E-Book, Deutsch, Band 6, 610 Seiten
Reihe: Heroes of Heart's Edge
Snow No white Knight
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96797-067-8
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Holt
E-Book, Deutsch, Band 6, 610 Seiten
Reihe: Heroes of Heart's Edge
ISBN: 978-3-96797-067-8
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Attraktiv. Sexy. Smart. Ich habe ihn vom ersten Moment an gehasst...
Holt Silverton denkt tatsächlich, dass ich meine Ranch an ihn verkaufe, damit er ein Einkaufszentrum in Heart´s Edge bauen kann. No way! Seine schönen Worte und sein charmantes Gehabe kann er sich sparen, denn ich kenne seinen Ruf. Keine Frau, mit der er damals keine Affäre hatte, bevor er aus unserem kleinen Örtchen verschwand und Jahre nicht gesehen wurde. Jetzt ist er wieder da und meint mich umstimmen zu können. Aber ich werde meine Ranch, mein Land und meine Pferde niemals hergeben. Auch wenn die Steuerschulden meines verstorbenen Vaters mir die Luft zum Atmen nehmen.
Leider gibt zwei Dinge, mit denen ich nicht gerechnet habe: Holt ist stur wie ein Stier und hinter seinem Designeranzug verbirgt sich noch immer der raue und stürmische Junge vom Land. Und er möchte mir angeblich helfen, mein Schuldenproblem zu lösen. Aber das darf ich nicht zulassen, denn dann würde er das dunkle Geheimnis entdecken, das ich seit Jahren hüte. Und das wäre mein endgültiger Untergang ...
Nicole Snow ist eine Wall Street Journal und USA Today Bestseller Autorin. Sie entdeckte ihre Liebe zum Schreiben, als sie sich in ihren Mittagspausen oder in langweiligen Büromeetings Liebesszenen ausdachte und sich in Liebesgeschichten wegträumte.
Im Mittelpunkt von Nicole Snows Büchern stehen sexy Alpha-Helden, viel Spannung und noch mehr Leidenschaft.
Weitere Infos & Material
I. Wilde Pferde (Libby)
Sag einem Mädchen, dass es drei Wünsche frei hat, und ich werde dir zwei von ihnen direkt nennen.
Ich hätte auf Dad hören sollen.
Und ich hätte wegbleiben sollen.
Das ist der einzige Gedanke, der mir im Kopf herumschwirrt, als ich vorsichtig blinzelnd dieses grässliche, staubbedeckte Bild in mich aufnehme.
Ich darf nicht zulassen, dass jemand diesen Ort findet.
Ich wünschte, jemand hätte mich davor bewahrt.
Und mir bleibt kaum Zeit Atem zu holen, zu verschwinden, ein schmerzvolles Grinsen aufzusetzen und einfach so zu tun, als hätte ich das hier nie gesehen.
Gott sei Dank wissen meine Arme und Beine noch, was sie zu tun haben, während mein Gehirn wie leergefegt ist.
Ich schwinge mich wieder in den Sattel und ergreife die Flucht, als wäre eine wütende Hundemeute hinter mir her.
Ich bin allein.
Keiner hat mich hier gesehen. Unmöglich.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die leeren Augen des Todes da drin mich verfolgen.
Zum Teufel mit Wünschen! Ich bin alt genug, um zu wissen, dass sie sich nicht erfüllen.
Die Zügel meines Pferdes fest umklammernd und in wildem Trab wünsche ich mir doch noch etwas auf der Flucht.
Dass niemand herausfindet, was sich am Ende der Nowhere Lane befindet.
Meinem Vater zuliebe.
Wegen der Farm.
Und meinetwegen.
***
Jeder Mensch besitzt Intuition.
Einige Leute schwören auf ihren Spinnensinn wie Spiderman. Bei anderen glühen die Ohren, wenn sie sich über einen guten Freund ernsthaft Gedanken machen. Manche behaupten, dass sie übersinnliche Fähigkeiten hätten, einen sechsten Sinn oder so.
Und ich?
Ich habe einfach einen Riecher für Ärger.
Wenn der mir sagt, dass etwas gewaltig stinkt, höre ich darauf.
Bei dieser Staubwolke, die da gerade vom Highway zu meiner Ranch herüberweht und die trockene Sommererde zu einem rötlichgelben Minitornado auftürmt, lassen Sie mich Ihnen eins sagen: Da macht meine Nase eine Menge mehr, als bloß zu kribbeln.
Sie brennt wie Feuer, weil ich großen Ärger wittere.
Eine Minute später biegt ein alter Ford Taurus in die Auffahrt draußen vor meinem Zaun und ich rechne nicht bloß mit Ärger, sondern mit einer Katastrophe.
Ich habe sie seit Jahren nicht gesehen, doch ich erkenne die Frau hinter dem Lenkrad auf Anhieb wieder.
Sie ist schließlich meine Schwester.
Und wo immer Sierra Potter auftaucht, ist Ärger vorprogrammiert.
An das sonnengewärmte Holz des Zaunes gelehnt, beobachte ich, wie sie den Wagen abstellt und aussteigt.
Schwesterherz sieht mich noch nicht. Das ist ziemlich offensichtlich, denn sie zupft und zuppelt an ihrer Kleidung herum, als fühlte sie sich unbeobachtet.
Sie hat sich herausgeputzt. Natürlich.
Aber wenn das schick sein soll, dann nur mit viel gutem Willen.
Ich sehe sofort, dass es ein Secondhand-Kleid ist. Der schrillpinke Fummel passt weder zu ihrem Hautton noch zu ihren mausblonden Haaren.
Blauäugige Blondinen haben für gewöhnlich keine knalligen Farben nötig, die einem in den Augen wehtun, aber … na ja, sie probiert es eben.
Ich habe bloß keinen Schimmer, wieso.
Wenn meine Schwester sich so viel Mühe gibt, will sie irgendwas.
Für eine Sekunde kaue ich an meiner Lippe und blinzle.
Ich hoffe, dass sie erwachsen geworden ist.
Ich hoffe, dass sie keine Hintergedanken hat.
Ich hoffe, dass ich es mit einer anderen Frau zu tun habe als der, die damals weggelaufen ist. Das hat mein Vertrauen zu Sierra nachhaltig angekratzt.
Während ich noch mit hoffen beschäftigt bin, stupst eine warme, samtige Nase gegen meine Schulter. Als ich mich reflexartig umdrehe, bekomme ich einen Schwall Heuatem ab.
Frosts schneeweiß gescheckter Kopf stößt mich mit einem leisen Wiehern an. Ich war mit meinem Tinker-Hengst unterwegs, um die Zäune zu kontrollieren, und lange genug abgesessen, dass ihm wohl langweilig geworden ist.
Mit einem kleinen Lächeln streichle ich seine Nüstern und über den kräftigen Hals.
»Mir gefällt es auch nicht, mein Großer. Lass uns mal sehen, was sie will, okay?«, murmele ich. »Dann werden wir sie in die Wüste schicken.«
Grausam? Wohl kaum.
Wenn Sie Sierra so kennen würden wie ich, würden Sie sie auch von Ihrem Grundstück jagen.
Manchmal ist Verwandtschaft ohne jede Bedeutung – ihr hat sie todsicher noch nie etwas bedeutet.
Frost wirft schnaubend seine Mähne zurück, heftig genug, um mir fast den Hut vom Kopf zu fegen.
Vermutlich stimmt er mir zu.
»Guter Junge«, flüstere ich mit einem Klaps auf sein Hinterteil. Ich schwinge mich wieder in den Sattel und der Hengst trottet los.
Tinker haben viele Vorzüge. Sie sind wunderschön mit ihren langen, üppigen Mähnen und dem dichten Fesselbehang, zudem sind sie kompakt und richtige Energiebündel.
Für ein Mädchen mit meiner Statur sind sie ideal.
Wir umrunden die Scheune und kommen in Sichtweite des Tors. Sobald wir auftauchen, dreht sich meine Schwester schnell um und setzt ein Lächeln auf, strahlend und künstlich, so klebrig wie Kaugummi und genauso widerwärtig pink wie ihr Kleid.
Igitt.
Sie hat immer versucht, sich so zu kleiden, als wüsste sie, was in den Metropolen angesagt ist. Blöd nur, dass wir nie in einer Großstadt gelebt haben, und nach ihrem Outfit zu urteilen, würde es mich überraschen, wenn sich daran etwas geändert hätte.
Außerdem würde man denken, dass sie in ihrem Leben noch nie ein Pferd gesehen hat.
Weil sie Frost beäugt, als würde er unter mir plötzlich einen Satz nach vorn machen, um sie wie ein Raubtier anzufallen. Während ich das Pferd zum Gatter lenke, koche ich innerlich.
Dort bleiben wir abwartend stehen.
Ich werde nicht absitzen, bis sie mir guten Grund dazu gibt.
Und ich werde diesen Zaun nicht passieren oder das Tor für sie öffnen.
Eigentlich ist es auch ihre Ranch, theoretisch.
Aber es ist mein Zuhause und Frosts Weideland.
Nicht ihres.
Später werde ich diesen Gedanken bereuen wie irgendeine gottverfluchte Prophezeiung.
Jetzt gerade steht Sierra großspurig da und erwartet eindeutig von mir, dass ich vom Pferd springe und sie mit einer dicken Umarmung begrüße. Eben das, was Geschwister, die sich nicht gegenseitig an die Gurgel gehen wollen, für gewöhnlich tun.
Doch je länger sich das Schweigen hinzieht, umso mehr verblasst ihr Lächeln, bis sie schmollend die Arme vor der Brust verschränkt.
»Echt jetzt, Libby? Du hast mich acht Jahre nicht gesehen und bist immer noch sauer auf mich?«
»Schätze, das wird auch so bleiben.« Ich stütze meine Hand auf meinen Schenkel, direkt neben dem Sattelholster für die abgesägte Schrotflinte, die ich immer bei mir habe, um Raubtiere zu verscheuchen. »Du hast bestimmt einen Grund herzukommen. Oder bist du bloß hier, um mich zu piesacken?«
»Ich lebe hier«, schnappt sie.
»Einen Teufel tust du.«
»In Dads Testament steht es so.« Ihr Lächeln kehrt zurück, triumphierend, und Angst sammelt sich in meiner Magengrube wie dicker Schlamm. »Mein Name steht da auch drin, Liberty Jane Potter. Und ich bin wegen meiner Hälfte von unserer Ranch hier.«
An dieser Stelle beginnt mein Konflikt.
Ein Teil von mir möchte einen kaltblütigen Mord begehen.
Der Rest von mir will ihr nicht die Genugtuung geben, mich explodieren zu sehen wie eine Atombombe.
Es ist deprimierend offensichtlich.
Verdammt, es hätte mir klar sein müssen.
Vor acht Monaten konnte Sierra es nicht einrichten, zu Dads Beerdigung nach Hause zu kommen, aber wenn sie ein bisschen Kohle braucht?
Natürlich befördert sie deswegen ihr falsches Plastiklächeln in ihrer beschissenen kleinen Karre hierher und taucht aus heiterem Himmel auf, von wo auch immer sie sich vor Jahren abgesetzt hat.
Ein Moskito, der auf eine nackte Ratte zuschießt, ist bestimmt nicht schneller als Sierra, wenn es um Geld geht.
»Das mit der Ranch kannst du knicken«, bringe ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Vor dir steht die Frau, die sie seit Jahren am Laufen hält. Diejenige, die sich auch um Dad gekümmert hat, als er krank war. Ist mir egal, was im Testament steht. Du nimmst mir jedenfalls nicht mein Zuhause weg!«
»Nun hab dich doch nicht so, Libby.« Sie seufzt mit einem theatralischen Augenaufschlag. Die Ich-mein-es-doch-nur-gut-Nummer hat sie drauf, das muss ich ihr lassen. »Ich bin auch hier, um dir zu helfen. Du weißt, dass der Ranch die Zwangsversteigerung droht, oder? Die Grundsteuer wurde jahrelang nicht bezahlt, und –«
»Und ich werde diesen Mist aus der Welt schaffen«, schnappe ich.
Sie blinzelt. Was hatte sie sonst erwartet?
Gott. Mein Nacken fühlt sich heiß an, und ich bin auf hundertachtzig, gereizter als eine in die Enge getriebene Klapperschlange.
»Na schön, wenn es sein muss, dann lass es uns rechtsverbindlich machen. Ich werde dir deine Hälfte der...




