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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 324, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

Stern Maddrax - Folge 324

Eine neue Chance
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1868-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine neue Chance

E-Book, Deutsch, Band 324, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

ISBN: 978-3-8387-1868-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ist die Zukunft geschrieben? Oder kann man sie nachträglich ändern, um die Menschheit vor dem Angriff des Streiters zu bewahren? Das ist die Kernfrage, die unsere Helden beschäftigt, seit sie durch das Zeitportal in die Erdvergangenheit gesprungen sind - und feststellen mussten, dass sie sich in Parallelwelten bewegen, deren Rettung ihre eigene nicht beeinflussen würde. Nun aber scheint sich diese Chance zu bieten! Doch lässt sich die Zeit selbst überlisten? Oder erwächst daraus nur weitere Vernichtung?

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An Matts Seite stand Xij langsam auf und ging auf das flirrende Gebilde zu. Im Zentrum des Zeitportals sah sie schnell wechselnde Szenen aus allen möglichen – und unmöglichen! – Epochen der Erdgeschichte. Inzwischen wussten sie, dass der Schritt durch das Portal in Parallelwelten führte, die sich oft nur in kleinen Details von der hiesigen unterschieden.

In einigen davon waren sie gewesen. Sie waren der Pest in Venedig und dem Untergang von Sodom entkommen, hatten ein New York und Paris der Zukunft, die alten Ägypter und Wikinger erlebt, waren zuletzt mit knapper Not der Atombomben-Katastrophe von Hiroshima entgangen – und in einen Raum zwischen den Zeiten und Welten geraten, in dem mysteriöse „Archivare“ das Rätsel um die Zeittore und Parallelwelten gelüftet hatten. Dort im „zeitlosen Raum“ und durch die Hilfe des Archäologen Tom Ericson hatten sie auch jenes Gerät erhalten, das es ihnen ermöglichen konnte, das Schicksal der Erde zu wenden: das Superior Magtron.

Matt sah sich um, doch wie schon erwartet war keiner der japanischen Flüchtlinge bei ihnen, auch nicht Mahó und ihre Brüder. Die Besonderheit dieses Portals bestand darin, mit allen anderen in den verschiedenen Welten verknüpft zu sein. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie schon nach relativ kurzer Zeit zu ihrem Ausgangspunkt zurückgefunden hatten; sie hätten auch noch Jahre und Jahrzehnte durch die Zeiten irren können.

Dass sie in ihrer Zeit und Welt gelandet waren, daran bestand kein Zweifel; schließlich war dies das letzte entstandene Tor. Und offensichtlich hatte es sich eben erst etabliert, nach dem missglückten Schuss auf den Streiter. Ansonsten befände es sich nicht mehr hier unter der Abstrahlschüssel, sondern wäre bereits in den inneren Rundgang gewandert.

Dies wiederum bedeutete, dass sie vor ihrem Aufbruch hier angelangt waren, also zweimal vorhanden sein mussten! Welche Auswirkungen das hatte, musste sich erst noch zeigen. Ließ die Zeit sich betrügen? Oder würden sie ein Paradoxon auslösen?

Matt Drax schüttelte den Kopf. Darüber durfte er sich jetzt keine Gedanken machen. Vor ihnen lag eine Aufgabe, so groß wie ein Drittel des Mondes. Die Zeit arbeitete gegen sie. Jede verlorene Sekunde konnte Hunderte von Leben kosten.

„Mefju’drex!“ Grao’sil’aana trat auf ihn zu, verschob die Schuppenhaut an seiner Seite – und zog das x-förmige Superior Magtron und die Kette mit dem sternförmigen Schlüssel aus seinem Körper hervor. Nur so hatten sie beides über die Zeitschwellen transportieren können. „Wir müssen uns beeilen!“

Der Daa’mure dachte wie immer logisch und ohne störende Emotionen und brachte ihre Situation auf den Punkt. Gerade eben hatte Matts zweites Ich den Schuss auf den Streiter ausgelöst, doch weil die Energiebänke erst zu siebzig Prozent gefüllt waren, war der Schuss verreckt. Dank dem unglaublich starken Magnetfeld des Magtrons hatten sie nun die Chance, die Speicherwaben in Minutenschnelle neu aufzuladen. Es musste gelingen, bevor der Streiter sich vom Mond löste und somit aus der Zielortung geriet.

„Danke.“ Matt hängte sich die Kette um den Hals und nahm das Magtron an sich. Dabei fühlte er eine nervenaufreibende Mischung aus Erleichterung und Spannung, die seine Hände schwitzen ließ. Sie hatten es bis hierher geschafft – nun brauchten sie nur noch ein zweites Wunder, um die Vernichtung der Erde abzuwenden. Die Karten waren neu gemischt. Sie hatten eine neue Chance.

Hart presste Matt die Zähne aufeinander, als er an den Streiter dachte, der nur wenige Stunden nach dem missglückten Schuss den Mond verlassen würde, um sich auf die Erde zu stürzen. Seine vernichtende Schwärze, die alles zu verschlingen drohte, stand vor seinem inneren Auge.

Du bekommst die Erde nicht, schwor sich Matt.

Xij meldete sich zu Wort. „Weiß jemand, wie spät es genau ist? Wie viel Zeit bleibt uns noch?“

„Ich denke, der Schuss wurde gerade erst abgefeuert“, tat Matt seine Vermutung kund. „Wie lange hat es gedauert, bis sich der Streiter in Bewegung gesetzt hat? Drei Stunden ab jetzt?“

Sie hatten versucht, einen kreisrunden Ausschnitt des Ursprungs, jenes lebenden Flözes im Boden Ostdeutschlands, in den Streiter zu versetzen und ihn so zu versteinern. Das war zwar nicht gelungen, aber die Ausläufer des Schusses mussten die kosmische Entität dennoch erreicht haben, denn für eben diese drei Stunden war sie wie paralysiert gewesen.

Xij nickte. „Stimmt. Wir sind ja auch immer zum Zeitpunkt ihrer Entstehung aus den Zeitblasen gekommen.“ Sie stockte kurz. „Aber das bedeutet auch …“

„… dass unsere vergangenen Ichs noch hier sind“, führte Matt den Satz zu Ende, und seine Hand krampfte sich um das Superior Magtron. „Die entscheidende Frage ist nun: Können wir den Zeitablauf ändern?“

Grao’sil’aana gab ein Grunzen von sich. „Bestimmt nicht, wenn wir hier weiter rumstehen und Reden schwingen“, sagte er. Seinen Missmut hatte er durch alle Zeitreisen hindurch bewahrt – vielleicht die einzige Konstante der zurückliegenden Abenteuer.

Trotzdem ist er menschlicher geworden, dachte Matt. Und er hat uns einige Male den Arsch gerettet. Ohne seine Hilfe wären wir nie so weit gekommen. Ob das allerdings aus humanitären Gründen oder bloßem Eigennutz geschehen war, konnte er nicht einschätzen. Auf ihrer Reise mussten sie zwangsläufig ein Team bilden, denn nur gemeinsam mit den anderen hatten sie die Portale passieren können.

„Dann los!“ Entschlossen ging Matt voran, Xij und Grao folgten ihm. Durch eine offene Luke verließen sie den Raum unter der Schüssel und traten in den inneren Kreisgang.

„Seht!“, zischte Xij plötzlich. „Das … das bin ich!“ Matt folgte ihrem ausgesteckten Finger mit Blicken – und sah eine zweite Xij, die gerade in einen Quergang zum äußeren Ring der Anlage einbog. Unter dem lumineszierenden Wand- und Deckenlicht schienen sich ihre Konturen aufzulösen … oder nein: Sie war tatsächlich halb durchsichtig! Eine Folge des drohenden Paradoxons? Matt lief es kalt den Rücken herunter. Was würde wohl passieren, wenn sie ihr Pendant dieser Zeit berührte?

„Du bist auf dem Weg zur Außenschleuse, um mich aufzutauen, oder?“, ließ sich Grao’sil’aana vernehmen.

Xij nickte fahrig, anscheinend immer noch beeindruckt von der plötzlichen Begegnung, und Matt folgerte: „Dann sind wir also tatsächlich vor der Zeit hier angekommen. Wir müssen schnellstens zu den Speicherwaben und … he, was soll das? Warte!“

Xij war unvermittelt losgelaufen, ihrem Ich aus der Zukunft hinterher. Was zum Teufel hatte sie vor?

„Xij!“ Matt zerquetschte einen Fluch zwischen den Zähnen. Was war los mit ihr?

Siedend heiß kam ihm zu Bewusstsein, dass Xij, bevor sie den Flächenräumer verließen, unter dem Einfluss von Manil’bud gestanden hatte, ihrer ersten Existenzform. Die wiederum war vom Streiter beeinflusst worden, der sie zur Saboteurin werden ließ. Hatte das auch Auswirkungen auf ihr anderes Ich?

„Xij! Bleib stehen!“ Matt rannte ihr nach. Hinter ihm fluchte nun auch Grao’sil’aana auf Daa’murisch. Was würde passieren, wenn Xij sich selbst berührte? Schreckliche Szenen spielten sich in Matts Fantasie ab, angefeuert von der Erinnerung an Science-Fiction-Romane, die er als Jugendlicher gelesen hatte. Das ging von einer Materie-Antimaterie-Reaktion über die Entstehung eines Schwarzen Lochs bis zur Implosion des Universums.

Xij hörte nicht auf ihn. Sie erreichte ihr zweites Ich – und packte es an der Schulter.

Ihre Finger glitten durch den anderen Körper hindurch. Verblüfft blieb sie stehen.

Matt hielt den Atem an. Nichts war geschehen. Die Zeit schützt sich selbst, schoss es ihm durch den Kopf. Sie verhindert, dass es zu einer Berührung kommt!

Die zweite, durchsichtig erscheinende Xij wurde langsamer und drehte sich um. Hatte sie die Berührung wahrgenommen? Sie suchte den Gang mit Blicken ab, schien aber nichts zu entdecken.

Matt erinnerte sich: Hatte er nicht vor ihrer Flucht den Eindruck gehabt, aus den Augenwinkeln schemenhafte Gestalten zu sehen, die verschwunden waren, wenn er hinschaute?

Ein neuerliches Schaudern überkam ihn. Was, wenn er damals – beziehungsweise in naher Zukunft – sich selbst, Xij und Grao gesehen hatte? Bedeutete das nicht, dass es schon damals passiert sein musste? Dass sie nun erlebten, was bereits Geschichte war?

Matt schüttelte die verwirrenden Gedanken ab und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt. Der Blick der Geistergestalt wandte sich von ihm ab. Xij musterte Xij. Beide verharrten, wie Statuen. Ein Zwillingspaar aus Stein.

Einen Augenblick stand für Matt die Welt still. Würde die andere Xij doch noch reagieren und damit vielleicht das Zeitparadoxon auslösen?

Sekunden verstrichen, dann wandte sich die durchscheinende Xij ab und setzte ihren Weg zu den äußeren Ringen fort.

Xij stand benommen vor ihm. Matt fasste nach ihrem Oberarm. Der anfängliche Ärger wich der Sorge. „Alles okay?“

Sie nickte und sah langsam zu ihm auf. „Tut mir leid. Ich … ich wollte mich aufhalten; ich weiß nicht, warum. Ist das nicht verrückt?“

Es war nicht die Zeit, ihr Vorwürfe zu machen. Matt beschäftigte eine andere Frage: „Kannst du dich an diese Begegnung erinnern? Ich meine, aus Sicht deines anderen Ich?“ Das wäre ein Beweis dafür gewesen, dass...



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