E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Sneed Endstation Wien
3. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7460-0087-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
45 Jahre Projekterfahrung in der deutschsprachigen IT-Welt
E-Book, Deutsch, 344 Seiten
ISBN: 978-3-7460-0087-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Harry Sneed hat IT-Geschichte geschrieben. Er hat das erste kommerzielle Softwaretestlabor gegründet, in dem Software nach festen Preisen getestet wurde, er hat als erster semi-formale Spezifikationen in diverse Programmiersprachen umgewandelt und als erster umfangreiche Reverse-Engineering Projekte durchgeführt, und er hat als erster Testfälle aus natursprachlichen Texten. 2009 wurde er von der IEEE Computer Society für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Softwarewartung mit dem Stevens Award ausgezeichnet. Heute arbeitet er als Re-engineer in Wien. Vom ASQF erhielt er 2011 den ersten Preis für Softwarequalität und 2013 wurde er von der ISTQB zum internationalen Tester des Jahres gewählt. Er hat in seiner Laufbahn 23 Bücher und über 450 Fachartikel in Deutsch und Englisch verfasst. Er spricht regelmäßig auf internationalen Konferenzen und unterrichtet an Hochschulen.
Autoren/Hrsg.
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1 Wien wartet
Die erste Ausgabe eines Buches mit dem Titel „Peopleware – Productive Projects and Teams“ von Tom De Marco und Tim Lister erschien in New York im Jahre 1987 [DeMa87]. Die zweite Ausgabe erschien 10 Jahre später. In dem Buch geht es darum, Menschen in IT-Projekten zu führen. De Marco und Lister waren nämlich der Meinung, dass die meisten Probleme in IT-Projekten weniger technischer Natur, sondern viel mehr menschlicher Natur sind. Sie entstehen durch fehlende Motivation, fehlende zwischenmenschliche Kommunikation und fehlende Führung. Die Menschen in einem IT-Projekt werden nicht geführt, sondern nur verwaltet und wenn sie geführt werden, dann allzu oft in eine falsche Richtung. Die beiden Autoren mit ihrer 30jährigen Projekterfahrung haben es sich vorgenommen, ein Buch für IT-Projektleiter zu schreiben, die sie auf die gefährlichsten Tücken und die wichtigsten Erfolgsfaktoren hinweist. Das Buch war in Amerika ein großer Renner. Deshalb hat der Hanser Verlag bereits 1990 entschieden, das Buch ins Deutsche zu übersetzen. Der Übersetzer war der renommierte Software-Berater Dr. Peter Hruschka aus Wien, der lange Zeit in Deutschland mit der CASE Entwicklung beschäftigt war und der später zu der Beratungsassoziation von De Marco und Lister, das Atlantic Guild zugestoßen ist. In Anbetracht der vielen soziologischen und psychologischen Aspekte, die in dem Buch behandelt werden, hat Hruschka es ziemlich frei übersetzt und der mitteleuropäischen Denkweise angepasst. Der neue Titel hieß: „Wien wartet auf dich! Der Faktor Mensch im DV-Management“. Der deutsche Titel wurde aus einem Kapitel des Buches mit der Überschrift „Vienna is waiting on you“ abgeleitet. Das Kapitel erzählt von gescheiterten Projektleitern, die in der Psychologie landen, weil sie die Prinzipien, die in dem Buch propagiert werden, missachtet haben.
In der zweiten Ausgabe, die 1999 erschien, wurde ein neuer Teil hinzugefügt, ein Teil über Prozessverbesserungsprogramme, lernende Organisationen, interner Wettbewerb und Projektpolitik. Dieser neue Teil trug den Titel “Wien wartet noch immer“ [DeMa99]. Was aber, um Gottes Willen, hat Wien mit überarbeiteten Projektleitern zu tun? Warum nicht New York oder San Francisco, Berlin oder Zürich? Warum ausgerechnet Wien, wo die Wiener von der Mentalität her am wenigsten unter solchem Stress leiden. Sie haben zwar viele Wehen, über die sie ständig raunzeln aber diese Krankheit bleibt ihnen erspart. Man fragt sich also, warum De Marco und Lister Wien als Endstation ausgewählt haben.
Über diese Frage könnte man eine Doktorarbeit schreiben. Es gibt verschiedene Interpretationen. Alle gehen auf ein Lied von Billy Joel aus den 70er Jahren zurück, eine Zeit in der viele Protestsänger den Sinn der Arbeit in Frage stellten.
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Es gab in der 70er Jahren viele Lieder dieser Art. Die deutsche Version dieses Liedes gibt Hruschka in seiner Übersetzung wieder:
Laut Hruschka, der es als geborener Wiener wissen sollte, ist das Wien, das in dem Lied von Billy Joel auf dich wartet, die letzte Station in einer persönlichen Reise. Wenn du dort ankommst, ist alles vorbei. Warum aber Wien als Endstation eines arbeitsreichen Lebens? Dafür gibt es mindestens drei Erklärungen.
Zum einen haben viele Amerikaner Wien als Reiseziel im Auge. So wie viele Deutsche sich eine Reise nach Bangkok wünschen, wünschen viele Amerikaner sich eine Reise nach Wien, aber nicht wegen der schönen Frauen, die es dort gibt, sondern wegen der vielen Schlösser. Außerdem drängen ihre Ehefrauen sie dazu, weil sie in einem Wiener Café sitzen und echte Sachertorte essen wollen. Die Nachbarfrau war auch schon dort und es darf nicht sein, dass sie überall über ihre Erlebnisse erzählt und die eigene Frau kann nicht mitreden. Nach dieser Auslegung ist Wien ein fernes Reiseziel, das wegen Überbeschäftigung immer wieder verschoben wird.
Zum zweiten ist Wien der Geburtsort der Psychotherapie. Welcher Platz wäre besser geeignet für die Behandlung eines arbeitssüchtigen Projektleiters, der mit seinen Nerven am Ende ist, als die Heimat von Sigmund Freud und Alfred Adler. Man musste schnell nach Wien zur Behandlung noch vor dem endgültigen Nervenzusammenbruch. So geht das Lied von Billy Joel weiter:
Also, was auf dich wartet, ist die Psychiatrie, die in Wien ihren Ursprung hatte. In diesem Zusammenhang gehen De Marco und Lister auf die Grenzen des Menschen ein. Man darf weder von sich noch von seinen Projektmitarbeitern unmenschliches erwarten. Jeder stößt an seine Grenzen. So schreibt das Autorenduo „Kein Mensch kann wirklich viel mehr als vierzig Stunden arbeiten, zumindest nicht über längere Zeiträume hinweg und mit der Intensität, die für kreative Arbeit erforderlich ist...“ Und wenn er das tut, denn endet er früher oder später in der Psychiatrie, bzw. in Wien.
Dies ist eine unbewiesene Hypothese. Früher haben alle Menschen weit mehr als 40 Stunden die Woche gearbeitet und sind nicht daran erkrankt. Wer 60 Stunden oder mehr die Woche arbeitet, ist noch lange kein Fall für den Psychiater. Es kommt darauf an, wie er zu der Arbeit steht und was er mit den restlichen Stunden macht. Ich habe in den letzten 40 Jahren kontinuierlich mehr als 50 Stunden die Woche gearbeitet. Vielleicht bin ich seelisch krank, das merkt man selber nicht, aber beim Psychiater bin ich noch nicht gelandet, auch wenn mich das Leben nach Wien geschlagen hat.
Zum dritten ist Wien, zumindest in den 70er Jahren, als das Lied „The Stranger“ von Billy Joel entstand, eine Grenzstadt gewesen [Joel75]. Hinter Wien kam gleich der Eiserne Vorhang. Die westliche Zivilisation hörte auf. Wien war in diesem Sinne eine wahre Endstation. Hier war die Reise zu Ende, zumindest für westliche Touristen. In dem Lied von Billy Joel kommt das zum Vorschein.
Welche Grenze ist hier gemeint? Es kann wohl nur die hinter Schwechat gemeint sein. Dort endet die gute Welt, so wie es die Amerikaner gekannt haben, und es beginnt das Reich des Bösen sowie es Präsident Reagan betitelt hat. Also, gehe nicht über Wien hinaus, auch wenn es sicherlich spannend ist. In Wien müssen alle aussteigen. Es ist die...




