E-Book, Deutsch, Band 3, 259 Seiten
Reihe: Siggi goes Sylt
Stiller Inselmord & Hochzeitsglocken
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-1558-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Siggi ermittelt weiter auf Sylt
E-Book, Deutsch, Band 3, 259 Seiten
Reihe: Siggi goes Sylt
ISBN: 978-3-7517-1558-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufregung bei Siggi und Törtchen, denn eine ungewöhnliche Doppelhochzeit steht ins Haus: Die beiden gehen endlich den Bund der Ehe ein und auch Siggis Tochter Denise hat den Mann fürs Leben gefunden. Im Gegensatz zur tiefenentspannten Denise gerät die sonst so pragmatische Siggi ins Hochzeitsfieber ... und bringt ihren Verlobten Törtchen damit aus seiner stoischen Ruhe. Zu allem Überfluss findet Siggi ihre Hochzeitsfotografin nach einer feuchtfröhlichen Junggesellinnenparty tot auf und sich selbst im Kreis der Verdächtigen. Als ihr dann noch ein berüchtigter Gangsterboss auf die Pelle rückt, ist das Chaos perfekt. Siggi muss schnell den wahren Täter finden und nebenbei verhindern, dass ihre Traumhochzeit platzt. Ob am Ende für Siggi und Törtchen doch noch die Hochzeitsglocken läuten?
Ruhrpott meets Schickimicki und Inselromantik - Spannung und Humor garantiert!
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung
In Westfalen zu einer Zeit geboren, als Twix noch Raider hieß, in Fernseh-Talkshows noch geraucht wurde und Frauen noch die Erlaubnis ihres Ehemannes brauchten, um zu arbeiten, entdeckte Dorothea Stiller schon früh ihre Liebe zu guten Büchern und begann bald, eigene Geschichten zu schreiben. Auf in Schulhefte gekritzelte Machwerke folgten Kurzgeschichten und Fan-Fiction und schließlich ihr erster Roman. Die Autorin schreibt zeitgenössische Liebesromane, Historische Romane, Krimis und - als Katharina Stiller - Jugendbücher für Mädchen.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Das sind die Momente, die einem im Dienst auf den Magen schlagen, denkt Martin Christiansen. Das sieht man in keinem Fernsehkrimi, aber das gehört nun mal zur Arbeit der Kriminalpolizei.
»In die Rechtsmedizin?« Frau Rohde starrt ihn ungläubig an. Ihre Augen sind verquollen, die Nase dick und gerötet. Martin kann sich vorstellen, wie sie sich fühlt. »Wie meinen Sie das? Wollen Sie etwa sagen, meine Mutter wurde ...?«
Er richtet den Blick kurz auf seine rechte Schuhspitze, dann sieht er auf, versucht, so professionell wie möglich zu wirken. »Keineswegs, Frau Rohde. Es ist nur so: Auch wenn hier alles auf einen Unfall hindeutet, ist die Hausärztin in einem solchen Fall verpflichtet, einen unnatürlichen Tod zu bescheinigen. Das zieht automatisch eine rechtsmedizinische Untersuchung nach sich.«
Er sieht, wie Frau Rohdes Kinn zittert. Sie schluchzt auf, presst sich kurz das Taschentuch vor den Mund.
»Heißt das etwa, dass sie dort an ihr herumschneiden?« Ihre Stimme klingt dünn und brüchig.
Martin räuspert sich. Professionelle Distanz. Sachlich bleiben. »Natürlich kann ich nicht für die Kolleginnen und Kollegen in der Rechtsmedizin sprechen, aber ich würde in diesem Fall nicht davon ausgehen.«
»Ich hab ihr immer wieder gesagt, sie soll das nicht mehr allein machen.« Bei Frau Rohde brechen alle Dämme. »Sie hatte schließlich eine Putzfrau. Die hätte ihr auch beim Gardinenabhängen geholfen. Aber Mama ist ... sie war stur, wissen Sie? Eigentlich hätte ich es ja lieber gehabt, sie wäre ins Betreute Wohnen gezogen, doch sie wollte um jeden Preis hierbleiben.«
Martin unterdrückt einen Seufzer. So viel zu professioneller Distanz. Er kennt all das nur zu gut. »Mein Papa ist auch so. Die alten Leute möchten eben, solange es geht, ihre Unabhängigkeit bewahren. Kann ich ja irgendwie verstehen, aber manchmal trauen sie sich einfach zu viel zu, nicht wahr?«
»Entschuldigen Sie, Herr Kommissar. Ich stehe noch völlig neben mir. Den Schock muss ich erst verdauen. Und übernächste Woche ist auch noch die Konfirmation von meinem Jüngsten, da weiß ich überhaupt nicht, wie wir das machen sollen. Mutti hatte sich doch schon so darauf gefreut. Und jetzt denk ich immer, wenn ich doch nur da gewesen wäre.« Frau Rohde schnieft. »Dann hätte ich sie davon abgehalten, auf die Trittleiter zu steigen. Ich hätte ...«
»Ihre Mutter war erwachsen. Sie können ja nicht rund um die Uhr da sein. Machen Sie sich keine Vorwürfe. Solche Unfälle passieren leider.«
»Dann glauben Sie auch, dass es ein Unfall war. Aber warum muss dann erst die Rechtsmedizin ...«
»Das ist ein reiner Routinevorgang, Frau Rohde«, erklärt Martin. »Die Todesumstände lassen eindeutig einen Unfall vermuten. Trotzdem sind wir verpflichtet, den Leichnam Ihrer Mutter zunächst sicherzustellen und für ein Todesermittlungsverfahren in die Rechtsmedizin nach Kiel zu überstellen. Dort wird eine gründliche äußere Untersuchung vorgenommen, um die Todesursache zu bestimmen und Fremdeinwirkung auszuschließen. Gibt die äußere Leichenschau keinen Anlass, ein Fremdeinwirken zu vermuten, wird der Leichnam zur Bestattung freigegeben. In der Regel dauert so etwas höchstens fünf Tage.«
»Also gibt es keine Obduktion?« Frau Rohde wirkt erleichtert. Der Privatmensch Martin Christiansen kann ihre Reaktion verstehen. Der Gedanke, dass an der geliebten Mutter herumgeschnippelt wird, ist schließlich kein angenehmer. Der Kriminalist in ihm fragt sich jedoch allmählich, ob Frau Rohdes Interesse am Prozedere möglicherweise andere Motive hat. Verfluchter Berufszynismus!
»Wie gesagt, ich kann nicht für die Kollegen sprechen, aber ich vermute, dass die Todesursache hier recht eindeutig ist und ein Fremdeinwirken mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. Ich rechne nicht mit einer Obduktion.«
Mit aufeinandergepressten Lippen nickt Frau Rohde, betupft sich die Augen.
»Mehr kann ich leider im Augenblick nicht tun«, erklärt Martin. »Noch einmal mein aufrichtiges Beileid.« Er berührt sein Gegenüber vorsichtig am Unterarm und erntet ein kurzes Lächeln. »Alles Weitere erklären Ihnen dann die Kollegen.«
»Vielen Dank, Kommissar Christiansen. Ich begleite Sie noch zur Tür.«
Martin tritt hinaus in den gepflegten Vorgarten und saugt gierig die laue, frische Luft in die Lungen. Ein hübsches Haus und eine traumhafte Lage. Kein Wunder, dass die alte Frau Rohde das nicht gegen ein kleines Seniorenapartment eintauschen wollte.
Er blinzelt in die Sonne. Der Frühling ist einfach die schönste Jahreszeit auf der Insel. Wenn der Raps blüht und der warme Ostwind die Vorfreude auf sonnige Tage am Strand mit sich bringt, dann ist er froh, dass er damals der Versetzung zugestimmt hat. Auch wenn es hier auf Sylt für gewöhnlich keine großen Verbrechen aufzuklären gibt und der Alltag eher aus Situationen wie dieser besteht.
Nun, die unangenehme Aufgabe liegt gottlob hinter ihm. Zeit, sich mit einem belegten Brötchen und einem Kaffee zu belohnen, findet er. Mit Brie und Tomate. Er klopft sich auf das Bäuchlein, das im Winter leider ein wenig gewachsen ist. Immerhin ist er heute mit dem Rad da. Da kann er sich ein bisschen was gönnen.
Er zieht den Schlüssel aus der Tasche und öffnet das Bügelschloss, als die scheppernden Blechbläserklänge der Tatort-Titelmusik einen eingehenden Anruf ankündigen. Den Klingelton hat Änne eingerichtet. Fand sie wohl lustig. Martin findet es eher peinlich, aber er hat keine Ahnung, wie man den blöden Ton ändert, und die Kollegen können darüber lachen. Er fischt das Handy aus der Tasche und nimmt den Anruf an. »Christiansen«, meldet er sich.
»Martin, mien Jung. Was macht die Kunst?«
»Moin, Moritz! Kann nicht klagen. Und selbst? Ist die Schulter wieder in Ordnung?«
»Noch nicht ganz. Ich muss noch regelmäßig zur Physio, doch es geht schon wieder viel besser. Danke der Nachfrage.«
»Aber deswegen rufst du wahrscheinlich nicht an, nehme ich an.« Wenn der Kollege aus Hamburg sich meldet, hat es schließlich meist einen Grund.
»Richtig. Ich wollte bloß dafür sorgen, dass du ein bisschen was zu tun bekommst.«
»Also, Langeweile hab ich hier nicht, ich komme gerade ...«
»Ja, ja, schon klar. Brauchst mir nichts zu erzählen. Du schaukelst dir da oben auf deiner Insel die Eier und klärst Einbruchsdelikte auf, während wir uns hier in Hamburg mit den harten Jungs rumschlagen müssen.«
Martin stößt ein Schnauben aus und lacht. »Genug der Freundlichkeiten. Was gibt es denn Wichtiges?«
»Ich hab da was aufgeschnappt, was dich vielleicht interessieren könnte. Sagt dir der Name Rocco Messina etwas?«
»Da klingelt was, ja. Glücksspiel, Geldwäsche, diverse dubiose Machenschaften, oder nicht?«
»Ja, eine unserer Kiezgrößen. Dick im Geschäft, aber immer darauf bedacht, sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen. Bisher konnte ihm noch nichts nachgewiesen werden. Der lässt lieber andere über die Klinge springen. Soweit ich weiß, habt ihr letztes Jahr einen aus seinem engeren Dunstkreis hochgenommen, Dariusz Szymczak.«
»Szymczak? Der hing doch in der Mordsache mit dem Schlagersternchen drin, dieser Lenka.«
»Genau. Jedenfalls hat mir ein Vögelchen gezwitschert, dass Messina mit seiner ganzen Entourage von Knastvögeln demnächst zu euch auf die Insel kommt.«
»Wie?«
»Ja. Messina, Tymon Nowak, Wittkowsky, die ganze Hengstparade. Die haben sich für ein Wochenende in so einem noblen Wellness-Hotel in List eingemietet. Angeblich feiert der Möchtegernpate bloß seinen fünfzigsten Geburtstag, aber wenn die gesammelte Kiezprominenz zusammenkommt, schwant mir nichts Gutes. Nutten und Koks.«
»Hm. Glaubst du, die planen irgendwas?«
»Keine Ahnung. Doch vermutlich wird da auch über Geschäftliches geredet, wenn du weißt, was ich meine. Kann jedenfalls vielleicht nicht schaden, da mal ein Auge drauf zu haben.«
Martin kratzt sich nachdenklich am Kinn. »Meinst du, die halten da so eine Art Mafia-Kongress ab?«
»Tja, wenn ich das wüsste! Kann vollkommen harmlos sein, aber wenn du mich fragst, stinkt so ein munteres Familientreffen doch zum Himmel.«
»Wann soll das Ganze denn stattfinden?«, fragt Martin.
»Ende Mai. Ich schick dir die Daten und den Namen von dem Hotel. Ziemlich schnieker Schuppen, Rocco lässt sich anscheinend nicht lumpen.«
»Ich kümmer mich drum. Danke für den Hinweis, Moritz.«
»Na klar. Muss ja dafür sorgen, dass du nicht aus der Übung kommst da oben.«
Martin lacht. »Weiß ich zu schätzen. Du, grüß Karin von mir und alles Gute für die Schulter.« Er legt auf und steckt das Handy wieder ein. Sieh an, Rocco Messina lädt die Crème de la Crème des gepflegten Verbrechens nach Sylt ein. Gut zu...




