Stein | Tödliche Tropfen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

Stein Tödliche Tropfen

Kriminalroman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-943758-54-2
Verlag: B3 Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

ISBN: 978-3-943758-54-2
Verlag: B3 Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hochsommer in Frankfurt. Die Stadt stöhnt unter den abnormen Temperaturen. Zum wiederholten Mal wurde der Hitzerekord gebrochen. In der Nacht, die kaum Abkühlung bringt, wird Hauptkommissar Schwaner zum Flughafen gerufen. Am Rande des Flugfeldes wurde eine Leiche gefunden. Ein Alptraum beginnt…

Der dritte Roman von Jakob Stein führt durch und hinter die Kulissen des Frankfurter Flughafens. Mit etwa achtzigtausend Arbeitsplätzen und durchschnittlich mehr als einhundertfünfzigtausend Passagieren pro Tag ist der Airport eine Stadt in der Stadt, die ihrem ganz eigenen Rhythmus folgt. Der Cargo-Bereich ist führend in Europa. Dort werden heute mehr Waren umgeschlagen als in manchem Seehafen. Damit verbunden ist auch ein hohes kriminelles Treiben, das immer wieder neue Wege sucht...

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III
Das grelle Licht am Tor blendete Hauptkommissar Martin Schwaner. Er hielt sich schützend die Hand über die Augen. Sven Beck, sein Assistent, hatte die Scheibe heruntergelassen und zeigte seinen Ausweis dem Sicherheitsdienst, der anscheinend schon auf sie gewartet hatte. Ein Wagen der Bundespolizei würde gleich kommen und sie begleiten. Sie sollten einen Moment dort drüben warten. Beck tippte sich an die Stirn und steuerte nach rechts. Unterwegs hatten sie kaum ein Wort miteinander gewechselt. Gegen zwei Uhr war Schwaner von der Einsatzzentrale aus seinem ohnehin brüchigen Schlaf gerissen worden. Benommen saß er auf der Bettkante. „Waasss isst?“, drehte sich Sandra verschlafen und unbedeckt zu ihm um. Ihr dünnes, nur von zwei schmalen Trägern gehaltenes Nachthemd war ihr bis zum Bauch emporgeklettert. Der weiße Hautstreifen, der sich zum Po hin verbreiterte, leuchtete Martin verführerisch entgegen. Er ließ sich zurück ins Bett fallen und drückte einen langen Kuss auf die weiche Backe, während seine Hände an Rücken und Oberschenkel entlang strichen. „Mmmhhh…“, seufzte Sandra genüsslich. „Ich muss los“, nuschelte Martin, noch immer die Lippen auf Sandras Hintern gepresst. „Woohiin?“ „Zum Flughafen. Ein Leichenfund.“ Nach einem Klaps auf ihren Allerwertesten stemmte er sich hoch, schnappte seine Sachen vom Stuhl und ging ins Badezimmer. Ihm wurde plötzlich schwindlig und er musste sich am Türrahmen festhalten. ‚Hoppla, was ist jetzt los?‘, dachte er, schob es aber auf das plötzliche Aufstehen. Er warf sich einige Handvoll Wasser ins Gesicht, sprühte reichlich Deo unter die Achseln, zog sich an und tappte nochmals zum Bett zurück, um sich zu verabschieden. „Soll ich nicht mitkommen?“, fragte Sandra, anscheinend bereits hellwach. „Nein. Ich denke, es wird nichts Außergewöhnliches sein.“ „Aber ich habe Bereitschaft und muss ja dann auch bald los“, flüsterte Sandra ihm zu. Als Ärztin am Rechtsmedizinischen Institut der Goethe-Universität würde Martins Leiche in wenigen Stunden höchstwahrscheinlich bei ihr ankommen. „Ich werde mir Zeit lassen“, versprach Martin beim Abschiedskuss. Als Beck vorfuhr, fühlte er sich matt und ausgezehrt. Wenig Schlaf machte ihm eigentlich nichts aus, die anhaltende Hitze war viel schlimmer. „Was ist das für ein Licht da drüben?“ Schwaner deutete auf eine helle Kuppel, die über die flachen Gebäuden hinweg zu erkennen war. „Liegt dort unsere Leiche?“ „Keine Ahnung.“ Beck hob nur die Schultern und schaute kurz zu Schwaner hin. Im Licht der Laterne warf die Narbe auf seiner Oberlippe, obwohl er sie mit einem dümmlichen Schnauzer zu kaschieren suchte, einen deutlichen Schatten. Der Wagen der Bundespolizei kam heran, blinkte einmal kurz auf, wendete und fuhr voraus. An nüchternen Zweckbauten vorbei gelangten sie zum Flugfeld. Sie hielten direkt auf den weithin leuchtenden Bereich zu, drehten plötzlich nach Westen ab, vorbei an still wartenden Flugzeugen und riesigen Hallen mit halboffenen Toren, hinter denen gearbeitet wurde. Hier wurden kleine Container in Maschinen verladen, dort spannte ein riesiger Airbus unter der frei schwebenden Decke seine Flügel aus. Winzig wirkende Mechaniker liefen um die gewaltigen Triebwerke herum. Danach wurde es dunkel und unbelebt. Ein, zwei Gebäude lagen ausgestorben und scheinbar nutzlos da. Eine weite Fläche folgte, über die nur der matt leuchtende Zaun vor der tiefen Schwärze des angrenzenden Waldes zu sehen war. Etwas abseits davon tauchte die Feuerwache 3 auf. Rechts strahlte die Lichtkugel über das gesamte Vorfeld. Lange Schatten liefen vor ihrem grellen Schein davon. Die kleinen Lampen, die am hinteren Ende einer Reihe von Containern aufgestellt waren, wirkten wie Glühwürmchen im Gegensatz zu den Flutern einige Hundert Meter von ihnen entfernt. „Was geschieht dort?“, fragte Hauptkommissar Schwaner den Erstbesten, der ihm beim Aussteigen über den Weg lief. „Der Belag der Centerbahn wird erneuert“, antwortete der Angesprochene überrascht. Er eilte zu dem beleuchteten Fleck am hinteren Ende. Fasziniert starrte Schwaner zum Flugfeld hinüber. Jetzt erkannte er einen dichten Tross unterschiedlicher Fahrzeuge, die sich im Schneckentempo vorwärtsbewegten. Auch der Lärm drang nun herüber. Ständig fuhren vorne und hinten lange Kipplaster heran und wieder weg. Die vorderen wurden von riesigen Asphaltfräsen gefüttert, die hinteren luden den neuen Belag in die breiten Mäuler noch breiterer Maschinen ab, die ihn über die Bahn verteilten. Zwischen vorne und hinten reinigten gewaltige Bürsten den Untergrund, andere Fahrzeuge sprühten, als düngten sie ein Feld, etwas auf. Mehrere Leuchtmasten, montiert auf garagengroße Generatoren, wurden auf beiden Seiten mitgezogen. Zahlreiche Menschen bewegten sich wie Scherenschnitte dazwischen. „Unglaublich!“, staunte der Hauptkommissar, der seinen Blick gar nicht lösen konnte. „Ja, ja! Eine technische Meisterleistung. In drei Tagen ist die gesamte Bahn wie neu“, klang es wenig begeistert an Schwaners Ohr. „Wenn Sie sich vielleicht einmal unserem Problem widmen möchten …?“ Der Hauptkommissar wurde fast am Arm herumgerissen und stand einem kleinen, doch sehr breiten Kollegen in Uniform gegenüber. „Richter. Hauptkommissar Richter von der Kriminalabteilung hier im Flughafenrevier“, stellte sich die gedrungene Gestalt vor, wobei er seinen Rang langsam und betont aussprach. Schwaners Hand glitt in einen Schraubstock und wurde mehrere Sekunden gepresst. Ein neugieriges Grinsen von Ohr zu Ohr, darüber zwei geblähte Backen wie die eines Trompetenspielers und kleine Schweinsaugen ließen das Gesicht wie eine Maske erscheinen. Die quadratisch geschnittene Kurzhaarfrisur tat ihr Übriges dazu. Bei dieser unwirklichen Beleuchtung, der künstlichen Umgebung und dem abstrusen Lärm kam es Schwaner vor, als sei sein Gegenüber einem Comic entsprungen oder aus der Matrix vor ihm gelandet. „Schwaner. Martin Schwaner von der Mordkommission“, antwortete er und erwiderte den kräftigen Händedruck. „Das ist mein Kollege Sven Beck.“ Geschickt schüttelte er dabei seine frei gewordene Hand aus. Richter führte Schwaner und Beck an der Simulationsanlage entlang und erläuterte schon im Gehen die Geschehnisse der letzten Stunden. „Gegen halb zwei ging der Anruf der Kollegen von der Feuerwehr bei uns ein. Wir haben sofort die Zentrale verständigt und sind hier raus gefahren.“ Die drei erreichten das Absperrband, das völlig überflüssig wirkte, da außer den ermittelnden Personen keine Menschenseele zu sehen war. „Wir haben den Fundort gesichert …“ „Wer hat die Leiche gefunden?“, unterbrach Schwaner den gehetzt redenden Richter. „Zwei Feuerwehrmänner. Reis und Faber. Sie sitzen drinnen. Die sind völlig fertig, obwohl sie einiges kennen …“ Richter hielt das weiß-rote Band in die Höhe. Er und Beck schlüpften darunter hindurch. Martin Schwaner deutete ihm an loszulassen und stieg darüber. „… es ist kein schöner Anblick … Ihre Kollegen sind schon bei der Arbeit, ich …“ Schwaner ließ ihn stehen und ging neben Beck zu der weit offen stehenden Klappe hinüber. Dahinter kniete ein Mensch im Schutzanzug. Nur seine Füße und sein Rücken waren zu sehen. Eine andere, mit Maske und Brille vermummte Gestalt tauchte immer wieder über der Metalltür auf, scheinbar um die Beine durchzudrücken, vielleicht auch aus einem anderen Grund. Der Geruch war so plötzlich da, dass er Martin und Sven in den Magen schlug. Der wie ein Harlekin immer wieder aufspringende Oberkörper gehörte zu Günther Messner, dem Leiter der Kriminaltechnik. Schwaner erkannte ihn am dicken Haarwulst unter der Kapuze. Im Licht der Scheinwerfer leuchtete er wie ein Schneemann – ein Bild, das auch von seiner fülligen Statur unterstützt wurde. Erst jetzt, wenige Schritte von Messner entfernt, sah er die unzähligen Fliegen, die im Schein der Lampen umherschwirrten. Der Hauptkommissar verlangsamte seinen Gang, blieb fast stehen. Wie in Zeitlupe schob er sich um die Klappe herum. Der unglaubliche Gestank nahm ihm den Atem. Der vor ihm hockende Mitarbeiter der KTU stand auf und auch Messner ging schweigend zur Seite, reichte ihm noch aus einem Koffer einen Mundschutz. Im geöffneten Rachen lag, an die Seitenwand angelehnt, ein menschlicher Körper. Auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Lediglich das lange, glatte, schwarze Haar deutete auf eine Frau hin. Das Gesicht, sofern es unter den sich immer wieder absetzenden Fliegen zum Vorschein kam, war aufgedunsen, ja förmlich aufgeblasen. Die Augen kaum sichtbare Striche, die Nasenlöcher grotesk...


Jakob Stein lebt Frankfurt am Main. In seiner Berufslaufbahn arbeitete er sowohl im Buchhandel als auch bei verschiedenen Verlagen. Aktuell ist er in der Werbe- und Medienbranche tätig. Von ihm sind bereits erschienen: "Flucht in den Tod" (2017), "Geschlossene Gesellschaft" (2016), "Tödliche Tropfen" (2016), "Um jeden Preis" (2014) und "Doppelmord á la carte" (2013).



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