Splinter | Die Hortensienmorde | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 447 Seiten

Splinter Die Hortensienmorde

Ein Karlsruhe Krimi
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8197-4489-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Karlsruhe Krimi

E-Book, Deutsch, 447 Seiten

ISBN: 978-3-8197-4489-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
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In Karlsruhe - der 'Residenz der Rechts' - werden prominente Juristen ermordet. Bei den Ermordeten wird jeweils eine Hortensie hinterlassen. Was hat das zu bedeuten? Der Leiter der Mordkommission, Carl Ferdinand von Markowetz, und sein Team stehen vor einem Rätsel. Erst recht, weil am Tatort Schilder hinterlassen werden, die offenbar ihn meinen: 'Fragen Sie C.F.v.M!' Oder doch nicht? Markowetz und sein Team ermitteln und geraten in einen Strudel krimineller und politischer Machenschaften, die bis in höchste politische Kreise in Russland reichen und zugleich tief in das persönliche Leben von 'C.F.v.M' eingreifen. Dabei spielt ein alter griechischer Dialekt eine entscheidende Rolle...

Am Bodensee aufgewachsen. Studium der evangel. Theologie in Heidelberg, Göttingen und Richmond, USA; tätig in Gemeinden, u.a. als Pfarrer in Karlsruhe, danach Lehrtätigkeit an der Evangel. Hochschule in Freiburg, lebt mit seiner Ehefrau in Pforzheim; zahlreiche wissenschaftliche Publikationen.
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Erster Tag: Montag, 3. August 2020, nachmittags, Karlsruhe


„Das wird ein seltsamer Fall!“  Carl Ferdinand von Markowetz war sich da ganz sicher. Wie er verwundert feststellte, hatte er diesen Satz gerade halblaut vor sich hingesagt. Normalerweise neigte er nicht zu Selbstgesprächen. Im Gegenteil. Er galt als äußerst beherrscht und effizient. Schließlich leitete er in der Kriminalpolizeidirektion Karlsruhe die Inspektion 1. Sie war für Kapitaldelikte, also für Mord und Totschlag, zuständig. Nur jene, die ihn wirklich gut kannten, wussten, dass sich unter der stets zur Schau gestellten Ruhe eine große Unruhe aufbauen konnte. Das kam vor allem dann vor, wenn er einen Fall als „seltsam“ einstufte.

Wie immer, wenn er vor seinem Haus stand, fiel sein Blick auf den Hortensienbusch im Vorgarten. Der Busch war größer als er. Das wollte etwas heißen. Denn von Markowetz war gut 1,90 m groß. Dazu war der Busch breit und üppig. Jetzt – Anfang August – begannen die blauen, roten und violetten Dolden der Hortensien allmählich einen weißen Farbton anzunehmen. Spätestens im September würden die Dolden in eine an Blut erinnernde rostrote Farbe übergehen, danach verwelken und in Braun gekleidet den Winter überstehen. Vor etlichen der Häuser in seiner Straße standen weitere Hortensienbüsche. Doch keiner war so stattlich und prächtig wie der vor dem Haus, in dem er mit seiner Familie wohnte. Heute allerdings konnte er sich über die Blütenpracht nicht so recht freuen. „So eine Hortensie wie die vor Ihrem Haus!“ Das hatte Carla Carlotta Carlson zu ihm gesagt. Sie war mit Yussuf Öztürk und der Spurensicherung am Tatort gewesen.  Beide Hauptkommissare hatten ihm am frühen Nachmittag kurz über den bisherigen Ermittlungsstand informiert. Dann war er auch schon zur Polizeipräsidentin Franziska Gnädiger gerufen worden.

Das war ungewöhnlich. Normalerweise stand die Zusammensetzung einer Mordkommission fest. Dieses Mal war es anders. Das hing wohl mit der Prominenz und der Profession des Toten zusammen. Die Polizeipräsidentin war bekannt dafür, mögliche politische Verwicklungen, die im Zusammenhang mit einem Fall auftreten konnten, gar nicht erst aufkommen zu lassen. Darum hatte sie ihn persönlich mit der Leitung und der Zusammenstellung der Mordkommission beauftragt. „Sie sind einer unserer Besten!“ So hatte sie ihm geschmeichelt, dann auf die Bedeutung hingewiesen, die der Fall für den Ruf der Karlsruher Polizei, ja für die Polizei überhaupt habe, und ihn schließlich mit den Worten entlassen: „Stellen Sie also eine Mordkommission mit den besten Leuten zusammen, die wir haben. Ich zähle auf Sie, Herr von Markowetz, denn Sie werden die Kommission selbstverständlich  leiten!“ 

Zwar konnte von Markowetz nachvollziehen, warum ihn Franziska Gnädiger so in die Pflicht nahm. Mit seinen achtunddreißig Jahren war er bereits Kriminalrat, weil er einige spektakuläre und knifflige Fälle gelöst hatte. Darunter auch die Entführung der kleinen Britta, der in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt hatte. Doch sein guter Ruf war ihm bisweilen auch eine Last. Zum einen, weil ihm das in der Kriminalpolizeidirektion ein paar Neider beschert hatte. Zum anderen vor allem deshalb, weil Erwartungen in ihn gesetzt wurden, die zu erfüllen schwer sein konnte. Die Polizeipräsidentin hatte gerade wieder in diese Kerbe geschlagen. Wenn er jedoch ehrlich mit sich selbst war, musste er sich eingestehen, dass er sich selber am meisten Druck machte. Misserfolge hasste er mehr als alles andere.

Den Nachmittag verbrachte er darum damit, intensiv über die geeignetsten Mitglieder der Mordkommission nachzudenken, diese dann anzurufen oder persönlich anzusprechen. Das war gar nicht leicht gewesen. Etliche der Leute, die er gerne dabeigehabt hätte, waren gleich zu Anfang der Sommerferien in Urlaub gefahren. Die Schulen hatten Ende Juli in Baden-Württemberg ihre Pforten dicht gemacht. Im Frühjahr hatte die Corona-Pandemie das ganze Land im Griff. Ein „Lockdown“ war die Antwort. Auch die Schulen waren zeitweise ganz geschlossen worden, Unterricht zu Hause war angesagt. Das hatte an den Nerven der Kolleginnen und Kollegen mit schulpflichtigen Kindern gezerrt. Auch seine beiden Kinder,  Maximilian und Charlotte, waren selbstverständlich davon betroffen gewesen. Da die beiden aber ohne große Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht per Internet zurechtgekommen waren, hatte die Familie von Markowetz das Frühjahr in schulischer Hinsicht gut überstanden. Es gelang ihm, eine etwa zwanzigköpfige Mordkommission zusammenzustellen. Darunter waren Gott sei Dank auch jene, die er unbedingt dabeihaben wollte.

Immer noch auf den Hortensienbusch blickend kramte er seinen Schlüssel aus der Hosentasche. Bevor er ihn in das Schloss stecken konnte, ging die Tür auf. Überrascht schaute er auf. Vor ihm stand seine Frau Sarah.  Seine nachdenkliche Miene hellte sich sofort auf: „Du bist schon da!“, sagte er erfreut. Dabei umarmte er sie und küsste sie zärtlich. Sie erwiderte seinen Kuss und schaute ihm danach prüfend ins Gesicht. „Hast du was? Ist was Besonderes los?“ Er war immer wieder erstaunt, wie schnell seine Frau seine jeweilige emotionale Situation erfasste. „Lass mich erst einmal reinkommen. Ich muss unbedingt aus meinen verschwitzten Klamotten raus!“ Wie so häufig im Sommer war es auch jetzt in Karlsruhe brütend heiß und schwül. Das Hemd klebte ihm am Leib. „Gut“, sagte sie, „willst du duschen? Ich mache uns derweil die Reste von gestern warm.“ Er nickte dankbar, hängte seinen Schlüssel ans Schlüsselbrett, durchquerte Wohn- und Esszimmer und stieg die Treppe zum ersten Stock hinauf. Dort befanden sich ihr Schlafzimmer, ihre beiden Arbeitszimmer und ihr gemeinsames Bad. Er entkleidete sich, stellte sich unter die Dusche und ließ erst lauwarmes, dann eiskaltes Wasser über seinen sehnigen und muskulösen Körper laufen. In seiner Jugend war er Zehnkämpfer und sogar einmal badischer Jugendmeister in dieser Sportart gewesen. Er war stolz darauf, immer noch gut in Form zu sein. Dafür besuchte er auch mindestens zweimal pro Woche einen Fitnessclub und joggte ein bis zwei Mal. Seine Kraft und Ausdauer waren ihm bei zahlreichen Einsätzen zugutegekommen.

Als er frisch geduscht und bekleidet mit Bermudashorts und einem weiten T-Shirt auf die Terrasse kam, hatte Sarah den Tisch gedeckt und eine Flasche mit kühlem Riesling auf den Tisch gestellt. Unter der Sonnenmarkise war es immer noch deutlich zu warm. Von Markowetz gab seiner Frau einen flüchtigen Kuss auf ihr rotblondes Haar und setzte sich. „Danke, dass du dich um das Essen gekümmert hast.“ Eigentlich wäre er heute mit Küchendienst dran gewesen. „Hast du etwas von Max und Lotte gehört?“, fragte von Markowetz seine Frau. Er goss ihr und sich ein Glas Wein ein und griff nach dem Salat. Ihre Kinder Maximilian und Charlotte waren zweieiige Zwillinge, elf Jahre alt und hatten im altehrwürdigen Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe gerade die fünfte Klasse hinter sich gebracht. Nun waren sie, wie in den vergangenen Jahren auch, für die ersten drei Wochen der Sommerferien bei seinen Eltern in Freiburg. Dort war sein Vater Juraprofessor gewesen, aber inzwischen im Ruhestand. Seine Mutter, ein paar Jahre jünger als sein Vater, leitete als Ärztin das Gesundheitsamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald.

Sarah sagte: „Bevor du kamst, habe ich kurz mit deiner Mutter telefoniert. Deine Eltern sind heute mit Max und Lotte auf den Schauinsland gefahren. Als ich anrief, war dein Vater mit ihnen auf dem Münsterplatz, um ein Eis zu essen. Wie immer volles Programm!“ Sarah trank einen Schluck Wein und fragte dann kurz und knapp: „Was ist los?“ Dabei sah sie ihren Mann aus ihren blaugrünen Augen forschend an.

Von Markowetz machte es kurz: „Dietrich Bolsenhauser ist tot. Er wurde heute Morgen von seiner Haushälterin gefunden. Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus. Ich leite die Mordkommission. Die Polizeipräsidentin hat mich heute höchstpersönlich damit beauftragt und mächtig Druck gemacht.“ Sarah war schockiert. „Unser Bolsenhauser?“ „Ja!“, antworte ihr Mann knapp.

Mit Dietrich Bolsenhauser verband die beiden ihre ganz persönliche Geschichte. Nach Abitur und Wehrdienst hatte von Markowetz in Heidelberg, sehr zum Wohlgefallen seines Vaters, ein Jurastudium begonnen. In seinem vierten Semester war ihm in einer Vorlesung über Strafrecht von Professor Dr. jur. Dietrich Bolsenhauser zum ersten Mal Sarah begegnet. Sie hatte den Vorlesungssaal in der „Heuscheuer“ – dort fanden die meisten der Juravorlesungen statt – zusammen mit zwei Kommilitoninnen betreten. Alle drei waren sehr ansehnlich. Doch Carl Ferdinand von Markowetz hatte nur Augen für Sarah gehabt. Sie war groß, sportlich, hatte einen rotblonden Lockenschopf, eine Stupsnase, Sommersprossen und eine beachtliche Oberweite. Außerdem blickte sie selbstbewusst und zugleich zurückhaltend um sich. Die drei Frauen hielten in dem voll besetzten Hörsaal nach drei Plätzen Ausschau. Nur neben von Markowetz waren noch Plätze frei. Sarah hatte sie zuerst erspäht, schaute die anderen beiden Frauen kurz an und deutete mit dem Kinn auf die freien Plätze. „Hoffentlich setzt sich die mit dem rotblonden Wuschelkopf neben mich!“, hatte er voller Hoffnung gedacht. Sein Wunsch war in Erfüllung gegangen. Doch dann war er plötzlich sehr schüchtern gewesen. Das passte...



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