Steinkasserer / Willeit | Endometriose-Sprechstunde | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

Steinkasserer / Willeit Endometriose-Sprechstunde

Empfehlungen aus der Facharzt-Praxis: Was wirklich hilft!
1. Auflage 2025
ISBN: 978-88-6839-883-5
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Empfehlungen aus der Facharzt-Praxis: Was wirklich hilft!

E-Book, Deutsch, 224 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

ISBN: 978-88-6839-883-5
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Regelschmerzen? Das ist doch normal - oder? Viele Frauen hören genau das, wenn sie über starke Schmerzen während ihrer Monatsblutung sprechen. Doch Schmerzen, die mitunter bis zur Ohnmacht führen und oft mit extremen Blutungen und Problemen mit Darm und Harnblase einhergehen, sind alles andere als normal. Häufig steckt dahinter Endometriose, eine Erkrankung, die Millionen Frauen betrifft, aber noch immer viel zu oft übersehen wird. Deshalb vergehen im Schnitt bis zu zehn Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. In diesem Ratgeber beleuchtet Dr. Martin Steinkasserer, Primararzt für Gynäkologie mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Endometriose-Patientinnen, alle Facetten dieser komplexen Krankheit. Er erklärt, welche Symptome auf Endometriose hinweisen, welche Organe neben der Gebärmutter betroffen sein können und warum unerfüllter Kinderwunsch häufig eine Folge ist. Darüber hinaus zeigt er auf, wie die Krankheit diagnostiziert wird und welche Therapien und Strategien zur Schmerzbewältigung helfen können. Außerdem beantwortet er alle Fragen, die er täglich gestellt bekommt, seit er in seiner Klinik eine Endometriose-Sprechstunde eingeführt hat. Hilfreiche Tipps für den Alltag mit Endometriose runden die Informationen auf Augenhöhe ab. Dieses Buch ist ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die endlich Klarheit und Unterstützung im Umgang mit Endometriose suchen.

Dr. Martin Steinkasserer stammt aus Bruneck und ist Primar der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Bozen. Er ist onkologisch-gynäkologischer Chirurg, Lehrbeauftragter an der Medizinischen Hochschule Hannover und als Leiter des landesweiten Trainingszentrums für minimal-invasive Chirurgie erster Ansprechpartner in Südtirol in der Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen. Der Facharzt für Gynäkologie gilt als Spezialist auf dem Gebiet der Endometriose-Behandlung und -Chirurgie und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Endometrioseforschung (SEF).
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WAS ENDOMETRIOSE MIT DER FRAU UND IHREM UMFELD MACHT


Sabines Geschichte ist nicht erfunden und auch nicht übertrieben dramatisch dargestellt. Sie und ihr Leiden gibt es wirklich. Und sie ist kein Einzelfall.

Während Männer für ihre Schmerzen, zugezogen in der Kletterwand oder auf dem Fußballplatz, fast heldenhaft verehrt oder zumindest ergiebig bemitleidet werden, sind Frauen seit jeher dazu verdonnert, still und leise zu leiden. Sie werden zu häufig nicht ernst genommen und ihre Schmerzen heruntergespielt, es wird ihnen viel zu oft nicht geholfen.

„Unter Schmerzen sollst du gebären“

Frauen wird seit eh und je beigebracht, dass sie Schmerzen hin- und annehmen müssen. Das geht weit in die Geschichte zurück. Schon in der Bibel steht: Unter Schmerzen sollst du gebären. Diese Überlieferungen spielen bis heute eine Rolle und werden von einer Generation zur nächsten, von Müttern an die Töchter und von Tanten an die Nichten weitergegeben. Es wird die gute alte Wärmflasche bemüht oder der Tee mit dem Heilkraut, der schon der Oma geholfen hat. Sind die Schmerzen sehr schlimm und sprechen auf diese gut gemeinten therapeutischen Ratschläge nicht an, wird recht schnell von Hysterie geredet. Oder von chronischem Jammern. Die Schmerzen bei der Regelblutung, die habe ja jede Frau, heißt es dann oft und gerne. Die Mutter, die Schwester, die Nachbarin, die Frau an der Supermarktkasse – bei allen ist es kein Problem. Nur du kommst damit nicht zurecht!

So kommt es, dass die Schmerzen zur Kopfsache gemacht werden. Wer „mit diesem bisschen Weh“ nicht zurechtkomme, habe kein körperliches Problem, sondern eher eine angeschlagene Psyche. Einmal in diese Schublade gesteckt, geht es dort nur schwer wieder heraus. Je öfter die betroffene Frau ihre Schmerzen und ihre Beschwerden mitzuteilen versucht, desto seltener stößt sie auf offene Ohren. Mit ihrem vermeintlich übertriebenen Gejammere über Symptome, die augenscheinlich jede Frau – außer sie – für erträglich hält, nervt sie. Ihr wird ihre Wahrnehmung nicht mehr geglaubt. Und noch schlimmer: Schon bald beginnt sie, selbst daran zu zweifeln.

Beschwichtigen, herunterspielen, auf die Psyche schieben

In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Gaslighting. Er bezeichnet eine Form der psychischen Manipulation. Der Name geht auf das Theaterstück „Gas Light“ aus dem Jahre 1938 zurück, in dem ein Mann versucht, seine Frau gezielt in den Wahnsinn zu treiben, um an ihr Erbe zu kommen. Berühmt wurde die Verfilmung „Das Haus der Lady Alquist“ im Jahr 1944 mit Ingrid Bergman als Paula Alquist, die dafür auch den Oscar bekam. Paulas Selbstwahrnehmung wird von ihrem Mann Gregory bewusst und gezielt manipuliert: Schritte und Geräusche auf dem verschlossenen Dachboden, das altmodische Gaslicht, das flackert und schließlich nur mehr gedimmt leuchtet, ein Bild, das plötzlich nicht mehr an seinem Platz hängt – von all dem will Gregory nichts bemerken, tut es als pure Einbildung seiner Frau ab. Und die zweifelt zunehmend an ihrem Verstand, geht kaum mehr aus dem Haus, zieht sich komplett zurück. Auf diese Weise gelingt es ihm, aus der lebenslustigen Paula eine verstörte und verängstigte Bettlägerige zu machen, die sich schließlich selbst für psychisch krank hält.

Gaslighting ist eine perfide Methode, um Menschen an den Rand des Wahnsinns zu bringen, sie zu desorientieren, zu verunsichern und in ihrem Realitätsbewusstsein und ihrer Selbstwahrnehmung zu beeinträchtigen. Im Fall von Endometriose geschieht dies, indem die Wahrnehmung der Betroffenen, nämlich ihre extremen, über das Normale hinausgehenden Schmerzen nicht ernst genommen, herabgespielt, bagatellisiert und ins Psychische geschoben werden. Auf diese Weise verfestigt das Umfeld den Eindruck: Mit dir stimmt etwas nicht – aber nicht körperlich, sondern psychisch!

Das Umfeld umfasst dabei nicht nur Familie, Freunde, Lehrer, Arbeitgeber und Arbeitskollegen, sondern häufig auch Ärztinnen und Ärzte. Wenn auch sie ständig beschwichtigen und die Beschwerden ihrer Patientinnen nicht ernst nehmen und herunterspielen, spricht man von „Medical Gaslighting“. Auch das medizinische Fachpersonal trägt folglich oft dazu bei, dass die Frauen an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln.

Häufig werden zunächst verschiedene Diagnosen gestellt, die jedoch nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben. Entsprechend bleiben die verschriebenen Therapien wirkungslos oder helfen nur wenig. Mit jeder erfolglosen Behandlung wächst der Frust – sowohl bei der Patientin als auch bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Das sogenannte Ärzte-Hopping beginnt: Die Patientin wechselt – verständlicherweise – öfter die Praxis, worüber man dort in den allermeisten Fällen nicht unglücklich ist. Die Frau aber bleibt ohne richtige Diagnose und hilfreiche Therapie. Der Schluss für die Ärztinnen und Ärzte ist meist naheliegend: Die Frau hat kein körperliches, sondern ein psychisches oder bestenfalls ein psychosomatisches Problem. So geraten die korrekte Diagnose und eine wirksame Therapie in immer weitere Ferne. Und bei der Frau verstärkt sich das Gefühl, sich alles nur einzubilden, selbstmitleidig und melodramatisch zu sein. Sie igelt sich ein, zieht sich zurück, schlittert im schlimmsten Fall in eine Depression. Der Teufelskreis – neuer Arzt, keine richtige Diagnose, keine oder die falsche Therapie, die Enttäuschung über das Weiterbestehen der Schmerzen, die Vertröstung durch die Mediziner, Selbstbeschuldigungen, Isolation, Depression, erneuter Wechsel des Arztes – dreht sich immer schneller.

Das Chamäleon der Gynäkologie

Viele Frauen, die unter Endometriose leiden, wurden auch deshalb abgewimmelt und beschwichtigt, weil die Krankheit lange Zeit zu wenig bekannt und auch in der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte kein Thema war. In der Medizin war jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelang, der männliche Patient die Norm, gewissermaßen der Prototyp. Medikamente wurden an Männern getestet, Studien mit Männern durchgeführt, Leitlinien von Männern geschrieben. Alles, was dem Mann helfen konnte, musste auch für die Frau gut gehen.

Einzig die Geburtshilfe war von alters her ein wichtiger Bereich in der Medizin, der zwangsläufig nur die Frau im Blick hatte. Allerdings nicht ohne männlichen Hintergedanken. Schließlich ging es dabei über Jahrhunderte primär um den gesunden Nachwuchs, die Sicherung der Erbfolge, die Weitergabe der Gene und die Bereitstellung von Arbeitskraft und Soldaten. Hier sollte nichts dem Zufall oder dem Schicksal überlassen werden. Allerdings war die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geburtsmedizin ausschließlich Männern überlassen, die sich über eine sehr lange Zeit keineswegs mit Ruhm bekleckert haben. Bis weit ins 19. Jahrhundert starben – zum Beispiel in Wien – in ärztlich geleiteten Kliniken deutlich mehr Frauen an Kindbettfieber als in den von Hebammen geführten Geburtshäusern.

Ich wage die Behauptung, dass Endometriose früher auf der medizinischen Agenda gelandet wäre, hätte man damals schon gewusst, dass diese Krankheit auch erhebliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben kann.

Mittlerweile ist Endometriose aber im klinischen Alltag angekommen. Dass Frauen häufig trotzdem noch viele Jahre warten müssen, bis sie die richtige Diagnose erhalten, ist vielleicht erklärbar, wenngleich nicht entschuldbar, dass es sich dabei um eine in ihrem klinischen Erscheinungsbild extrem uneinheitliche, oft verwirrend komplexe, chronische Krankheit handelt, die uns Ärztinnen und Ärzte mitunter an die Grenzen unserer diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bringen kann. Nicht von ungefähr wird vom Chamäleon der gynäkologischen Erkrankungen gesprochen.

Der Idealfall für einen Mediziner ist der Patient mit dem gebrochenen Arm. Der wird eingegipst und nach maximal vier Wochen ist alles gut. Eine Win-win-Situation: Der Patient ist glücklich und der Arzt sowieso, weil er sich bestätigt fühlt und helfen konnte. Medizinerinnen und Mediziner sind auch nur Menschen. Kommt aber ein Patient oder eine Patientin immer mit demselben Problem, weil nichts hilft und nicht einmal die Diagnose eindeutig gestellt werden kann, wird das auf medizinischer Seite mitunter als Misserfolg angesehen. Ich vergleiche das gern mit dem Fußballer beim Elfmeter, der den Druck verspürt zu treffen. Auch auf dem Arzt und der Ärztin lastet ein Druck, nämlich zu heilen oder zumindest zu helfen. Gelingt das nicht, kommen unter Umständen auch sie in Versuchung, die Probleme der Patientin auf die Psyche zu schieben. Die Verantwortung für den Heilungserfolg wird weitergereicht oder – im schlimmsten Fall – vollständig der Patientin überlassen. Dass sich Endometriose auch auf die Psyche schlägt, ist nicht verwunderlich. Immerhin greift die Krankheit in alle Lebensbereiche einer Frau ein und beeinflusst ihre Lebensqualität, ihr Privat- und Berufsleben einschneidend. Das geht an niemandem spurlos vorbei.

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Ein Leben mit starken, chronischen Schmerzen, wie sie bei...


Willeit, Brigitta
Brigitta Willeit stammt aus Olang und ist seit 2001 Journalistin bei der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“. Dort ist sie neben der täglichen Berichterstattung auch für die wöchentliche Gesundheitsseite verantwortlich. Außerdem hat sie an zahlreichen Büchern und Ratgebern zu Gesundheit und Wohlbefinden mitgearbeitet.

Steinkasserer, Martin
Dr. Martin Steinkasserer stammt aus Bruneck und ist Primar der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Bozen. Er ist onkologisch-gynäkologischer Chirurg, Lehrbeauftragter an der Medizinischen Hochschule Hannover und als Leiter des landesweiten Trainingszentrums für minimal-invasive Chirurgie erster Ansprechpartner in Südtirol in der Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen. Der Facharzt für Gynäkologie gilt als Spezialist auf dem Gebiet der Endometriose-Behandlung und -Chirurgie und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Endometrioseforschung (SEF).



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