E-Book, Deutsch, 260 Seiten
Spina Erfolgreich Optionen handeln
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-86470-902-9
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erprobte Strategien für Ihren Anlegeerfolg
E-Book, Deutsch, 260 Seiten
ISBN: 978-3-86470-902-9
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Julia Spina ist Finanzanalystin, Optionsstrategin und Podcast-Co-Moderatorin beim Finanznetzwerk tastytrade in Chicago. Den Zuhörern des Podcasts vermittelt sie leicht verständlich komplizierte Themen aus der Welt der Optionsstrategien. Mit einem Bachelorabschluss in Technischer Physik und Angewandter Mathematik sowie einem Masterabschluss in Physik weist Spina eine beeindruckende wissenschaftliche Expertise auf.
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Trader sichern sich häufig mithilfe von Optionen gegen extreme Marktschwankungen (nach oben oder nach unten) ab. Optionen sind im Endeffekt eine finanzielle Versicherung und daher bilden sich ihre Preise ähnlich wie bei anderen Formen der Versicherung. Die Prämien steigen oder fallen je nach dem Risiko des Basiswerts (was sich aus Angebot und Nachfrage bei den betreffenden Kontrakten ergibt), genauso wie der Preis für eine Sturmversicherung je nach dem wahrgenommenen Sturmrisiko in einer bestimmten Region steigt oder fällt. Um das am Markt wahrgenommene Risiko zu quantifizieren, verwenden Trader die implizite Volatilität (IV).
Die implizite Volatilität ist die Volatilität, die den aktuellen Marktpreis einer Option zum fairen Preis dieser Option gemäß einem Modell wie beispielsweise Black-Scholes machen würde.* Wenn Optionspreise (wenn also mehr Nachfrage nach der Versicherung besteht), steigt die IV entsprechend, und wenn die Optionspreise sinken, sinkt auch die IV. Somit ist die IV ein Näherungswert für die des Marktrisikos bezogen auf Angebot und Nachfrage finanzieller Versicherungen. Die IV gibt den wahrgenommenen der erwarteten Preisbewegungen wieder und bezieht sich nicht auf die Richtung.** Tabelle 2.1 bietet ein Zahlenbeispiel.
Tabelle 2.1
Zwei Basiswerte mit dem gleichen Preis sowie Put-Kontrakte auf diese Basiswerte mit gleichen Parametern (Anzahl der Aktien, Ausübungspreis, Laufzeit). Die Preise der Kontrakte sind unterschiedlich, was anzeigt, dass die beiden Instrumente unterschiedliche implizite Volatilitäten haben.
| Put-Kontrakt 45 Tage | Basiswert A | Basiswert B |
| Preis des Basiswerts | 101 $ | 101 $ |
| Basispreis | 100 $ | 100 $ |
| Preis des Kontrakts | 10 $ | 5 $ |
Der Preis des Puts beträgt rund 10 Prozent des Aktienkurses von Basiswert A beziehungsweise 5 Prozent des Aktienkurses von Basiswert B. Dies deutet darauf hin, dass mit dem Preis von Underlying A mehr wahrgenommene Unsicherheit verbunden ist als mit dem von Underlying B. Auch zeigt es an, dass das erwartete Ausmaß der künftigen Bewegungen des Preises des Basiswerts bei Basiswert A größer ist als bei Basiswert B.
Die Nachfrage nach Optionen steigt tendenziell, wenn die historische Volatilität eines Basiswerts unerwartet steigt, vor allem bei großen Abwärtsbewegungen. Das bedeutet, dass die IV tendenziell positiv mit der historischen Volatilität und negativ mit dem Preis korreliert ist. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel, denn die IV basiert ja auf dem wahrgenommenen Risiko, nicht unmittelbar auf einem historischen Risiko. Die IV kann aufgrund von Faktoren steigen, die nicht unmittelbar mit Preisbewegungen zusammenhängen, zum Beispiel aufgrund von unternehmensspezifischer Unsicherheit (Geschäftsberichte, törichte Tweets des CEO) oder von Unsicherheit im größeren volkswirtschaftlichen Maßstab (politische Konflikte, vorgeschlagene gesetzliche Maßnahmen). Das bedeutet auch, dass sich die Volatilitätsprofile von Instrument zu Instrument signifikant unterscheiden, und das wird später in diesem Kapitel noch weiter besprochen.
Ähnlich wie die historische Volatilität bezieht sich die IV auf den Bereich von einer Standardabweichung um die historischen Renditen eines Instruments. Obgleich die historische Volatilität die tatsächliche ist, ist sie eine Näherung für die , denn sie basiert darauf, wie der Markt Optionen nutzt, um sich gegen künftige Preisbewegungen abzusichern. Zwar besitzt jede Option auf einen Basiswert ihre eigene implizite Volatilität, doch die „gesamte“ IV einer Anlage wird üblicherweise anhand von Optionen mit 30 Tagen Restlaufzeit berechnet und ist eine grobe Prognose der annualisierten Volatilität.*
Beispiel: Eine Anlage hat einen Preis von 100 Dollar und eine IV von 0,10 (10 Prozent). Das heißt, es wird erwartet, dass sich die Anlage bis zum Ende des darauffolgenden Jahres um 10 Prozent nach oben oder nach unten bewegen wird. Das bedeutet, dass der Preis am Ende höchstwahrscheinlich zwischen 90 und 110 Dollar liegen wird.
Die Prognose der impliziten Volatilität kann man auch auf den erwarteten Kurs nach Tagen, Wochen, Monaten oder längeren Zeiträumen skalieren. Es folgen die Gleichungen für die Berechnungen der erwarteten Preisspannen einer Anlage innerhalb eines Vorhersagezeitraums.**
Diese Schätzwerte der erwarteten Preisspanne werden in den späteren Kapiteln verwendet, um Optionsstrategien zu formulieren. Der Zeitrahmen für die erwartete Spanne wird häufig auf die Kontraktlaufzeit abgestimmt. Die meisten Beispiele in diesem Buch haben eine Laufzeit (DTE = Days To Expiration) von 45 Tagen (also 33 Handelstagen), daher werden die impliziten Volatilitäten meist mit 0,35 multipliziert, damit die Vorhersagen den Vertragslaufzeiten entsprechen.
Hilfreich für die bildliche Darstellung der wahrscheinlichen Preisänderungen eines Instruments aufgrund von Marktspekulationen ist der Trichter der erwarteten Bewegung. Die Breite des Trichters wird mithilfe von Gleichung (2.2) berechnet und richtet sich nach der IV des Basiswerts. Konkreter gesagt sind die Trichter in Umfeldern mit höherer Volatilität breiter und sie sind schmaler, wenn die Volatilität niedrig und der erwartete Bereich enger ist. Sehen Sie sich die Trichter der erwarteten Bewegung in Abbildung 2.1 zu den für den SPY erwarteten Preisspannen an.
Abbildung 2.1(c) zeigt den tatsächlichen Kursverlauf des SPY im Dezember 2019, der während des größten Teils der 45-tägigen Laufzeit innerhalb der erwarteten Preisspanne blieb. In der Mehrzahl der Fälle halten sich die Preise innerhalb der erwarteten Preisspanne und man kann die Annahmen des Black-Scholes-Modells verwenden, um eine theoretische Schätzung zu entwickeln, wie oft dies der Fall sein dürfte.
Abbildung 2.1
(a) Der Trichter der erwarteten Bewegung des SPY über 45 Tage Anfang 2019. Der Preis des SPY betrug circa 275 Dollar und die IV rund 19 Prozent, was einer über 45 Tage erwarteten Preisspanne von ±6,7 Prozent (Gleichung (2.1)) beziehungsweise ±18 Dollar (Gleichung (2.2)) entsprach. (b) Der Trichter der erwarteten Bewegung des SPY über 45 Tage, als die IV 12 Prozent betrug. (c) Der gleiche Trichter der erwarteten Bewegung wie in (b) mit der tatsächlichen Preisbewegung über 45 Tage.
Volatilitäts-Trading
Die Preise an Finanzmärkten werden von einer unvorstellbaren Zahl von Faktoren beeinflusst, sodass es äußerst schwierig ist, Preisbewegungen präzise vorherzusagen. Man kann sagen, dass die zuverlässigste Methode, Erwartungen bezüglich künftiger Preistrends zu formulieren, die Verwendung von Kennzahlen aus früheren Preisdaten sowie von finanziellen Modellen ist. Die IV wird aus den aktuellen Optionspreisen und aus dem Black-Scholes-Modell der Optionsbewertung abgeleitet und das bedeutet, dass man die Annahmen des Black-Scholes-Modells nutzen kann, um die erwartete Preisspanne in einen zusätzlichen statistischen Kontext zu stellen. Konkreter gesagt kann man die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie innerhalb ihres aus der IV abgeleiteten Preisbereichs bleiben wird, daraus ableiten, weil man annimmt, die Aktienrenditen seien normalverteilt. Der Bereich der Normalverteilung einer Standardabweichung schließt 68,2 Prozent der Ereignisse ein, sodass theoretisch eine Wahrscheinlichkeit von 68,2 Prozent besteht, dass eine Aktie innerhalb des erwarteten Bereichs landet. Mithilfe von Gleichung (2.1) kann man diese Wahrscheinlichkeit über beliebige Zeiträume verallgemeinern.
Beispiel: Der Preis einer Anlage beträgt 100 Dollar, ihre IV 0,10 (10 Prozent). Es wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent erwartet, dass sich der Preis der Anlage bis zum Ende des nächsten Jahres zwischen 90 und 110 Dollar hält. Ebenso wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent erwartet, dass sich der Preis der Anlage innerhalb von 58 Tagen zwischen 96 und 104 Dollar hält (Berechnung anhand von Gleichung (2.2)).
Jedoch zeigen die historischen Daten, dass die am Markt wahrgenommene Unsicherheit (IV) tendenziell öfter über der tatsächlichen Preisbewegung des Basiswerts liegt, als es die Theorie nahelegt. Während die Theorie vorhersagt, dass die IV die tatsächliche Bewegung nur in 68 Prozent der Fälle zu hoch angibt, hat die IV des Marktes (SPY) sie in...




