Storm / Eversberg | Gedichte | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Storm / Eversberg Gedichte


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8042-3034-7
Verlag: Boyens Buchverlag GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-8042-3034-7
Verlag: Boyens Buchverlag GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Gedichte Theodor Storms sind das Herzstück seiner Dichtung. Sie bezeugen das Werden des poetischen Meisters, der sich schon in jungen Jahren zwischen Goethes Erlebnislyrik und modernem Erzählgedicht als eindringlicher Beobachter seiner eigenen Empfindungen und äußerer Ereignisse bewährt.
Gerd Eversberg, der wissenschaftliche Leiter der Storm-Gesellschaft in Husum, hat für diesen Band rund 240 Gedichte ausgewählt und nach elf Motivkreisen, in denen sich das Denken und Fühlen Storms bewegte, geordnet: „Über die Heide hallet mein Schritt“ (EINSAMKEIT), „Als ich dich kaum gesehen“ (LIEBESSEHNEN), „An Constanze“ (EIFERSUCHT UND TREUE), „Sie halten Siegesfest“ (POLITISCHES SCHLESWIG-HOLSTEIN), „Größer werden die Menschen nicht“ (LEBENSERFAHRUNGEN) lauten einige der Kapitelüberschriften.
Die Sammlung basiert auf dem neuesten Forschungsstand, der im Anhang in knappen Erläuterungen zu den Gedichten sowie in einem Nachwort vermittelt wird. So ist mit dieser Gedicht-Ausgabe ein Ziel der Storm-Gesellschaft erreicht: den heutigen Menschen den Dichter nahezubringen.

Storm / Eversberg Gedichte jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Abends Die Drossel singt, im Garten scheint der Mond; Halb träumend schwankt im Silberschein die Rose. Der Abendfalter schwingt sich sacht heran, Im Flug zu ruhn an ihrem zarten Moose. Nun schwirrt er auf – doch sieh! er muss zurück; Die Rose zwingt ihn mit gefeitem Zügel. An ihrem Kelche hängt der Schmetterling, Vergessend sich und seine bunten Flügel. – – Die Drossel singt, im Garten scheint der Mond; Halb träumend wiegst du dich in meinen Armen O gönne mir der Lippen feuchte Glut, Erschließ den Rosenkelch, den liebewarmen! Du bist die Blume, die mich einzig reizt! Dein heller Blick ist ein gefeiter Zügel! An deinen Lippen hängt der Schmetterling, Sich selbst vergessend und die bunten Flügel. Westermühlen Die Heimat hier, und hier dein erster Traum. Das Mühlrad rauscht, es stäubt der Silberschaum. Tief unten ruht der Bach, ein stiller Frieden Im Spiegelgrund, drin blau der Himmel ruht, Vom Ufer rings mit ihren dunklen Zweigen Taucht sich die Erle in die klare Flut. Horch, Peitschenknall und muntrer Pferdetrab! Die Räder knirschen durch den feuchten Sand. Halt an, halt an! – Nun sacht den Berg hinab Und durch den Bach zum andern Uferrand. Und wieder aufwärts, links den Weg herum Hinauf zur Mühle mit des Kornes Last, Vorbei die Eiche, wo der bunte Star Sein unermüdlich Plaudern schwatzt vom Ast. Zehn Schritte noch, da steht im kühlen Schatten Der Linden halb versteckt das Müllerhaus, Der Müller mit der Nachtmütz und der Pfeife Lehnt in der Tür und schaut behäglich aus. „Wo bleibt der Cas’?! Der Henker mit dem Jungen!“ Und ungeduldig raucht er Zug auf Zug. Trarah trarah! Da kommt der Kas’ gesungen. Nur frisch heran, du kommst just früh genug! Barfuß, barkopf, zerrissen Hos und Hemde, Zerrissen heut wie sonst schon hundertmal, Im Arm das Wams, die Ärmel zugebunden, In jedem Arm ein Dutzend fetter Aal. Doch wie der Kas’ den Alten hat geschaut, Trotz seinem Fang schaut er voll Angst zur Erden! Der nimmt die Pfeife drohend aus dem Mund! „Sprich Junge, Cas’! was soll doch aus dir werden.“ Der Alte ruht schon lang – des Alten Mühle, Die rauscht und ragt wie sonst noch für und für. Viel Zeit verstrich – doch was der Kas’ geworden, Wohl mancher Mann noch weiß es außer mir. Mein guter Vater, den Natur gehegt, Den sie in Waldeslust als liebstes Kind gepflegt, Was sie dir gab, das konnte nicht erkalten, Und wie das Leben immer dich bewegt, Das hast du dir, das wirst du dir erhalten. Abseits Es ist so still; die Heide liegt Im warmen Mittagssonnenstrahle, Ein rosenroter Schimmer fliegt Um ihre alten Gräbermale; Die Kräuter blühn; der Heideduft Steigt in die blaue Sommerluft. Laufkäfer hasten durch’s Gesträuch In ihren goldnen Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelheide Glöckchen, Die Vögel schwirren aus dem Kraut – Die Luft ist voller Lerchenlaut. Ein halbverfallen’ niedrig’ Haus Steht einsam hier und sonnbeschienen; Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, Behaglich blinzelnd nach den Bienen; Sein Junge auf dem Stein davor Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr. Kaum zittert durch die Mittagsruh Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten; Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von seinen Honigernten. – Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diese Einsamkeit. Morgane An regentrüben Sommertagen, Wenn Luft und Flut zusammenragen Und ohne Regung schläft die See, Dann steht an unserm grauen Strande Das Wunder aus dem Morgenlande, Morgane, die berufne Fee. Arglistig halb und halb von Sinne, Verschmachtend nach dem Kelch der Minne, Der stets an ihrem Mund versiegt, Umgaukelt sie des Wandrers Pfade Und lockt ihn an ein Scheingestade, Das in des Todes Reichen liegt. Von ihrem Zauberspiel geblendet, Ruht manches Haupt in Nacht gewendet, Begraben in der Wüste Schlucht; Denn ihre Liebe ist Verderben, Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuss ist Sterben, Die schönen Augen sind verflucht. So steht sie jetzt im hohen Norden An unsres Meeres dunklen Borden, So schreibt sie fingernd in den Dunst; Und quellend aus den luftgen Spuren Erstehn in dämmernden Konturen Die Bilder ihrer argen Kunst. Doch hebt sich nicht wie dort im Süden Auf rosigen Karyatiden Ein Wundermärchenschloss in’s Blau; Nur einer Hauberg graues Bildnis Schwimmt einsam in der Nebelwildnis, Und keinen lockt der Hexenbau. Bald wechselt sie die dunkle Küste Mit Libyens sonnengelber Wüste Und mit der Tropenwälder Duft; Dann bläst sie lachend durch die Hände, Dann schwankt das Haus, und Fach und Wände Verrinnen quirlend in die Luft. Im Walde Hier an der Bergeshalde Verstummet ganz der Wind; Die Zweige hängen nieder, Darunter sitzt das Kind. Sie sitzt in Thymiane, Sie sitzt in lauter Duft; Die blauen Fliegen summen Und blitzen durch die Luft. Es steht der Wald so schweigend, Sie schaut so klug darein; Um ihre braunen Locken Hinfließt der Sonnenschein. Der Kuckuck lacht von ferne, Es geht mir durch den Sinn: Sie hat die goldnen Augen Der Waldeskönigin. Sturmnacht Im Hinterhaus, im Fliesensaal Über Urgroßmutters Tisch’ und Bänke, Über die alten Schatullen und Schränke Wandelt der zitternde Mondenstrahl. Vom Wald kommt der Wind Und fährt an die Scheiben; Und geschwind, geschwind Schwatzt er ein Wort, Und dann wieder fort Zum Wald über Föhren und Eiben. Da wird auch das alte verzauberte Holz Da drinnen lebendig; Wie sonst im Walde will es stolz Die Kronen schütteln unbändig, Mit den Ästen greifen hinaus in die Nacht, Mit dem Sturm sich schaukeln in brausender Jagd, Mit den Blättern in Übermut rauschen, Beim Tanz im Flug Durch Wolkenzug Mit dem Mondlicht silberne Blicke tauschen. Da müht sich der Lehnstuhl, die Arme zu recken, Den Rokokofuß will das Kanapee strecken, In der Kommode die Schubfächer drängen Und wollen die rostigen Schlösser sprengen; Der Eichschrank unter dem kleinen Tross Steht da, ein finsterer Koloss. Traumhaft regt er die Klauen an, Ihm zuckt’s in der verlornen Krone; Doch bricht er nicht den schweren Bann. – Und draußen pfeift ihm der Wind zum Hohne Und fährt an die Läden und rüttelt mit Macht, Bläst durch die Ritzen, grunzt und lacht, Schmeißt die Fledermäuse, die kleinen Gespenster, Klitschend gegen die rasselnden Fenster. Die glupen dumm neugierig hinein – Da drinn’ steht voll der Mondenschein. Aber droben im Haus Im behaglichen Zimmer Beim Sturmgebraus Saßen und schwatzten die Alten noch immer, Nicht hörend, wie drunten die Saaltür sprang, Wie ein Klang war erwacht Aus der einsamen Nacht, Der schollernd drang Über Trepp’ und Gang, Dass drin in der Kammer die Kinder mit Schrecken Auffuhren und schlüpften unter die Decken. Die Stadt Am grauen Strand, am grauen Meer Und seitab liegt die Stadt; Der Nebel drückt die Dächer schwer, Und durch die Stille braust das Meer Eintönig um die Stadt. Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai Kein Vogel ohn’ Unterlass; Die Wandergans mit hartem Schrei Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei Am Strande weht das Gras. Doch hängt mein ganzes Herz an dir, Du graue Stadt am Meer; Der Jugend Zauber für und für Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir, Du graue Stadt am Meer. Hinter den Tannen Sonnenschein auf grünem Rasen, Krokus drinnen blau und blass; Und zwei Mädchenhände tauchen Blumen pflückend in das Gras. Und ein Junge kniet daneben, Gar ein übermütig Blut, Und sie schau’n sich an und lachen – O wie kenn’ ich sie so gut! Hinter jenen Tannen war es, Jene Wiese schließt es ein – Schöne Zeit der Blumensträuße, Stiller Sommersonnenschein! Letzte Einkehr Noch wandert er; doch hinter ihm Schon liegen längst die blauen Berge; Kurz ist der Weg, der noch zu gehn, Und tief am Ufer harrt der Ferge. Doch blinket schon das Abendrot Und glühet durch das Laub der Buchen; So muss er denn auch heute noch Wie sonst am Wege Herberg suchen. Die liegt in grünen Ranken ganz Und ganz von Abendschein umglommen; Am Tore steht ein blondes Kind Und lacht ihn an und sagt Willkommen. Seitab am Ofen ist der Platz; Schon kommt der Wirt mit blankem...


Über den Dichter
Theodor Storm, geb. am 14. September 1817 in Husum, Rechtsanwalt in Husum (1843-1852), Gerichtsassessor und Kreisrichter in Potsdam und Heiligenstadt (1853-1864), Landvogt, Amtsrichter und Amtsgerichtsrat in Husum (1864-1880), Alterssitz in Hademarschen in Holstein (1880-1888), gestorben am 4. Juli 1888.
Der Herausgeber
Dr. Gerd Eversberg, wissenschaftlicher Leiter des Storm-Hauses in Husum. Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie an der Universität Köln. Promotion über den Fauststoff auf dem Theater vor Goethe. Veröffentlichungen zum Marionettentheater des 18. und 19. Jahrhunderts, zur Fachdidaktik Philosophie, zum Deutschunterricht und zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1990 Arbeitsschwerpunkt Theodor Storm und der poetische Realismus.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.