E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
Sonntag Apfelglück am See
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-365-00009-0
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-365-00009-0
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Apfelkuchenduft und große Glücksmomente
Morgens genießt die junge Konditorin Anne am liebsten den Sonnenaufgang und kostet den Moment der Stille am azurblauen Chiemsee aus, bevor sie mit ihrem Großvater die kleine Bäckerei am See öffnet. Dort gibt es gerade nur ein Thema: den Pralinen-Einbrecher. Jemand warnt die Anwohner vor einem Einbruch und hinterlässt einen Brief und Pralinen. Anne findet das Ganze zunächst sehr amüsant - bis sie selbst in die braunen Augen des Pralinen-Einbrechers schaut und allzu gern mit ihm Apfelkücherl backen möchte.
Am Chiemsee ist man dem Himmel der Backkunst ein Stück näher!
Eine verträumte Konditorin und ein romantischer Einbrecher helfen dem Glück auf die Sprünge
Für Leserinnen von Anne Barns und Kristina Günak
Sabrina Sonntag ist Mitte zwanzig und hat in Regensburg und Durham, Großbritannien, Literaturwissenschaft studiert. Sie leitet Coachings, arbeitet ehrenamtlich mit Kindern und führt den Haushalt eines katholischen Priesters. Wenn sie nicht gerade schreibt, übt sie Krav Maga oder krault ihrem Lieblingsschäferhund die Ohren.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
»Einmal Chiemsee-Spezialfrühstück mit Milchkaffee«, sagte ich lächelnd, rückte die Pfingstrosen beiseite und setzte das Tablett ab, auf dem sich allerlei Köstlichkeiten türmten.
Melonenscheiben fächerten sich auf, ringsum Berge von Himbeeren, Heidelbeeren und Kirschen; Bananenscheiben und Weintrauben drängten sich dicht an dicht, um die verbleibenden Lücken in der Schüssel auszufüllen. Neben einem Schälchen Vanillepudding thronte ein großzügiger Klacks Sahne auf einem Stück Apfelkuchen, und auf einem Holzbrett reihten sich verschiedene Käsesorten aneinander, daneben Salami, Frischwurst und Schinken. Eine Marmeladenauswahl stand in kleinen Gläschen bereit, und neben einem weich gekochten Ei zierten ein paar Scheiben Räucherlachs kunstvoll gerollt die Frischkäseschale.
Zufrieden betrachtete ich, was mein Opa in der Küche gezaubert hatte. »Lass es dir schmecken, Hilde!«
»Mmmmh«, machte sie nur, und ich lehnte mich mit einem Lächeln an einen der kleinen Tische. Mein Blick glitt über das Wasser.
Die Wellen glitzerten in der Morgensonne, sanft schwappten sie gegen den Steg. Ich liebte die Morgenstunden am Chiemsee, den Duft von Kaffee und das warme Holz des Bootsstegs unter meinen nackten Füßen. Um diese Uhrzeit war es ruhig. Die benachbarten Cafébesitzer stellten gerade erst ihre Stühle auf und wischten den Tau von den Tischen. Urlauber waren um diese Zeit noch nicht am Ufer unterwegs, nur die üblichen Stammgäste hatten es sich in unseren Korbsesseln auf dem Steg gemütlich gemacht. Sie lauschten dem Plätschern der Wellen, lasen Zeitung und fingen die ersten Sonnenstrahlen auf.
»Sogar ein Stück Apfelkuchen ist dabei. Sieht der gut aus …« Hilde klopfte sich zufrieden auf den runden Bauch. »Anne, Kindchen … Wenn du so weitermachst, bricht auf meinem Stammplatz bald der Steg durch.«
»Keine Angst«, kam es prompt vom Nachbartisch. Dort saß Opa in seinem alten, abgewetzten Trachtenjanker und lachte. »Anne hatte den Kuchen eine Dreiviertelstunde im Ofen. Falls Kalorien drin waren, sind die jetzt alle tot.«
»Exakt!« Ich nickte grinsend. »Habe von den kleinen Biestern keine mehr gesichtet.«
Ein Nicken von Opa, als ich ihm eine Tasse Tee hinschob. Seine spärlichen Haare, die sich rund um die Glatze reihten, waren ein wenig zerknautscht von dem Kissen, an dem er lehnte.
Als Hilde sich vorbeugte, landete fast ihr Ellenbogen im Camembert. »Im Ernst. Eigentlich wollte ich diese Woche längst schon mit Trennkost anfangen. Bärbel hat mir neulich erzählt, dass da was in der … na … sag mir … diese Zeitschrift mit dem … Wie heißt die doch gleich …? Jedenfalls … Die Berühmten machen das auch alle, das funktioniert!«
»Anne!« Opa blinzelte gegen die Sonne. »Hast du gehört? Hilde will das nächste Mal den Kuchen und die Schokolade getrennt serviert bekommen.«
»Hilde.« Seufzend drückte ich ihre Hand. So energisch und selbstbewusst Hilde manchmal auftrat, die Speckröllchen an ihrem molligen Bauch – die ich so liebte und die ihr ausgezeichnet standen – kratzten immer mal wieder an ihrem Stolz, wenn sie irgendeine Hochglanzzeitschrift in die Finger bekam.
Opas Blick war eindringlich. »Kalorien zu zählen macht nicht dünn, es macht traurig.«
»Hach, ihr habt ja recht.« Hilde löffelte ein wenig Vanillepudding aus ihrem Schälchen. »Man muss sich ab und zu doch mal was Ungesundes gönnen.«
Ups. Das hätte ich an ihrer Stelle nicht gesagt. Ich schielte zu Opa – und musste nicht lange warten.
»Jetzt mach mal ’nen Punkt!« Empört drehte er sich um und kniff die mächtigen Augenbrauen zusammen. In ihrer grauen Widerborstigkeit gaben sie seinem runden, gutmütigen Gesicht etwas Markantes. »Wenn unser Frühstück nicht gesund ist, welches denn dann! Obst! Frische Beeren, Äpfel, Birnen, Kirschen, Bananen, Melonen! Biowurstwaren, Biolachs, selbst gemachtes Sauerteigbrot aus siebzig Prozent Vollkorn! Eier von Nachbars Hühnern! Marmeladen nach Omas Rezept, Honig vom Imker um die Ecke. Schonend gepresster Apfelsaft von unseren Bäumen! Spinnen kann man aber auch!«
»Schon gut, Opa«, flüsterte ich und warf ihm einen belustigten Blick zu.
»Lass Hilde fasten, wenn sie will«, meldete sich Andi mit tiefer Stimme hinter einer Zeitung, zwei Tische weiter. Von ihm konnte ich nur die braun gebrannten Ellenbogen erspähen. »Dann bleibt ja mehr für mich übrig.«
»Das ist die richtige Einstellung.« Zufrieden verschränkte Opa die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück in seinen Korbsessel. »Hast du gehört, Hilde, was der Andi gesagt hat?«
Die Zeitung senkte sich, Andi grinste uns über den Regionalteil hinweg an. Es war gerade erst halb neun, für seine erste Fahrt mit der Chiemseebahn hatte Andi, der als Schaffner arbeitete, noch ein wenig Luft. Seit ein paar Monaten frühstückte er vor Arbeitsbeginn regelmäßig im Café, um die Leere im Haus nicht aushalten zu müssen, die der Tod seines Ehemannes mit sich gebracht hatte. »Mein Navi ändert sogar inzwischen von sich aus die Route, wenn mein Magen knurrt. Ich lande dann immer bei euch.«
»Sag das noch mal, aber laut«, brummte Opa. »Die Hilde hat ihr Hörgerät wieder nicht eingeschaltet.«
»Freilich hab ich das.« Energisch biss sie in eine Melonenscheibe.
»Hilde hat bestimmt schon wieder …«, setzte Opa an, doch weit kam er nicht.
»Schluss jetzt«, sagte ich entschieden. »Themenwechsel, ihr Lieben. Bevor einer weint. Außerdem ist der Tag viel zu schön zum Streiten.«
Für einen Moment setzte ich mich auf den Boden, ließ die nackten Füße ins Wasser baumeln und hielt mir die Hand über die Augen, um sie vor der tief stehenden Morgensonne zu schützen. Hier, von unserem Steg aus, hatten wir einen fantastischen Blick auf die Herreninsel. Zwischen den Bäumen, die in Reih und Glied Spalier standen, blitzte hell das Schloss hervor.
»Wo ist denn eigentlich Bärbel?«, fragte ich Hilde nach einer Weile und drehte mich zu ihr um. Die beiden sah man sonst nur im Doppelpack. Dicke Freundinnen, und das seit siebzig Jahren.
»Das frage ich mich ehrlich gesagt auch.« Hilde zuckte die Achseln, ihr Blick schweifte in Richtung Hafen. »Sie war noch nie zu spät. Du kennst doch Bärbel, man kann die Uhr nach ihr stellen.«
»Vielleicht ist sie krank?«, meinte Opa. »Aber dann hätte sie dich doch bestimmt angerufen?«
»Wir … hatten gestern eine kleine Meinungsverschiedenheit.« Hildes Lippen wurden schmal. »Es ging um die Reklamation meiner … Ach, ist ja auch egal. Vielleicht ist sie mir noch böse, schließlich bin ich mit dem Thema rabiater umgegangen, als sie es tun würde.«
Das würde mich nicht wundern. Hildes Blutdruck stieg um einiges schneller als der von Bärbel, allerdings glätteten sich bei ihr auch schnell wieder alle Wogen. »Hoffentlich ist nichts passiert«, sagte ich und sah sie über meine Schulter hinweg an.
»Na, hör mal, Kindchen.« Hilde lachte. »Unkraut vergeht nicht. Und Bärbel und ich sind besonders zäh. Wie Giersch und Löwenzahn, in etwa dieses Kaliber.«
»Dann bin ich ja beruhigt.« Lächelnd beobachtete ich eine Biene, die sich auf unserem Blumenschmuck niedergelassen hatte. »Ich werde trotzdem nachher mal bei Bärbel vorbeifahren. Sicherheitshalber.«
»Du hast heute so viel um die Ohren, Anne. Dafür bleibt doch gar keine Zeit.«
Gelassen lächelte ich ihr zu. »Dann nehme ich mir Zeit!«
»Ist dein Vater eigentlich schon in der Arbeit?«, fragte Hilde. »Ich möchte mit ihm sprechen. Er muss dringend meine Alarmanlage auswechseln.«
»Ja, den hast du knapp verpasst.« Das Wasser umspielte meine Füße. Mit einem wohligen Seufzen beobachtete ich ein Blesshuhn, das offenbar im seichten Wasser ein Nest gebaut und sich zum Brüten niedergelassen hatte. »Der hat momentan einfach viel Stress.«
»Kein Wunder, diese Einbruchserie … Da wird er ordentlich zu tun haben.« Hilde spießte ein paar Himbeeren auf und tunkte sie in den Joghurt.
»Heute ist wieder ein Artikel dazu drin.« Andi wedelte mit der Zeitung. »Aber zumindest kein neuer Einbruch.«
»Die armen Familien«, seufzte Hilde. »Stehen plötzlich mit nichts da. Und die Täter sind auf und davon.«
»Wir könnten doch Spenden sammeln«, schlug ich vor. »Klar, es lässt sich nicht alles ersetzen. Aber eine kleine Starthilfe wäre doch fürs Erste nicht schlecht.«
»Gute Idee!« Opa setzte sich kerzengerade auf, seine Wangen färbten sich ein wenig rosa. Bei Plänen wie diesen war er sofort dabei. »Ich stelle eine Spendendose im Café auf.«
Hilde winkte ab. »Die verstaubt in irgendeiner Ecke, das bringt nichts.«
Da kam mir eine Idee. »Dann ein Spendenverkauf?«
Opas Augen begannen zu leuchten. »Au ja! Und den Erlös bekommen die Familien. Kuchen, Steinofenbrot, Marmelade, Kompott! Wir könnten auch Überraschungstüten packen, eine kleine Zusammenstellung für ein Picknick. Pro Tüte dann eine Spende …«
»Wär’s geselliger nicht schöner?«, warf Andi ein. »Bierausschank, fröhliches Beisammensein?«
»Ein Fest!« Opa war offensichtlich Feuer und Flamme. Wie immer, wenn es darum ging, Feierlichkeiten und Events zu organisieren. »Natürlich!« Begeistert klatschte er in die Hände.
Auch Hilde und ich nickten eifrig. Für Feste war jeder im Ort zu haben. Nicht zuletzt deshalb nannte ich Prien mit Stolz mein Zuhause.
»Der Weißgerber Hubert leiht uns bestimmt Bierbänke und ein paar Pavillons«, meinte ich. »Die...




