen dich noch nicht“, sagte Gianni und grinste mich an. „Hier oben leben wenig Leute, die Kühe freuen sich über etwas Abwechslung.“ Dann ging es über eine Holzbrücke, und der Wagen schwankte auch dabei heftig hin und her. Plötzlich weitete sich der Blick und ich sah vor uns einen See liegen. Klein zwar, aber sehr idyllisch umgeben von Felswänden und Geröll. Sanft fiel dabei das Gelände zum See hin ab. Der Boden war wellig und es sah aus wie eine große Weide. Allerdings fehlten hier oben die Tiere. „Allora, hier sind wir!“, rief Gianni. Auf der rechten Seite stand jetzt ein für die Bergregion typisches kleines Haus mit einem Fundament aus Stein und einem hölzernen Aufbau. Das Dach war mit flachen Granitsteinen beschwert. Der Wagen hielt an. Langsam stieg ich aus, ging ein paar Schritte und blickte umher. „Das ist der Selva-See. Wir sind jetzt über 2000m hoch. Es ist ein bisschen frisch hier oben. Aber die Luft ist gesund. Du wirst dich hier gut erholen. Komm, ich zeige dir das Haus.“ Auch er stieg nun aus dem Wagen. Er nahm dann meinen Koffer von der Rückbank und ich den Rucksack und wir gingen zum Haus. Er schloss die Holztür auf. Es war ein Raum mit einer offenen Feuerstelle. Im hinteren Teil sah man eine Holztreppe, die in das obere Stockwerk führte. Gianni stellte den Koffer neben die Treppe. „Du wirst jetzt Hunger haben? Essen wir doch etwas und du erzählst mir, wie es dir in den letzten Wochen so gegangen ist!“ Gianni packte aus einer Box Wurst und Käse aus, legte ein paar Brotscheiben dazu und wir setzten uns dann in etwas wackelige Holzstühle auf die Veranda neben der Eingangstüre. Sie bestand aus parallel verlegten Holzbrettern. Dadurch saßen wir etwas erhöht und konnten jetzt gut auf den See hinunterschauen. „Gut ist es mir gegangen“, sagte ich. „Ich habe ja ein kleines Buch über meine Gedanken zur Quantenphysik geschrieben, in dem auch du vorkommst und danach konnte ich es ja auch veröffentlichen. Ich habe meine Freunde eingeladen und wir haben dann auch ein bisschen gefeiert.“ Ich machte eine Pause, denn ich wollte alles nochmals auf mich wirken lassen. „Dann hast du mich angerufen und gefragt, ob ich kommen wolle und jetzt bin ich da.“ Wir schwiegen. Jetzt bemerkte ich die Stille. Irgendwo war eine Grille und zirpte und ein Insekt kam vorbeigeflogen, aber sonst war nichts zu hören. „Bist du denn schon lange hier oben auf dem Berg?“ Fragte ich in die Stille hinein. „Wieso bist du so weit oben in dieser Einsamkeit, Gianni, da fehlt dir doch sicher etwas? Gespräche? Der menschliche Kontakt?“ Gianni lächelte mich an. „Nein, wirklich nicht. Und, wenn es mir zu irgendwann zu einsam wird, dann kann ich ja wieder gehen.“ Er machte auch eine Pause, dann sprach er weiter. „Warum ich hier oben bin, das ist eine lange Geschichte. Soll ich sie dir wirklich erzählen? Aber, warum auch nicht! Sie ist ja Teil meines Lebens. Du kannst mich jederzeit stoppen.“ Wieder machte er eine Pause. Wahrscheinlich suchte er den richtigen Einstieg. „Ich war Mitglied der Roten Brigaden. Die Italiener sagten „Brigate Rosse“, später nur noch BR. Es war für mich irgendwann ziemlich gefährlich und deshalb bin ich ja dann auch abgehauen. Dann kam ich hier her und das Versteck hat mir später auch das Leben gerettet. Niemand hätte mich hier jemals gefunden.“ Ich überlegte. „Rote Brigaden? Was war das genau?“ „Die Roten Brigaden waren eine kommunistische Untergrundorganisation in Italien. Sie wurde 1970 in Mailand gegründet. Es war zunächst nur eine Stadtguerilla. Dann gab es...



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