E-Book, Deutsch, Band 3, 395 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
Snow Accidental Romeo
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96797-105-7
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hunter
E-Book, Deutsch, Band 3, 395 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
ISBN: 978-3-96797-105-7
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eigentlich war Hunter total mein Typ. Älter, gutaussehend und ein toller Vater für seinen Sohn. Dass er mit mir auf die Hochzeit meiner Schwester ging, war wahnsinnig nett. Doch in Wirklichkeit war alles mit meiner Mutter abgesprochen. Sie glaubte nicht daran, dass ich ein eigenes Date mitbringen würde. Und jetzt bin ich unglaublich wütend! Hunter kann mir gestohlen bleiben. Doch er taucht immer wieder auf und wirbt um mich wie einst Romeo um Julia. Wer kann da schon lange standhaft bleiben ...
Nicole Snow ist eine Wall Street Journal und USA Today Bestseller Autorin. Sie entdeckte ihre Liebe zum Schreiben, als sie sich in ihren Mittagspausen oder in langweiligen Büromeetings Liebesszenen ausdachte und sich in Liebesgeschichten wegträumte.
Im Mittelpunkt von Nicole Snows Büchern stehen sexy Alpha-Helden, viel Spannung und noch mehr Leidenschaft.
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Kapitel 1
Lieferung mit Hindernissen (Wendy)
Selbstverständlich werde ich den Kuchen liefern.
Warum auch nicht? Es ist ja nicht so, als würde sich jemand – IRGENDjemand – daran erinnern, dass Blake Paumer mich damals beim Schulball versetzt hat. Niemand weiß, wie peinlich es war, am darauffolgenden Montag in die Schule zu gehen, nachdem es längst die Runde gemacht hatte.
Natürlich erinnert sich niemand mehr daran.
Weil es nicht Rochelle passiert ist. Hätte jemand meine Schwester am Abend des Abschlussballs versetzt, würde sich die ganze Welt daran erinnern, wer sie so schändlich bloßgestellt und wie tief sie das getroffen hat.
Und niemand würde von ihr erwarten, dass sie ausgerechnet dem Mann, der sie vor all den Jahren stundenlang vergeblich hat warten lassen, einen Kuchen bringen würde.
Meine Finger packen das Lenkrad fester, als meine innere Stimme sich meldet, um zu widersprechen.
Also gut, ja. Der Kuchen ist nicht direkt für Blake, sondern für seinen Vater. Aber Blake wird ganz sicher an der Feier anlässlich der Pensionierung seines Vaters teilnehmen.
Ich blicke ungeduldig zu der Ampel auf, die schon eine gefühlte Ewigkeit auf Rot steht.
»Komm schon!«, stöhne ich genervt und drehe das Radio lauter.
Aber das hilft auch nichts. Weder springt die Ampel auf Grün, noch hebt sich meine Laune.
Wie auch? Es gibt nichts, womit ich mich ablenken könnte.
Auf dem Beifahrersitz steht ein Blechkuchen mit der Aufschrift Glückwunsch zur Pensionierung! in Buttercreme, und die Ampel in der Saint Paul Street scheint außer Betrieb zu sein, anders kann ich mir die endlose Wartezeit nicht erklären.
Noch hat die Feier nicht angefangen, aber auch wenn es noch Stunden dauert, bis die ersten Gäste kommen, wird Blake dort sein, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Zusammen mit Heather, seiner Frau.
Meiner ehemals besten Freundin. Sie hatte damals nicht einmal den Mumm, mir zu gestehen, dass sie Blake überredet hatte, nicht mit mir, sondern mit ihr auf den Ball zu gehen. Und als sie es schließlich doch tat, behauptete sie allen Ernstes, sie hätte nicht gedacht, dass es mir viel ausmachen würde, da ich ja im Gegensatz zu ihr nicht in Blake verliebt sei.
»Na endlich!« Als die Ampel auf Grün springt, gebe ich Gas und fahre langsam über die Kreuzung, damit der Kuchen nicht vom Sitz rutscht.
Heather hatte recht. Ich war damals nicht in Blake verliebt, trotzdem wollte ich auf den Ball gehen. Rochelle war zu der Zeit schon auf dem College, sodass meine Zeit gekommen war, ins Rampenlicht zu treten. Ich, das unscheinbare Mauerblümchen, das nicht annähernd so hübsch oder klug war wie seine große Schwester, wollte auch mal im Mittelpunkt stehen.
Die Erinnerung an jenen Tag schmerzt bis heute.
Und es ist mir egal, wenn das ein wenig irrational ist.
Es kümmert mich nicht, dass das acht Jahre her ist und ich damals sechzehn war. Es wurmt mich bis heute, dass ich den Ball verpasst habe.
Fast so sehr, wie es mich gewurmt hat, als Heather vor vier Monaten bei mir war, um ihre Hochzeitstorte zu bestellen, da niemand das besser könne als unser kleiner Familienbetrieb.
Offenbar haben wir unsere Sache gut gemacht, weshalb sie uns jetzt wieder beauftragt hat, diesmal mit dem Kuchen für ihren Schwiegervater.
Ich werfe einen Blick auf den Kuchen auf dem Beifahrersitz des alten Mini-Vans meiner Mutter und frage mich wie schon damals bei Heathers und Blakes Torte, ob ich ihn hätte sabotieren sollen. Eine Tasse Salz statt Zucker, ein verdorbenes Ei oder auch den einen oder anderen Esslöffel Cayenne-Pfeffer …
Aber nein, so mies bin ich nicht, auch wenn die Vorstellung extrem verlockend war, wie ich zugeben muss.
Wendy Agnes ist nicht der Typ für passiv-aggressive Rache.
Kopfschüttelnd konzentriere ich mich wieder auf die Straße, biege langsam um eine Kurve und seufze dankbar, dass die Straße vor mir frei ist.
Der Tag ist vielleicht doch gar nicht so furchtbar. Ich werde rechtzeitig dort sein und einen perfekten Kuchen abliefern. Weil ich nun mal zuverlässig bin.
Außerdem würde es vor allem Midnight Morning schaden, wenn ich meine Rachegelüste auslebte, und die Bäckerei mit angeschlossenem Café wird schließlich eines Tages mir gehören.
Und die Sache mit dem Ball habe ich – zumindest fast – verwunden.
Es hat mir auch nicht wirklich so viel ausgemacht, Heathers Hochzeitstorte zu backen. Ich backe für mein Leben gern.
Nur Hochzeiten mag ich nicht.
Hochzeiten machen mich krank. Ich könnte allein bei dem Gedanken daran kotzen. Nicht zuletzt weil Rochelle zur ultimativen Brautzilla mutiert ist, auch wenn das im Grunde niemanden überraschen hat.
Mich schon gar nicht. Ich habe mein ganzes Leben im Schatten meiner Schwester gestanden.
Zu schade, dass es bis zu ihrer Hochzeit nur noch zwei Wochen sind und ich wieder mal keinen Begleiter haben werde.
Ich schließe die Augen und versuche das Gerede auszublenden, das mich dort erwarten wird.
»Arme kleine Wendy!«, wird Tante Charlotte sagen. »Sie hat noch nie einen Freund gehabt, oder?«
Mutter wird hierauf betrübt den Kopf schütteln. »Nein. Noch nie. Armes Ding.«
Keine Entschuldigungen, kein Widerspruch, kein Protest. Nur Zustimmung, und das ist so peinlich, dass ich am liebsten im Erdboden versinken würde, so tief, dass ich auf der anderen Seite der Erdkugel wieder herauskomme.
Australien soll ja ganz nett sein. Und zumindest die Kängurus dort dürften netter sein als meine Verwandtschaft.
Aber es wird kein Entrinnen geben. Wie gewöhnlich.
Niemand wird eine Lanze für mich brechen, meine Leistungen loben, die zwei Jahre, die ich auf einer Kochschule in Europa verbracht habe, oder dass ich Gebäck für den Buckingham Palast zubereitet habe, und das zu keinem geringeren Anlass als dem Geburtstag der Königin.
Aber vielleicht ist es auch besser so. Wenn meine Mutter nämlich darauf zu sprechen käme, würde sie zum Abschluss doch nur ihr Bedauern darüber kundtun, dass es auch in Übersee keinen Mann in meinem Leben gegeben hat. Dann würde sie mir mütterliche, hochnotpeinliche Ratschläge geben wie dass ich mich mal etwas schminken oder mir das Haar hochstecken solle, um meine Chancen zu erhöhen.
Chancen worauf? Wieder versetzt zu werden? Danke, nein.
Ich bin immer noch in Gedanken, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme. Noch bevor ich erkennen kann, worum es sich handelt, schießt etwas vor mir auf die Straße.
»Verdammte Axt!« Ich trete voll in die Eisen und registriere im selben Moment, dass es sich um ein Kind handelt. Der Mini-Van wird ordentlich durchgerüttelt, als er den Bordstein streift und gleich darauf ruckartig zum Stehen kommt.
O Gott! Meine Hände zittern, und das Herz schlägt mir bis zum Hals, als ich durch die Windschutzscheibe starre, geradewegs in die Augen des Jungen, der nur wenige Zentimeter vor der Stoßstange steht.
Gott sei Dank steht er noch!
»Hey, bist du okay?«, rufe ich, als ich die Tür aufreiße und aus dem Wagen springe.
»Ich … ich … ich habe Sie nicht gesehen, Miss. Es tut mir leid.«
Er ist sichtlich geschockt.
Mir geht es auch nicht besser. Um ein Haar hätte ich ihn überfahren. Ich darf gar nicht daran denken.
»Wie kann man den denn übersehen?«, frage ich und zeige mit dem Daumen auf den Van. »Er ist knallrot! Ein großer roter Fleck in der Landschaft!«
Und das wärst du jetzt auch, wenn ich nicht rechtzeitig gebremst hätte, denke ich kopfschüttelnd.
Mit einem Seufzer trete ich vor ihn und ziehe ihm die schwarze Kapuze vom Kopf, um ihn mir genauer anzusehen. Hübscher Junge. Noch sehr jung. Zwölf, dreizehn vielleicht.
Ich würde ihn am liebsten packen und schütteln, aber nur, weil er mich so erschreckt hat. Da er selbst ganz verstört aussieht, verkneife ich es mir aber.
Ich atme tief durch, aber angesichts des Adrenalins, das durch meine Adern pumpt, hilft das kein bisschen.
Er hält den Blick gesenkt.
Ich folge seinem Blick und sehe, dass ein Ende seines Skateboards unter dem Vorderreifen meines Vans steckt. Das andere Ende hat sich hinter der Stoßstange verkeilt.
Eine Welle der Erleichterung durchströmt mich, weil es nur sein Skateboard erwischt hat.
»Das könntest du sein«, sage ich, und wieder durchläuft ein Zittern meinen Körper.
Das war verdammt knapp.
Er nickt und beißt sich auf die bebende Unterlippe. »Tut mir echt leid.«
Ich sollte ihn gehen lassen. Wir machen alle mal Fehler, oder? Vor allem Kinder. Aber etwas hält mich zurück.
Ich möchte, dass er wirklich begreift, wie haarscharf er an der Katastrophe vorbeigeschlittert ist, damit er beim nächsten Mal besser aufpasst. »Was war denn los? Warum warst du so schnell unterwegs, dass du mich gar nicht wahrgenommen hast?«
Er blickt sich um, als hielte er Ausschau nach einem Fluchtweg. Dann sehe ich das Schuldbewusstsein in seinen kindlichen Zügen.
Plötzlich weiß ich, was los ist. Mir fällt auf, dass er die Hände in die Jackentaschen gesteckt hat, und ich glaube nicht, dass das nur mit der Kälte zu tun hat.
»Zeig mir deine Hände.«
Er macht große Augen und schaut sich wieder um.
...



