E-Book, Deutsch, 434 Seiten
Sternberg Ruhrtopia
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-8092-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tief unten
E-Book, Deutsch, 434 Seiten
ISBN: 978-3-7583-8092-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalhauptkommissarin Ewa Kuschka aus Essen würde zurzeit keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen. Sie untersucht einen schweren Stromunfall in einer Adventurespiele-Firma, deren neues Level RUHRTOPIA viel Geld in die Kassen spült. Dann wird ein Toter mit einer Kopfverletzung aufgefunden. Im Lauf der Ermittlung bringt Ewa sich immer mehr ins Abseits. Zunehmend stellt sie sich Fragen, die weg von dem Fall zu führen scheinen. Woher kam das Wasser, in dem der Mann mit der Kopfverletzung ertrunken ist, und wohin ist es wieder verschwunden? Wieso überhaupt so viel Wasser in dieser lang anhaltenden Dürreperiode? Warum verenden plötzlich so viele Tiere? Und was hat das mit dem Abstellen der Pumpen und der Flutung der Bergwerke im Ruhrgebiet zu tun? Dabei erhält sie Unterstützung von unerwarteter Seite. Von Ursula Sternberg Autorin des Fracking-Thrillers RUHRBEBEN
Ursula Sternberg lebt seit über vierzig Jahren in Essen und ist tief mit dem Ruhrgebiet verwurzelt. Nach Studium der Kunst und Geschichte in Duisburg schulte sie in die IT-Branche um, in der sie seitdem erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hat. Im Lauf der Jahre nahm das Schreiben einen immer größeren Raum ein. Seit Ende 2023 kann sie sich voll auf ihre Arbeit als Autorin konzentrieren. Sowohl ihre neueren Kriminalromane als auch die Romanserie um die Privatermittlerin Toni Blauvogel spielen im Ruhrgebiet und befassen sich mit aktuel-len, brisanten Themen wie Flutung der Bergwerke, Fracking, Obdachlosigkeit, Korruption und Immobili-enspekulation. Mit ihrer Kurzgeschichte Sieben wurde sie 2019 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Rubrik Krimi-Kurzgeschichten nominiert. Was sonst? Ölmalerei, lecker kochen, essen und trinken, gute Geschichten lesen, hören und sehen sowie viel Bewegung an der frischen Luft. Und sehr, sehr wichtig: die Freunde und zuletzt, aber ganz sicher nicht als letztes die Stubentigerin.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Eins
Dienstag – 04. August 2043
+++Breaking News Ruhr+++ … ganz Deutschland im Dürre-Schock … Geschäftsführer der Ruhr Adventures GmbH nach Stromunfall schwer verletzt … Hitze hat das Ruhrgebiet fest im Griff … Uni-Klinikum, Essen-Holsterhausen Er ist ein gut aussehender Mann, soweit sich das in seinem Zustand beurteilen lässt. Dunkles, zerzaustes Haar auf weißem Kissen, ovales Gesicht mit kantigen Backenknochen und kräftigem Kinn. Ein violett schillerndes Veilchen und die blauschwarzen Ansätze von Bartstoppeln stechen aus der Kreide seines Gesichtes hervor und geben ihm etwas Morbides. Er ist nicht ansprechbar, vollgepumpt mit starken Schmerzmitteln und allerhand anderem Zeug. Die Brust hebt und senkt sich in regelmäßigem Rhythmus. Ein Bein, in einer Art schmaler Wanne gelagert, ragt bis zum Knie unter der Bettdecke hervor, bedeckt von dünnen Schichten einer sterilen Binde. Sonst keine weiteren sichtbaren Verletzungen. Und dennoch: schwerer Stromschlag unter undurchsichtigen Umständen. Unklar genug, um bei uns im K 11, dem Kommissariat für Todesermittlungen und Tötungsdelikte, zu landen. Die Kollegen von der Streife waren der Meinung, da solle unbedingt mal jemand genauer draufschauen. Unfall, versuchter Totschlag oder versuchter Mord? Mein letzter Fall ist so gut wie abgeschlossen. Ein wenig Aufräumen noch, der Abschlussbericht. Ist schon recht, dass ich das hier übernehme, solange sie mich in Ruhe alleine machen lassen und mir nicht wieder Leon oder Alina ans Bein binden, was bei der dünnen Personaldecke erst mal wenig wahrscheinlich ist. Ich muss an Akin denken. Mit ihm habe ich mich zum Schluss blind verstanden. Der Gedanke an meinen langjährigen Partner tut immer noch verdammt weh. Akin kannte mich, er kannte meine Schwächen, er konnte regulierend auf mich einwirken und das Beste aus mir herausholen. Umgekehrt ebenso. Wir waren ein wirklich gutes Team, das Dream-Team im K 11 mit einer hohen Aufklärungsquote. Als der Hirntumor bei ihm entdeckt wurde, war es zu spät. Knappe zehn Monate ist das nun her. So ein Scheißdreck! Eine Weile bleibe ich hinter der Scheibe stehen und sehe Tobias Holtau beim Atmen zu. Dann gehe ich zurück zum Personalraum. Das Pflegepersonal ist ausgeschwärmt. Stattdessen sitzt dort nun eine Frau im obligatorischen weißen Kittel und trinkt ein Gebräu, dessen Geruch allein ausreicht, meine Magenschleimhäute in Rebellion zu versetzen. Sie scheint auf mich zu warten. Das Schild auf ihrer Brust weist sie als Oberärztin aus. „Kriminalhauptkommissarin Ewa Kuschka“, stelle ich mich vor. „Wie stehen die Chancen? Kommt er durch?“ „Da bin ich mir sicher. Aber wie lange wir ihn noch so stark sedieren müssen, kann ich beim besten Willen nicht sagen.“ Hatte ich auch nicht anders erwartet. „Wann wurde er eingeliefert?“ „Gestern am Spätnachmittag. Er war nicht ansprechbar und hatte starke Schmerzen. Stromunfall. Heftiges Herzflimmern, Verbrennungen dritten Grades an beiden Knöcheln und eine weitere am rechten Unterschenkel. Außerdem starke Muskelverkrampfungen.“ Ich betrachte die Fotos, die sie mir reicht. Der eine Fuß sieht nicht gut aus, ein wenig wie gegrillt. „Der Stromschlag muss ziemlich heftig gewesen sein.“ „Nicht unbedingt. Schuhe und Socken waren nass. Es muss also Wasser mit im Spiel gewesen sein. Und das leitet bekanntlich sehr gut.“ „Wasser? Bei der Trockenheit?“ Sie zuckt mit den Schultern. „Da ist aber noch was.“ Sie grinst mich an und zwinkert mir zu, so, als würde sie mit etwas hinterm Berg halten. Ein Sahnehäubchen, aufgehoben für den Schluss sozusagen. Nun mach's mal nicht so spannend! Ich verziehe keine Miene, während ich sie auffordernd ansehe. „Er hatte ein Elektrodenimplantat“, gibt sie schließlich nach mit einem Blick, der Spielverderber signalisiert. „Das haben wir heraus gepult.“ „Einen Herzschrittmacher?“, frage ich. „Nein. So eine Art Fitnesstracker.“ Sie schiebt mir ein Tütchen mit einem verklumpten kleinen Teil über den Tisch zu. „Der ist nun allerdings futsch. Vielleicht können Sie ja trotzdem noch was damit anfangen.“ Ich bedanke mich, klaube die Unterlagen und das Tütchen zusammen und mache mich davon, nicht ohne ihr einzuschärfen, dass man mich unverzüglich informieren soll, sobald der Mann wieder ansprechbar ist. Im Dienstfahrzeug gehe ich noch einmal durch, was ich von den Kollegen der Streife bekommen habe: Am Montag, dem 03.08.2043, wurde gegen 15:45 Uhr Tobias Holtau, 32, Geschäftsführer der Ruhr Adventures GmbH, schwer verletzt aufgefunden. Gemeldet wurde der Unfall von Paul Schelski, Gründungsmitglied und ebenfalls Geschäftsführer der Ruhr Adventures GmbH. Er hatte den Verunfallten zusammen mit einem seiner Mitarbeiter gefunden und sofort Rettung sowie Polizei gerufen. Auffindeort: Die stillgelegte Zeche Bonifacius, Essen-Kray. Dort in einem Seitengebäude der ehemaligen Lohnhalle ist eines der Spiele-Level implementiert, die von der Ruhr Adventures GmbH entwickelt wurden. Erst vor kurzem war die Spielstätte wegen eines technischen Störfalles für den Publikumsverkehr gesperrt worden. Die Streife hatte den Unfallort abgesperrt und ein Team der Spurensicherung geordert, denn in dem Raum, in dem der Verunglückte aufgefunden worden war, befand sich ein Stromkabel, und der Boden wies Spuren von Feuchtigkeit auf. Erste Zeugenbefragungen im Unternehmen ergaben, dass anscheinend niemand weiß, warum der Verunglückte die Spielstätte aufgesucht hat, denn Tobias Holtaus Aufgaben liegen im administrativen, nicht im technischen Management des Unternehmens. Zwei Angestellte haben zudem von starken Spannungen in der Unternehmensführung berichtet. Der Verunglückte selbst ist nicht vernehmungsfähig. Ruhr Adventures GmbH, da klingelt es leise bei mir. Ich gebe den Namen in die Suchmaschine meines Compuflex ein und werde schnell fündig. Ruhrnachrichten - 04.05.2043 Festakt zur Eröffnung Die Ruhr Adventures GmbH hat einmal mehr wieder sämtliche Erwartungen übertroffen. In einem feierlichen Akt wurde am vergangenen Wochenende der neue Level des erfolgreichen interaktiven Spiels Ruhr Adventures eröffnet. Zahlreiche Prominenz aus Politik, Kultur und Wissenschaft, aber natürlich auch viele Fans waren zu dem Festakt in die ehemalige Kokerei der Kokerei Zollverein in Essen geladen. Nicht umsonst haben die Fans so lange auf den nächsten Level gewartet. „Wir haben uns wirklich selbst getoppt“, erzählt Dr. Tobias Holtau, einer der drei Geschäftsführer der Ruhr Adventures GmbH, bei der Pressekonferenz. „Unsere Mitarbeiter*innen in den Bereichen Grafik, Trickfilm, Technik und Recherche, unsere Computerfachkräfte und Handwerker: Sie alle haben einen hervorragenden Job gemacht. Während wir bislang mit historisch gut recherchierten Epochen vergangene Zeiten haben auferstehen lassen, ist uns mit Level 6 ein spektakulärer Blick in die Zukunft gelungen, der trotz futuristischer Elemente ein hohes Maß an Realismus bietet. Gerade das macht diesen Level so interessant.“ Mit der Idee, Adventurespiele mit ihren virtuellen Welten in eigens dafür ausgestattete Gebäude zu integrieren und dem Spiel damit eine viel größere räumliche Dimension geben zu können, als es in einem PC-Spiel üblicherweise möglich ist, starteten die beiden Gründungsmitglieder Paul Schelski und Stefan Holtau, die heute zusammen mit Dr. Tobias Holtau den Vorstand der Ruhr Adventures GmbH bilden, in eine ungewisse Zukunft. „Damals wurden die beiden ausgelacht und für verrückt erklärt“, erzählt Dr. Tobias Holtau. „Und Geldgeber haben sie erst recht keine gefunden. Zu Hause an ihren miteinander vernetzten PCs haben sie ganz klein angefangen. Sie waren besessen von der Idee, spannende virtuelle Welten zu schaffen. Sieben Jahre lang haben sie entwickelt, bevor sie mit ihrem ersten Level an den Start gehen konnten, in dem sie die innovative Idee umgesetzt haben, virtuelle Adventures in eigens dafür ausgerichtete Räumlichkeiten zu transferieren. Die Spieler bewegen sich sozusagen mitten im Geschehen. Lebensgroß. In Echtzeit können sogar verschiedene Spieler gegeneinander antreten.“ Damit begann ein kometenhafter Aufstieg, dessen Krönung nun in Level 6 stattfindet, verspricht Dr. Tobias Holtau. „Und warum gerade das Ruhrgebiet?“, fragen wir. „Wie erklären Sie sich den Hype, den gerade dieses Adventure ausgelöst hat?“ „Warum nicht?“ Dr. Holtau lacht. „Warum müssen Adventures immer in fiktiven Welten auf anderen Planeten spielen? Gerade die Idee, gut recherchierte Historie spielerisch erfahrbar zu machen, und das in einer Welt, die man kennt, fanden wir ausgesprochen reizvoll. Und als wir dann auch noch die Zusage der Stadt Essen bekommen haben, brachliegende Räumlichkeiten der Industriekultur zu diesem...




