E-Book, Deutsch, Band 4, 397 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
Snow Accidental Knight
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96797-106-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Drake
E-Book, Deutsch, Band 4, 397 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
ISBN: 978-3-96797-106-4
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als mein Großvater starb, erbte ich alles - auch Drake. Er sollte mich beschützen und dafür sorgen, dass mir nichts passiert. Wovor? Keinen blassen Schimmer! Wenn er nur wenigstens reden würde und nicht so schweigsam wäre. Dann hätte ich eine Möglichkeit, den Grund herauszufinden. Keine Chance! Der Typ sagt nichts. Doch auf Dauer kann er mir nicht entkommen. Und das ein oder andere werde ich diesem Muskelmann schon noch entlocken können ...
Nicole Snow ist eine Wall Street Journal und USA Today Bestseller Autorin. Sie entdeckte ihre Liebe zum Schreiben, als sie sich in ihren Mittagspausen oder in langweiligen Büromeetings Liebesszenen ausdachte und sich in Liebesgeschichten wegträumte.
Im Mittelpunkt von Nicole Snows Büchern stehen sexy Alpha-Helden, viel Spannung und noch mehr Leidenschaft.
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Kapitel 2
Die Unterschrift (Drake)
Was zum Teufel …?!
Ein schriller Schrei, durchdringend wie eine Sirene, stellt meine Trommelfelle auf eine harte Probe. Verdammt, Jonah, du hast mir nicht gesagt, dass deine Enkelin ein Organ hat, mit dem sie jedes Fenster im Haus zerspringen lassen kann.
Ich halte mir ein Ohr zu und hätte um ein Haar das Handtuch losgelassen, das ich mit der anderen Hand festhalte. Mir steht gerade nicht der Sinn danach, mich ihr splitterfasernackt zu präsentieren.
Der Schmerz, der meine Schläfe durchzuckt, ist ein Überbleibsel aus meiner Zeit beim Militär. Eine Detonation hat einen akustischen Nerv geschädigt, und seitdem kann ich manche Frequenzen nicht mehr hören, während andere sofort rasende Kopfschmerzen verursachen.
»Raus hier, verschwinden Sie, Sie Perversling!« Wenigstens ist sie vom Kreischen zum Schreien übergegangen.
Immerhin ein Fortschritt.
»Beruhigen Sie sich, Lady! Ich bin Drake Larkin. Haben Sie denn die Nachricht nicht erhalten?«
Offenbar nicht.
Sie stolpert rückwärts, bis sie gegen die Wand stößt. »Ich kenne keinen Drake Larkin! Das hier ist das Haus meines Großvaters! Raus!« Ihre Augen weiten sich, als sie mir die letzten Worte entgegenschleudert wie einen Speer.
Verdammt.
Wieder durchzuckt mich der glühend heiße Schmerz beim schrillen Klang ihrer Stimme.
»Hören Sie um Himmels willen auf zu schreien«, blaffe ich sie an. »Ich weiß, dass das hier Jonahs Haus ist. Ich habe für ihn gearbeitet!«
Ich schwöre, es sieht aus, als wollte sie mit dem Hintern durch die Wand. Wenigstens dreht sie die Lautstärke etwas herunter, während sie mich verwirrt anstarrt. »Sie haben für ihn gearbeitet? Was? Wo?«
Dankbar für den normalen Tonfall, nehme ich die Hand von der Schläfe, erleichtert, dass der Schmerz ebenso abrupt verklingt, wie er angefangen hat.
Also dann.
Jonah hat ihr von mir erzählt, oder? Ich für meinen Teil weiß jedenfalls bestens über sie Bescheid. Dann verstehe ich allerdings nicht, warum es sie derart schockiert, mich hier anzutreffen.
»Hier auf der Ranch«, entgegne ich, bemüht, nicht zu schroff zu klingen, da dies immerhin offensichtlich ist, oder? »Und überall, wo er mich sonst noch gebraucht hat. Ich bin seit Jahren bei ihm beschäftigt.«
»Sie?«, haucht sie. »Moment. Dann waren Sie … sein Kamerad? Sein Mitarbeiter? Sie waren mit ihm in der Army?
Was redet sie da? Was meint sie mit »Kamerad«? Ja, ich war in der Army, so wie Jonah auch, aber dazwischen liegen Jahrzehnte. Der Koreakrieg hat lange vor meinem Dienst für Onkel Sam stattgefunden. Meine Einsatzgebiete waren Afghanistan und Irak.
»Was machen Sie hier im Haus?«, fragt sie, während sie den Blick über meine nackte Brust wandern lässt. »Gramps sagte, Sie wohnen im Cottage.«
Ich presse die Lippen zusammen und mustere sie prüfend, angefangen bei ihren geweiteten Augen. Sie sieht nicht aus, als könnte sie die ganze Wahrheit verkraften, und so beschließe ich, es langsam angehen zu lassen.
»Ich habe nur geduscht. Das war nötig, nachdem ich Edison fast bis zum Big Fish Lake nachjagen musste.« Ich schwöre, der Gaul ist ein Mustang, wenn auch im Körper eines überzüchteten Warmbluts. Vor ihm ist kein Schloss und kein Riegel sicher. Wenn ich nicht gerade auf der hinteren Veranda meine Ausrüstung gecheckt hätte, hätte ich ihn gar nicht auf der Anhöhe hinter dem Haus entdeckt.
Abgesehen von seiner Enkelin war Edison Jonah Reed das Liebste auf der Welt. Ich musste ihm versprechen, über beide zu wachen, so wie ich auf ihn ein Auge hatte. Ich musste also das Pferd wieder einfangen, obwohl ich wusste, dass sie irgendwann im Laufe des Tages hier aufschlagen würde.
»Geben Sie mir noch eine Minute, dann erzähle ich Ihnen mehr. Ich möchte mir nur schnell etwas anziehen. Wir sehen uns in der Küche.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, gehe ich in mein Schlafzimmer und schließe die Tür hinter mir.
Scheiße.
Ich habe ja mit Ärger gerechnet, aber das?
Jonah hat mich vor seiner Schwiegertochter Molly und seinem Sohn Gary gewarnt. Er hat damit gerechnet, dass sie ausflippen wegen des Testaments. Ich gehe davon aus, dass die beiden über kurz oder lang auch hier aufschlagen werden. Leider hat Jonah mit keinem Wort erwähnt, dass ich meine Trommelfelle vor Miss McScreamy schützen soll.
Wäre das Geschrei nur eine halbe Oktave höher gewesen, wäre mir nicht einmal aufgefallen, wie hübsch sie ist.
Efeufarbene Augen, in denen man geradezu versinken könnte. Dazu langes welliges braunes Haar, das geradezu dazu einlädt, die Finger hineinzukrallen.
Und dieser Hüftschwung, der knackige, runde Po … das alles kann einen Mann, der schon so lange ein Einsiedlerdasein führt wie ich, in ernste Schwierigkeiten bringen.
Aber sie ist tabu. Ich habe mir geschworen, in Jonahs Sinne zu handeln, und Kopfkino mit seiner Enkelin in der Hauptrolle gehört ganz sicher nicht dazu.
Schlimmer noch. Er hat mir vertraut, dass ich den Plan umsetze, den er ausgetüftelt hat, um unseren Arsch zu retten.
Scheiße.
Ich lege wieder eine Hand an die Schläfe. Der Schmerz ist weg, aber ich habe das Gefühl, dass ich bald noch ganz andere Sorgen haben werde als Kopfschmerzen.
Und zwar in Gestalt der jungen Dame, die unten auf mich wartet.
Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich mich auf diesen Wahnsinn eingelassen habe. Sicher, Jonah war ein schlauer alter Fuchs. So schlau, dass er nicht nur mich überzeugt hat, sondern dazu noch seinen Rechtsverdreher.
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich eine Schublade der Kommode herausziehe.
Jonah Reed war ein Teufelskerl. Und er ist immer noch sehr präsent, auch wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt.
Ich schulde ihm sehr viel. Ohne ihn würde ich heute nicht hier stehen. Nein, ohne ihn würde es mich gar nicht mehr geben. Wir haben uns kennengelernt, als ich am absoluten Tiefpunkt meines Lebens war und keinen Schimmer hatte, wie es weitergehen sollte. Ich war am Ende, und zwar auf mentaler und emotionaler Ebene. Kaputt.
Der alte Jonah fand mich mitten in einem Schneesturm mit einem Platten auf einer Straße mitten im Nirgendwo.
Die Straße führte zu seiner Ranch. Mir war nicht weit von seinem Briefkasten entfernt ein Reifen geplatzt, und wenn seine Zufahrt nicht gewesen wäre, wäre ich wohl im Graben gelandet und dort eingeschneit. Schneeverwehungen machen den Highway immer wieder für Tage unpassierbar. Ich hatte es gerade noch ein Stück seine Auffahrt hinunter geschafft, bevor der Reifen geplatzt war.
Ich war auf das Schlimmste gefasst und hatte fast damit gerechnet, dort am Straßenrand zu erfrieren.
Ohne Jonah Reed wäre ich das vermutlich auch.
Er ist mitten im Schneesturm vorbeigekommen und hat mir den Arsch gerettet.
Ich lächle bei der Erinnerung und ziehe mir das T-Shirt über den Kopf, bevor ich mir vor dem Spiegel das Haar zurückkämme.
Er war um die Ecke gebogen und ohne abzubremsen mit dem an seinem alten rot-weißen Geländewagen montierten Schneepflug durch die fast einen Meter hohen Schneewehen gepflügt, unbeeindruckt davon, dass der Schnee fast vollständig seine Windschutzscheibe verdeckte und ihm die Sicht nahm.
Sein Grinsen war so breit wie der Rand seiner rot-schwarz karierten Schirmmütze, und um ehrlich zu sein, sah er sogar ein wenig verrückt aus. Seine falschen Zähne strahlten so weiß wie der Schnee, als er neben meinem Truck hielt und die Scheibe herunterkurbelte.
Und wie könnte ich seine ersten Worte vergessen, die mir das Leben retteten.
»Steig ein, Junge. Und schnall dich an. Das wird eine holprige Fahrt.«
Männer wie der alte Jonah sind rar.
Die Fahrt bis zur Ranch glich einem Himmelfahrtskommando, und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass wir uns im dichten Schneegestöber im Blindflug befanden. Während mir der Reifen geplatzt war, schaffte er es wie durch ein Wunder heil bis zum Haus.
Zwei Tage später schneite es immer noch, aber der Sturm hatte sich gelegt, sodass wir mit dem Traktor meinen Truck bis zum Haus schleppen konnten. So kam ich auf die Reed Ranch und bin bei meinem Retter geblieben.
Und jetzt kann ich auch nicht fort. Ich habe Jonah versprochen zu bleiben.
Ich werde dafür sorgen, dass alles so kommt, wie er es sich gewünscht hat, so verrückt das alles auch sein mag. Das ist das Mindeste, was ich für den Mann tun kann, der mir das Leben gerettet hat, als ich mich schon damit abgefunden hatte, mutterseelenallein da draußen zu erfrieren. Ich könnte Jonah nie hängen lassen.
Ich hatte eigentlich schon gestern im Laufe des Tages mit dem Eintreffen seiner Enkelin gerechnet, aber wie ich dann von Sheridan erfuhr, war sie direkt zum Bestatter gefahren.
Als sie sich auch am Abend nicht blicken ließ, ging ich davon aus, dass sie nach der Testamentseröffnung hier aufschlagen würde. Sheridan hatte versprochen, mich hinterher anzurufen und mir Bescheid zu geben, und wahrscheinlich hat er das auch getan.
Mein Handy liegt noch mit dem Rest meiner Ausrüstung auf der hinteren Veranda. Mit Ausnahme der Smith and Wesson Kaliber 500. Jonah hat die Waffe geliebt, und ich weiß auch, wo sie ist.
Auf dem Schießplatz.
Ich habe mich persönlich von Jonah verabschiedet und musste...




