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E-Book

E-Book, Deutsch, 132 Seiten

Sternal Mordgeschichten

Die blutige Seite des Harzes
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-2467-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die blutige Seite des Harzes

E-Book, Deutsch, 132 Seiten

ISBN: 978-3-7448-2467-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mord und Totschlag gab es zu allen Zeiten der menschlichen Geschichte. Als Harzer Heimatforscher habe ich recherchiert und zahlreiche dieser Gewaltverbrechen zusammengetragen. Ich habe für mein Buch einen Querschnitt dieser Taten über einen Zeitraum von etwa tausend Jahren ausgewählt. Es sind alles, fast alles, wahre Geschichten. Bei den Mordgeschichten, die ausschließlich auf Sagen beruhen, ist der Wahrheitsgehalt natürlich strittig und zudem etwas dichterische Freiheit dabei. Jedoch habe ich auch ganze Gerichtsakten wiedergegeben, die einen Spiegel ihrer Zeit darstellen. Viel Spaß also bei meinen blutigen Mordgeschichten und etwas Grusel, denn Tatsachenberichte sind eben doch anders als phantasievolle Krimis. Die Mordgeschichten sind mit 43 schwarz-weiß Abbildungen illustriert, darunter zeitgenössische Darstellungen, Fotos, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte.

Bernd Sternal, geboren 1956 in Gernrode/Harz. Bernd Sternal hat schon einiges in seinem Leben gemacht: Er ist Dipl.-Ingenieur, war als Manager, Geschäftsführer, Unternehmer, Unternehmensberater tätig, ist im Besitz zahlreicher Patente und anderer gewerblicher Schutzrechte. Mit dem Schreiben begann er im Jahr 2005, indem er für das von ihm betriebene Harzer Tourismusportal http://www.harz-urlaub.de redaktionelle Beiträge verfasste. Das Schreiben hatte ihn schnell infiziert. Im Jahr 2010 gründete er den Verlag Sternal Media, in dem er auch seine eigenen Publikationen herausgibt. Schwerpunkt-Themen von Bernd Sternal sind geschichtlicher, technischer, naturwissenschaftlicher, touristischer sowie gesellschaftskritischer Art.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Teil I – das Mittelalter


Der Mord an dreißig Slawen-Fürsten durch Markgraf Gero


Leider sind Mord und Totschlag eine schlimme Begleiterscheinung unserer Zivilisation. Häufig kam nach einem Mord das Prinzip der Blutrache als Sühne zur Anwendung. Diese Methode Mord durch Tötung zu rächen ist bis heute in zahlreichen archaischen Gesellschaftsformen ein Gewohnheitsrecht: Gleiches soll mit Gleichem vergolten werden. Die Blutrache stellt die Ultima Ratio der Konfliktbewältigung innerhalb der Fehde dar und ist in unserem Westlichen Kulturkreis verpönt.

Jedoch gab es bereits in vor- und frühgeschichtlichen Gesellschaften Formen der Rechtsprechung. Im Kulturraum der nordischen Völker waren das Things, die später auch Malstätten genannt wurden. Es waren Volks- und Gerichtsveranstaltungen nach altem germanischem Recht, die an feststehenden Terminen abgehalten wurden. Die Thingstätte lag immer unter freiem Himmel an einem besonderen „heiligen Ort“, der oftmals durch einen mächtigen Baum – Gerichtslinde oder alte Eiche – gekennzeichnet war.

Eine Mordtat war jedoch in frühen Gesellschaften, bis über das Mittelalter hinaus, nicht mit unserer heutigen juristischen Definition gleichzusetzen. Früher gab es Menschen unterschiedlichen Standes. Einen Sklaven, Unfreien oder Leibeigenen zu töten, galt nicht als Mord. Es war das verbriefte Recht des Herren und Besitzers. Auch Mordtaten, die im Zusammenhang mit Fehden und Kriegen zu sehen waren, galten nicht als Mordtaten. Nur bei freien Menschen kam die Blutrache zur Anwendung. Auf den Things war den Unfreien zudem die Teilnahme versagt. Schwierige Verhältnisse also, die oftmals in Willkür endeten. Adlige wurden in der Regel auch bei Nachweis einer Mordtat nicht mit einer Todesstrafe belegt. Diese Mörder konnten sich zumeist mit Sach- und Geldleistungen ihrer Schuld entledigen.

Da es in der Harzregion vor dem Antritt des Königtums durch die sächsischen Liudolfinger nicht üblich war Schriftgut zu erstellen, sind uns aus der Zeit davor keine Informationen überliefert. Eine der ersten Mordgeschichten, von der wir Kenntnis haben, ist uns als Sage und materiell durch ein Sühnekreuz überliefert: Es war das Gastmahl des Markgrafen Gero in Gernrode.

Die Sage wurde von mir neu aufgeschrieben und lautet wie folgt: Durch den dichten Wald, über die schier undurchdringlichen Harzberge, kamen Reiter auf stolzen Rossen, trutzig wilde Gesellen in seltsamer Tracht. Sie erweckten den Anschein in den Kampf ziehen zu wollen und nicht zum fröhlichen Gastmahl. Gar grimmig schauten sie drein, die Wendenhäuptlinge, die von Markgraf Gero eingeladen worden waren. „Und ich sage euch, traut dem Gero nicht“ sprach der alte Haudegen Tugimar. „König Otto hätte längst in unsere Forderungen eingewilligt, Gero ist es, der uns nicht wohl gesonnen ist. Ich erschlug ihm den Bruder in der Schlacht. Ich mag Geros Brot und Wein nicht. Zum letzten Mal sage ich euch: Lasst uns umkehren!“ Aber alle schimpften auf Tugimar und unterstellten ihm unredliche Absichten. Da wandte dieser sein Ross, bot einen letzten Gruß und ritt wieder der Lauenburg entgegen.

Das holzgemalte Bildnis des Markgrafen Gero in der Stiftskuirche in Gernrode - mit dem "Roteo-Adler-Wappen", eine Nachbildung seines Grabmales aus dem 10. Jhd.

Dennoch wurde weiter gezetert über Tugimar, dessen Bruder auch unter den Häuptlingen war. Dieser wurde zornig und gelobte jedem, der seinen Bruder Übles nachsagte, bittere Feindschaft. Und er sprach: „Was über und unter der Erde ist, darf auch der Wende fürchten, aber einen Feind von Fleisch und Blut? Nimmermehr!“. Und wie sie so stritten, da waren sie auch schon vor Geros Burg.

Die Wenden wurden von Geros Knechten mit heiterem Willkommen empfangen. Burg und Hof leuchteten im festlichen Glanz, Musikanten und Gaukler sorgten für Frohsinn. Den Pferden wurde Wasser und duftendes Heu gereicht und zufrieden betraten die Wendenfürsten den Festsaal. Speisen und Trank waren köstlich und eifrig kreisten die Krüge um die Becher zu füllen. Das Fest wurde immer fröhlicher und ausgelassener. Der eine oder andere sank unter den Tisch, desto lustiger lachten und johlten die anderen, bis einige anfingen, den Aufbruch anzumahnen.

Gero hatte kurz zuvor den Saal verlassen. Plötzlich stützte er, gefolgt von schwer bewaffneten Knechten, in den Festsaal zurück. Erschrocken starrten die Gäste ihnen entgegen, ein kurzes aber entsetzliches Geheul setzte ein. Das Blut der Wenden spritze an Wand und Decke, im Blute wateten die Füße der Mörder bis auch der letzte Gast erschlagen war. Die Flüche der sterbenden Wenden hatte Gero nicht verstanden, nur den Namen Tugimar, aber die Sterbeschreie der Wenden begleiteten den Markgrafen auf Schritt und Tritt. Als die Wenden und Slawen von dem schmachvollen Tod ihrer Fürsten erfuhren, zogen sie sich zuerst erschreckt und verbittert zurück. Doch dann verbündeten sie sich mit den Ungarn und überzogen die deutschen Gaue mit Krieg, Zerstörung und Plünderung.

Markgraf Geros Sohn fiel in der ersten dieser Schlachten. Und auch sein zweiter Sohn Siegfried starb an den Wunden, die er sich in diesen Kämpfen zugezogen hatte. Geros Knechte nahmen einige Wenden gefangen, darunter auch einen alten, weißbärtigen Fürsten. Der war stolz und lachte über seine Feinde. Und er rief triumphierend: „Ich schlug Siegfried die Wunde, an der er starb. Dreißig Männer erschlugst du, Gero, und damit, dass ich dir Bruder und Söhne nahm, ist erst ein Zehntel Deiner Schuld getilgt worden. Czernebog (böse Gottheit der Slawen) wird’s Dir lohnen. Czernebog wird Dich greifen und zermalmen!“

Aber nicht Czernebog strafte den Markgrafen, sondern dem lieben Gott hatte Geros dreißigfacher Mord nicht gefallen. Er strafte Gero mit Trauer über die getöteten Söhne und den Bruder, Reue über seine Tat ergriff ihn. Er wollte Sühne leisten und stiftete das Kloster Gernrode. Die Witwe seines Sohnes Sigfried wurde erste Äbtissin des Stifts. Zudem ließ er ein mächtiges Sühnekreuz fertigen, das zum Gedenken an die ermordeten Slawen-Fürsten auf dem Stiftshof aufgestellt wurde. Diese Ereignisse liegen über 1000 Jahre zurück. Slawen, Wenden, Sachsen, Franken und Thüringer sind verschmolzen, sind Deutsche. Doch bei Vollmond soll noch heute Gero aus seinem Grabe aufstehen und den Ort seiner Schandtat besuchen. Und so wird er es wohl tun, bis zum jüngsten Tag.

Soweit die Sage über Geros Mord an den Slawen. Einige Aussagen in dieser Sage sind historisch belegte Fakten. Gero war ein enger Vertrauter von König Otto I. Geros älterer Bruder war königlicher Legat (militärischer Oberbefehlshaber) und starb vor 937. Gero trat seine Nachfolge an und führte bis zu seinem Tod 965 Krieg gegen die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder. Erfolgreich brachte er diese Gebiete unter die Herrschaft von Otto I. und wurde vom König zum Markgrafen der Ostmark ernannt. Geros zwei Söhne starben in dieser Zeit der Ungarneinfälle und Slawenkriege. Ob jedoch durch slawische Hand, andere Kriegshandlungen oder aber durch Krankheit, ist nicht zu belegen. Die Burg Geronisroth in Gernrode war ebenfalls existent und wurde von Gero ab 959 zum freiweltlichen Frauenstift umgewandelt, Geros Schwiegertochter Hathui war die erste Äbtissin. Das Jahr 959 gilt als Todesjahr von Geros älterem Sohn Sigfrid, der als Koster-Mitbegründer gilt.

Ob das Gastmahl des Markgrafen Gero und somit die Ermordung von 30 Slawen-Fürsten Wahrheit oder Legende ist, lässt sich bisher historisch nicht belegen. Hingegen ist die Existenz eines Sühnekreuzes Realität – dieses gibt es heute noch. Jahrhunderte hatte es auf dem Stiftsgelände seinen Platz. Später stand es eine Zeit lang im Bereich der heutigen Goethestraße, um dann seinen endgültigen Standort vor der Gernröder Marktkirche zu bekommen. Inschriften sind auf diesem Sühnekreuz heute nicht mehr zu erkennen und auch sein wahres Alter ist unklar. Dieser erste überlieferte Mordfall in der Harzregion wird wohl nicht mehr aufzuklären sein, wenn es ihn denn überhaupt gab.

Ein Mord führt zur Klostergründung Konradsburg


Graf Esico von Ballenstedt (*um 990/1000; +1059/1060) gilt als Stammvater der Askanier. Sein Sohn und Nachfolger war Adalbert II. Dieser war 1069 Graf im Nordthüringgau, später in den beiden Gauen Nizizi und Serimunt. Er beteiligte sich am Aufstand der Sachsen 1072 unter Otto von Northeim gegen König Heinrich IV.

Graf Adalbert II. heiratete Adelheid, die Erbtochter des Grafen Otto I. von Weimar-Orlamünde. Dieser Ehe entsprangen zwei Kinder: Otto der Reiche und Siegfried von Ballenstedt – auf beide werde ich in einem späteren Fall zurückkommen.

Die Askanier hatten ihren Besitz im Raum Aschersleben und Ballenstedt. In unmittelbarer Umgebung – bei Ermsleben – residierte das Geschlecht von Konradsburg auf ihrer Feste. Beide Geschlechter kämpften wohl um die Vorherrschaft in diesem Gebiet.

Adalbert wurde um 1080,...



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