E-Book, Deutsch, Band 2720, 144 Seiten
Reihe: Julia
Smart Falsches Versprechen, wahre Gefühle?
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3510-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2720, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-3510-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lucie erwacht nach einem Unfall ohne Erinnerung an die letzten Wochen - mit einem funkelnden Diamantring am Finger! Hat sie sich etwa tatsächlich mit dem faszinierenden griechischen Reeder Thanasis Antoniadis verlobt, dem langjährigen Feind ihrer Familie? Während sie sich auf seiner griechischen Privatinsel erholt, verfällt sie immer mehr seinem verführerischen Charme. Doch kaum hat sie sich ihm in einer leidenschaftlichen Liebesnacht hingegeben, entdeckt sie schockiert: Für ihn ist ihre Beziehung nur ein Deal, um sein Firmenimperium zu stärken ...
Michelle Smart ist ihrer eigenen Aussage zufolge ein kaffeesüchtiger Bücherwurm! Sie hat einen ganz abwechslungsreichen Büchergeschmack, sie liest zum Beispiel Stephen King und Karin Slaughters Werke ebenso gerne wie die von Marian Keyes und Jilly Cooper. Im ländlichen Northamptonshire, mitten in England, leben ihr Mann, ihre beiden Kinder und sie zusammen mit einem niedlichen Cockapoo - einer Kreuzung aus den Hunderassen Cocker Spaniel und Pudel. Was Michelle am meisten am Autorinnen-Dasein liebt, ist, dass sie den ganzen Tag mit Kaffee auf dem Schoß herumsitzen, aber dabei in Gedanken weit weg sein kann ... In ihrer eigenen Welt, die sie ganz nach ihrer Vorstellung erschafft.
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1. KAPITEL
Der Schmerz, der in Lucie Burtons Augen schoss, als sie durch die halb geöffneten Lider spähte, war so groß, dass er sie einen Moment von dem Hämmern in ihrem Kopf ablenkte. Auch den Mann registrierte sie nicht, der neben ihr saß und mit seinem Handy beschäftigt war. Aber das war nur zu Anfang so, denn ein qualvoller Blick, und er erschien in ihrem Sichtfeld. Sie musste erneut blinzeln, als ihr mit schockierender Klarheit bewusst wurde, wer er war.
Dass er immer noch da war.
Ihr Herz überschlug sich – Thanasis Antoniadis saß neben ihrem Bett.
Zu verwirrt, um Angst zu haben, hob sie den Kopf. Besser gesagt, sie versuchte es. Denn eine erneute Welle von Schmerz hielt sie davon ab, ihn mehr als ein paar Zentimeter zu bewegen.
Hellgrüne Augen mit Wimpern, die so dunkel waren wie die Pupillen, sahen sie an.
Sie schluckte – ein Reflex, der nichts mit ihrer trockenen Kehle zu tun hatte. „Wo bin ich?“ In welchem Bett auch immer sie liegen mochte, es war nicht ihres. Außerdem war sie vorher noch nie in diesem Raum gewesen.
„Im Krankenhaus.“
Ihr nächstes Blinzeln war nicht mehr so schmerzhaft, und ihr wurde bewusst, dass etwas an ihrer Brust befestigt war und etwas in ihre Hand injiziert wurde … ein Tropf?
„Du hattest einen Autounfall.“
So also klang seine Stimme. Wie honigsüßer Kaffee. Ein Gedanke, der ihr absurd vorkam. Trotz ihrer Benommenheit überlegte sie, warum sie so fixiert auf Thanasis’ Stimme war, statt ihn zu fragen, was sie zum Teufel im Krankenhaus machte, während der Sohn des größten Feinds ihrer Familie an ihrem Bett saß. Oder besser gesagt, des größten Feinds ihrer Stieffamilie.
Lucie war erst drei Jahre alt gewesen, als ihre Mutter ihren Vater wegen des vermögenden griechischen Reeders Georgios Tsaliki verlassen hatte. Deshalb war ihre Kindheit und Jugend aufgeteilt gewesen zwischen ihrem Vater und seiner neuen Familie und ihrer Mutter mit Georgios und seinen Nachkommen aus drei Ehen. Lucies Mutter war Ehefrau Nummer vier. Zur Überraschung aller hielt die Ehe zwei Jahrzehnte später immer noch. Lucie vermutete, dass ihre Mutter sehr geschickt darin war, in Bezug auf Georgios’ ständige Untreue ein Auge zuzudrücken.
Demzufolge war Lucie in zwei sehr unterschiedlichen Haushalten aufgewachsen. Stabilität und Ordnung kamen von ihrem leiblichen Vater. Chaos und Spaß von ihrem Stiefvater, der durch seine gesellige Art mit all seinen Ex-Frauen und den neun Kindern gut auskam. Das Leben war für Georgios und seine große Familie ein einziger Urlaub, bis vor ein paar Monaten das Geld ausgegangen war und sein ältester Sohn Alexis die Kontrolle über das Unternehmen an sich gerissen hatte.
Denn die Kehrseite von Georgios’ Großzügigkeit war genauso ausgeprägt. Wenn er jemanden nicht mehr leiden konnte, blieb die Person ein Leben lang sein Feind. Und Georgios Tsaliki hatte keinen größeren Feind als seinen Rivalen, den Reeder Petros Antoniadis. Und diese gegenseitige Feindschaft war schuld daran, dass das Vermögen beider Familien beinahe vernichtet worden war.
Über den ursprünglichen Grund der Feindschaft zwischen den beiden Männern wusste Lucie allerdings wenig – nur dass eine Geschäftsbeziehung zwischen den beiden ehemals engen Freunden in Verbitterung endete. Und mittlerweile war ihre gegenseitige Feindschaft einfach eine Gegebenheit, so wie die Tatsache, dass sie, Lucie, gerade einmal einen Meter fünfzig groß war und schwarze Locken hatte, die sich nicht bändigen ließen. Und dass Thanasis Antoniadis genauso wundervoll roch, wie er aussah.
Leibhaftig hatte sie ihn vorher erst einmal gesehen. Damals war sie achtzehn gewesen und hatte ihren letzten langen Sommerurlaub in Griechenland genossen. Athena, eigentlich Lucies Lieblingssprössling der Tsalikis, jedoch von unbeständigem Wesen, hatte sie zu einer Party mitgenommen, die nach ihren Worten das Ereignis des Jahrzehnts werden würde. Kaum hatten sie die Wohnung betreten, erspähte Lucie den bestaussehenden Mann der Welt, der sich gerade an der Bar einen Drink einschenkte. Irgendwie kam er ihr bekannt vor, sodass sie sich fragte, ob er ein berühmter Schauspieler oder ein Model war. Womit auch immer er seinen Lebensunterhalt verdiente – er war einfach umwerfend. Sie konnte den Blick nicht von ihm losreißen, bis Athena nach ihrer Hand griff und mit schriller Stimme flüsterte: „Was macht der denn hier?“
Verständnislos starrte Lucie sie an.
„Thanasis Antoniadis“, erklärte sie panisch. „Hätte ich gewusst, dass er hier ist, wäre ich niemals gekommen. Papa wird mich umbringen, wenn er davon erfährt.“
Erneut sah Lucie den Mann an, der die sonst unerschütterliche Athena so aus der Fassung brachte. Genau in diesem Moment schweifte sein Blick durch den Raum und blieb an ihr hängen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Wahrscheinlich hätte sie ihn weiter angestarrt, hätte Athena sie nicht mit sich gezogen und gezischt: „Hör auf, ihn so anzustarren! Wir müssen hier raus.“
Und das war’s. Weniger als zwei Minuten mit ihm unter dem gleichen Dach.
Er war ihr so bekannt vorgekommen, weil er große Ähnlichkeit mit seinem Vater hatte. Georgios aktualisierte regelmäßig das Foto von Petros Antoniadis, das auf seiner Dartscheibe hing.
Der Mann, der vor sechs Jahren ihre Aufmerksamkeit erregt hatte, musterte sie nun mit einer Intensität, die sich wie eine Berührung auf ihrer Haut anfühlte.
„Wie fühlst du dich?“, fragte er.
„Mein Kopf tut weh, und mir ist übel“, krächzte sie und sah ihn vorsichtig an, während das Hämmern in ihrem Kopf ein wenig nachließ, sodass ihr Hirn wieder etwas besser funktionierte. Details an dem Raum ließen sie vermuten, in Griechenland zu sein, aber das war unmöglich. Sie war doch in ihre Wohnung im Norden von England gegangen, um dort zu schlafen, oder nicht?
Sie konnte sich nicht erinnern, ins Bett gegangen zu sein.
Er verzog das Gesicht. „Damit war zu rechnen. Du hast ziemlich was abbekommen.“
„Was ist denn passiert? Warum bist du hier?“ Ohne zu überlegen, duzte sie ihn ebenfalls, denn er schien sie gut zu kennen, auch wenn sie sich nicht erinnerte, warum.
Seine Nasenflügel bebten. „Hört sich an, als hättest du einen trockenen Mund. Wasser?“
„Bitte. Aber sag mir, was passiert ist und warum du hier bist.“
Er schüttete Wasser aus einem Krug in ein Glas, gab einen Strohhalm hinein und streckte den Arm aus, um ihr den Halm an den Mund zu halten. „Du erinnerst dich nicht?“
Sie näherte den Mund dem Strohhalm, doch bevor sie durstig trank, sagte sie: „Ich weiß, dass du Thanasis Antoniadis bist, aber mir ist nicht klar, warum ich im Krankenhaus bin, anscheinend in Griechenland, oder warum ausgerechnet du hier bei mir bist.“
Etwas leuchtete in seinen Augen auf. „‚Ausgerechnet ich‘? Und trink langsam, kleine Schlucke, sonst wird dir noch übler.“
Sein Englisch mit dem ausgeprägten Akzent ist hervorragend, wurde ihr bewusst, während sie das kalte, frische Wasser genoss und hoffte, dass ihr nicht noch schlechter davon werden würde. Lucie sprach fließend Griechisch, aber es war lange nicht so gut wie sein Englisch. „Danke.“
Er nickte knapp und stellte das Glas zurück auf den Nachttisch, ohne sie aus den Augen zu lassen. „‚Ausgerechnet ich‘?“, wiederholte er.
„Warum bist du hier? Wo ist meine Familie?“ Die angemessenere Frage wäre vermutlich, warum sie nicht erschrocken gewesen war, als sie aufwachte und den Sohn des alten Antoniadis, Feind ihres Stiefvaters, neben ihrem Bett fand. Der so gut wie ein Fremder für sie war und sie an Größe und Gewicht weit übertraf. Wobei sein Körper nur aus Muskeln zu bestehen schien. Wenn er wollte, konnte er ihr die Knochen so leicht brechen wie ein grausames Kind einem Insekt die Flügel.
Doch statt weiter darüber nachzudenken, war sie sich auf eine absurde Weise sicher, dass er nie Hand an sie legen würde, weder aus Bösartigkeit noch im Zorn. Absurd deshalb, weil sie den Mann gar nicht kannte, nur von ihm gehört hatte. Und trotzdem war sie sicher, ihn doch zu kennen, als hätten sie sich in einem anderen Leben schon einmal getroffen.
Dass mein schmerzender Kopf auf solch verrückte Gedanken kommt, muss wohl an den starken Medikamenten liegen, die mir eingeflößt werden, vermutete sie.
Nach einer langen Pause sagte er: „Deine Mutter ist hier und holt etwas zu essen. Aber verrate mir doch, warum ich nicht hier sein sollte.“
„Weil wir Fremde sind?“ Aber da war eine Unsicherheit, der Hauch einer Erinnerung, die auch ein Traum sein könnte. Ein volles Restaurant. Alexis. Georgios und ihre Mutter.
Erneut flackerte etwas in seinen Augen. „Was ist das Letzte, an das du dich erinnerst?“
„Dass ich von der Arbeit kam …“ Sie blinzelte, weil diese Erinnerung keine Gestalt annehmen wollte. „Nein. Wie ich mir eine Frittata machen wollte.“ Sie hatte Feta in das Omelette getan, konnte sich jedoch nicht daran erinnern, die Frittata gegessen zu haben, auch nicht die Süßkartoffelpommes, die sie dazu gemacht hatte.
Ein Anflug von Angst erfasste sie. „Welches Datum haben wir?“
Er sah sie noch eindringlicher an. „Den achtundzwanzigsten Juli.“
Schockiert zuckte sie zusammen, während die Angst ihren Griff...




