E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
Smith Adele: ihre Songs, ihr Leben
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95967-689-2
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Biografie Neuerscheinung 2017
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-95967-689-2
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Adele berührt die Herzen von Millionen Menschen, die sie für ihre Stimme lieben und für die Aufrichtigkeit in ihren Songs bewundern. Ihre Natürlichkeit macht sie in der oberflächlichen Musikszene zu einem wahren Phänomen. Der Bestseller-Biograf Sean Smith enthüllt das Geheimnis um Adeles Erfolg. Mit dem Blick eines Insiders erzählt er von ihrer Herkunft, ihrem sagenhaften Aufstieg und ihren privaten Rückschlägen. So offenbart sich die wahre, verletzliche Adele: der Mensch hinter dem Superstar.
'Ich schwöre bei Gott, ich lache über jeden Meilenstein meiner Karriere. Ich lache, weil ich glaube, dass es verdammt noch mal absurd ist. Irgendwann wird der Regisseur der Truman Show auftauchen und mir erzählen, mein Leben sei die Fortsetzung.'
- Adele
'Wenn Adele singt, hört man eine ungefilterte Ehrlichkeit und Reinheit. Sie erschafft Songs, die berühren, ihre gefühlvolle Stimme offenbart Schmerz und Verletzlichkeit. Adele nimmt dich mit an Orte, die kein anderer Künstler heutzutage mehr betritt - wie in den 70er Jahren.'
- Beyoncé
'Adele ist [...] eines der größten Talente, die das Insel-Königreich in diesem Jahrtausend zu bieten hat.'
- Christoph Dallach, Kulturspiegel
Sean Smith ist einer der erfolgreichsten Biografen Großbritanniens. Seine Bücher erreichen regelmäßig Platzierungen in der Sunday Times-Bestsellerliste. In Deutschland sind von ihm unter anderem Biografien zu Robbie Williams und J.K. Rowling erschienen.
Weitere Infos & Material
1. EINE ÜBERRASCHENDE ANKÜNDIGUNG
Das Livevideo zu Adeles Single When We Were Young von 2016 wirkt locker und ungezwungen. Adele trägt ein schickes schwarzes Outfit, im Hintergrund spielt die Band, und mit ihrer Powerstimme bringt sie die melancholische Ballade perfekt rüber. Das Video wurde in den topmodernen Church Studios aufgenommen, die in einer alten viktorianischen Kirche im vornehmen Crouch End von North London untergebracht sind. Und wie es der Zufall will, hat Adele Adkins’ Geschichte keine hundert Meter weit entfernt ihren Anfang genommen: im angesagten Pub The King’s Head.
Heute gehören die Studios dem gefeierten Produzenten und Adeles langjährigem Weggefährten Paul Epworth, mit dem sie zwei ihrer bekanntesten Songs geschrieben hat: Rolling in the Deep und Skyfall. Früher, in den Achtzigern, waren es übrigens Annie Lennox und Dave Stewart, die den Studios Rang und Namen in der Londoner Musikszene verschafften. Als Eurythmics spielten sie im obersten Stockwerk ihr Debütalbum Sweet Dreams ein. Bald darauf wurden sie zu einem der erfolgreichsten Acts der Achtziger und erwarben schließlich das Gebäude mit den Studios, wo Superstars wie Bob Dylan, Depeche Mode und Elvis Costello ein und aus gingen.
The King’s Head, der Pub ein Stück weiter unten an der Straße, Ecke Crouch Hill, stammt ebenfalls aus viktorianischer Zeit. Es hatte sich in den Achtzigern zu einer trendigen Bar für junge Leute entwickelt, die hofften, auf Tuchfühlung mit Musikern gehen zu können und vielleicht den einen oder anderen Star anzutreffen, der dort auf einen Drink einkehrte. Im Kellergeschoss befand sich einer jener kleinen Räume mit viel Atmosphäre, wo Comedians oder aufstrebende Bands auftraten. Mit etwas Glück konnte man in jenen Tagen Dave und Annie beim Jammen erleben. Es ist gut vorstellbar, dass Adele dort aufgetreten wäre, hätte sie damals ihre Karriere begonnen.
Es war genau so ein Lokal, das eine achtzehnjährige Kunststudentin namens Penny Adkins anlockte. Sie kam an einem Sommerabend 1987 mit dem Bus aus Tottenham hierher, wo sie noch bei ihren Eltern wohnte, um sich mit Freunden zu treffen.
Penny war groß, schlank, hatte rabenschwarzes Haar und stach aus der Menge heraus. An der Bar im Obergeschoss erregte sie die Aufmerksamkeit der meisten jungen Männer, so auch die eines breitschultrigen, gut aussehenden blonden Fensterputzers, der Marc Evans hieß und aus Südwales nach London gezogen war. In dem aufblühenden Stadtteil verdiente er mit seiner Arbeit gutes Geld.
Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, doch als Marc selbstbewusst zu Penny hinüberschlenderte, um etwas Small Talk zu machen und nach ihrer Telefonnummer zu fragen, lag eindeutig ein erotisches Knistern in der Luft. Marc, ein junger Mann von fünfundzwanzig Jahren, war nicht auf den Mund gefallen. In seinem ersten Jahr in London waren reihenweise junge Frauen seinem Charme erlegen.
Er und sein jüngerer Bruder Richard wuchsen im walisischen Seebad Penarth auf. Inzwischen ist der Ort mit Cardiff zusammengewachsen, doch damals war es ein beschauliches Küstenstädtchen. John, der Vater, hatte sich selbstständig gemacht, nachdem er richtig erkannt hatte, dass es für einen Klempner immer etwas zu tun gab. Bald war er so erfolgreich, dass er für seine Familie ein viktorianisches Stadthaus mit fünf Schlafzimmern kaufen konnte. „Meine Eltern hatten sich ihre eigenen vier Wände mit ehrlicher, harter Handwerkerarbeit verdient“, bemerkt Marc nicht ohne Stolz.
Marcs Mutter Rose war gläubige Christin und über viele Jahre ein angesehenes Mitglied im Kirchenchor der Tabernacle Babtist Church. In seiner Jugend sang auch Marc im Chor, und zwar in der All Saints Church am Victoria Square in Penarth, zehn Minuten Fußmarsch entfernt. Rückblickend sieht er sich als „so eine Art Aled Jones vor dem Stimmbruch“. Als Teenager wollte er Sänger oder Schauspieler werden. Er schrieb sogar Schauspielschulen an, entschied sich dann aber doch für eine Ausbildung zum Klempner, die er an einem technischen College in Llandaff absolvierte. Anschließend stieg er in das Geschäft seines Vaters ein. Sein Bruder Richard hatte unterdessen eine Laufbahn bei der Polizei eingeschlagen.
Mit seinem himmelblauen MG Roadster und einer bildhübschen Freundin führte Marc das genüssliche Leben eines Penarth-Playboys. Als sich die Romanze abgekühlt hatte, fragte ihn sein bester Freund Nigel, ob er bei ihm einziehen wolle. Nigel studierte in London, und seine Eltern waren recht wohlhabend, sodass er sein Dasein nicht in Studentenwohnheimen zu fristen brauchte, sondern sich eine eigene Bleibe leisten konnte.
Die Dreizimmerwohnung in der Turnpike Lane war günstig gelegen. Bis zum Crouch End oder nach Tottenham waren es nur etwa zwei Meilen. Marc fand rasch Arbeit als Abteilungsleiter in einer Filiale der Baumarktkette Wickes in Edmonton.
Einmal kam ein älterer Herr in den Baumarkt und fragte nach „Mull“. Er wolle das strapazierfähige Gewebe zur Fensterreinigung verwenden, sagte er. Die beiden kamen ins Gespräch, und er erzählte Marc, er verdiene sich eine goldene Nase damit, die Fenster neureicher Hausbesitzer zu putzen. Das brachte Marc auf eine Idee. Ein paar Tage später, an einem herrlichen Sommerabend, machte er sich mit Hemd und Krawatte schick und klopfte mit einer Leiter über der Schulter an die Türen erfolgversprechender Häuser im Crouch End und im benachbarten Highgate. „Guten Abend, Sir. Guten Abend, Madam. Möchten Sie Ihre Fenster putzen lassen?“
Für die zwanzig Minuten Arbeit, die er für die Reinigung der Fenster eines zweistöckigen Hauses mit jeweils zwei Zimmern pro Etage benötigte, strich er zehn oder fünfzehn Pfund ein. Als er etwas später Penny kennenlernte, war er auf dem besten Weg, seine zwanzigtausend Pfund pro Jahr zu verdienen. Das war damals ein hübsches Sümmchen für einen jungen Mann.
Penny stammte aus North London. Sie wuchs aber nicht in Tottenham auf, sondern in der Chalfont Road in Islington, eine Meile vom ehemaligen Highbury-Fußballstadion entfernt, das 2006 geschlossen wurde. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in ihrer Familie alle eingefleischte Arsenal-Fans waren. Daran änderte sich auch nichts, als ihre Mutter Doreen und ihr Vater John in eine Sozialbauwohnung der Tower-Gardens-Siedlung umzogen, die in unmittelbarer Nähe der betriebsamen Lordship Lane in Tottenham lag.
Als Penny als Jüngste von fünf Geschwistern geboren wurde, verdiente John Adkins seinen Lebensunterhalt als Lastwagenfahrer. Später jedoch, als sie in die Oberstufe kam, arbeiteten er und seine Frau als Obst- und Gemüseverkäufer auf dem New Covent Garden Market in Nine Elms.
Penny war künstlerisch veranlagt und zeigte schon früh Talent im Zeichnen und Malen. Oft saß sie stundenlang in ihrem Zimmer und zeichnete oder spielte auf ihrer geliebten Akustikgitarre. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, ihren Interessen nachzugehen und Kunst zu studieren. Also schrieb sie sich wie viele andere Studenten für einen einjährigen Grundlagenkurs ein und begann ihr Studium in Kunst und Design am College in Barnet.
Penny stammte zwar aus einer typischen Familie der Nord-Londoner Arbeiterklasse, aber sie hatte nichts von deren rauen Ecken und Kanten abbekommen. Marc beschreibt sie so: „Penny spricht nicht mit diesem Cockney-Akzent. Sie könnte irgendwo in einen Pub marschieren, und man würde ihr nicht anmerken, dass sie aus einem Londoner Arbeiterviertel kommt. Das liegt aber nicht daran, dass sie sich für etwas Besseres hält – sie ist bloß zurückhaltend.“
Marc hatte zwar zu jener Zeit eine Freundin, trotzdem funkte es zwischen ihm und dem Teenager. „Sie war echt attraktiv. Lange, dunkle Haare, Beine bis zum Hals. Einfach toll. Da stimmte wirklich alles.“
Marc verschwendete keine Zeit und rief sie an, um ein Date auszumachen. Und ein paar Tage später trafen sie sich in seinem Lieblingspub Punch and Judy in Covent Garden. Obwohl sie sich näherkamen, war Marc schnell klar, dass Penny nicht zu der Sorte Mädchen gehörte, die beim ersten Date gleich ins Bett zu kriegen waren. „So war sie nun mal nicht“, erinnert er sich.
„Auf lange Sicht war es nicht die große Liebe“, räumt er ein. Aber damals trafen sie sich weiterhin im Punch and Judy, das zu ihrer Stammkneipe wurde, und nach einigen Wochen kam Schwung in die Sache. Penny war einverstanden, die Nacht bei ihm in der Turnpike Lane zu verbringen.
Etwa zwei Monate waren vergangen, seit sie sich kennengelernt hatten. Sie saßen wieder einmal im Punch and Judy, als Penny plötzlich herausplatzte: „Marc, ich bin schwanger.“ Er war völlig verdattert, setzte aber eine tapfere Miene auf und sagte zu seiner achtzehnjährigen Freundin: „Okay, Baby. Keine Sorge. Das kriegen wir schon hin.“
Ihrem zarten Alter zum Trotz erwies sich Penny als äußerst hart im Nehmen. Sie wollte das Kind bekommen. Das war für sie von Anfang an klar, und darüber gab es auch nichts zu diskutieren. Die größte Sorge der beiden war, wie sie die Nachricht Pennys Eltern beibringen sollten, die zum damaligen Zeitpunkt den neuen Freund ihrer Tochter noch nicht einmal zu Gesicht bekommen hatten.
Marc mochte zwar ein Draufgänger sein, doch er hatte eine gute Erziehung genossen und wusste, was sich gehörte. Er wollte seine Freundin nicht im Stich lassen, wenn sie ihren Eltern die Neuigkeit verkündete. Also arrangierte Penny einen gemeinsamen Sonntagslunch. „Ich nahm mir vor, meinen Mann zu stehen, und so fuhr ich da hin und erklärte ihnen, dass ich der Vater bin. Sie fielen natürlich aus allen Wolken und fragten mich, wie ich mir das Ganze vorstelle. Und ich sagte,...




