Buch, Deutsch, 31 Seiten, GEH, Format (B × H): 136 mm x 210 mm, Gewicht: 79 g
Reihe: MENSCHEN UND ORTE
Menschen und Orte
Buch, Deutsch, 31 Seiten, GEH, Format (B × H): 136 mm x 210 mm, Gewicht: 79 g
Reihe: MENSCHEN UND ORTE
ISBN: 978-3-937434-43-8
Verlag: Edition A.B.Fischer
Vierzehn entbehrungsreiche Exiljahre liegen
hinter ihr, als Netty Reiling, genannt Anna
Seghers, im Fru¨hjahr 1947 endlich und endgu¨ltig
in die Stadt zuru¨ckkehren konnte, aus der
man sie als kommunistische Schriftstellerin,
als deutsche Ju¨din und antifaschistische
Widerstandskämpferin einst vertrieben hatte:
Berlin. Hier gilt es fu¨r die Ru¨ckkehrerin und
Erfolgsautorin des Romans Das siebte Kreuz, ihre
Lebensaufgabe entschlossen fortzufu¨hren:
mitzuwirken am Aufbau einer antifaschistischdemokratischen
Friedensordnung und ein
nationales bedeutendes Werk zu schaffen.
Doch das politische Reizklima im krisen- und
konfliktgetriebenen Nachkriegsberlin erweist
sich diesem Vorhaben gegenu¨ber alles andere
als gu¨nstig. Umso unentbehrlicher musste der
Weltbu¨rgerin ihr Arbeits- und Lebensdomizil
in Adlershof werden. Der ruhige, im Berliner
Osten gelegene Ortsteil mit seiner beschaulichen
Vorstadtatmosphäre erlaubte ihr nicht nur
den erholsamen Abstand zur öffentlichen Viel-,
ja Überbeanspruchung als Mitbegru¨nderin und
Repräsentantin der DDR-Literatur. Mit der
unspektakulären und äußerst bescheiden eingerichteten
Wohnung in der Volkswohlstraße
(heute Anna-Seghers-Straße), die sie 1955
zusammen mit ihrem Mann Rodi bezog, fand sie
zugleich den inneren Anker in stu¨rmisch
bewegter Zeit. Ein Domizil, in dem ihr bis zum
Lebensende die Erzählstoffe zuwuchsen,
unabhängig von allen bitteren Erfahrungen, und
das lebenslang ein Bienenstock blieb fu¨r ihre
engsten Freunde.