E-Book, Deutsch, Band 1, 344 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
Snow Accidental Hero
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96797-103-3
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Brent
E-Book, Deutsch, Band 1, 344 Seiten
Reihe: Marriage by Mistake Reihe
ISBN: 978-3-96797-103-3
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als mein Stalker in der Schule auftauchte, sprang Brent mir zur Seite und gab sich als mein Verlobter aus. Und der Kuss mit ihm war echt heiß. Obwohl ich schon seit dem ersten Treffen in ihn verknallt bin, darf ich mich auf keinen Fall mit ihm einlassen, da er der Vater meiner Schülerin Nat ist. Ein absolutes No-Go! Aber wie soll ich je diesen Kuss vergessen? Und dann gräbt meine verrückte Familie auch noch Brents dunkle Vergangenheit aus, die ihn bis heute verfolgt ...
Nicole Snow ist eine Wall Street Journal und USA Today Bestseller Autorin. Sie entdeckte ihre Liebe zum Schreiben, als sie sich in ihren Mittagspausen oder in langweiligen Büromeetings Liebesszenen ausdachte und sich in Liebesgeschichten wegträumte.
Im Mittelpunkt von Nicole Snows Büchern stehen sexy Alpha-Helden, viel Spannung und noch mehr Leidenschaft.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Ein wandelndes Meisterwerk (Izzy)
Die Stille versetzt mich immer noch in Aufregung, sodass ich nervös auf meiner Unterlippe herumkaue. Dabei habe ich doch genau davon all die Jahre geträumt. Ein Saal voller Talente. Leuchtende Augen und junge kreative Menschen, die darauf brennen zu zeigen, was sie können.
Alle meine Schüler sind extrem fokussiert. Sie werfen immer mal wieder einen Blick auf das Bild auf der Staffelei neben meinem Schreibtisch, um sich dann wieder auf ihre eigene Bleistiftzeichnung zu konzentrieren.
Ich wusste nicht, was mich erwartete, als ich die Vertretungsstelle annahm, mal abgesehen davon, dass sie mich meinem Ziel ein Stück näher bringen und gleichzeitig meine Einkünfte ein wenig aufbessern würde. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie mir die perfekte Ausrede liefert, den wöchentlichen Abendessen bei meinen Eltern fernzubleiben.
Dass mir diese Klatsch-und-Tratsch-Orgien jetzt erspart bleiben, ist für sich allein schon mehr wert als mein Nebenverdienst. Denn die Zusammenarbeit mit den bemerkenswerten jungen Künstlern ist den Tiraden meiner Mom definitiv vorzuziehen – ebenso wie den endlosen Unkenrufen meiner Cousine Clara, die mir jedes Mal wieder prophezeit, dass ich als alte Jungfer mit einem Haus voller Katzen enden würde.
Das ist offenbar meine Zukunft: Isabella Derby, die exzentrische Katzen-Oma.
Dass meine Familie der festen Überzeugung ist, dass mir eine trostlose Zukunft bevorsteht, und es nicht lassen kann, mir mein vermeintlich trauriges Schicksal bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase zu reiben, bringt mich jedes Mal wieder auf die Palme. Egal, wie oft ich den Schwachsinn schon gehört habe, es regt mich maßlos auf.
Wir leben im 21. Jahrhundert. Eigentlich. Ich habe gar keine Katze und bin gerade einmal dreiundzwanzig.
Drei. Und. Zwanzig.
Keine frustrierte Mittfünfzigerin. Ich habe noch viele Jahre vor mir, bevor ich ans Heiraten denken müsste. Ich habe noch einiges vor im Leben. Und im Augenblick steht eine Heirat ziemlich weit unten auf meiner Prioritätenliste.
Wenn das doch die anderen endlich akzeptieren und mich in Ruhe lassen würden!
Ich wünschte, sie würden auch andere Leistungen anerkennen und Erfolg nicht allein an einer Beziehung und der Anzahl der Nachkommen bemessen.
»Miss Derby?«
Ich stehe von meinem Stuhl auf und gehe um den Schreibtisch herum, dankbar für die Ablenkung von den Gedanken an meine neugierige, nervige Verwandtschaft.
Ich bleibe lächelnd neben dem Mädchen stehen. »Ja, Natalie?«
Natalie ist das, was man gemeinhin als Wunderkind bezeichnet. Mit gerade einmal zehn Jahren ist sie schon weiter als viele andere, die fünfmal so alt sind, und das nicht nur in Kunst.
In ihrer Anmeldung stand, dass sie die achte Klasse besucht. Andere Kinder in ihrem Alter sind Drittklässler. Ich beuge mich zu ihr hinunter. »Kann ich dir helfen?«
Sie zeigt auf meine Zeichnung auf der Staffelei. »Na ja, mir ist nur etwas aufgefallen … Der Hund, den Sie gezeichnet haben, hat keine Wimpern.« Sie spricht sehr leise, fast flüsternd. »Ist es okay, wenn ich meinem welche male?«
»Aber natürlich! Eigeninitiative ist immer gut.« Ich werfe einen Blick auf ihre Zeichnung. Mir stockt buchstäblich der Atem angesichts der Detailtreue. Alles, was Natalie zeichnet, ist geradezu fotorealistisch. Ihr Collie sieht aus, als würde er jeden Moment vom Papier springen. So lebendig wie alle ihre Bilder.
Ihre Zeichnung könnte glatt eine Schwarz-Weiß-Fotografie sein, was angesichts ihres Alters umso verblüffender ist. Jeden Strich setzt sie mit einem unbeschreiblichen Gespür und Talent.
Verdammt, ihre Zeichnung ist fast besser als meine, und ich habe viele Jahre gebraucht, um so weit zu kommen – mal ganz davon abgesehen, dass ich einen Masterabschluss habe.
Ich blicke von ihrem Hund zu meinem. Ihre Zeichnung ist nicht nur fast besser als meine, sie stellt meine in den Schatten. Ein Meisterwerk.
Es verschlägt mir die Sprache, als sie vor meinen Augen mit ein paar sicheren Strichen Wimpern hinzufügt, die dem Collie endgültig Leben einhauchen. »Mach weiter so. Du machst das toll!«
»Danke«, entgegnet sie leise.
Daran, wie sie sich auf die Zungenspitze beißt, ist zu erkennen, wie hochkonzentriert sie ist. Ich lächle wieder, richte mich auf und drehe eine Runde durch die Klasse.
Am heutigen Abend sind nur fünf weitere Schüler hier, alle deutlich älter als Natalie. Ihr Dad hat wohl ein paar Beziehungen spielen lassen, um seine Tochter in diesem Kurs unterzubringen, da dieser eigentlich für Schüler gedacht ist, die mindestens im ersten Jahr an der Highschool sind.
So wurde es mir zumindest gesagt. Da ich neu hier bin, sind mir bislang weder die Schüler und deren Eltern noch die anderen Lehrkräfte sonderlich vertraut, aber das wird schon werden, da bin ich mir ganz sicher. Immerhin sind wir gerade erst in der dritten Woche des neuen Schuljahrs.
Die Zeichnungen der anderen Schüler entsprechen meinen Erwartungen. Sie zeugen von Leidenschaft und Talent, aber keines ist annähernd so gut wie Natalies.
Ich frage mich, ob sie ihr Talent von ihrem Vater geerbt hat. Dem Mann, den ich mich stets bemühe aus meinen Gedanken zu verdrängen.
Wenn es heute so läuft wie in den vergangenen beiden Wochen müsste er bald hier sein. Zwanzig Minuten vor Unterrichtsende. Er wird sich mit einem Notizblock ganz hinten in den Klassenraum stellen, diesen aufschlagen und mit seinen großen, kräftigen Händen einen Stift über das Papier führen.
Am ersten Abend dachte ich noch, er würde eine Liste erstellen oder sich Notizen machen, aber beim nächsten Mal war ich mir dann fast sicher, dass er ebenso wie die Kinder zeichnete.
Letzte Woche ging es um die Skizze eines Hundes, nachdem ich einen kurzen Vortrag über die Anatomie des Tieres gehalten hatte. Heute habe ich den Schülern dann gezeigt, wie man weiße, schwarze und graue Schattierungen im Fell erreicht.
Ein kleiner, alberner Teil von mir fragt sich, ob Natalies Vater sich womöglich an der Aufgabe beteiligt und dabei einfach den theoretischen Teil überspringt.
Ein noch albernerer Teil von mir brennt darauf, einen Blick auf seine Zeichnungen zu erhaschen.
Vielleicht sind sie ja ebenso ein Meisterwerk wie die seiner Tochter.
Optisch ist er auf jeden Fall eins. Und das ist das größte Problem. Denn er entspricht total dem Klischee des Bad Boy, von dem man tunlichst die Finger lassen sollte: groß, dunkelhaarig, leicht abweisend, irgendwie geheimnisvoll und wahnsinnig männlich mit seinem durchtrainierten Körper. Eine beeindruckende Erscheinung. Die ideale Verkörperung eines Beschützers.
Er ist genau der Typ Mann, den ich gerne zu einem Abendessen bei meinen Eltern mitnehmen würde.
Nur ein einziges Mal.
Das würde schon reichen. Clara würde es die Sprache verschlagen, und Mom würde aufhören, mir diese mitleidigen Blicke zuzuwerfen. Dann hätte ich endlich mal meine Ruhe.
Jedes weibliche Mitglied der Familie Derby wäre zu sehr damit beschäftigt, um Atem zu ringen und sich Luft zuzufächeln, statt mich weiter mit dummen Kommentaren zu nerven.
Ich muss gestehen, dass es mir selbst nicht anders ergangen ist, als er das erste Mal hereingekommen ist. Und auch beim zweiten Mal, um ehrlich zu sein. Aber wenigstens habe ich mir nichts anmerken lassen.
Die Militärabzeichen an seiner schwarzen Lederjacke waren keine große Überraschung. Er sieht aus wie ein Soldat.Bürstenhaarschnitt, kerzengerade Haltung, erhobenes Kinn. Er strahlt Disziplin und Härte aus. Jede Bewegung, jeder Blick wirkt zielgerichtet.
Ein Mann, vor dem brave Mädchen sich in Acht nehmen sollten und zu dem sie sich doch unwiderstehlich hingezogen fühlen.
Gott. Ich sollte nicht einmal in diese Richtung denken.
Immerhin ist er der Vater einer Schülerin. Wahrscheinlich verheiratet. Und wenn nicht, stellt sich die Frage: Warum nicht?
Tatsächlich habe ich in Natalies Anmeldung keine Mutter als Kontaktperson gesehen, was mein schlechtes Gewissen wegen der unanständigen Gedanken, die ich seinetwegen hege, ein wenig dämpft, wenngleich mir das Fehlen einer Mutter auch Sorgen bereitet.
Ich hoffe, Natalie hat nicht unter einem allzu ehrgeizigen Vater zu leiden, der sie zu Leistungen antreibt, die sie überfordern.
Ich weiß, wie das ist.
Als ich gerade an meinen Schreibtisch zurückkehre, spüre ich ein Kribbeln im Nacken. Es ist beinahe so, als hätte ich einen sechsten Sinn, der mir das Eintreffen dieses Prachtexemplars von einem Mann ankündigt. Ich schließe kurz die Augen und wappne mich innerlich für den Anblick, der sich mir bieten wird, sobald sich die Tür öffnet.
Das Herz schlägt mir bis zum Hals, und ich halte die Luft an, als ich mich umdrehe.
Er ist es wirklich.
Brent Eden. Er hat das gleiche schwarze Haar wie seine Tochter. Und sie haben auch die gleichen smaragdgrünen Augen.
Allerdings liegt in seinen ein abweisender, zurückhaltender, beinahe misstrauischer Ausdruck.
Seine markanten Gesichtszüge unterstreichen seine maskuline Ausstrahlung. Ebenso wie die kleine verblasste Narbe, das Tattoo am Arm, die kräftige Hand.
Er sieht wirklich verboten gut aus.
Der dichte, ordentlich getrimmte Bart fühlt sich sicher ebenso rau an, wie er aussieht. Ganz...




