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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 347, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

Stern Maddrax 347

Letzte Hoffnung
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-3335-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Letzte Hoffnung

E-Book, Deutsch, Band 347, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

ISBN: 978-3-8387-3335-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Während sich Quart'ol über eine Rettung in allerletzter Sekunde freuen darf - ohne allerdings zu ahnen, was damit verbunden ist - geht es für Matthew Drax und Xij Hamlet um alles oder nichts. Man macht den beiden in Hykton den Prozess und Matts Hoffnung auf einen Freispruch nach einer Geistverschmelzung erfüllt sich nicht. Ihre letzte Chance ist tatsächlich Quart'ol, auch wenn er selbst noch nichts davon weiß.

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Die rasante Reise endete mit einem Aufprall. Quart’ol stieß ein hartes Klacken aus, als ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde. Als sich sein Blick fokussierte, ragte vor ihm eine Gestalt auf – ein Mann Mitte dreißig. An seinem rechten Handgelenk trug er eine Art wuchtige Armbanduhr, am linken einen ungewöhnlichen Armreif, der wie eine Mischung aus Handschelle und Schmuck wirkte. An seinem Gürtel hing technisches Gerät mit allerlei Skalen und Displays. Außerdem hielt der Mensch eine Art kleinen Koffer in der Linken.

Quart’ol wusste weder, wo er sich befand, noch wer der Fremde war. Im ersten Reflex wollte er nach seinem Blitzstab greifen, doch die Geste hätte ein falsches Signal gesetzt. Unwillkürlich sah er sich nach dem Dreizack um, doch der war ihm aus den Händen gefallen, als er zurückgerissen worden war, und in Dapur zurückgeblieben.

Er hatte eigentlich vorgehabt, durch die Sphäre in seine ursprüngliche Zeit und in den Flächenräumer zu reisen. Leider waren die Hethiter aus dem 13. Jahrhundert vor Christus früher eingetroffen als erwartet; Stunden, bevor sich das Tor zum nächsten Mal geöffnet hätte. Dass es lange vor der Zeit entstanden war, musste der Verdienst dieses Mannes sein, der ihn unter seinem Blondschopf kritisch musterte. So wie auch seine Rettung.

„Wer bist du?“, fragte Quart’ol auf Englisch. „Und wo bin ich hier?“

Der Mann mit dem Koffer antwortete mit Gegenfragen. „Was hast du bei der Zeitblase gemacht? Was weißt du über das Phänomen?“

Quart’ol schwieg. Bevor er nicht wusste, was hier ablief, wollte er keine Informationen über die Zeittore preisgeben – auch wenn der Mann offensichtlich wusste, mit was er es zu tun hatte.

„Du bist ein Hydrit“, stellte der Fremde fest.

Quart’ol war verblüfft. Woher kannte der Fremde seine Rasse? Die Bewohner der Meere hatten sich stets bemüht, unauffällig zu bleiben, seit sie vor Urzeiten vom Mars auf die Erde übergesiedelt waren. „Ja“, entgegnete er wortkarg.

„Du hast schon länger vor dieser Zeitblase herumgesessen, stimmt’s?“, fragte der Mann weiter. „Was hattest du vor?“

Quart’ol reichte es, keine Antworten zu bekommen. Er spreizte angriffslustig die Schwimmdornen. „Dort, wo ich herkomme, stellt man sich einander vor. Also: Ich bin Quart’ol und war auf der Suche nach einem Weg durch die Zeit zu einem bestimmten Ort. Und wie ist dein Name?“

„Quart’ol?“, wiederholte der Mann gedehnt. Er schien nachzudenken wie jemand, der angestrengt nach einer lange zurückliegenden Erinnerung sucht. „Ich kenne den Namen.“

„Hast du denn auch einen?“, versuchte es Quart’ol erneut. Er blickte sich in dem diffusen Licht um, das ihn umgab. Hin und wieder glaubte er, am Rande seiner Wahrnehmung dreibeinige Gestelle zu sehen, doch sie zerflossen mit der Umgebung wie flüssiges Mondlicht.

„Tom Ericson. Doktor Thomas Ericson, um genau zu sein. Archäologe. Nun ja, früher mal …“

Die Stimme des Mannes klang nicht aggressiv. Quart’ol wertete das als gutes Zeichen. Wer auch immer hinter diesem Namen steckte, er hatte ihn an einen unbestimmten Ort entführt – oder vielmehr gerettet –, und er schien über die Natur der Zeitportale informiert zu sein.

Sein Gegenüber sah ihn weiterhin misstrauisch an. „Du bist also schon durch die Zeit gereist? Wo wolltest du hin?“

Quart’ol beschloss, mit offenen Karten zu spielen. Die Umstände ihrer Begegnung ließen ihn annehmen, dass der Mann mit der Wahrheit umgehen konnte, ohne ihn für verrückt zu halten. Vermutlich gehörten Zeitreisen zu seinem alltäglichen Leben. „Ich suche nach einem Durchgang zurück in den Flächenräumer, einer Anlage meines Volkes am Südpol. Ich bin von dort vor langer Zeit – genauer gesagt, in der Zukunft – mit Freunden aufgebrochen, um die Ankunft des Streiters auf der Erde zu verhindern.“

Er hatte es absichtlich so undurchsichtig formuliert, um auszutesten, wie viel dieser Tom Ericson wusste. Eigentlich erwartete Quart’ol eine verständnislose Reaktion. Woher sollte Ericson den Streiter kennen, die kosmische Entität, die versucht hatte, die Erde zu vernichten? Doch der Mann blieb gefasst.

„Dann kennst du Matthew Drax?“, fragte er und überraschte damit Quart’ol.

„Besser als sonst jemand“, entgegnete er; und das stimmte sogar, denn ihre Geister hatten sich eine Zeitlang denselben Körper geteilt. Ewig lange war das her.1) „Du kennst ihn also auch?“

„Ich habe Matt Drax erst kürzlich getroffen. Und zwei seiner Freunde. Aber je weniger du darüber weißt, desto besser. Meine Auftraggeber bevorzugen Diskretion.“

Quart’ol war wie elektrisiert. „Du hast Matt und die anderen gesehen? Dann ist die Erde gerettet?“

Ericson zögerte, antwortete dann aber mit gedämpfter Stimme. „Ja. Die Zeit hat sich selbst repariert. Und deswegen werde dich zu meinen Auftraggebern bringen müssen, Quart’ol. Es ist wichtig, dass die Stabilität der Zeit erhalten bleibt, und du stellst eine Gefährdung dar. So wie das Tor nach Dapur. Es hat einen Kurzschluss, der es immer neu entstehen lässt. Deshalb sollte ich es schließen.“ Er hob den kleinen Koffer leicht an. Vermutlich befand sich darin ein Schließmechanismus. „Es war purer Zufall, dass ich dich auf der anderen Seite gesehen habe, und wie du angegriffen wurdest. Dich herüberzuholen war mehr ein Reflex als eine bewusste Handlung.“

„Ich will gar nichts gefährden“, sagte Quart’ol. „Ich will nur heim. Kannst du mir helfen, in meine Zeit zurückzukehren?“

Ericson wandte sich ab. Wollte er ihm nicht in die Augen blicken? „Nun, das ist ein Problem.“ Er gab sich einen Ruck. „Ich will ehrlich zu dir sein, Quart’ol. Man wird dich freundlich empfangen, aber vermutlich nicht wieder gehen lassen.“

„Was?“ Quart’ols Hoffnungen drohten jäh zu ersticken. Er hatte das Ziel so dicht vor Augen und nun sollte alles umsonst gewesen sein? „Ich … ich kehre doch in meine eigene Zeit zurück. Und ich werde sehr vorsichtig sein.“

Ericsons Blick war prüfend, aber nicht ablehnend. „Lass mich einen Augenblick darüber nachdenken. Die größte Schwierigkeit ist, dass bereits Matt und seine Begleiter durch eine Zeitblase zurück in den Flächenräumer gelangt sind. Dort kamen sie an, als die Blase entstand, also noch vor der Zerstörung der Erde durch den Streiter, und konnten es verhindern. Schicke ich dich durch dasselbe Portal, kommst du gleichzeitig mit ihnen dort an und könntest die Geschehnisse negativ beeinflussen.“ Er blickte Quart’ol zweifelnd an. „Äh … verstehst du eigentlich irgendwas von dem, was ich von mir gebe?“

Quart’ol verzog die Quastenlippen zu einem Grinsen. „Durchaus“, antwortete er. „Ich bin hydritischer Wissenschaftler und kenne die Natur der Zeit – und ihrer Manipulation.“

„Dann kannst du ja nachvollziehen, warum das Risiko zu groß ist“, sagte Tom Ericson. „Ich kann es nicht eingehen.“

Quart’ol schwieg. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Fieberhaft suchte er nach einer Lösung. „Es würde funktionieren, wenn die anderen mich nicht sehen könnten“, überlegte er laut.

In Tom Ericsons Blick schlich sich etwas wie ein Funke der Erkenntnis. Aber noch sagte er nichts. Stattdessen zog er eine Art Tablet-Computer von der Größe einer Flossenhand aus der Westentasche, strich darüber und las irgendwelche Daten.

Quart’ol begann ungeduldig zu werden, als er das Gerät wieder abschaltete. „Also gut. Wir gehen nicht zu den Archivaren“, verkündete Tom. „Ich glaube, ich habe eine Möglichkeit gefunden, dir zu helfen. Aber es wird ziemlich kompliziert, und du wirst dich exakt an meine Anweisungen halten müssen.“

„Daran soll es nicht scheitern“, sagte Quart’ol. „Ich weiß schließlich, was für mich auf dem Spiel steht.“

„O nein, das weißt du nicht“, brummte Ericson und fuhr dann laut fort: „Du kennst auch Steintrieb, richtig?“

„Meinhart Steintrieb?“ Quart’ol versuchte gar nicht erst, sein Erstaunen und seine Freude zu verbergen. „Hat er es auch geschafft?“

„Nun … in gewisser Weise schon. Sagen wir, er hat durch sein Wirken in der Vergangenheit erreicht, dass meine Auftraggeber ihm wohlgesonnen sind. Euch allen ist eins gemein: Ihr wolltet die Erde vor der Vernichtung bewahren, was letztlich auch das Ende der Archivare bedeutet hätte. Diese Tat damit zu honorieren, dich für den Rest deines Lebens wegzusperren, wäre nicht fair.“

„Gelinde gesprochen“, meinte Quart’ol. „Wie kannst du mir helfen?“

„Es gibt einen Weg, dich für eine gewisse Dauer unsichtbar zu machen“, erklärte Ericson. „Das ist sogar relativ einfach, durch eine Überdosis Tachyonen. Schwieriger wird es sein, dich in den Flächenräumer zu schaffen. Denn das geht nur durch eine der Zeitblasen.“

„Ich dachte, du hättest mich durch eine hergeholt.“

Tom Ericson dachte kurz nach. „Ich versuche es dir mit einfachen Worten zu erklären. Die Tore, die von diesem Raum aus in alle Zeiten führen, und die Zeitblasen, durch die du gereist bist, sind verschiedene Konzepte der Zeitreise. Ihr seid durch eine Blase vom Flächenräumer aus aufgebrochen, und daher kannst du nur durch eine solche zurückkehren. Auch Matt und die anderen mussten ihre Reise durch die Zeitblasen fortsetzen und darauf hoffen, irgendwann im Flächenräumer zu landen.“

„Augenblick“, unterbrach ihn Quart’ol. „So weit habe ich das verstanden. Aber wie konntest du mich dann aus Dapur...



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