Sommer | Gedichte | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 466 Seiten

Sommer Gedichte


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3635-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 466 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3635-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Elise Sommer war eine deutsche Schriftstellerin und Dichterin. Dieser Sammelband beinhalte ihre schönsten Gedichte.

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Autoren/Hrsg.


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Hin ist die Ruhe meines Lebens,

Umsonst, umsonst seufz' ich nach ihr;

Ach jedes Ringen ist vergebens,

Die Freude floh' schon lang' vor mir!

Die Schwermuth schmiegt an meine Seite,

Wie Epheu sich um Neben an,

Mit tausendfachen Dornen streute

Die Vorsicht mir des Lebens Bahn.

Wie oft ring' ich die wunden Hände,

Erbarmung flehend, himmelan.

Dann tönt's mir leis': »Schon nah't das Ende,

Bald bricht dein lezter Morgen an!«

Dann blick' ich freudig nach dem Grabe,

Mit thränenschweren Augen hin!

O goldne Hofnung, komm und labe

Erquicke den zerrißnen Sinn.

Bald findet, nach besiegtem Kummer,

Mein armes Herz im Grabe Ruh':

Dann schließt des Todes tiefer Schlummer

Die wundgeweinten Augen zu.

Dann schwing' ich mich mit leichterm Flügel

Hoch durch die Luft zum Stralenthron;

Der Ozean wird mir ein Spiegel;

Die Palme meine Siegeskron'!

Auf die Vermählung des Fürsten v. W. mit der Fürstin zu S.S.



Wonnebebend, süß berauscht von Freude,

Klopfen lauter unsre Herzen heute

Im Gefühle namenloser Lust;

Frohe Ahnung von zukünft'gem Glücke

Schwebt vor unserm wonnetrunknen Blicke,

Hebet schneller athmend unsre Brust!

Denn er kommt (verkündigt's laut ihr Brüder!)

Friedrich grüßt heut' unsre Gegend wieder,

Die ihm nie so schön, wie heute, schien.

Seh't! er kommt, an Friederikens Seite,

Das Entzücken nie empfund'ner Freude

Läßt ihm alle Fluren schöner blüh'n!

Hymen taumelt über ihrem Wagen,

Der, wie Juno's einst, von Pfaun getragen,

Ueber unsre stolzen Thäler schwebt;

Auf der Lahne weißen Silberwellen

Tanzet die Najad', daß Fluthen schwellen,

Die Forelle sich vom Grund erhebt.

Frische Blumenkränze laßt uns streuen

Auf den Weg, den durch gedrängte Reihen

Friederikens Wagen schnell verläßt!

Alle Grazien geh'n ihr zur Seite,

Amor und Cythere feiern heute

Im Olymp ihr schönstes Götterfest.

Tauch' in Gold, o Sonne! deine Stralen,

Wenn sie Friederikens Wangen malen,

Die der Liebe süßes Glück verschönt.

Die Natur stimmt ein in unsre Freude,

Kommt geschmückt im schönsten Feierkleide,

Ihre grünen Locken sind gekrönt; –

Sind gekrönt mit einem Rosenkranze;

Wie sie schwebt in hohem Götterglanze

Ueber unsre bunten Fluren hin!

Ihrem Hauch entströmen Nelkendüfte,

Froher jauchzen Sänger durch die Lüfte,

Durch den Raum des reinen Aethers hin.

Unsre Freude donnre in den Fernen,

Flieh' empor zu des Olympos Sternen,

Wo heut' Friedrichs Ahnherr Wedekind,

Auf den Helm gestützt, bei Wodans Mahle,

Unter Helden trinkt aus goldner Schaale

Trank, der aus Walhalla's Quellen rinnt.

Fürstinn! sei uns tausendmal gegrüßet!

Sieh' die Thräne, die dem Aug' entfließet!

Treuer malt sie unser Hochgefühl;

Leichter wandle heut' der Greis am Stabe!

Froher hüpfe heut' der junge Knabe,

Süßer töne unser Saitenspiel!

Unsrem Jubel, unsrem trunk'nen Blicke

Weicht der Zukunft Vorhang leis' zurücke,

Goldne Tage, Fürstin! warten Dein!

Einst wirst Du, nach spät geschwund'nen Jahren,

Noch im Schmuck' von weißen Silberhaaren

Dich des schönen Bunds der Liebe freu'n!

Abendgefühle



Der Abend wallt hernieder,

Die Silberwolke thaut;

Stumm sind des Haines Lieder,

Der Berge Blau ergraut,

Bewegt vom Abendwinde

Wiegt sich der Blüthenzweig

Der duftgefüllten Linde

Im mondbeglänzten Teich.

Laut stürzt die Felsenquelle

Von Silberstaub' beschäumt,

Hin in des Stromes Welle,

Vom Abendroth besäumt;

Dumpf hallt aus öder Ferne

Des Uhus wildes Schrei'n,

Bleich flimmern Mond und Sterne

Im dunklen Kirchhofs-Hain.

Der Tag, im Nebelschleier

Der Dämm'rung eingehüllt,

Malt mir mit ernster Feier,

Melancholie! dein Bild.

Wie schwebt so matt, so traurig

Der blasse Mond empor.

Wie tönt so ernst, so schaurig

Der Unke Ruf im Moor!

Wie melancholisch flüstert

Der kleinen Grille Lied,

In leiser Stille knistert

Das falbe, dürre Ried.

Ich seh', gestimmt zur Trauer,

Dort blaue Flämmchen wehn,

Und Geister an der Mauer

Im Leichgewande stehn.

Hier, wo mich ernster Schauer

Mit kalter Hand ergreift,

Und jedes Bild die Trauer

Der bangen Seele häuft,

Hier schwinden, wie Atome,

Vor meines Geistes Blick

Die täuschenden Fantome

In ihre Nacht zurück.

Das Schlummergrab der Müden

Rust laut und wahr mir zu:

»Hier herrschet ew'ger Frieden

Und nie gestörte Ruh!«

Hier seh' ich klar und helle

Die Welt, ihr Schatten-Glück; –

Zu seines Urstoffs Quelle

Sehnt sich mein Geist zurück!

An meinen Freund Hrn. G.R.R. Boden



Als du, o Freund! gebohren wardst,

Da weih'ten Engel Gottes Dich

Zum Segen für die Menschheit ein;

Sie senkten in die junge Brust

Ein Herz voll reinen Schönheits-Sinns,

Das mitleidsvoll bei fremdem Schmerz

Wie bei dem eignen Leiden schlägt,

Und rastlos ihn zu lindern strebt.

Als ich an jener Urne einst

Mit thränenschwerem Blicke stand,

Und in die Zukunft dunkel sah,

Da wünscht' ich mich in's Schattenreich

Und wankte schon dem Orkus zu,

Da kamst Du, wie ein Genius,

Und reichtest helfend mir die Hand,

Und sich'rer ward mein matter Schritt

Und heller mein bethränter Blick;

Er schaute hoffnungsvoll empor

Zu des Olympos goldnen Höhn.

In Deiner Freundschaft fand ich Trost

Und Schutz im Sturme der Gefahr,

An Deiner edlen treuen Brust

Vergaß ich alles um mich her,

Und fühlte nur das hohe Glück,

An eines Engels reiner Brust,

Im seligsten Gefühl zu ruhn.

Die Sprache dünkt mir arm, sehr arm,

Wenn sie Dir treu erklären soll,

Was ich in Deiner Freundschaft fand

Und wie in diesem Busen hier

Ein Herz voll reger...



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