E-Book, Deutsch, 282 Seiten
Sternberg Innenhafen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6682-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, 282 Seiten
ISBN: 978-3-7534-6682-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Toni Blauvogel den Tod eines ehemaligen Klassenkameraden untersucht, stößt sie auf etliche Ungereimtheiten: Warum besitzt ein kleiner Bankangestellter so viel Geld? Wer ist die geheimnisvolle Frau an seinem Grab? Und wie kann sein Auto plötzlich explodieren? Gibt es einen Zusammenhang mit dem geplanten Neubau der Ruhrcity-Bank am Duisburger Innenhafen? Und war es wirklich ein Unfall oder war es Mord? In ihrem vierten Fall begibt sich die Essener Privatermittlerin auf die Suche nach den Hintergründen dieses Todesfalles, wobei nicht nur ihr Seelenfrieden beträchtlich in Gefahr gerät. Erst als ihr Freund Max mit ihrem Wagen schwer verunglückt, sieht sie plötzlich glasklar. Neuauflage der gleichnamigen Originalausgabe (2011)
Ursula Sternberg, geboren in Duisburg, arbeitet hauptberuflich als Anwendungsentwicklerin, lebt in Essen und ist tief mit der Region verwurzelt. Sie liebt Katzen, Natur, Bewegung an der frischen Luft, Kochen und gutes Essen. Neben dem Schreiben malt sie, überwiegend in Öl, und hat an mehreren Gruppenausstellungen teilgenommen. Veröffentlichungen: Romane: »Variationen der Wahrheit oder Von Liebe, Käse und anderen Dingen«, Kriminalroman, Assoverlag Oberhausen, 2007 »Ruhrbeben«, Kriminalroman und Ökothriller, BoD 2021, Originalausgabe Emons , 2014 Ruhrgebiets-Krimiserie: »Ruhrschnellweg«, erster Band, Assoverlag Oberhausen, 2007 »Insolvenzgeld«, zweiter Band, Assoverlag Oberhausen, 2009 »Nachtexpress«, dritter Band, BoD 2021, Originalausgabe Emons 2010 »Innenhafen«, vierter Band, BoD 2021, Originalausgabe Emons 2011
Autoren/Hrsg.
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EINS
Wieder mal Stau auf der A40. Aber jetzt war ja erst mal Schluss mit der Fahrerei, wenn ich denn endlich mal zu Hause angekommen war. Ich hatte Urlaub. Hätte eigentlich ein tolles Gefühl sein müssen. Leider war ich nicht gerade mit Vorfreude erfüllt. Lange Zeit hatte es geheißen, der Resturlaub würde auch über den März hinaus nicht verfallen. So sei es immer gewesen. Dazu konnte ich nichts sagen, schließlich war ich neu. Also hatte ich mich darauf verlassen. Bis Mitte der vergangenen Woche eine eindeutige Dienstanweisung von ganz oben gekommen war, wonach jeder, der für den laufenden Betrieb nicht absolut unverzichtbar war, den Resturlaub bis Ende März abbauen musste. »Sorry, noch nie dagewesen«, hatte mein sichtlich betretener Chef gemurmelt, »typischer Fall von Is' so.« Da könne er speziell für mich als Neuling leider wenig tun. Klar, dass er erst mal versuchte, bei den alteingesessenen Kollegen die Urlaubsplanung zu retten. Konnte ich ja sogar verstehen. Dennoch war das Ganze verdammt ärgerlich. Denn Max hatte sich auf gemeinsame Ferien im April eingestellt und deshalb in den März besonders viele Termine gelegt. Wichtige Termine. Und Aufträge, noch wichtiger. Wie so oft in letzter Zeit. Max war viel unterwegs, und wenn er zu Hause war, saß er meistens bis tief in den Abend hinein am Schreibtisch, häufig auch an den Wochenenden. Die Kehrseite seiner Selbstständigkeit. Mein kleiner Hacker war solide geworden. Sturzsolide. Und ich ebenfalls, denn auch mich hatte mein neuer Job fest im Griff, mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So wie früher. Das erste halbe Jahr war verdammt anstrengend gewesen. Neue Kollegen, neue Themen, unbekannte Softwareprodukte. Vermittelt durch Schütte von der Bochumer Kripo war ich vor einem Dreivierteljahr zu einer der Schaltstellen der nordhein-westfälischen Polizei gekommen, zur LZPD, der Landeszentrale für Polizeidienste, wo ich mich als Projektmanagerin, wie es heute so schön neudeutsch heißt, primär damit befassen sollte, wie man erstens EDV-technische Insellösungen aus mehr oder weniger verstaubten Polizeidienststellen durch Anbindung an zentrale Netze ablösen oder zumindest für andere verfügbar machen könnte. Zweitens ging es um die Optimierung des sehr fehleranfälligen Auskunftssystems, das in weiten Teilen NRWs bereits im Einsatz war, und um die Frage, ob man das nicht doch besser durch eine andere Softwarelösung ersetzen sollte. Die Lage war ernst, aber nicht hoffnungslos, und die Arbeit machte mir Spaß. Zwar wäre mir eine Fünfunddreißig- oder besser noch eine Dreißig-Stunden-Woche lieber gewesen. Leider war das in meiner Branche jedoch absolut nicht üblich. In der Welt der IT war nach wie vor Vollzeit mit Haut und Haar angesagt. Heute war es aber wirklich arg mit dem Stau. Dabei ließ sich die A40 zwischen Essen und Duisburg eigentlich ganz gut fahren, besser als erwartet auf jeden Fall. Morgens nach Essen rein und abends wieder raus, das war richtig schlimm. Ich fuhr aber glücklicherweise antizyklisch, was im Regelfall ganz gut funktionierte. Jetzt jedoch steckte der Wurm drin. Der Verkehrsfunk auf WDR2 brachte Aufklärung. Auf der A42, der parallel zur A40 verlaufenden Autobahn, war in den frühen Morgenstunden ein Tanklastzug in Brand geraten. Die Polizei war immer noch mit Räumungsarbeiten beschäftigt, der Verkehr wurde umgeleitet. Kein Wunder, dass sich dann alles über die A40 quälte. Leise schimpfte ich vor mich hin, während ich mich Meter für Meter bis zur Abfahrt Frohnhausen schob. Ich überlegte, was ich mit meinem zweiwöchigen Urlaub anfangen sollte. Zwei Wochen und ein Tag, genau genommen. Wegfahren? Mich spontan einer Reisegruppe anschließen? Allein ein paar Tage irgendwohin fliegen, wo es warm und sonnig war? Vielleicht sollte ich im Internet mal nach Last-Minute-Angeboten dieser Art suchen. Vielleicht sollte ich aber doch lieber hierbleiben und mir endlich mal ein paar der Museen vorknöpfen, die ich schon lange besichtigen wollte? Eine ausgiebige Wanderung durchs Felderbachtal machen, ein paar Freunde bekochen, vielleicht ein Konzert besuchen und auf jeden Fall mal wieder einen Zug durch die Essener Szenekneipen machen? Mir meinen verwilderten Hinterhof-Garten vornehmen und planen, was ich dort alles pflanzen wollte? Mich endlich mal wieder an ein dickes Buch wagen und den Tag gemütlich mit Lesen verbringen, ohne gleich dabei einzuschlafen? Ich konnte mich nicht entscheiden. Antriebslos war ich, und unzufrieden mit der Situation. Nicht fähig, mich auch nur annähernd positiv zu irgendeiner der vielen Ideen zu stellen. Verdammter Mist! *** Eigentlich hatte ich ausschlafen wollen. Konnte ich aber nicht. Die innere Uhr meldete Aufstehen, dem Urlaub zum Trotz. Eine Weile wälzte ich mich hin und her und versuchte, wieder einzuschlafen. Ich hörte die Müllabfuhr rumpeln. Die Alarmanlage eines Autos ging bereits zum dritten Mal los. Und Bonnie stand erneut auf meinem Kopfkissen und leckte mir die Stirn. Auch ihre innere Uhr stand auf Aufstehen. Unmissverständlich. Beziehungsweise auf Fressen. Und da Max unregelmäßig und nicht kalkulierbar zu Hause war, war ich seit geraumer Zeit dafür zuständig. Ihre Schnurrhaare kitzelten mich und ich musste lachen. »Rrrurrr«, gurrte sie begeistert, putzte erneut mit ihrer rauen Zunge über meine Stirn, warf ihren kleinen Brummmotor an und begann, das Kopfkissen neben mir mit spitzen Milchtritten zu bearbeiten. Also Kraulen, Aufstehen, Füttern. Um sieben Uhr früh im Urlaub. Ganz schön bescheuert. Eine halbe Stunde später saß ich bei Milchkaffee und frischen Croissants auf dem Barhocker an meinem Stehtisch und blätterte durch die Tageszeitung. Ich las jeden Artikel, der mich auch nur halbwegs interessierte. Zuletzt landete ich bei den Kurznachrichten im Regionalteil. »Brennende Autobahn«, las ich. »Vollsperrung auf der A42. Die Kripo ermittelt.« Aha. Etwa die Ursache für das Desaster am Vortag? Gestern ereignete sich in den frühen Morgenstunden ein schwerer Autounfall auf der A42, der zu einer fast den ganzen Tag andauernden Vollsperrung zwischen Bottrop und dem Kreuz Essen-Nord führte. Ein aus Richtung Duisburg kommender Pkw geriet aus noch unbekannten Gründen ins Schleudern, kollidierte mit einem Tanklastzug und prallte frontal gegen einen Brückenpfeiler. Als der Pkw explodierte, verwandelte die ausgetretene Ladung des LKW die Unfallstelle in ein brennendes Inferno. Während der LKW-Fahrer sich selbst schwer verletzt aus dem Führerhaus retten konnte, kam für den 48-jährigen Fahrer des Pkw, Kurt Olaf T. aus Duisburg, jede Hilfe zu spät. Polizei und Feuerwehr waren etliche Stunden im Einsatz. Da Verdacht auf ein Tötungsdelikt besteht, wurde inzwischen die Kriminalpolizei Essen eingeschaltet. Uah! Ich schüttelte mich, die gruselige Szene nur zu deutlich vor Augen. Vor Feuer habe ich einen Höllenrespekt. Und dann dieser Name: Kurt Olaf T. Der kam mir irgendwie seltsam vertraut vor. Eine Weile grub ich in den Untiefen meines Gedächtnisses, aber es war sinnlos. Der Name ließ sich einfach nicht zuordnen. Schließlich gab ich auf und beschloss, dem unwirtlichen, regnerischen Märzwetter zum Trotz erst einmal eine Runde an die frische Luft zu gehen. Ich zog mir wetterfeste Schuhe und Regenjacke an und verließ die Wohnung. Ich ging zügig. Sehr zügig. So schnell, dass ich fast rannte. Während ich durch das Mühlbachtal lief, entschied ich mich, den Urlaub zu Hause zu verbringen und mir ein buntes Programm für die kommenden zwei Wochen zusammenzustellen. Da ich durch den strammen Spaziergang gerade so schön im Schwung war, begann ich nach meiner Rückkehr sofort, die Beete rund um meine Terrasse von den verdorrten Pflanzen zu befreien. Der Winter war lang und hart gewesen, und kalt war es immer noch. Eine ganze Menge war während dieser langen Frostperiode kaputt gegangen. Leider auch mein Oleander, den ich nicht rechtzeitig hereingeholt hatte. Über zwei Stunden lang schnitt ich Sträucher zurück, grub Wurzelballen aus, leerte Töpfe, zupfte undefinierbar wirkende, verdorrte Pflanzen aus den Beeten und entsorgte drei große Müllsäcke, gefüllt mit den Abfällen dieser Tätigkeit. Der Gedanke schlich sich mit der Kälte in mein Hirn. Schule, signalisierte irgendeine der Synapsen weit hinter dem Stammhirn oder wo sich mein Memory-Chip sonst so befinden mochte. Schule. Kurt Olaf Türauf. Ja klar doch. Mit schmerzendem Rücken richtete ich mich auf. Kurt Olaf. Über seinen Doppelnamen hatten wir uns immer ein wenig lustig gemacht, er selbst vorneweg. Unser Kurti. Dass mir das nicht sofort eingefallen war! Ich machte mir eine Kanne Tee und ein paar belegte Brote und zog mich auf mein Sofa zurück. Legte eine CD von Amy MacDonald auf und dachte an früher. Holte den alten, geschnitzten Holzkasten aus dem Regal und wühlte in dem unsortierten Haufen nach einem bestimmten Foto. Da es großformatig war, fand ich es relativ schnell. Zögernd durchforstete ich die frischen, unverbrauchten Gesichter. Schließlich fand ich ihn in der dritten Reihe an zweiter Stelle von links. Schlacksig,...




