E-Book, Deutsch, 348 Seiten
Stephan Spätlese, trocken.
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7526-3182-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Evangelien, der Römerbrief des Paulus sowie das ökologische Erbe der Israeliten als Quellen der Ethik
E-Book, Deutsch, 348 Seiten
ISBN: 978-3-7526-3182-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Länger als 2000 Jahre haben die Christen vor allem Jesu Lehre gesammelt, und Beiträge zur Ethik haben eine große Rolle gespielt. Dabei lag die Betonung auf Gleichnissen, also auf Geschichten aus dem Leben. Bei meiner Auswahl habe ich mich bemüht, die Vielfalt zu Wort kommen zu lassen; denn alle Zeiten hindurch zeigte sich die Menschheit zunehmend bunt. Als 2016 bei BoD mein Buch Naturgeschichte und dialogisches Verhalten als Quellen der Sozialethik erschien, wurde mir klar, dass die bei weitem wichtigsten Quellen der Sozialethik die Religionen sind, und dass das Christentum als die Lehre Jesu von Nazareths nicht nur besonders gut zugänglich ist, sondern auch allen Vergleichen standhält. In den folgenden Jahren erschloss ich diese Quellen, vor allem in der Übersetzung von Fridolin Stier und präsentierte die Ergebnisse im Rahmen ihres Kontextes. Das Ziel der Ethik, die Anwendung auf unsere Probleme, führte dazu, die Arbeit bis in die Neuzeit fortzusetzen und Fortschritte der modernen Wissenschaft zu berücksichtigen.
Siegfried Stephan wurde 1935 in Hohenleuben/Thüringen geboren. Nach dem Abitur in Zeulenroda machte er ab September 1953 ein Praktikum im Institut für Kulturpflanzenforschung Gatersleben, brach es aber im Januar 1955 ab, weil er in die Armee genötigt werden sollte. Er fand Aufnahme in der Bundesrepublik, studierte in Münster, Köln, Kiel und Bonn und promovierte 1967 in Bonn zum Dr.rer.nat. In Gelände und Labor untersuchte und lehrte er 33 Jahre lang am Institut für Bodenkunde der Uni Bonn Entwicklung und Mikromorphologie der Böden (Forschungsaufenthalte z.B. in Argentinien). Seit 2000 widmet er sich den Grundlagen der Evolution, der Bedeutung des dialogischen Verhaltens und schließlich den Quellen der Sozialethik. Der Autor und seine Frau leben in Rheinbach.
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… und Menschensohn
Jesus war aber auch Mensch wie wir, und das zeigt sich an den Berichten über seine Befindlichkeit. Sein Suchen nach Jüngern und seine Sehnsucht nach den Menschen ist zwar eine Konsequenz aus seiner Sendung. Die Berichte zeigen aber auch ein Rufen aus der Unheimlichkeit des Alleinseins heraus und ein Verlangen nach Freundschaft und Brüderlichkeit und danach, verstanden zu werden, wie es dem Menschen als sozialem Wesen entspricht. Dieses Sehnen wurde allerdings immer wieder frustriert. »Wie lange soll ich es noch bei euch aushalten?« (Matthäus 17, 17) ist seine Klage über Verständnismangel und Unachtsamkeit seiner Jünger sowie über Rechthaberei, Heuchelei und Selbstsucht bei anderen Zuhörern und besonders bei jenen, denen die Heiligen Schriften anvertraut waren. Die Abkunft von Gott selbst glauben wir auf Grund der Zeugnisse nicht nur Mariens. Dass es sich hier um mehr handelt als um Gottes Urheberschaft für alles Leben, das drücken wir aus in den Sätzen »gezeugt – nicht geschaffen« und »eines Wesens mit dem Vater«. Aber was ist Wesen, was ist Zeugung? Es ist zwar verständlich, dass man dies gern mit Begriffen des neuzeitlichen Weltbildes sagen möchte und dass sich besonders seine Feinde bemühen, die Annahme der »Jungfrauengeburt« zu unterstellen, um dann ihre Möglichkeit zu widerlegen, was der Biologe mit einem Kopfschütteln abtun kann, ohne über die Sache selbst zu urteilen; vielmehr bleiben uns nämlich Aussagen in unseren Begriffen verwehrt, wenn es um Transzendentes geht. Kurze Bemerkung für neugierige Leser: Eine »Jungfrauengeburt« ist eigentlich biologisch kein Problem, wohl aber, dass allein aus einer Eizelle oder überhaupt aus einer Frau ein Knabe entsteht: Woher käme dann das Y-Chromosom? Zwar hätte die weibliche Variante (zwei X-Chromosomen im Zellkern) einen Vorteil, da sie die aggressiven Y-Eigenschaften vermeidet, aber die Darstellung – und die damit verbundene Beschneidung Jesu – im Tempel zu Jerusalem verbietet die Spekulation, Jesus sei kein Mann gewesen. Wenn wir überhaupt begründete Vermutungen suchen wollen, dann wohl so: Gott ist Geist und nicht Leib. – Die Zeugung ist Gottes Wille und ihr Ort eine Eizelle. – Es ist nicht ausgeschlossen, aber auch nirgendwo geschrieben, dass sogar der biologische Bestand der männlichen Frucht komplettiert wurde; denn der Engel sprach zu Josef: »Ängstige dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen. Denn: Das in ihr Gezeugte – aus Geist ist es, dem Heiligen« (Matthäus 1, 20). Die biologische Vaterschaft Josefs ist damit nicht ausgesagt, aber ein Ansatz zu anderen Mutmaßungen findet auch keine Grundlage. In der Wüste klärt sich Jesu Aufgabe
Der Anfang der Geschichte Jesu liegt demnach bei Gott. Über sein Hineinwachsen in seine Sippe, seine Umgebung, seine Kultur erfahren wir mancherlei: Die Fürsorge der Eltern nimmt durch Bedrohung von König Herodes her und Flucht nach Ägypten dramatische Züge an. Die berufliche Ausbildung als Zimmermann erfolgt in den Spuren Josefs. Zusätzlich zu seiner Mutter befragt er schon als Zwölfjähriger in Jerusalem Theologen des Tempels. Aus den weiteren Berichten des Neuen Testaments über Jesus lässt sich dann jener Faden herauslösen und herauslesen, der uns durch das Programm Jesu führen kann. Am Beginn seines eigenen Wirkens lässt er sich von Johannes taufen, und dabei bestätigt ihm Gott seine Gottessohnschaft und Berufung. Nun ist Jesus fest im JA zu seiner Sendung verankert – und zieht sich erst einmal in die Wüste zurück. Dort setzt sich seine eigene Sendung ab gegen das, was die Juden vom Messias erhoffen. Der Kampf zwischen seinem Auftrag und dem, was die Menschen von ihm erwarten, gerät zur Versuchung. Er spielt sich als Gespräch zwischen ihm und dem Satan in der Wüste ab. Jesus selbst muss seinen Jüngern darüber berichtet haben – wie anders kann es in die Bibel gekommen sein? –, und der Bericht darüber bringt seinen Jüngern und schließlich auch uns Klarheit über unverzichtbare Hauptpunkte seiner Lehre. Das sollten wir genauer betrachten: Markus beschreibt, dass Jesus nach der Taufe vom Geist in die Ödnis getrieben und dort vom Teufel versucht wird. Matthäus gibt einen ausführlicheren Text, und ich würde die ersten beiden Versuche des Teufels am liebsten übergehen, um schnell zur dritten zu kommen, in der sich für mein Empfinden auch die ganze Problematik unserer eigenen Lebensführung und sogar der Politik sammelt. Aber bei genauem Hinsehen wird doch klar, dass auch wir zunächst die Schwierigkeiten des Alltags bewältigen müssen, um überhaupt für Ansprüche (von »ansprechen«!) Gottes frei zu sein. Jedenfalls ist auch hier Achtsamkeit gefragt. Matthäus (4, 1-4) schreibt also: »Dann wurde Jesus vom Geist hinaus in die Ödnis geführt, um vom Teufel versucht zu werden. Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, war er hungrig hinterher. Und der Versucher trat heran und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brote werden! Er aber hob an und sprach: Es ist geschrieben: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von allem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.« In dieser ersten Versuchung zeigt sich den Lesern die normale Situation nach langem Fasten. Jesus – und nur er selbst kann ja den primären Bericht gegeben haben – sieht den Sinn des Fastens also nicht im Fasten selbst, sondern darin, von irdischen Interessen frei und für Gott und seinen Auftrag offen zu werden, anstatt mit einem »Endlich geschafft« die geistigen Früchte dieser Zeit abzuschütteln und unvermittelt zu fröhlich-irdischem Treiben zurückzukehren. Jesus selbst stellt sich der Frage, was nun auf ihn zukommt – das Fasten war Vorbereitung auf die Sendung. Eine ähnliche Situation wird uns kurz vor der Leidenszeit Jesu wieder begegnen, als im Hause der Marta diese den Küchendienst für primär wichtig hält und ihre Schwester davon abhalten will, stattdessen Jesus zuzuhören. Wir werden an der entsprechenden Stelle erläutern, dass dieses Gespräch für Maria als künftige Zeugin und damit für den Herrn wichtiger ist. Der Teufel bohrt weiter, Matthäus 4, 5-7 berichtet: »Darauf nimmt ihn der Teufel mit in die Heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Heiligtums. Und er sagt zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab. Denn es ist geschrieben: Seinen Engeln gibt er Weisung deinethalben. Und: Auf Händen tragen sie dich, damit du mit deinem Fuß nicht stößt an einen Stein. Sprach Jesus zu ihm: Abermals ist geschrieben: Versuche nicht den Herrn, deinen Gott.« Teufel, Diabolo, ist der, der den begonnenen Lauf durcheinanderwerfen will. Der Gedanke an eine solche Probe legt einen Rückfall in den Zweifel nahe. Ihm nachzugeben wäre aber Abkehr vom begonnenen Weg. Es folgt der direkte Angriff auf das Ziel der Sendung: das Reich Gottes (Matthäus 4, 8-11): »Abermals nimmt ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg. Und er zeigt ihm alle Königtümer der Welt und ihre Herrlichkeiten. Und er sprach zu ihm: Das alles gebe ich dir, wenn du dich niederwirfst und dich tief vor mir verneigst. Darauf sagte Jesus zu ihm: Weg da, Satanas! Denn es ist geschrieben: Tief verneigen sollst du dich vor dem Herrn, deinem Gott, und ihm allein den Dienst tun. Darauf lässt ihn der Teufel. Und da! Engel traten heran und dienten ihm.« Die Erwartung der Juden an den Messias und demnach an Jesus ist, dass er die Fremdherrschaft beendet, das sehr irdisch verstandene Reich Davids wieder aufrichtet und zum Sieg führt. Kraft seiner Sohnschaft und der bereits sichtbaren, auf ihn gerichteten Zustimmung der vielen ist es eine reale Versuchung, sich darauf einzulassen und sich die Mitwirkung Satans durch die offene Bewunderung dessen besonderer Macht zu erkaufen. Eine solche Versuchung war den Juden nicht fremd und auch Christen neigen, wie wohl alle nicht ganz abgestumpften Menschen, angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt dazu, solche Gelegenheiten aufzugreifen und es nicht beim Warten auf Gott zu belassen. Dieser Bitte widmet Rosenzweig im »Stern der Erlösung« übrigens eine lange Betrachtung. Aber es ist in allen solchen Fällen, und so auch bei Jesus, deutlich sichtbar, dass sie nicht zum Reich Gottes führen, sondern immer zur Herrschaft böser Mächte. Der Bericht darüber bringt seinen Jüngern – und schließlich auch uns – Klarheit über unverzichtbare Hauptpunkte: Keineswegs genügt den Leuten die Erfüllung der Jesaja-Prophezeiung: »Er hat unsere Krankheiten weggenommen und unsere Gebrechen hat er weggetragen« (vgl. Matthäus 8,17). Ihnen ist an den je eigenen Interessen gelegen, und sie unterstützen nur den, der ihre kurzsichtigen Wünsche aufgreift – die meist nicht die Wünsche Gottes sind. Aber...




