Spang | Sternzwillinge | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 297 Seiten

Spang Sternzwillinge


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-9824-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 297 Seiten

ISBN: 978-3-7504-9824-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Denn es werden zwei kommen, die an ihrer statt ihr Schicksal vollenden werden. Es werden keine Zwillinge von Geburt sein, doch sie werden zu Zwillingen des Sterns zusammenwachsen. Sternzwillinge. Als Alex diese Prophezeiung hört, ist sie alles andere als begeistert und hat schon jede Menge hinter sich: Erst begegnet sie ihrem vor kurzem gestorbenen Großvater. Dann trifft sie die etwas eigenartige Klara, die ihr ein geheimnisvolles Medaillon schenkt. Und jetzt soll sie auch noch mit Klaus, dem herrischen Anführer der Dorfbande, zu irgendwas zusammenwachsen! Doch als Alex sich darauf einlässt, nimmt das Schicksal erst so richtig Fahrt auf und ihr Leben ist plötzlich voller Magie und Wunder...

Monika Spang, 1970 in Karlsruhe geboren, lebt mit ihrer Familie am Bodensee. Sie hat Agrarbiologie und Journalismus studiert und bereits fünf Bilderbücher veröffentlicht, das Neueste erschien im August 2017.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1
Die Mutprobe


Die Sache mit Großvater


Klaus kam wie immer als Erster. Er war der Älteste und Größte der Bande, und deshalb der Anführer. Als er mich dort sitzen sah, kreidebleich im Gesicht und wie ein Häufchen Elend an den Stamm der alten Eiche gelehnt, wurde er selbst ein bisschen blass.

»Alex! Was ist denn mit dir los?« Im Nu war er von seinem Fahrrad gesprungen und ging vor mir in die Hocke. »Du siehst aus, als wärst du gerade der Bestie begegnet!«

Mit Bestie meinte Klaus den scharfen Kettenhund vom Bauern unten im Dorf, vor dem wir alle Angst hatten.

Überrascht sah ich zu ihm auf. »Der Bestie?«, sagte ich und schüttelte langsam den Kopf. »Nein, keinem Hund. Ich bin heute Nacht meinem Großvater begegnet.«

Mit einem Mal gelangte wieder Farbe in Klaus’ Gesicht. Genauer gesagt, färbten sich schlagartig seine Wangen rot, wie es immer passierte, wenn er wütend wurde. Meistens, wenn er das Gefühl hatte, jemand wolle ihn verkohlen.

»Was soll das denn heißen?«, fragte er und stemmte dabei seine Fäuste in die Hüften. »Dein Großvater ist tot! Vor beinahe genau sechs Wochen ist dein Opa gestorben.«

»Ja«, sagte ich betreten, »und heute Nacht war er in meinem Zimmer.«

Also erzählte ich Klaus die ganze Geschichte.

»Gestern hat meine Mutter gefragt, ob einer von uns, also mein Bruder oder ich, sich vorstellen kann, das Bettgestell von Großvater zu erben«, fing ich vorsichtig an. »Das ist nämlich noch ganz neu.«

»Was? Das Bett deines Großvaters?«, fragte Klaus entgeistert und wurde wieder blasser. »Aber darin hat er doch gelegen, als er gestorben ist. Dein Opa ist doch in seinem Bett gestorben!«

Es stimmte, was Klaus sagte. An einem Freitag sechs Wochen zuvor hatte mein Großvater sich abends unwohl gefühlt. Meine Mutter hatte ihn ins Bett gebracht, er war bald eingeschlafen und am nächsten Morgen wachte er einfach nicht mehr auf. Das war ein Schock für uns alle und ich hatte tagelang geweint, aber irgendwann meinte meine Mutter, dass das Leben nun für uns weitergehen müsse. Sie fing an, Großvaters Sachen auszusortieren, um zu sehen, was wir davon vielleicht noch gebrauchen konnten. Und gestern war eben das Bettgestell dran gewesen.

Blöderweise brauchten mein Bruder und ich tatsächlich jeder ein Bett. Wir waren erst vor vier Monaten in unser neues Haus hier im Dorf gezogen und sollten beide neue Betten bekommen. Im Moment schliefen wir mit den Matratzen auf dem blanken Boden.

»Hast du es etwa genommen, das Bett?«

»Ja«, sagte ich leise und ein kalter Schauer lief mir bei der Erinnerung daran über den Rücken.

Mir war sofort mulmig geworden, als meine Mutter uns fragte, aber Ben, mein Bruder, war schneller als ich. Er sagte sofort »Nein, Mama, ich will ein neues Bett haben«, und lief davon.

Also konzentrierte sich meine Mutter auf mich und sagte: »Und was ist mit dir, Alexia? Das Bett ist noch ganz neu. Es wäre schade, wenn man es wegschmeißen müsste.«

Mir wurde immer mulmiger zumute, ich erinnerte mich, wie ich meinen Großvater dort hatte liegen sehen, in seinem Bett, als wir alle noch einmal in sein Schlafzimmer gingen, um uns von ihm zu verabschieden. Aber meine Mutter sah mich so erwartungsvoll an, dass ich schließlich schweren Herzens nickte. Sie konnte einfach nichts wegwerfen!

»Irgendwie hat es mich schon gegruselt«, erzählte ich weiter. »Aber ich dachte mir, ich bin ja kein kleines Kind mehr. Da meine Eltern sich anscheinend überhaupt keine Sorgen machten, wollte ich auch keine haben. Trotzdem wurde es mir immer unheimlicher, als mein Vater am Abend das Bett in meinem Zimmer aufstellte. Als es so weit war und ich schlafen gehen sollte, da wäre ich am liebsten davongerannt. Ich war so aufgeregt, dass ich lange Zeit nicht einschlafen konnte und mich hin und hergeworfen habe. Aber irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen.

Und prompt habe ich von meinem Großvater geträumt. Was genau ich geträumt habe, weiß ich gar nicht mehr, nur, dass er es war, mein Opa, und dass mir unbehaglich dabei war. Ich bin aber auch gleich wieder aufgewacht. Dann lag ich eine Weile wach und habe mich gefürchtet. Beim nächsten Mal wollte ich etwas anderes träumen, nahm ich mir vor. Nach einiger Zeit bin ich auch wieder weggedöst. Doch wieder war da mein Großvater in meinem Traum. Und auch dieses Mal konnte ich gleich wieder aufwachen. Aber jetzt machte es mir wirklich Angst. Es war mitten in der Nacht, alle schliefen schon tief und fest, kein Geräusch war zu hören.

Irgendwie muss es etwas mit dem Bett zu tun haben, überlegte ich mir. Immerhin war er darin gestorben. Ich wollte wirklich nicht noch einmal von ihm träumen, obwohl ich ihn sehr lieb gehabt hatte.

Also zerrte ich meine Matratze von dem Bett und schleifte sie in eine andere Ecke meines Zimmers, möglichst weit entfernt von diesem Bettgestell. Ich dachte, vielleicht strahlt es etwas aus, das mich in meiner Ecke nicht mehr erreicht. Ein bisschen erleichtert legte ich mich auf meine Matratze, rollte mich auf die Seite und hatte das verlassene Bett beim Einschlafen im Blick. Doch dann wurde es noch seltsamer. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich wirklich wieder eingeschlafen bin. Auf jeden Fall hatte ich im Traum genau das bild vor Augen, das ich gesehen hatte, als ich noch wach war: das nackte und verlassene Bettgestell.

Nur stand diesmal neben dem Bett, an dem Ende, wo vorher mein Kissen und mein Kopf gelegen hatten, mein Großvater!

Er stand einfach nur da, hatte seinen dicken Wintermantel an, seinen Hut auf dem Kopf und seinen Spazierstock in der Hand. Ich hab mich gewundert, dass er so dick angezogen war, wie im Winter zum Spaziergang im Wald, obwohl es schon Juli ist, also mitten im Sommer. Aber so stand er da, mit allem Drum und Dran, und sah einfach nur zu mir herüber. Um seine Gestalt herum war so ein sanftes Leuchten, das mir wirklich unheimlich war. Und dann war ich plötzlich wach – falls ich denn überhaupt geschlafen hatte.

Aber Großvater stand immer noch da. Genau wie vorher, mit diesem Schimmern um sich herum. Ich lag wie gelähmt auf meiner Matratze und traute mich nicht, mich zu bewegen. Ich traute mich nicht einmal, zu atmen.

Und er stand einfach da, mit Stock und Hut und Mantel.

Ich weiß nicht, wie lange das gedauert hat, aber bald war er immer undeutlicher zu erkennen, er verblasste, löste sich in diesem seltsamen Leuchten auf, bis er irgendwann vollkommen verschwunden war. Dann war es wieder dunkel.«

»Das hätte ich dir gleich sagen können, dass du blöde Träume kriegst«, meinte Klaus und ließ sich jetzt neben mir an die Eiche plumpsen. »Aber du wirst sehen, die vergisst man auch wieder ganz schnell. Alles halb so wild.«

»Nein!«, rief ich und starrte ihn mit großen Augen an. »Das war kein Traum! Vielleicht am Anfang. Aber dann, als er dort stand in seinem Mantel, das war kein Traum. Ich war wach, verstehst du?«

»Pappe, Alex! Was soll das? Du hast einfach schlecht geträumt.« Pappe sagte Klaus immer dann, wenn die Erwachsenen Papperlapapp oder Blödsinn gesagt hätten. Das fand er viel cooler. »Oder willst du mir erzählen, du hättest gestern Nacht einen Geist gesehen?«

»Geist?«, fragte ich und sah ihn aus noch größeren Augen an. Jetzt wurde mir auch noch schwindelig. Über so etwas hatte ich noch gar nicht nachgedacht.

»Na ja. Du weißt schon. Gespenst. Tote, die noch hier auf der Erde herumgeistern. Die nachts um zwölf aus ihren Gräbern steigen und sich dann auf dem Friedhof zum Plauschen treffen. Mädchenkram halt.«

»Mädchenkram?«

»Na, solche Geschichten eben. Gespenster, die den Lebenden ein paar blöde Streiche spielen. Mit solchem Zeug bringt man kleine Mädchen so richtig zum Kreischen«, er guckte mich schräg von der Seite an und verzog dabei den Mund. »Ich dachte wirklich nicht, dass du auch so eine bist!«

Vor Verblüffung blieb mir die Spucke weg. In diesem Moment beschloss ich, ihm nichts von der grauenvollen Angst zu erzählen, die ich letzte Nacht hatte. Nichts davon, dass ich nicht nur den Atem angehalten hatte, sondern mein Herz wie wild in meiner Brust hämmerte, ich am ganzen Leib zitterte und...



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