Slade | Lassiter - Folge 2225 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2225, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2225

Stadt der Angst
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0899-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Stadt der Angst

E-Book, Deutsch, Band 2225, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-7325-0899-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Herz bereitete Sheriff Howard L. Maxwell schon seit Jahren Sorge. An manchen Tagen hämmerte es derart wild in der Brust, dass der Gesetzeshüter glaubte, die Rippen müssten ihm zerspringen. Von alledem bekamen die beiden jungen Deputies, die mit ihm von Diablo City aus heraufgeritten waren, jedoch nichts mit.

'Wie viel werden's sein, Mr. Maxwell?', fragte Jonathan Earp, der hinter dem Viehzaun kauerte und zu der Ranch am Black Mountain hinüberschaute. 'Sieht aus, als wären's höchstens sechzehn Pferde!'

Der Sheriff fasste sich an die Brust und hockte sich ebenfalls nieder. 'Schwer zu sagen, Jo. Sind 'ne Menge.'

Der andere Deputy war ein Hasenfuß namens Rob Feather. 'W-wagen wir's trotzdem, Sheriff? R-räuchern wir sie aus?'

Maxwell verspürte einen dumpfen Stich in der Brust. Er seufzte und schlug Feather auf die Schulter. 'Nur keine Eile, mein Junge.'

Slade Lassiter - Folge 2225 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Das Dutzend mexikanischer Bandidos drängte sich im hinteren Teil der Hütte und starrte Isham Bratton ausdruckslos an. Die Männer trugen zerlumpte Hemden aus Mississippi-Baumwolle, die sie bei ihrem letzten Überfall auf den Rush Mercantile Store erbeutet hatten. Sie waren bis an die Zähne bewaffnet und überließen ihrem Anführer Salvador Opuntes das Wort.

»Zwanzig Dollar für zehn Fässer, Amigo«, knurrte Opuntes und verschränkte die sehnigen Arme vor dem Körper. Er hatte die bronzefarbene Haut eines Mannes, der sich häufiger im Freien als in geschlossenen Räumen aufhielt. »Lieferst du jeden Monat?«

Der andere Mann nickte und legte den Kopf schief. Er war von kräftiger Statur und hatte schulterlanges graues Haar. Er war ohne Begleitung gekommen, was am Black Mountain rasch tödlich sein konnte.

»Monat für Monat«, erklärte Isham Bratton mit der für ihn typischen Gelassenheit. Er steckte sich eine Haarsträhne hinters Ohr und grinste. »Ihr kriegt den besten Branntwein, den wir auf der Buenos-Ranch zustande kriegen. Ist besseres Zeug, als ihr in Nogales oder Tucson bekommt. Ich würd’s selber trinken, müsst’ ich nicht ein paar Fässchen davon verkaufen.«

Der grauhaarige Ire stützte sich mit den Armen auf das Holzfass vor ihm, in dem sich fünfzig Galonen vorzüglichen Branntweins befanden. Seine Männer von der Buenos-Ranch, die zu großen Teilen verarmte Glücksritter aus Diablo City waren, hatten fünf Frachtladungen kalifornische Trauben gekeltert und nach dem Rezept des Franzosen vergären lassen. Der Franzose war bis zum Schluss bei ihnen geblieben. Er hatte mit seinen listigen Schlitzaugen in die Fässer geschaut und vor sich hin gemurmelt. Erst als der Schlot rauchte und das gebrannte Destillat in die Flaschen tropfte, hatte er sich davongemacht. Bratton hatte ihn später in Diablo aufgespürt, wo er die Buenos-Ranch verpfeifen und die Belohnung hatte einstreichen wollen. Um etwas anderes sei’s ihm nicht gegangen, hatte er beteuert.

Aber es hatte dem Franzosen nichts genutzt.

Zwei Kugeln hatten ihm den Schädel zerfetzt, ehe er zu Sheriff Maxwell gehen konnte. Es hatte Tage gedauert, bis der Sternträger Bratton auf die Schliche gekommen war. Maxwell war mit zehn Männern zur Ranch geritten, doch die verräterischen Branntweinfässer hatten zu diesem Zeitpunkt längst in ihrem Versteck im Sycamore Canyon gelegen.

»Zwanzig Dollar«, erhöhte Opuntes sein voriges Angebot und kratzte sich den stoppeligen Hals. »Ist mein letztes Wort.«

Die Männer ringsum setzten finstere Mienen auf und nickten langsam.

Ging es nach Bratton, waren die Bandenmitglieder nichts weiter als versoffene Gestalten, die sich am hart erarbeiteten Gold von Diablo City gütlich taten und dabei vor keiner Schandtat zurückschreckten. Vor zwei Wochen hatte die Opuntes-Bande eine Schar Goldschürfer am Solano River überfallen, die sich gerade zum Baden ausgezogen hatte. Die Mexikaner hatten vier der Männer auf der Stelle erschossen. Den Übrigen hatten sie acht Säckchen Goldstaub abgeknöpft, den die Unglückseligen bei sich getragen hatten. Die anschließende Schießerei hatten fünf der Goldsucher und zwei der Banditen mit dem Leben bezahlt.

Aber Gewalt und Branntwein waren die einzigen beiden Sprachen, die man in Diablo City beherrschte. Die Goldgräberstadt am Fuße der Saucito Mountains war ein gottverfluchter Moloch. Sie erstickte im Morast ihrer eigenen Verkommenheit, die selbst einen Mann wie Isham Bratton erstaunte. Der Ire war Kunstzeichner und Schiffskoch gewesen, ehe ihn der Ruf des Goldes in die Berge des Arizona-Territoriums gelockt hatte. Bratton hatte rasch begriffen, dass in Diablo City der Teufel entweder am Spieltisch oder am Whiskeyfass saß.

»Fünfundzwanzig«, sagte Bratton und sah dem Mexikanerboss in die Augen. »Fünfundzwanzig Dollar und die Fässer zu jedem Monatsanfang. Der Vorrat reicht bis zum nächsten Jahr.«

Die Nervosität des Mexikaners machte sich in dessen zitternder rechter Hand bemerkbar. Bratton wusste nur zu gut, dass es mit Opuntes’ Ansehen Essig sein würde, gelang es dem Banditen nicht, den Handel unter Dach und Fach zu bringen. Die Männer waren seit Tagen quer durch die Berge geritten und lechzten nach jedem Tropfen Alkohol.

»Dreiundzwanzig«, entgegnete Opuntes zerknirscht und streckte die Hand aus. »Die Fässer auf deinem Packpferd bekommen wir gleich.«

Nach kurzem Zögern schlug Bratton ein und schüttelte dem mexikanischen Bandenboss die Hand. Er wischte sich den Schweißfilm von der Stirn, der sich während der Unterredung gebildet hatte, und ging im Kopf durch, wie viel ihm bei dreiundzwanzig Dollar für zwei Fässer unter dem Strich blieben.

Plötzlich sprang einer der Banditen auf und packte Opuntes am Arm.

Er riss den Bandenboss zu Boden und schrie zur gleichen Zeit mit gellender Stimme einen Namen. Bratton verstand ihn erst, als kurz darauf Schüsse fielen.

»Sheriff Maxwell!«, rief der Bandit und sah sich mit wildem Blick um. »Sheriff Maxwell, Compañeros

»Runter!«, befahl der Ire und ging neben dem Fenster in Deckung. »Verfluchte Hurensöhne!«

Vor der verlassenen Bergranch krachten ohrenbetäubend mehrere Gewehre. Der Beschuss hielt über eine halbe Minute an, was darauf hindeutete, dass der Sheriff von Diablo City seine Deputies mitgebracht hatte. Bratton gestikulierte stumm und signalisierte den Banditen in seinen Rücken, dass sie am ehesten überleben würden, wenn sie sich ruhig verhielten und die Köpfe einzogen. Er kannte die Strategien des alten Sheriffs, der ihm seit dem Tod des Franzosen auf den Fersen war. Einer von Opuntes’ Männern lag mit durchlöcherter Stirn in der Ecke.

»Der Hund wird jeden von uns abknallen, der sich vor die Tür wagt!«, raunte Bratton und spähte durch den Türspalt. Er konnte nichts außer Pulverdampf erkennen. »Aber er hat höchstens zwei oder drei Männer bei sich!«

»Hijo de la chingada!«, zischte Opuntes aufgebracht. »Hurensohn! Er wird bezahlen für das Leben von Gonzalez!« Er befahl zweien seiner Leute, sich zu Bratton unter das Fenster zu hocken. Die Mexikaner schnappten sich ihre Gewehre und gehorchten. »Er kann uns nicht halten in Schach mit zwei Männern!«

Abermals lugte Bratton durch den Türspalt. Er sah zwei Gestalten im Dunst, die sich zögerlich auf das Haus zubewegten. Sie hielten zwei glänzende Winchesters in den Armen, die aus den Läufen rauchten.

»Wartet noch!«, raunte Bratton den Leuten unter Opuntes’ Kommando zu. »Sie … sie haben sich aus der Deckung gewagt! Diese Kerle müssen von allen guten Geistern verlassen sein!«

Mit einem routinierten Handgriff betätigte Bratton den Ladehebel seines eigenen Gewehrs. Er richtete sich langsam auf und wagte einen Blick durch das Fenster.

Von Maxwell war nichts zu sehen. Lediglich die Deputies näherten sich dem Haus.

»Holen wir uns die Dummköpfe!«, wisperte Bratton. »Sie haben’s nicht anders verdient!«

Mit diesen Worten trat er die Hüttentür auf und feuerte blindlings in die Morgenluft hinaus.

***

Die beiden Mädchen sprangen mit fliegenden Röcken die Treppe hinunter und prallten an der letzten Stufe aufeinander. Die Blondhaarige wandte sich zu ihrer jüngeren Schwester um und drohte ihr spielerisch mit dem Zeigefinger.

»Zum letzten Mal sag’ ich’s dir, Daffy!«, rief die Ältere und zog die Brauen hoch. »Wenn du mir den ganzen Tag nachläufst, versohl’ ich dir den Hintern!«

Das jüngere Mädchen kicherte, zog übermütig an den Rockschößen ihrer Schwester und ahmte spöttisch deren Gebärden nach. »Nun hör schon auf, Harley! Du glaubst doch im Leben nicht, dass du mich noch versohlst! Seit zwei Tagen bin ich achtzehn Jahre alt. Und du bist schon zweiundzwanzig!« Sie hüpfte lachend um die blonde junge Frau herum und hielt sich mit einer Hand am Geländeraufsatz fest. »Wann hörst du auf, die große Schwester zu spielen?«

»Niemals nicht, solange ich lebe!«, versetzte Harley und trieb ihre Schwester durch den Flur ins Schreibzimmer ihres Vaters. Sie hielt abrupt inne, als sie das Familienoberhaupt mit einem Besucher im Raum antraf. »Oh, Vater, verzeih! Ich wusste nicht, dass du … dass du -«

Der Mann am Schreibtisch war von untersetzter Statur und bewegte sich langsam und bedächtig. Er stand auf, schob sich die runde Nickelbrille auf die Nase und lächelte verschmitzt. »Ist schon gut, Harley. Ich habe euch nichts über meinen Gast gesagt.« Er blickte zu dem breitschultrigen Mann, der die Geschwister mit einem knappen Nicken begrüßte. »Aber es ist gut, dass Ihr gekommen seid. Ihr müsst Mr. Lassiter in die Brendow Street zu Mr. Fall bringen.«

»Zum alten Militärattaché?«, rief Harley aus. Sie stützte entrüstet die Arme in die Seiten. »Der arme Mann kann nicht die Augen von uns lassen, wie du weißt. Außerdem ist’s in der Brendow Street gefährlich, Dad.«

McLeod nickte und kehrte langsam zu seinem Schreibtisch zurück. Er griff nach einem Stück Papier, fasste nach der Feder und kritzelte eine Nachricht darauf. »Ich werde gleich nach Stutsman schicken. Er soll euch einen Mann an die Seite geben. Am helllichten Tag wird euch nichts passieren.«

»Das Gleiche hast du gesagt, als man Martha unter die Postkutsche geworfen hat«, schmollte Harley. Sie trippelte neugierig auf den Fremden zu. »Wenn es nach uns ginge, würden wir das Moonflower nie mehr verlassen, Mister.«

Ein langer Seufzer McLeods ließ erkennen, dass der Saloonbesitzer diesen Disput schon öfter mit seinen Töchtern geführt hatte. Er...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.