E-Book, Deutsch, Band 2277, 144 Seiten
Reihe: Baccara
St. Aubin Betör mich, verführ mich!
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1548-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2277, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-1548-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieser Auftrag wird eine Herausforderung! Eigentlich soll Firmenerbin Marlowe für ihren Vater nur prüfen, ob sich eine Investition in die Destillerie von Law Renaud lohnen könnte. Doch Laws strotzende Kraft und seine raue, ungezähmte Männlichkeit betören die sonst so kühle Controllerin derart, dass sie sich kaum auf ihre Aufgabe konzentrieren kann. Als sie wegen eines Sturms auf dem Anwesen festsitzt, wird die Versuchung übermächtig und entfacht zwischen Marlowe und Law eine Leidenschaft, die heißer brennt als Laws hochprozentiger Whiskey ...
Cynthia St. Aubin schrieb ihr erstes Theaterstück im Alter von acht Jahren und ließ es von ihren Brüdern für den Eintrittspreis von Kaugummipackungen aufführen. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass sie die Verpackungen im Voraus zur Verfügung stellte. Als sie groß genug war, um die oberste Schublade der elterlichen Kommode zu erreichen, begann sie, den Geheimvorrat ihrer Mutter an Liebesromanen zu stehlen, und ist seitdem in die Liebe verliebt. Als eingefleischte Käsesüchtige und aufstrebende Katzendame lebt sie in Texas mit einem gut aussehenden Musiker zusammen.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Marlowe Kane stand auf dem Treppenabsatz der zweiten Etage von Fair Weather Hall. Ihr Gesicht kam ihr heiß vor, während sie den kühlen Marmor des Geländers unter ihren Fingern spürte. Bereits in ihrer Kindheit hatte sie herausgefunden, dass dies der beste Ort war, um unbemerkt die rauschenden Partys ihrer Eltern auszuspionieren. Damals war sie klein genug gewesen, um durch die Zwischenräume der geschwungenen Säulen hindurchzuspähen, in der Hoffnung, einen Blick auf einen verstohlenen Kuss werfen zu können. Oder auf ein Pärchen, das eng umschlungen tanzte.
Was sie jetzt sah, machte sie jedoch nur wütend.
Neil Campbell, ihren früheren Verlobten.
Zusammen mit der eintreffenden Gästeschar drängte er sich – Champagner schlürfend und Appetithäppchen mampfend – durch den geräumigen Korridor in Richtung des Ballsaals. Dort fand nämlich das exklusive Event des heutigen Abends statt, das ihr Vater für gegenwärtige und zukünftige Geschäftspartner veranstalten ließ. Stundenlang würden sich die Gäste dort Kaviar und Kanapees schmecken lassen, bevor man zu Scotch, Zigarren und gegenseitiger Beweihräucherung überging.
Männer unter sich, wie Marlowe einmal mehr verärgert dachte.
Weshalb dazu jedoch auch Neil dazu eingeladen worden war, nach alldem, was er ihr angetan hatte, verstand sie beim besten Willen nicht.
Inständig wünschte sie sich, mit Samuel und Mason sprechen zu können.
Ihre Zwillingsbrüder waren nur ein Jahr älter als sie und ihre selbsternannten Beschützer – wobei sich ihre Methoden erheblich voneinander unterschieden.
Samuel bevorzugte elegant und effektiv geführte Wortduelle, während Mason es nicht minder erfolgreich vorzog, die Fäuste sprechen zu lassen.
Doch steckte Samuel mitten in den Hochzeitsvorbereitungen mit seiner großen Liebe aus Highschool-Zeiten – und Mason genoss das Liebesglück mit der Assistentin seines Vaters. Aus diesem Grund glänzten die beiden Brüder am heutigen Abend durch Abwesenheit.
Marlowe lockerte den festen Griff um die kühle Balustrade und begann, die Treppe hinabzugehen.
Mit jedem Schritt erinnerte sie sich an frühere Anlässe, zu denen sie mehr oder weniger enthusiastisch diese Stufen hinuntergegangen war.
Weihnachtsmorgen. Highschool-Verabredungen. Polo-Turniere. Die Beerdigung ihrer Mutter. Die Silvesterparty vor zwei Jahren, auf der sie Neil Campbell kennengelernt hatte.
In seinem Smoking hatte er äußerst attraktiv ausgesehen. Sein dunkles Haar schimmerte sanft im Mondlicht, und die leicht geröteten hohen Wangenknochen und die Spitze seiner aristokratisch geformten Nase wiesen darauf hin, dass er sich an jenem Abend bereits eine Weile draußen aufgehalten hatte, als Marlowe auf ihn traf.
Bevor der Abend sich dem Ende entgegenneigte, schütteten sie einander ihre Herzen über ihre dominanten Väter aus – die alte Freunde waren, wie sich dabei herausstellte.
Diese erste Begegnung führte zu einem ersten Date und kurz darauf zu einer romantischen Beziehung, die ihre Väter aus ganzem Herzen bejahten. Kurz darauf waren sie verlobt. Damals war Neil ganz anders gewesen. Spontan. Romantisch. Abenteuerlustig. Beinahe verwegen.
Doch als ihr Vater, der Präsident des milliardenschweren Familienunternehmens Kane Foods International, den jungen Mann in seine Obhut nahm, veränderte sich etwas. Marlowe hatte ihren Verlobten nicht darum beneidet, von ihrem Vater unter die Fittiche genommen zu werden. Doch strebte sie schon ihr ganzes Leben nach dem, was Neil so freizügig angeboten wurde.
Die Anerkennung ihres Vaters.
Neil hatte es genossen, im Fokus dieses mächtigen Mannes zu stehen und schien sogar abhängig von dessen Wohlwollen und Aufmerksamkeit geworden zu sein.
Immer länger blieb er im Büro, immer schneller verlor er die Geduld, immer leidenschaftsloser wurden seine Küsse. Irgendwann hörte Marlowe auf, von einer Hochzeit mit ihm zu träumen und begann sich zu fragen, wann genau ihre Leidenschaft füreinander erloschen sein mochte.
Als dann herauskam, dass er der persönlichen Assistentin Parker Kanes hinterherspioniert und ihr verstörende Textnachrichten geschrieben hatte, hatte Neil sich selbst ins Abseits befördert und die Gunst ihres Vaters verloren. Das war vor vier Wochen gewesen,
Was sie zu ihrer ursprünglichen Frage zurückbrachte.
Warum zur Hölle war Neil heute Abend hier?
Auf der untersten Treppenstufe angekommen, hielt Marlowe nach dem zinnfarbenen Haarschopf ihres Vaters inmitten der vorbeiströmenden Gäste Ausschau.
Vergebens.
Stattdessen entdeckte sie ihn.
Groß. Breitschultrig. Der Anzug, offensichtlich nicht maßgeschneidert, stand ihm jedoch ausgesprochen gut. Sein Gesicht war sonnengebräunt, und aufmerksam musterte er Marlowe mit seinen kaffeebraunen Augen.
Sie merkte, wie ihre Wangen vor Empörung noch heißer wurden. Männer mochten es, sie anzusehen, das war sie gewohnt. Schon seit vielen Jahre ertrug sie diese übergriffigen Blicke auf Firmen-Events und Cocktailpartys.
Doch ein Mann, der es so unverschämt und unverhohlen tat, war ihr noch nie begegnet.
Dabei war er äußerlich das Gegenteil von den Männern, mit denen sie sich normalerweise abgab.
Vertrauenswürdig? Kaum.
Dieser unverkennbare Schlafzimmerblick verlieh ihm etwas Verruchtes und Verwegenes. Er verkörperte die Art Bad Boy, mit denen man auf dem Rücksitz eines Autos landete. Die Art Bad Boy, vor der Mütter ihre Töchter warnen.
Hübsch? Ganz und gar nicht – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne.
Sein markantes Kinn, die kantigen Wangenknochen und die männliche Nase, der man ansah, dass sie schon einige Male gebrochen worden sein musste, ließen seine Gesichtszüge sogar beinahe ein wenig asymmetrisch wirken.
Attraktiv? Sein düsterer Gesichtsausdruck ließ ihn unnahbar wirken, fast so, als wollte er niemanden zu dicht an sich herankommen lassen.
Zusammengefasst ging von ihm eine eigentümlich anziehende und zugleich bedrohliche Ausstrahlung aus, die Marlowe anzog. Sie konnte ihren Blick einfach nicht von diesem Fremden abwenden.
Ihm blieb das offensichtlich nicht verborgen, und er schien es zu genießen.
Ohne den Augenkontakt mit ihr zu unterbrechen, hob er das schwere Kristallglas in seiner Hand und trank einen Schluck.
Unwillkürlich stellte sie sich vor, dass er nicht die bernsteinfarbene Flüssigkeit, sondern sie schmeckte.
Mit so viel gelassener Überheblichkeit, die sie in diesem Moment aufbringen konnte, streckte Marlowe das Kinn vor und riss den Blick von ihm los, bevor sie die letzte Treppenstufe hinabstieg und sich unter die Gäste mischte.
Dankbar nahm sie das Glas Champagner an, das ihr von einem Kellner auf einem Silbertablett angeboten wurde, und genoss die perlende Erfrischung.
„Nach dir habe ich gesucht“, sagte eine vertraute Stimme hinter ihr, und unwillkürlich zuckte Marlowe zusammen.
„Hallo, Neil.“ Die Finger fest um den Glasstiel geschlossen, drehte sie sich langsam zu ihrem Ex-Verlobten um.
Wie immer sah er hervorragend aus in seinem Anzug, der dunkelblau, gut geschnitten und zweifellos sündhaft teuer gewesen war. Doch im Gegensatz zu dem Mann, den Marlowe kurz zuvor noch betrachtet hatte, wirkte ihr Ex irgendwie zu gestylt mit seinen gezupften Augenbrauen, dem glänzenden Haar und einem Hemd, das so weiß war, dass es einen fast zum Blinzeln brachte.
„Überrascht es dich, mich hier zu sehen?“, erkundigte er sich amüsiert und trank einen Schluck Martini, wobei er eine kaum merkliche Grimasse schnitt.
Schon lange hegte Marlowe den stillen Verdacht, dass er Martinigläser lieber hielt, als aus ihnen zu trinken.
„Überrascht ist nicht unbedingt das Wort, das ich wählen würde“, entgegnete sie und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Champagner in ihrem Glas zu.
„Da du ja nicht mehr auf meine Anrufe reagierst, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen, um mit dir zu sprechen.“ Er lächelte und entblößte dabei eine Reihe perfekt geformter und darüber hinaus blendend weißer Zähne.
„Und deswegen platzt du in ein Firmenkundenevent?“ Marlowe begann zu gehen und zwang Neil so dazu, ihr zu folgen, wenn er weiterreden wollte.
„Wer spricht denn hier von platzen? Ich bin auf Einladung meines Vaters hier und begleite ihn.“
Henry Campbell, geboren in London, furchtbar vornehm und Seniorpartner von Campbell Capital hatte sich mit Händen und Füßen gegen Marlowes Bestrebungen gesträubt, die Verlobung aufzulösen. Nach wie vor schien er weder im Geringsten an seinen Fähigkeiten als Investmentbanker noch an seiner Ehrbarkeit zu zweifeln.
„Dann solltest du ihm vielleicht auch Gesellschaft leisten“, schlug Marlowe vor und sah bedeutungsvoll zur Bar, an der sich Henry Campbell bei Anlässen wie diesen meist aufhielt.
Neil trat ihr in den Weg. „Ich muss mit dir sprechen.“
„Nein“, widersprach Marlowe und drängte sich an ihm vorbei. „Das musst du nicht.“
„Marlowe, bitte.“
Überrascht stellte sie fest, dass er so verzweifelt wie nie zuvor klang.
„Nur fünf Minuten von deiner Zeit“, bat Neil ernst. „Das ist alles, worum ich dich bitte.“
Zögernd sah sie unauffällig zu der Stelle, an der sie eben noch den geheimnisvollen Fremden entdeckt hatte. Zu ihrer Enttäuschung war er nicht mehr da. „In...