E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: BattleTech
Stackpole / Weiß BattleTech - Eine clevere kleine Geschichte
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98732-097-2
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufstieg der Kell Hounds 3
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: BattleTech
ISBN: 978-3-98732-097-2
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
EINE BRISANTE MISCHUNG AUS POLITIK UND GEFAHR ... Morgan und Patrick Kell, die Gründer der Kell Hounds-Söldnereinheit, sind auf dem Höhenflug. Zuerst hatten sie einen Verbrecherkönig gestürzt, der über den Söldnerstern Galatea geherrscht hat, dann haben sie diese Welt gleich noch einmal vor einem religiösen Eiferer gerettet, der versucht hat, die Regierung solange auszuhungern, bis sie sich seiner neuen Theokratie unterwirft. Ganz nebenbei haben sie dann auch noch ein Spitzenteam aus Mechpiloten, Techs und Bodentruppen um sich versammelt, die aus den Kell Hounds eine der führenden Söldnertruppen in der Inneren Sphäre machen werden. Als die Hounds nun von der Archon angeheuert werden, um ein Militärmanöver mit Prinz Ian Davions Streitkräften abzusichern, das als Machtdemonstration gemeinsamer Stärke des Lyranischen Commonwealth und der Vereinigten Sonnen gedacht ist, glaubt Morgan, dass er sich jetzt ein bisschen entspannen kann und zugleich die Gelegenheit bekommt, den schillernden Anführer der Vereinigten Sonnen kennenzulernen. Doch als dann eine schlagkräftige Gruppe von Raidern auf Zavijava landet, sieht er sich mit zwei Bedrohungen auf einmal konfrontiert - die Invasoren müssen daran gehindert werden, den Planeten zu verwüsten, und dabei gilt es zugleich auch noch Prinz Davion zu beschützen. Das wahre Problem ist jedoch, dass Morgan vor einer riskanten Wahl steht, noch bevor die Kämpfe beendet sind ... wobei es möglicherweise um die Machtbalance in gleich zwei der Großen Häuser geht ...
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1
Die Nagelring
Distrikt Donegal, Tharkad
Lyranisches Commonwealth
15. November 3010
Morgan Kell stand auf der Außenmauer der Nagelring und schaute hinaus auf die Berge. Der Wind trieb Schnee in zerrissenen Fahnen vor sich her, entblößte auf diese Weise schwarzen Fels. Freiliegendes Gestein glitzerte mit scharfen, wie glasiert wirkenden Kanten, als ob es zu Speerspitzen geschlagen worden wäre, dann wurde es erneut von einer weiteren Decke aus Weiß verborgen.
Er lächelte. War das alles wirklich schon sechs Jahre her? »Meine Kumpel und ich haben uns immer genau hier getroffen, um uns die Berge anzuschauen, Veronica. Wir haben uns dann geschworen, bis ganz nach oben zu klettern, egal bei welchen Wetterbedingungen. Und der Umstand, dass jedes Jahr ein Dutzend Leute bei genau so einem Vorhaben ums Leben kam, hat uns dabei kein bisschen gestört.«
Während er sprach, blies der Wind seinen dampfenden Atem fort und biss ihm in die Wangen. »Ist es nicht wunderschön?«
»Mmmmpf.«
Er wandte sich um und lächelte noch breiter, trotz der Taubheit in seinem Gesicht. Veronica Matova bibberte an seiner Seite. Die pelzbesetzte Kapuze war fest zusammengeschnürt und ein Schal umwickelte das Gesicht, so dass nur noch ihre blauen Augen frei blieben. Der Daunenparka mummelte sie dick ein, konnte aber trotzdem nicht das Zittern verbergen, das ihren schlanken Körper schüttelte. Ihre Hände steckten in einem Pelzmuff und der Gips um ihren linken Fuß wurde von einem gepolsterten Stiefel verborgen.
»Das tut mir leid, Liebste. Du kommst ja von Galatea, dir muss ganz kalt sein.«
Ihre Augen bewegten sich auf und nieder.
Morgan lachte und führte sie mit einem um ihre Schultern geschlungenen Arm zum nächstgelegenen Turm. Er stieg vor ihr die eiserne Treppe hinunter und musste sich eingestehen, dass die Eiseskälte des Geländers in der Tat auch durch seine Handschuhe drang.
Im Erdgeschoss des Turms angelangt geleitete er sie in das Hauptgebäude und schlug ihre Kapuze zurück. Sie schüttelte einmal ihren Kopf, befreite so eine Kaskade aus goldenem Haar, sagte aber noch immer nichts.
Er zog den blauen Schal nach unten. »Deine Zunge wird ja wohl kaum eingefroren sein.« Sein Lächeln kehrte zurück. »Aber falls doch, na ja … ich hätte da schon eine Idee, wie man sie wieder auftauen könnte.«
Veronica zog sich den Schal wieder hoch bis über die Nase. »Wenn sie eingefroren wäre, Morgan Kell, hättest ganz allein du die Schuld daran. Und es würde mir ganz bestimmt nicht einfallen, dich dann auch noch mit einem Kuss dafür zu belohnen.«
»Belohnen? Ich möchte doch keine Belohnung.« Morgan schüttelte voller Ernst den Kopf. »Ich hatte lediglich an den medizinischen Nutzen eines Kusses gedacht …«
»Netter Versuch, Soldat. Schau, wenn ich in Zukunft sage ‚Nein, ich möchte wirklich nicht nach draußen‘, dann nimm mich bitte beim Wort, okay?« Sie zog die Hände aus dem Muff, streifte übergroße Fäustlinge ab und brachte auf diese Weise ihre behandschuhten Hände zum Vorschein. »Ich habe – zähl ruhig mit – vier Schichten übereinander gezogen, und mir ist immer noch kalt.«
»Ich würde diese Schichten nur zu gerne einmal nachzählen, eine nach der anderen …«
Veronica rollte mit den Augen. »Du bist so dermaßen leicht zu erregen …«
»Und dafür liebst du mich?«
»Tue ich das?«
»Tust du das nicht?«
»Sollte ich denn? ‚Komm doch mit mir, Veronica, schau dir das Commonwealth an und erfriere.‘«
Morgan umschlang sie mit seinen Armen und zog sie fest an sich. »Ich habe dir aber glaub’ ich ganz andere Reize versprochen.«
»Das ist jetzt nicht die Zeit für Haarspaltereien, Morgan.«
»Ach ja, stimmt, es geht ja ganz allein um dich.«
»Exakt.« Ihre Augen leuchteten voller Wärme und ein Finger zog den Schal bis zum Kinn herunter. »Mir ist kalt, und ich kann auch nichts dagegen machen, solange ich mich nicht – na ja, du weißt schon – mit Kartoffelpuffern mäste und so eine Wuchtbrumme werde wie – «
Morgan drückte ihr einen Finger auf die Lippen. »Ähem, wir sollten nicht schlecht über unsere Gastgeber reden.«
Nachdem sie in dem System angekommen waren und sich Holovisionsübertragungen angesehen hatten, war Veronica aufgefallen, dass der Inbegriff femininer Schönheit, den die Sendungen vermittelten, eher auf der stämmigen Seite zu finden war. Als Morgan ursprünglich an die Nagelring gekommen war, hatte dies ein bisschen Gewöhnung erfordert, doch die weiblichen Kadetten an der staatlichen Militärakademie des Lyranischen Commonwealth erwiesen sich als athletisch. Andere Frauen hingegen waren eher mollig und kurvenreich, was – so jedenfalls wurde es in populären Geschichten und Liedern vermittelt – dazu beitrug, die langen Winternächte sehr viel wärmer zu gestalten.
»Natürlich hast du recht. Es ist kalt hier. Ich habe das nur nicht so gemerkt, weil …«
»Weil du ein Mann bist und so etwas nicht mal unter Androhung von Folter zugeben würdest?«
Er hob eine Augenbraue. »Mal ganz abgesehen davon habe ich eine lange Zeit hier an der Schule verbracht. Wir haben beim Wachdienst auf diesen Mauern patrouilliert. Wir haben in diesen Bergen Übungen abgehalten. Ich hatte ja schon die Leute erwähnt, die dort oben verschwunden sind – wir haben dabei geholfen, sie zu finden.«
»Das versteh ich ja.« Sie drückte seinen Arm. »Ich kann auch verstehen, dass die Menschen den Schnee mögen. Sie lieben das Skifahren und den Langlauf. Mir gefällt aber eher die Idee, skigelaufen zu sein und danach mit einem heißen Grog vor dem Kaminfeuer zu sitzen.«
Er schüttelte den Kopf.
»Und damit wir uns nicht falsch verstehen, Morgan, ich liebe dich dafür, dass du mir die Nagelring zeigen willst. Der Umstand, dass sie ein so bedeutender Bestandteil deines Lebens gewesen ist, macht sie auch für mich wichtig.« Sie lächelte sanft und schaute den langen Korridor hinunter, der von Portraits und Gedenktafeln geschmückt wurde, mit Zimmern, die nach Schlachten, berühmten Mechs und legendären Kriegern benannt worden waren. »Ich kann die Geschichte hier spüren, und du weißt, dass ich sie auch zu würdigen weiß. Selbst auf Galatea ist die Nagelring ein Begriff, der Bewunderung genießt. Wenn man auf einen Kampf wettet, fühlt man sich gleich viel zuversichtlicher, wenn der Pilot ein Absolvent der Nagelring ist. Wenn eine Söldnerkompanie rekrutiert, sind die N-Graduierten immer als erste weg, und wenn diese Kompanie von einem N-Graduierten geführt wird, geht man davon aus, dass man sie auch wiedersieht. Graduierten wie dir und deinem Bruder.«
Morgan ergriff sie beim Ellbogen und führte sie in einen der Flure. Nach zwanzig Metern öffnete sich ein Durchgang in der Wand zu einem großen Atrium. Acht Meter unter ihnen glühte die Lobby der Steiner-Halle im Licht der untergehenden Sonne.
Er geleitete sie eine Treppenflucht hinunter zu einer großen Trophäenvitrine. »Schau mal hier.«
»Der Jahrgang von 04, Jahrgangsbester.« Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange, was beträchtlich zu ihrer Erwärmung beitrug.
»Und dort, meine kumulierte Kadettenbenotung, 905,3. Sieh dir auch die anderen aus der Zeit davor an. Keiner von denen hat jemals eine so hohe KKB erzielt.
Sie musterte die Namen. »Und danach auch nicht mehr.«
»Yeah, aber guck mal bei 09.«
»Patrick Kell, 905,291« Veronica lüpfte eine Augenbraue. »Ganz schön ebenbürtig, die Gebrüder Kell.«
Morgan schüttelte den Kopf. »Wenn man sich die Einzelbenotungen ansieht, die zu diesem Wert geführt haben, kann man sehen, dass Patrick mich eigentlich schon nach allen Regeln der Kunst in die Tasche gesteckt hatte.«
»Aber wie …?«
»Er hat in seinem letzten Jahr ein Wahlfach belegt. Musik. Klassische Gitarre. Hat dabei eine 1,8 erzielt. Damit ist er auf 905,291 abgesunken.«
Veronicas Augen verengten sich. »Er hat das mit Absicht gemacht.«
»Er spielt Gitarre, seit er vier ist. Mit zehn hat er einen planetenweiten Wettbewerb auf Arc-Royal gewonnen. Seine Fähigkeiten als Musiker wurden als vorteilhaft verbucht, als es um seine Aufnahme an der Nagelring ging.« Patrick nahm ihre Hand in die seine und drückte sie. »Ich weiß, dass du Brüder und Schwestern gehabt hast, aber ich hatte nur meinen Bruder. Mir war klar, dass er mich bewundert hat, während wir aufwuchsen, aber er war immer noch mein kleiner Bruder....




