Sommer | Familie mit Herz 138 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 138, 64 Seiten

Reihe: Familie mit Herz

Sommer Familie mit Herz 138

Wer trocknet Marlons Tränen?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3925-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wer trocknet Marlons Tränen?

E-Book, Deutsch, Band 138, 64 Seiten

Reihe: Familie mit Herz

ISBN: 978-3-7517-3925-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Die Mami passt jetzt vom Himmel auf dich auf ...« So lauten die tröstenden Worte der Erwachsenen, doch sie erreichen den achtjährigen Marlon nicht.
Da war dieser riesige Lastwagen, dann nur noch ein lauter Knall, das Zerbersten von Glas, das Reiben von Metall ...
Marlon kann die schrecklichen Bilder nicht vergessen. Und er will nicht allein hier auf der Welt sein, ohne seine geliebte Mami. Traurig blickt der Junge in den dämmrigen Himmel, und dann macht er sich auf den Weg - dorthin, wo seine Mami ist ...

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Wer trocknet Marlons Tränen?

Wenn ein Kind in Trauer versinkt

Von Moni Sommer

»Die Mami passt jetzt vom Himmel auf dich auf ...« So lauten die tröstenden Worte der Erwachsenen, doch sie erreichen den achtjährigen Marlon nicht.

Da war dieser riesige Lastwagen, dann nur noch ein lauter Knall, das Zerbersten von Glas, das Reiben von Metall ...

Marlon kann die schrecklichen Bilder nicht vergessen. Und er will nicht allein hier auf der Welt sein, ohne seine geliebte Mami. Traurig blickt der Junge in den dämmrigen Himmel, und dann macht er sich auf den Weg – dorthin, wo seine Mami ist ...

Julia Lermer sah auf die goldene Uhr an ihrem Handgelenk. Sie seufzte leise. Es standen immer noch mehrere Leute in ihrem kleinen Laden. Sie hielten Gegenstände in die Höhe und machten durch Zurufe auf sich aufmerksam.

Sie musste ja froh sein, dass das Geschäft so gut lief. Schließlich war es die Grundlage für ihren Lebensunterhalt. Fast jeden Vormittag brachten Reisebusse ganze Ladungen voller Menschen in die kleine Stadt, die vor allem durch ihr beinahe tausend Jahre altes Kloster berühmt war. Nachdem die Touristen alles Sehenswerte, einschließlich der Klosterbrauerei, besichtigt hatten, machten sie sich an den Souvenirkauf und landeten dabei unweigerlich in Julias Laden, wo diese Handwerkliches von Künstlern aus der Umgebung und aus ihrer eigenen Werkstatt verkaufte. Sie selbst fertigte in erster Linie Gebrauchskeramik und Keramikschmuck an.

»Was kostet das hier?«

Die Ladeninhaberin nahm die kleine Figur entgegen, die einen zusammengerollten Fuchs darstellte, drehte sie um und wies auf das Preisschild.

»Neunundsechzig Euro«, gab sie zur Auskunft.

Unschlüssig drehte der grauhaarige Mann die Figur in seinen Händen, bis ihm eine ältere Frau, die offensichtlich zu ihm gehörte, einen Schubs gab.

»Komm, Erwin. Genau so etwas haben wir doch für unser Sims über dem Kamin gesucht.«

»Na schön. Packen Sie es bitte für uns ein!«

Der Herr zückte seine Geldbörse.

Endlich leerte sich der Laden, und Julia schloss die Tür hinter dem letzten Kunden.

Sie eilte nach hinten, wo sie ihr kleines Büro und eine Werkstatt eingerichtet hatte und holte ihre Tasche. Durch den Hinterausgang verließ sie den Laden und lief hastig zu ihrem Wagen. Julia würde zu spät kommen, wenn sie sich nicht beeilte. Sie fuhr ein paar Straßen weiter, wo sich die Grundschule des Ortes befand.

???

Gerade noch rechtzeitig! Die Türen des alten, restaurierten Gebäudes öffneten sich, und nur wenig später quoll eine bunt gekleidete Kinderschar daraus hervor. Schreien und Lachen begleiteten die Meute, die glücklich darüber war, dass die Schule für heute aus war.

Julia strich sich eine braune Locke ihres kinnlangen Haares zurück, die ihr ins Gesicht gefallen war. Ihre braunen Augen blickten konzentriert zum Eingang, damit sie das Auftauchen ihres Sohnes nicht verpasste.

Da, endlich kam Marlon herausgestürmt! An der Seite seines Freundes Kilian überquerte er die Straße. Julia stieg aus und öffnete die hintere Tür des Wagens.

Manchmal nörgelte Marlon ein wenig, dass er immer noch hinten sitzen musste wie ein Baby. Er konnte es kaum erwarten, bis er endlich alt genug für den Beifahrersitz war. Aber mit seinen acht Jahren würde es noch eine Ewigkeit dauern. Wie so vieles! Bis ihm ein eigenes Handy gehörte zum Beispiel.

Kilian begleitete Marlon bis zum Wagen.

»Frau Lermer, darf der Marlon heute Nachmittag zu mir zum Spielen kommen?«

Julia schüttelte den Kopf.

»Tut mir leid, Kilian, aber heute Nachmittag ist mein freier Tag, und ich wollte mit Marlon Turnschuhe kaufen. Die brauchst du doch unbedingt, stimmt's?«, wandte sie sich an ihren Sohn.

Marlon verzog im Widerstreit der Gefühle das Gesicht. Klar, neue Turnschuhe brauchte er schon. Andererseits ...

»Ein anderes Mal, ja?«, versuchte Julia, ihn zu trösten.

Die Jungen tauschten einen vielsagenden Blick. Sie hatten es ja geahnt. Marlons Mutter mochte es nicht, wenn ihr Junge nachmittags spielen ging. Deshalb sah Marlon seine Freunde fast ausschließlich in der Schule. Nachmittags musste er Julia entweder in den Laden begleiten, oder sie blieb bei ihm zu Hause, während ein Mädchen aus dem Ort das Geschäft für sie führte.

Julia schloss die Autotür, und Kilian trottete davon.

???

Stunden später und reichlich erschöpft vom Einkaufen erreichten Julia und Marlon ihr kleines Häuschen.

Kaum hielt das Auto vor dem Gartentor, ertönte vom Nachbargrundstück ein kräftiges Bellen, und gleich darauf stürzte ein riesiger, schwarz-brauner Berner Sennenhund zum Zaun. Er sprang unter fröhlichem Gebell auf und nieder, als fordere er die Neuankömmlinge auf, sich zu ihm zu gesellen.

»Obelix!«, rief Marlon lachend und konnte nicht schnell genug aus dem Wagen klettern.

Er rannte zum Tor des mit Bäumen umsäumten Nachbargrundstückes und öffnete es. Der Hund machte seinem Namen alle Ehre. Er hatte die Größe und das Gewicht eines Kalbes. Der kleine Junge musste sich mit beiden Beinen fest auf den Boden stemmen, um nicht umgestoßen zu werden. Obelix drückte sich aufgeregt gegen das Kind, außer sich vor Wiedersehensfreude.

Marlon streichelte den Hund. Vergessen war die Enttäuschung darüber, dass er den Nachmittag nicht bei seinem Klassenkameraden verbringen durfte. Obelix war sein bester Freund.

Während Julia den Wagen ausräumte und die Einkäufe ins Haus trug, näherte sich ein hochgewachsener Mann.

Adam Schäfer war seit etwa einem Jahr der Nachbar der Lermers. Der breitschultrige Hüne trug Jeans und ein blau-rot kariertes Flanellhemd. Mit seinen dunklen Haaren und dem Bart wirkte er ein wenig älter als zweiunddreißig. Nur wenn er lächelte, so wie jetzt, sah man, wie jung er wirklich war.

Endlich hatte sich der Hund ein wenig beruhigt. Adam Schäfer betrachtete die beiden mit einem wohlwollenden Lächeln. Er hatte den Hund damals aus dem Tierheim geholt, als er hierhergezogen war. Obelix war noch ziemlich jung gewesen, ungefähr ein Jahr alt, genau hatte sich das nicht sagen lassen.

Eine dieser Familien, die sich zuerst einen Hund zu Weihnachten schenkten und dann nicht damit klarkamen, hatte ihn einfach irgendwo ausgesetzt.

Niemals hätte Adam es für möglich gehalten, dass aus dem verschreckten Tier, das er damals aus purem Mitleid zu sich genommen hatte, ein lebhafter, kinderlieber Hund werden würde.

Obelix war der Freund und Beschützer seines kleinen Nachbarn geworden. Niemand durfte es wagen, in seiner Gegenwart den Jungen anzurühren. Stundenlang tollten die beiden über die Felder in der Umgebung, und selbst Marlons ängstliche Mutter war beruhigt, solang Obelix bei ihrem Sohn war.

Als Julia im Haus verschwinden wollte, hielt ihr Nachbar sie zurück.

»Ich habe ein Riesenhuhn geschenkt bekommen. Ob Sie und Marlon mir wohl die Freude machen, mit mir zu Abend zu essen? Sonst gäb's bei mir in den nächsten Tagen morgens, mittags und abends Hühnchen ...«

Adam Schäfer war Kunsttischler, und manchmal legten seine Auftraggeber noch Naturalien seinem Honorar bei.

Julia musste wider Willen lachen. Er wohnte bei Weitem noch nicht so lange hier wie sie, und trotzdem war Adam Schäfer schon überall beliebt und bekannt. Mit seiner freundlichen Art gewann er die Herzen der Menschen mit Leichtigkeit.

Eigentlich zog die junge Frau es vor, für sich zu bleiben. Sie hatte tagsüber im Geschäft genug fremde Leute um sich herum, aber ihr Sohn warf ihr einen bittenden Blick zu. Außerdem konnte sie die Einladung schlecht ablehnen, wo ihr Adam doch schon so oft geholfen hatte, hier ein Regal anzubringen und dort einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren.

Beim ersten Mal, als er ihr beigestanden hatte, war ein Wasserrohr im Keller geplatzt. Es hatte Julia eine riesige Überwindung gekostet, ihren Nachbarn um Hilfe zu bitten. Doch als das Wasser knietief in dem kleinen Keller gestanden hatte, hatte sie kapituliert und Marlon nach nebenan zu Adam geschickt.

Ihr Nachbar hatte ihr so kompetent und freundlich aus der Patsche geholfen, dass sie ihre anfängliche Scheu abgelegt hatte und ihm seitdem mit einer Offenheit begegnete, die sie sonst kaum jemandem entgegenbrachte. Seit dem Wasserrohrbruch hatte sich fast so etwas wie eine Freundschaft zwischen ihnen entwickelt. Marlon und Obelix taten ihr Übriges dazu, dass Adam und Julia sich einander ein wenig annäherten.

Marlons Mutter hob die Hand und strich sich eine Strähne hinters Ohr, wie immer, wenn sie dabei war, einen Entschluss zu fassen.

»Ja, gerne, warum nicht? Soll ich Ihnen beim Zubereiten etwas zur Hand gehen?«

»Nein, nein. Bringt nur viel Appetit mit, dann bin ich schon zufrieden«, erwiderte ihr Nachbar.

Nachdem das abgemacht war, ging er pfeifend zurück in sein Haus, um das Abendessen vorzubereiten.

Glücklich über die Aussicht, den Abend zusammen mit Obelix verbringen zu dürfen, machte Marlon gleich darauf unaufgefordert seine Hausaufgaben. Julia holte eine Flasche Wein aus dem Keller, und später...



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