E-Book, Deutsch, 332 Seiten
Smith Lover - überlebt
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96089-487-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 332 Seiten
ISBN: 978-3-96089-487-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Leben war nicht immer gut zu Shannon Dupree. Auch wenn er nach außen hin einen sorglosen und lebensfrohen Eindruck erweckt, sobald es um seine Vergangenheit geht, benimmt er sich geheimnisvoll und weicht allen Fragen aus. Rory Landers ist ein aufsteigender Stern beim FBI. Mit seinem Privatleben beeindruckt er jedoch niemanden, bis er den freigeistigen Collegestudenten Shannon Dupree kennenlernt. Rand Davis ist Anfang vierzig und steht auf einmal vor den Trümmern seiner langjährigen Beziehung. Als er die Abteilung für ungelöste Fälle übernimmt, lernt Rand neue Freunde kennen, die aus dem Umkreis der Familie Langford-Moore stammen. Und dabei trifft er auf einen eigensinnigen Agenten und einen aufgeweckten Blondschopf, die in ihm den Wunsch nach mehr wecken. Als Vergangenheit, Gegenwart, Schmerz und Leid miteinander kollidieren, entsteht die Möglichkeit eines Lebens und einer Liebe, für die es sich zu kämpfen lohnt. Obwohl ihre Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten, schlagen ihre drei Herzen im selben Rhythmus. Shannon, Rory und Rand lernen, was Liebe, Treue und Stärke wirklich bedeuten. 'Lover - überlebt' ist nach 'Survivor - überlebt' der 2. Roman der Survivor Reihe.
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Kapitel Eins
Rory 2011
In der letzten Zeit ertappte Rory sich oft dabei, wie er auf dem Rücken lag und an die Decke starrte. Fünf Jahre war er nun schon als verdeckter Ermittler tätig, um die Identität des Mörders der Langfords aufzudecken, ohne der Lösung des Falles auch nur einen einzigen Schritt nähergekommen zu sein. Ihre Ermordung hatte den jungen Sohn des Paares zu einem Waisenkind gemacht. Doch Taylor Langford war schon lange nicht mehr der verängstigte Junge von damals. Mit neunzehn war er inzwischen so richtig aufgeblüht und studierte am College. Er war zu einem festen Bestandteil von Frank Moores Leben geworden, oder Frank in Taylors – genau genommen wahrscheinlich beides.
„Verdammte Scheiße“, fluchte er. „Wie wütend wirst du sein, wenn du die Wahrheit über mich erfährst, Frank?“
Trevor Noland, ein Flugbegleiter mit einer lebendigen Persönlichkeit, hatte während der letzten fünf Jahre als Rorys Undercover-Identität gedient – sein zweites Ich. Er war gerade erst ein Jahr lang beim FBI gewesen, als man ihm seinen ersten großen Fall zugewiesen hatte. Er und seine Partnerin, Connie Gonzales, sowie ein Agent frisch von der Akademie, waren in den Besprechungsraum gerufen worden, wo man sie über die Einzelheiten des Langford-Falles unterrichtet hatte. Dann hatte man ihnen aufgetragen, den Jungen, den Polizisten und die Pflegeeltern zu beschützen – während sie Augen und Ohren nach Hinweisen dazu offenhielten, wer diese grausige Tat begangen haben mochte. In Erfahrung gebracht hatten sie jedoch verdammt noch mal ganz und gar nichts. Wer auch immer Taylors Eltern kalt und tot auf dem Boden ihres Schlafzimmers zurückgelassen hatte, war längst über alle Berge verschwunden, und zwar ohne einen einzigen verfluchten Anhaltspunkt über ihre oder seine Identität zurückzulassen.
Als Klassenbester bei der Quantico-Akademie und als einer der jüngsten und vielversprechendsten Agenten des FBIs – zumindest, wenn man auf seinen Chef hörte – war er verdammt stolz auf das, was er bisher erreicht hatte. Verdammt, schon als Kind hatte er von diesem Beruf geträumt. Eines der ersten Dinge jedoch, die er bei seiner Arbeit gelernt hatte, war, einen Verdächtigen, einen Zeugen oder einen Fall auf persönlicher Ebene nie zu nah an sich heranzulassen. Aber schon ein einziger Kuss von Frank Moore hatte ihn vergessen lassen, wer er war oder warum er dort war. Kein anderer Mann hatte jemals solche Gefühle bei ihm ausgelöst, wie Frank es tat, wenn sie zusammen waren, und das galt nicht nur fürs Schlafzimmer. Aber damit setzte er seine Karriere aufs Spiel. Daher war er gezwungen gewesen, etwas Abstand zu nehmen, als Frank mit seinen Andeutungen begonnen hatte, dass er mehr als nur belanglosen Sex wollte. Rory hatte seine Gefühle in der Tiefe seiner Seele begraben müssen. Wollte er selbst ebenfalls mehr? Die Antwort lautete ja. Aber er weigerte sich, seine Karriere einfach so wegzuwerfen. Er hatte viel zu hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo er jetzt war.
Eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft erhoffte er sich, den Fall zu knacken und den Mörder festzunehmen. Dann würde Rory Frank die Wahrheit beichten und hoffen – nein beten – dass er ihm verzeihen würde, damit sie ihre Beziehung weiterführen und vertiefen könnten. Aber bis dahin würde Rory die Fassade aufrechterhalten und Trevor spielen müssen, wenn er mit Frank zusammen war, nur um im Hintergrund seiner eigentlichen Arbeit nachzugehen, ohne dass Frank es bemerkte.
Nach einer Weile gelang es ihm endlich einzuschlafen, doch die unruhige Nacht wurde viel zu früh von dem Alarmton seines Weckers unterbrochen. Eine Stunde später hatte Rory geduscht und saß am Küchentisch, wo er einen Kaffee trank, der so stark war, dass er den Rost von einer Stoßstange geputzt hätte. Da bequemte sich sein Mitbewohner endlich, aus dem Bett zu steigen. Blair Cummings mochte zwar im gleichen Alter sein wie Rory, aber er sah nicht einen Tag älter aus als einundzwanzig, was auch der Grund war, warum man ihm Taylor Langford zugewiesen hatte. Rory beneidete Blair nicht um seine Rolle in der Ermittlung. Nicht mal im Geringsten. Während Rory, unter dem Vorwand, ein Flugbegleiter zu sein, um die ganze Welt reiste, hatte Blair zuerst auf die High School und dann aufs College gehen müssen, wo er einen von Taylors besten Freunden, Kian Douglas, spielte.
„Mein Gott, ist das Kaffee oder Schlick, Landers?“ Blair zog angewidert die Nase kraus. Er riss den Kühlschrank auf und nahm die Mandelmilch heraus. Nachdem er einen großzügigen Schuss in seine Tasse geschüttet hatte, trank er einen Schluck und seufzte zufrieden. „Ah, schon viel besser. Also, was steht heute auf dem Plan?“ Blair ging um den Tisch herum und setzte sich auf den Stuhl, der Rory gegenüberstand.
„Nach der Mittagspause habe ich ein Meeting mit dem Direktor und Gonzales im Büro in Dallas. Dann fliege ich für ein paar Wochen nach Quantico. Aber erst mal mache ich einen kleinen Zwischenstopp in New Orleans.“ Er wackelte vieldeutig mit den Augenbrauen. Cummings wusste von dem Umweg, den Rory jedes Jahr machte, seit er Officer Moore überwachte. Jedes Jahr, bevor dieser mit seinem Vater, den Stones und Taylor nach Marthas Vineyard verreiste, verbrachte er ein paar Tage mit Trevor in New Orleans.
Kopfschüttelnd pfiff Blair leise durch die Zähne. „Du ungezogener, ungezogener Bengel.“
„Ach, sei still“, schnaubte Rory. „Ich muss drei Wochen mit der Aufarbeitung von Akten zubringen und nebenbei noch versuchen, ein paar kurze Fälle zu knacken, während du dir auf Marthas Vineyard die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.“
Rory wusste, dass es einzig und allein Glück war, dass Blair einen Urlaub am Strand genoss, während er und seine Kollegin, Agentin Gonzales, deren Undercover-Persönlichkeit die Haushälterin der Stone Familie war, einmal im Jahr zum Arbeiten zum FBI Hauptquartier nach Virginia zurückfliegen durften.
„Hey, ist schließlich nicht meine Schuld, dass der liebe Gott mir so gute Gene gegeben hat“, schoss Blair sogleich zurück. Er stand auf und setzte sich in Richtung Badezimmer in Bewegung. „In fünfzehn Minuten bin ich soweit“, rief er ihm zu, während er im Flur verschwand.
***
Der Verkehr in Dallas war ein absoluter Albtraum. Irgendein Vollidiot war auf den Highway aufgefahren und über alle drei Spuren auf die Überholspur geschossen. Blair hatte heftig bremsen müssen, gerade als Rory einen Schluck seines Kaffees zu sich nahm. Die dunkle Flüssigkeit sickerte durch sein weißes, durchgeknöpftes Hemd und verbrannte ihm die empfindliche Haut seiner Brust. „Verdammte Scheiße!“, schrie er und warf Blair einen wütenden Blick zu, als dieser anfing zu lachen.
Und von da an ging es mit Rorys Tag nur noch bergab. Man überreichte ihm und Gonzales während des Meetings jeweils eine Akte über eine offene Ermittlung. Es ging um den Fall einer vermissten Person in Tacoma, Washington, der möglicherweise mit einem ungelösten Mordfall in Portland, Oregon zusammenhing. „Sie werden heute zwar wie geplant nach New Orleans fliegen, Agent Landers, aber anstatt zwei Tage in Louisiana zu verbringen, werden Sie bereits morgen früh zusammen mit Agent Gonzales nach Washington reisen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig dieser Fall ist. Wir müssen ihn lösen – und zwar schnell. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Der Direktor sah ihn und Connie über den Drahtrand seiner Brille hinweg an. Der Chef befand sich in Dallas, um an der feierlichen Verabschiedung eines in den Ruhestand gehenden Agenten teilzunehmen, der in der Gegend wohnte.
Joseph Stalling nahm seinen Job als Direktor einer der renommiertesten Agenturen des Landes sehr ernst. Rory hatte den Mann bisher nur ein paar Mal lächeln sehen. Er fragte sich oft, ob sein Chef eine Familie hatte, da es in Stallings Büro in Quantico keine Fotos gab. Zur Hölle, selbst die Schreibtische der unausstehlichsten Agenten waren mit Bildern geliebter Haustiere geschmückt – wenn schon mit nichts anderem.
„Natürlich, Sir.“ Gonzales stand auf und klemmte sich die Akte unter den Arm. Rory nickte und erhob sich ebenfalls, dann folgte er ihr in den Flur hinaus. Ihre hohen Schuhe klapperten auf dem Linoleum. Das Echo hallte in dem langen Korridor wider, während sie zu dem kleinen Büro liefen, das sie sich mit Agent Cummings teilten.
Consuela Gonzales, kurz genannt Connie, wenn man an seinem Leben hing, war eine großgewachsene, dunkelhäutige Frau mit hohen Wangenknochen und langem, schwarzem Haar, das ihr in sanften Wellen den Rücken hinunterfiel. Sie verfügte über eine starke Persönlichkeit und war dazu auch noch absolut bezaubernd. Sie war kompetent und wusste, was sie wollte, was eine explosive Mischung darstellte. Sie erinnerte Rory an die Schauspielerin, die Letty in den Fast and Furious Filmen gespielt hatte – voll von jugendlichem Ehrgeiz, wenn sie herausgefordert wurde, aber wenn man einmal ihr Vertrauen gewonnen hatte, brachte sie einem vorbehaltlose Loyalität entgegen.
Ihre Hände huschten bereits über die Tastatur, noch bevor ihr Hintern die Sitzfläche des Stuhls berührte. „Fantastisch!“, rief sie und schnippte mit den Fingern. „Okay, also Mitchell Helms Leiche wurde 2007 in einem Waldgebiet in der Nähe von Macleay Park in Portland, Oregon gefunden. Seine Eltern hatten ihn 2005 als vermisst gemeldet, als er … Mein Gott, Rory. Er war erst sechzehn Jahre alt, als er verschwunden ist. Was zur Hölle geht bloß auf dieser Welt vor sich!“ Gonzales legte die Stirn in Falten und ließ ihre...




