Sommer | Der philosophische Reiseführer | Buch | 978-3-7374-1103-5 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 372 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm, Gewicht: 514 g

Sommer

Der philosophische Reiseführer

Auf den Spuren großer Denker
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7374-1103-5
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg

Auf den Spuren großer Denker

Buch, Deutsch, 372 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm, Gewicht: 514 g

ISBN: 978-3-7374-1103-5
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg


In dreiundzwanzig philosophischen Essays erschließt Hartmut Sommer Leben und Werk bedeutender Denker der Geistesgeschichte. Den lebendigen Zugang findet er jeweils mit einer Reise zu den Orten, die für Leben und Wirken dieser Denker wichtig oder sogar prägend waren. So nimmt er den Leser mit auf den Weg des Albertus Magnus von Paris nach Köln, geht mit ihm die Wege Schopenhauers in Frankfurt und Edith Steins in Beuron, besucht das Stift in Tübingen, Ort des schwärmerisch-jugendlichen Aufbruchs von Hegel, Schelling und Hölderlin, führt zur einsiedlerischen Kammer Nietzsches im Hochgebirgsort Sils Maria und zur Berghütte Heideggers im Schwarzwaldort Todtnauberg. Damit öffnet er jeweils das Tor zu einer Zeitreise, die in unmittelbarer Einfühlung die existenzielle Lebenssituation der Denker und damit den Hintergrund ihres Philosophierens besser verstehen lässt. Zugleich durchläuft der Leser anhand der chronologisch angeordneten Essays auf kurzweilige und verständliche Weise die Geschichte des philosophischen Denkens von der Scholastik bis zur Moderne. Praktische Hinweise für philosophische Reisen auf den Spuren der behandelten Denker runden die Darstellung ab.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vorwort
Kapitel 1

Vernunft und Beschauung

Mit Albertus Magnus und Thomas von Aquin unterwegs nach Köln

Kapitel 2

Das Wesen des ersten Prinzips

Die Minoritenkirche zu Köln:
Wirkungsstätte und Grablege von Duns Scotus
Kapitel 3

Durchbruch zum weiselosen Urgrund
Meister Eckharts Kloster in Erfurt
Kapitel 4

Unendlichkeit und Können-Selbst
Das Herz und die Bibliothek des Nikolaus von Kues
Kapitel 5

Weisheit und Torheit der Welt

Mit Jan van Ruysbroek im Wald der Mystiker und zum Haus des Erasmus von Rotterdam in Anderlecht
Kapitel 6

Exkurs: Die Theosophie als Seitenlinie der Renaissancephilosophie

Jakob Böhmes Görlitz
Kapitel 7

Die pansophische Einheit des Wissens

Das Comenius-Mausoleum in der Festungsstadt Naarden, die Hohe Schule in Herborn und das Comenius-Haus in Amsterdam

Kapitel 8

Das notwendige Eine

Mit Spinoza in Rijnsburg, Den Haag und Amsterdam
Kapitel 9

Die beste aller Welten

Das Leibnizhaus in Hannover und die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel
Kapitel 10

Das Ding an sich

Mit Immanuel Kant in Königsberg/Kaliningrad
Kapitel 11

Die letzte Reise des Magus

Mit Johann Georg Hamann im Münsterland
Kapitel 12

Ursprung der Sprache und die Humanität

Die Wirkungsstätten von Johann Gottfried Herder in Bückeburg und Weimar
Kapitel 13

Der Geist und die Sehnsucht

Das Stift und der Turm in Tübingen Hegel, Schelling, Hölderlin

Kapitel 14

Exkurs: Die Erben der dialektischen Methode und die Nachwirkung Hegels

Das Marx-Haus in Trier und das Engels-Haus in Wuppertal

Kapitel 15

Der blinde Weltgrund

Mit Arthur Schopenhauer in Frankfurt
Kapitel 16

Die Rückkehr des Dionysos

Nietzsches Sils Maria im Oberengadin
Kapitel 17

Der Weg durch Ungewissheit und Wagnis

Zu den Wurzeln von Peter Wust:
Das Geburtshaus in Rissenthal, Konvikt und Gymnasium in Trier

Kapitel 18

Das Sein und die Eigentlichkeit Heideggers Heimatort Meßkirch und seine Hütte in Todtnauberg
Kapitel 19

Belebender Zustrom
Das Beuron Edith Steins
Kapitel 20

Dialog und Dialektik
Mit Martin Buber und Theodor W. Adorno an der Bergstraße und im Odenwald
Kapitel 21

Der utopische Stern
Ernst Bloch und die Künstlerkolonie in Berlin-Wilmersdorf Kapitel 22

Sagen, was ich sehe

Zwei Wirkungsstätten von Romano Guardini: St. Ludwig in München und Burg Rothenfels am Main
Kapitel 23

Die Selbstentmächtigung Gottes und die Verantwortung des Menschen

Das Elternhaus von Hans Jonas und die Spuren jüdischen Lebens in Mönchengladbach
Philosophische Reiseziele

Übersicht nach Städten/Orten Philosophische Reiseziele Übersicht nach Philosophen/Personen

Bildnachweis


Bis heute ist das Stift Ausbildungsstätte für protestantische Theologen und wie zu Zeiten Hegels, Schellings und Hölderlins wird es von einem Ephorus geleitet. Eine Gedenktafel am Brunnen im Vorhof erinnert an den Orientalisten Professor Schnurrer, der während der Studienzeit der drei dem Stift vorgestanden hat. Im Innenhof, dem ehemaligen Kreuzgang, hört man fröhliche junge Stimmen. An seine Nordseite grenzt eine große überdachte Terrasse, die sogenannte Altane. Ein Stiftler läutet dort ausgelassen die kleine Glocke auf dem Dach eines baldachinartigen Überbaus. Sie ruft in den Speisesaal, der sich noch immer im Südflügel befindet, mit freiem Blick über die Stiftsgärten zum Neckar hin. Der lange Saal mit den rissigen alten Holzsäulen in der Mitte hat etwas von einem mönchischen Refektorium, nur dass nicht Äbte auf den Gemälden an der Wand abgebildet sind, sondern württembergische Herzöge. Insgesamt ist es jetzt wohl bequemer im Stift. Die Stubenöfen wurden durch eine Zentralheizung ersetzt und der Altbau mit einem Lift ausgestattet. Wir gehen durch das kahle Gemäuer des Treppenhauses neben dem Lift auf die Altane und schauen hinunter in den Innenhof, der mit Rosen schön berankt ist. Vielleicht haben sich die drei genau hier nebeneinander auf die Brüstung gelehnt und ihre Ideen ausgetauscht. Sie hätten sich nicht träumen lassen, dass hinter ihnen an der Wand einmal ihr Bronzerelief hängen würde, zusammen mit dem Keplers. Von David Friedrich Strauß (1808–1874) konnten sie noch nichts wissen. Er sollte vier Jahrzehnte später als Repetent am Stift lehren und anknüpfend an Hegels Philosophie in seinem umstrittenen Buch Das Leben Jesu die biblischen Geschichten als bloße Mythen deuten. Er musste das Stift nach Erscheinen des Buches verlassen. In einem Eck der Altane hat er trotzdem eine Gedenkplatte erhalten, allerdings ohne Porträt. Mit noch immer nachklingender Bitternis wird darauf vermeldet: »Repetent von 1832–35. Verfasser des ›Leben Jesu‹. Ärgernis und Anstoß für Theologie und Kirche.«

Vom Stift geht man in wenigen Minuten zum Markt, den wie zu Zeiten der drei Freunde das Rathaus von 1435 mit seiner bemalten Fassade dominiert. Dort, wo jetzt das Geschäftshaus mit der Nummer 7 steht, war das Wirtshaus zum Alten Lamm, in dem die drei kräftig dem Wein zugesprochen und ihre Köpfe über philosophischen Ideen zusammengesteckt haben. Zurück sind sie vielleicht auf Schleichwegen gegangen, über die schmalen Treppen von der Münzgasse hinunter zum Stift, ein wenig unsicher, Hölderlin dabei seine neuen Verse rezitierend.


Sommer, Hartmut
Dr. Hartmut Sommer, geb. 1952, war nach einem Studium der Erziehungswissenschaften und Philosophie als Berater für Bundesministerien und -behörden sowie in der Digitalen Bildung und philosophischen Erwachsenenbildung tätig. Daneben umfangreiche Publikationstätigkeit mit Veröffentlichungen zur Philosophie, Theologie und Didaktik. Er lebt als freier Autor und Übersetzer in Bad Honnef.



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