Sparkes | Die Nachtflüsterer - Die Bedrohung | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2, 272 Seiten

Reihe: Nachtflüsterer

Sparkes Die Nachtflüsterer - Die Bedrohung


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-446-26544-8
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 272 Seiten

Reihe: Nachtflüsterer

ISBN: 978-3-446-26544-8
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tier-Fantasy, Action und Höchstspannung in der realen Welt - Band 2 der mitreißenden Reihe von Ali Sparkes. Die schlaflosen Nächte gehen weiter.
Es ist 1:34 Uhr. Erneut beginnt der Kampf zwischen Gut und Böse. Seit sie jede Nacht um diese Zeit aufwachen, haben Elena, Matt und Tima die Fähigkeit, mit der Tierwelt zu kommunizieren. Doch als sie bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge einer seltsamen Fremden begegnen, begreifen sie: Ihre Begabung lässt sie nicht nur Tiere, sondern alle Sprachen verstehen. Das ermöglicht ihnen, die nahende Bedrohung zu erkennen, die zunächst die Hummeln in Angst versetzt und schließlich die ganze Welt gefährdet: Eine übernatürliche Macht ist dabei, Menschen und Tiere zu vernichten. Gemeinsam mit ihren tierischen Freunden versuchen die drei, die Einwohner der Stadt zu warnen und den gefährlichen Eindringling aufzuhalten.

Ali Sparkes, 1966 geboren, arbeitet als Journalistin und BBC-Moderatorin und nutzt ihre Söhne regelmäßig als häusliche Versuchskaninchen für ihre Kinderbuchmanuskripte - ihrer Ansicht nach ein fairer Tausch dafür, dass man sie als wandelnden Speise- und Getränkeautomat behandelt. Mit Die Nachtflüsterer - Das Erwachen und Die Nachtflüsterer - Die Bedrohung erschienen 2019 die ersten beiden Bände ihrer neuen Kinderbuch-Reihe, gefolgt vom dritten Band Die Nachtflüsterer - Die Verschwörung (2020). 2021 wurde die Reihe mit Die Nachtflüsterer - Das Beben fortgesetzt. Ali Sparkes wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Southampton.
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1


Tima war es, die den leblosen Körper entdeckte.

Ein gefrorenes blasses Etwas, das aussah wie ein überfahrenes Tier. Nur dass es menschlich war.

So hatte sie sich ihre Nacht hier draußen nicht vorgestellt.

Wie immer war sie um 1:34 Uhr aufgestanden, hatte ihre schwarzen Jeans, den schwarzen Pullover und die schwarzen Leder-Jazzschuhe angezogen, ihr langes dunkles Haar zu einem akkuraten Seitenzopf geflochten und das Haus verlassen. Alles wie immer.

Wie immer und trotzdem nicht normal. Normalerweise brauchten Elfjährige mindestens neun Stunden Schlaf pro Nacht, und Tima bekam selten mehr als sechs. Als die Schlaflosigkeit begann, hatte Tima das Gefühl gehabt, die Welt um sie herum würde auseinanderbröckeln. Dennoch hatte sie neuerdings eine Art Struktur hineingebracht; eine Struktur, die funktionierte.

Sie ging um 21 Uhr zu Bett, war bis 22 Uhr eingeschlafen, wachte um 1:34 Uhr auf, traf sich mit Matt und Elena in den dunkleren Gegenden der Stadt, kehrte zwischen 4:30 und 5 Uhr zurück, konnte noch ein, zwei Stunden schlafen und stand um 7 Uhr wieder auf, um zur Schule zu gehen. Im Durchschnitt kam sie so pro Nacht auf fünfeinhalb Stunden Schlaf — nur etwas mehr als die Hälfte von dem, was ein Mädchen ihres Alters eigentlich brauchte. Jippie!

Elena ließ sich kopfüber von einem der metallenen Querbalken baumeln, die unterhalb des kegelförmigen Pavillondachs verliefen. Ihr blonder Pferdeschwanz schimmerte im Mondlicht. Der Musikpavillon, eine Konstruktion aus Holz und schmiedeeisernen Elementen, lag inmitten eines gepflegten Anwohnerparks und war eine Art Klubhaus für sie geworden.

»Soll ich dich mal in Schwung bringen?« Tima sprang auf den Holzboden und gab Elenas Schultern einen Schubs. Elena schrie auf.

»Niiiicht! Ich übe noch. Ich könnte runterfallen.«

»Du fällst schon nicht«, sagte Tima.

Elena, die dunkelblaue Jeans, schwarze Turnschuhe und ein schwarzes Sweatshirt trug, wippte in den Kniekehlen wie eine Turnerin am hohen Barren.

»Du wirst immer fitter!« Tima kletterte auf das Geländer, das drei Viertel des Pavillons umgab. Sie umklammerte einen der Stützbalken, zog sich hoch, schwang die Beine über den Balken und ließ sich gleich darauf neben ihrer Freundin nach unten hängen. »Ich frage mich nur, weshalb du neuerdings so besessen davon bist, kopfüber herumzubaumeln … wie eine Fledermaus.«

»Ich bin nicht besessen«, wehrte Elena ab. »Ich versuche nur, fitter zu werden. Wir müssen durchtrainiert sein. Schließlich sind wir nachts draußen, und jederzeit könnte eine Bedrohung —«

»Ja, ich weiß. Ist schon gut«, fiel Tima ihr ins Wort. Mühelos ließ sie sich vor und zurück schwingen, gelenkig durch jahrelanges Tanztraining. »Hast du immer noch Albträume?«

Elena schwang kraftvoller vor und zurück, bekam schließlich den Balken mit den Händen zu fassen und ließ sich auf den Boden hinab. »Damit habe ich keine Probleme«, sagte sie. »Nachts geht’s mir gut.« Sie griff nach ihrem kleinen Rucksack und warf ihn sich über die Schulter. Dann schlenderte sie auf das Wäldchen zu, das gleich hinter dem Park begann.

Tima folgte ihr. Gerade wollte sie Elena fragen, wie die Dinge bei ihr zu Hause liefen, als sie plötzlich einen vertrauten Umriss in der Dunkelheit wahrnahm. »Sieh mal«, sagte sie lächelnd, »hier ist jemand für dich.«

Ein Strahlen breitete sich auf Elenas Gesicht aus, und sie sank neben einer alten Eiche auf die Knie. Eine junge Füchsin wartete dort auf sie. Ihre drei langbeinigen Jungen, beinahe schon ausgewachsene Füchse, spielten in ihrer Nähe. Elena streckte die Hände aus, und das Tier schlüpfte flink in ihre Umarmung. Die Jungfüchse folgten ihrer Mutter, stupsten die menschliche Freundin sanft an, knabberten an ihrer Jeans und ihrem Sweatshirt und spielten Tauziehen mit den Schultergurten, die von ihrem Rucksack herabhingen.

Tima war stehen geblieben und sah dem Treiben lächelnd zu. Sie hätte jederzeit dazustoßen können, denn die Füchse waren auch ihre Freunde — für Elena jedoch waren sie wie eine Familie. In diesem Augenblick musste Tima an ihre eigene Familie denken. Nein, nicht an Mum und Dad, die gerade zu Hause in ihren Betten lagen und schliefen, sondern an die Wesen, mit denen sie sich am stärksten verbinden konnte. Ihre Nachtflüsterer-Familie. Zugegeben — so knuffig wie Elenas Nachtflüsterer-Familie war Timas Familie nicht, aber höchst erstaunlich war sie allemal.

Tima lief auf eine Lichtung zu, wo das lange Gras — feucht vom nächtlichen Tau — im bläulich weißen Mondlicht glänzte. Dann strich sie über ein paar Gräser, von denen sich im nächsten Augenblick auch schon ein glitzernder Flügelwirbel erhob. Tima lächelte, dann musste sie laut lachen. »Oh, ihr armen, albernen Dingelchen.« Von all den Insekten, die sie den Sommer über lieben gelernt hatte, waren die Schnaken die bemitleidenswertesten. Mit ihren schiefen, nachgezogenen und fadendünnen Beinchen wirkte ihr Flug nicht gerade anmutig. Sie besaßen keine funktionstüchtigen Mundwerkzeuge — also würden sie nie etwas anderes zu futtern bekommen als winzige Schlucke Nektar. Nachdem sie Monate im Erdboden verbracht hatten, waren ihre restlichen Stunden auf Erden gezählt — nur selten lebten sie noch mehrere Tage. In den meisten Fällen endeten Schnaken als Vogelfutter, ohne überhaupt eine Chance auf Fortpflanzung bekommen zu haben. Und doch waren diese Wesen nun alle hier und versuchten sich an einem Tänzchen für Tima.

Wäre sie letztes Jahr um diese Zeit in einen Schnakenschwarm geraten, hätte sie sich heiser geschrien. Jetzt aber, während die plump herumwirbelnden Beinchen und schmalen Flügel immer wieder ihre Arme und ihr Gesicht streiften, schritt sie leise zwischen den Tierchen hindurch und spürte eine innige Zuneigung zu ihnen.

Plötzlich stieß sie mit dem Fuß gegen etwas. Etwas Dunkles, das — halb verdeckt von den mit Früchten beladenen Ausläufern eines Brombeerstrauches — zwischen den hohen Gräsern lag. Es war groß, und es bewegte sich nicht. Dann sah sie den Stiefel.

Oh Gott. Ein menschlicher Körper.

»ELENA!«, schrie sie, während die Schnaken um sie her auseinanderstoben.

Sekunden später stand das ältere Mädchen neben ihr.

»Ich will gar nicht hinsehen«, jammerte Tima und schlug die Hände vor den Mund. »Ich will ihn gar nicht sehen.«

Elena kniete sich hin und berührte den Körper.

»Ist er kalt?«, fragte Tima atemlos durch ihre Finger hindurch. Ihr Herz raste, Angst schnürte ihr die Kehle zu.

Elena nickte, zog ihre Taschenlampe hervor und knipste sie an.

»Nicht — dreh ihn nicht um«, flehte Tima. »Lass uns einfach die Polizei oder den Rettungsdienst anrufen.«

Elena sah zu ihr auf, sie wirkte plötzlich müde. »Und denen erklären, weshalb wir um zwei Uhr morgens im Wald sind?« Sie rollte den Körper zur Seite.

Tima kniff die Augen zusammen. Sie wollte nicht in das Gesicht eines Toten blicken.

Dann hörte sie Elena nach Luft schnappen. »Spin!«

Tima blinzelte, öffnete die Augen und sah mit Grausen dabei zu, wie Elena die leblose Person sanft auf den Rücken drehte. Ein vertrautes, bleiches Gesicht glänzte da im Mondschein, die Augen geschlossen, stachelig abstehendes, weißblondes Haar, das an einer Seite des Kopfes ganz platt gedrückt war — und dunkel gefärbt von etwas, das aussah wie Blut. »Oh nein.« Tima stöhnte auf. »Ist er tot?«

Elena presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und legte ihre Finger an den Hals des Jungen. Dann holte sie hörbar Luft und schaute auf. »Er lebt. Ich kann seinen Puls fühlen.« Mit der freien Hand zog sie ihr Handy aus der Tasche.

»Ach, jetzt willst du auf einmal doch Hilfe holen?«, sagte Tima.

Elenas Augen blitzten auf. »Er braucht Hilfe!« Sie beugte sich über ihn und strich ihm ein paar Grashalme von der Wange. »Spin! Spin! Kannst du mich hören?«

Der Junge rührte sich nicht.

Tima konnte kaum glauben, dass Elena seinen Puls wahrgenommen hatte. Spin war immer schon sehr bleich gewesen, doch jetzt war er leichenblass — ja, er sah tatsächlich tot aus.

»Denkst du wirklich, er atmet?«, flüsterte Tima und kniete sich neben Elena auf den Boden.

Elena ging mit ihrem Gesicht dicht an das des Jungen heran, um seine Atmung zu überprüfen. »Ich … glaube schon …«

Im nächsten Moment bekam sie einen derart heftigen Stoß vor den Kopf, dass sie mit einem...


Knetsch, Manuela
Manuela Knetsch, geboren 1974, studierte Englische und Deutsche Literatur und arbeitete einige Jahre im Verlagswesen, bevor sie sich als Übersetzerin selbstständig machte. Sie lebt mit ihrer Familie in Göttingen.

Sparkes, Ali
Ali Sparkes, 1966 geboren, arbeitet als Journalistin und BBC-Moderatorin und nutzt ihre Söhne regelmäßig als häusliche Versuchskaninchen für ihre Kinderbuchmanuskripte – ihrer Ansicht nach ein fairer Tausch dafür, dass man sie als wandelnden Speise- und Getränkeautomat behandelt. Mit Die Nachtflüsterer - Das Erwachen und Die Nachtflüsterer - Die Bedrohung erschienen 2019 die ersten beiden Bände ihrer neuen Kinderbuch-Reihe, gefolgt vom dritten Band Die Nachtflüsterer - Die Verschwörung (2020). 2021 wird die Reihe mit Die Nachtflüsterer - Das Beben fortgesetzt. Ali Sparkes wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Southampton.



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