Slade | Lassiter - Folge 2229 | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2229, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2229

Lassiter und der Wüterich
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0998-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Lassiter und der Wüterich

E-Book, Deutsch, Band 2229, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-7325-0998-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Johlen und Gelächter rauer Männerstimmen erfüllten den Saloon. Rund um die Theke war es am lautesten. Dort drängten sich die Gäste in ungeordneten Reihen und überboten sich gegenseitig mit gegrölten Scherzen und Trinksprüchen. Irgendwo im Gewirr der Stimmen fiel das Wort 'Cockroach' - nicht einmal besonders laut, doch deutlich genug, dass alle es mitbekamen. Und alle taten angestrengt so, als ob sie nichts gehört hatten.

Nur einer reagierte - der, dem sie den Spitznamen verpasst hatten: Cockroach - Kakerlake. Sein Gesicht lief rot an, ja, sein ganzer bulliger Kopf nahm die feurig rote Farbe des Haars an, das seine Schädeldecke wie eine borstige Matte bedeckte.

Seine Donnerstimme übertönte alle. 'Wer war das?'

Es wurde totenstill. Deshalb war Lassiter gut zu verstehen, als er ruhig und in normaler Lautstärke antwortete: 'Ich war das. Ich habe gerade eine Kakerlake entdeckt.'

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Wenn Stille noch stiller werden konnte, geschah es in dieser Sekunde. Doch die Sekunde ging nicht zu Ende, ohne dass es von neuem laut wurde.

Der wütende Rothaarige, den sie Cockroach nannten, knallte sein Bierglas auf die Theke. Der Knall ließ etliche Männer zusammenzucken, von ihm wegweichen. Es entstand Platz – auch für Lassiter.

Der Mann der Brigade Sieben lehnte nur drei Schritte entfernt mit dem Rücken an der Thekenkante. Die Umstehenden zogen sich auch von ihm zurück.

Im Handumdrehen hatten Lassiter und der Wütende mit dem roten Kopf freie Bahn vor der Theke. Auf zehn Yard Länge und vier Yard Breite gehörten die mit Sägemehl bestreuten Fußbodendielen ihnen und zwei Spucknäpfen entlang der Fußschiene.

Der Rotkopf musterte sein Gegenüber von Kopf bis Fuß. Dann schnaubte er: »Ich bin einer, der erst zuschlägt und dann Fragen stellt.«

Noch während er seine Ansage hervorstieß, walzte er los – auf den großen Mann zu, die erhobenen Pranken zu Fäusten geballt.

Lassiter grinste und ließ ihn kommen. Seiner Körperhaltung war nicht einmal anzusehen, ob er sich ernsthaft wehren wollte. Er sah vielmehr aus wie jemand, der den Ernst der Lage nicht erfasste. Und er machte alles noch schlimmer, indem er sagte: »Trotzdem bist du eine Kakerlake, die zu viel redet.«

Den Zuschauern stockte der Atem. Der Wütende stoppte seinen Vormarsch, als sei er gegen eine unsichtbare Wand geprallt. Sein Rammkinn sackte abwärts, und sein Mund stand offen. Ungläubig starrte er den großen Mann an.

Der Wüterich war eine Handbreit kleiner als Lassiter, dafür aber mit dem Körperbau eines Eichenschranks ausgestattet. Sein Gesicht verfärbte sich vom Purpurrot blinder Wut zu einem helleren, noch gefährlicher aussehenden Rot. Es schien die bevorstehende Explosion anzukündigen.

»Weißt du, was dir jetzt blüht?«, flüsterte er mit zornbebender Stimme.

»Ja. Es wird sich nicht vermeiden lassen«, antwortete Lassiter ungerührt. Er seufzte wie vor einer lästigen Aufgabe. »Ich werde dir eine Lektion erteilen müssen. Darauf läuft es hinaus, Rufus.«

Dem Rothaarigen blieb die Spucke weg. Er zitterte vor Wut. Die Knöchel seiner Riesenfäuste traten weiß hervor. In seinen graublauen Augen erglühte Hass. Er glich einem Dampfkessel unter Überdruck. Nichts brauchte er dringender als ein Ventil, um den Druck loszuwerden.

Nur die brennenden Fragen hielten ihn noch davon ab, sofort zuzuschlagen. Woher nahm dieser große Kerl seine Unverschämtheit, seine Respektlosigkeit? Und wie kam er dazu, den Spitznamen auszusprechen, den er, Rufus, wie die Pest hasste? Hinzu kam, dass er ihn gerade eben mit seinem Vornamen angeredet hatte, wo doch die meisten in dieser gottverdammten Stadt nur seinen Nachnamen kannten.

Roach.

Wenn sie den erst mal rausgekriegt hatten, dauerte es keine zwei Tage mehr, bis sie ihn Cockroach nannten. So war es immer, wenn er in eine fremde Stadt kam.

»Wer bist du, dass du mich kennst?«, stieß er hervor.

»Ich heiße Lassiter, und ich komme viel herum«, antwortete der große Mann bereitwillig. »Deshalb kenne ich Steckbriefe, die hier in LaMoure noch kein Mensch gesehen hat.«

Roach zog die buschigen Augenbrauen zusammen und knurrte: »Bist du ein Kopfgeldjäger?«

»Nein«, antwortete Lassiter. Er verkniff sich ein erneutes Grinsen und trieb es auf die Spitze: »Eher ein Kammerjäger. Ich jage …«

Das Wort »Kakerlaken« konnte er nicht mehr aussprechen, denn Rufus Roach stürzte sich mit einem Wutschrei auf ihn.

»Verdammter Hurensohn!«, brüllte der Wüterich. »Du bist tot!«

Mit einem Riesensatz überbrückte er die letzten zwei Schritte. Seine Dampfhammerfäuste flogen auf den Mann der Brigade Sieben zu – und hieben Luftlöcher.

Roach stieß einen Wutschrei aus, als ihn der eigene Schwung vorwärtsriss.

Lassiter war blitzschnell ausgewichen. Mit einem federnden Sprung nach rechts hatte er sich in Sicherheit gebracht. Den scharfen Luftzug der Riesenfäuste spürte er jetzt noch, als er das Geschehen aus sicherem Abstand beobachtete.

Der Vorstoß ins Leere trieb Roach den Zuschauern in die Arme. Jene, die in seiner Sprungrichtung standen und nicht schnell genug Platz machen konnten, fingen ihn gezwungenermaßen auf. Doch Roach dachte nicht etwa daran, Dankbarkeit zu zeigen.

Vielmehr ließ er seine Wut an den völlig verdatterten Männern aus. Schmerzensschreie ertönten, als er sich aus der Menschentraube freikämpfte, indem er mit seinen Knochenfäusten brutal um sich senste. Die Getroffenen wankten rückwärts – blutend und schreiend und bei den anderen schutzsuchend.

Lassiter konnte es nicht mit ansehen. Er fühlte sich verantwortlich. Letzten Endes hatte er den Mistkerl leerlaufen lassen. Deshalb tat er, was er tun musste, um es wiedergutzumachen.

Während Rufus Roach noch um sich schlug, um von den unfreiwilligen Helfern loszukommen, war Lassiter zur Stelle.

Mit einem raschen Handgriff langte er in das sich auflösende Menschenknäuel hinein. Er bekam Roach im Nacken zu fassen, am Kragen. Der Tobende war zu verdutzt, um sofort zu reagieren.

Deshalb gelang es dem großen Mann fast mühelos, den Kerl mit sich zu ziehen, weg von den Unbeteiligten. Doch die Leichtigkeit währte nicht mehr als zwei Sekunden.

Noch in Lassiters Griff, vor der Theke, erwachte Roach zu einem fäustewirbelnden Ungetüm. Nur einen Atemzug zu spät stieß Lassiter den Wüterich von sich. Deshalb erwischte ihn einer der unkontrollierten Hiebe noch, bevor er außer Reichweite war. Und auch seine Deckung hatte er noch nicht vollständig aufgebaut.

So konnte er nicht verhindern, dass ihm die geballte Knochenpranke von der Seite her auf den Brustkasten krachte.

Lassiter glaubte, seine Rippen splittern zu hören. Die Wucht des Hiebes schleuderte ihn nach links. Er verlor das Gleichgewicht, prallte mit der linken Schulter gegen die Theke. Vergeblich stemmte er sich gegen den drohenden Fall. Er konnte nicht verhindern, dass er an dem glatten Thekenholz abwärtsrutschte.

Es gab keinen Halt. Links und rechts von ihm waren nur die Spucknäpfe, und erneut stieß seine linke Schulter auf einen harten Widerstand. Diesmal war es die Fußschiene. Noch während der Schmerz durch seinen Körper raste, zog er die Beine an, um sich abzustoßen.

Sein Gegner sammelte sich zum neuen Angriff. Keine vier Schritte entfernt schüttelte Roach die Arme aus, öffnete und schloss die Fäuste und stapfte auf der Stelle – wie, um den richtigen Zeitpunkt fürs Losstürmen zu finden.

Mit der rechten Hand bekam Lassiter die Fußschiene zu fassen. Er stemmte den Oberkörper hoch, während er gleichzeitig mit der Kraft seiner Beinmuskeln nachhalf. Die Thekenwand gab ihm die notwendige Rückenstärkung. Rechtzeitig beugte er den Kopf vor, um nicht gegen die Vorderkante der Thekenplatte zu stoßen.

Er sah die erschrockenen Blicke der Zuschauer, und er hörte ihr entsetztes Raunen, als er versuchte, sich vollends aufzurichten.

Der Wüterich trampelte vorwärts.

Die Fußbodendielen bebten, als er auf Lassiter losging. Der Mann der Brigade Sieben sah das Unheil kommen – schneller als er es diesem Schrank von einem Kerl zugetraut hätte. Lassiter wusste, dass er es nicht mehr schaffen konnte, ganz hochzukommen. Deshalb wich er aus, warf sich nach rechts, als er die Thekenkante erst in Schulterhöhe spürte.

Doch abermals verblüffte ihn der Rothaarige mit seiner Schnelligkeit. Überdies hatte er die Seitwärtsbewegung des großen Mannes einkalkuliert.

Beide Fäuste trafen ihn gleichzeitig links neben dem Schlüsselbein. Ein Huftritt hätte nicht gewaltiger sein können. Lassiter hatte das Gefühl, dass sein Schultergelenk auseinanderflog und sich in sämtliche Bestandteile auflöste. Gleichzeitig kam es ihm vor, als würde er an der verdammten Theke festgenagelt.

Statt zurückzuweichen und zu einem neuen Hieb auszuholen, blieb der wutschnaubende, keuchende Kerl unmittelbar vor ihm. Lassiter sah den rotborstigen Schädel auf sich zukommen. Diesmal reagierte er buchstäblich im letzten Augenblick, ruckte zur Seite.

Sein Gegner brüllte wie ein Longhornbulle, als er hochsprang und den kantigen Kopf als Ramme benutzte. Nur der mächtige Unterkiefer traf ihn noch, und Lassiter hatte den Eindruck, sein linkes Ohr würde abgehobelt. Schmerz stach ihm vom Ohr bis in die Fußspitzen.

Trotzdem ließ er sich nicht stoppen und warf sich weiter nach rechts, um aus der Reichweite der Knochenfäuste zu gelangen.

Roach wuchtete sich abermals ins Leere. Mit dem kurzen Hochsprung schadete er sich nur selbst. Er prallte mit der Brust gegen die Thekenkante und sackte abwärts. Mit der vollen Last seines Körpergewichts krachte sein Gesicht auf das Hartholz der Theke.

Er röhrte los wie ein waidwunder Büffel. Die Schmerzen schienen mehr zu sein, als er verkraften konnte. Einen Moment lang wirkte er benommen wie ein angezählter Jahrmarktsboxer. Seine Beine begannen, einzuknicken.

Lassiter wirbelte herum, packte ihn rechtzeitig und zog ihn von der Theke weg. Die Stolperschritte des Wüterichs blieben unsicher, doch in seinem immer noch roten Gesicht zeichnete sich ab, dass er wach zu werden begann.

Lassiter handelte schnell. In der Mitte der freien Fläche verpasste er dem Kerl eine kurze Serie von brettharten Geraden. Jeder der Hiebe ließ den Schrank erzittern und brachte ihn den Bodendielen näher. Dann, endlich, streckte er sich auf dem Gemisch aus Sägemehl und Straßendreck.

Seine Bewusstlosigkeit würde jedoch nicht lange...



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