Slade | Lassiter - Folge 2211 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2211, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2211

Lassiter und die Frau des Killers
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7325-0560-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Lassiter und die Frau des Killers

E-Book, Deutsch, Band 2211, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-7325-0560-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Luft flimmerte. Rechts stieg ein Waldhang an, links öffnete sich ein Flusstal. Ein gewisser Major McCain ritt an der Spitze der Schwadron. Ein harter Hund, der seine Leute elend gut im Griff hatte. Wenn sich Lassiter auf seinem Wagen umdrehte, konnte er immer noch diesen blau schimmernden Streifen am Horizont sehen: das Meer. Ein schöner Flecken Erde, dieses Kalifornien, weiß Gott. Lassiter konnte kaum glauben, dass hier Krieg herrschte. Und doch war es so: Der Häuptling der Modocs, Captain Jack, hatte einen US-General ermordet, und nun war der Teufel los im schönen Kalifornien. Im Schutz der Kavallerie hoffte Lassiter mit heiler Haut durchs Indianergebiet zu kommen. Vergeblich. Plötzlich tönte der Wald von Geschrei und Schüssen. Pfeilen sirrten, McCain brüllte Befehle und ein brennender Schmerz zuckte durch Lassiters Körper ...

Slade Lassiter - Folge 2211 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vom Kutschbock ließ er sich nach hinten auf die Ladefläche des Wagens fallen, rollte sich ab und griff nach seinem Karabiner. Der Schmerz zuckte wie ein glühender Draht vom Oberschenkel bis in die Zehen hinunter.

Lassiter sah den verdammten Pfeil aus seinem rechten Oberschenkel ragen, sah das Blut in die Hose sickern und zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen.

Er hob den Kopf und lugte über den Seitenverschlag seines Wagens. Indianer stürmten aus dem Wald, ritten aus dem Flusstal herauf. Sie griffen von Süden aus die Nachhut an, nahmen Major McCain und die Spitze des Trosses aus der Fahrtrichtung und vom Wald aus unter Feuer.

Modocs.

Das sah übel aus, ganz übel. Lassiter versuchte, Schmerz und Schrecken zu ignorieren, legte den Karabinerlauf auf den Seitenverschlag und zielte auf die Indianerhorde, die aus dem Wald stürmte. Er schloss mit dem Leben ab und feuerte …

Das alles geschah ein paar Jahre vor seiner Zeit bei der Brigade Sieben. Lassiter verdiente seine Dollars damals noch mit einem kleinen Fuhrunternehmen.

Im Frühsommer hatte er einem Drucker aus San Antonio die gesamte Werkstatt hinüber nach San Francisco transportiert. Dort war erst sein Partner abgesprungen, und dann hatte Wells, Fargo & Company ihm auch noch die Fracht abspenstig gemacht, die er für den Rückweg eingeplant hatte. Allein und mit leerem Wagen musste er von San Francisco Richtung Osten aufbrechen.

Und als ob das alles nicht schon genug Pech gewesen wäre, hieß es plötzlich, die Modoc-Indianer hätten das Kriegsbeil ausgegraben. Und dann erwischte ihn auch noch ein verdammter Pfeil.

»Shit, verdammt!« Lassiter spuckte aus, lud durch und schoss. Treffer. Ein Modoc am Waldrand riss die Arme hoch, stürzte ins Gestrüpp. Lassiter lud durch und schoss erneut.

Endlich gellte das Horn der Schwadron über den Waldhang – dreimal blies der Fahnenträger das Signal zum Angriff. Aus dem Augenwinkel sah Lassiter, wie McCain seine Leute hinter sich herwinkte. Lassiter lud durch und schoss, und wieder brach ein Indianer zusammen.

»Attacke!«, brüllte der Major irgendwo an der Spitze des Trosses. Und dann war es, als würde ein Hurrican über die Landschaft jagen: Äste brachen, Hufe donnerten, Laub raschelte, achtzig Männer brüllten »Hurra!«. Vierzig preschten dem Waldrand und den von dort angreifenden Indianern entgegen, vierzig suchten den Nahkampf mit den Modocs, die aus dem Flusstal heran galoppierten.

Lassiter lud durch und schoss, immer wieder. Die verdammten Blauröcke würden ihn und seinen Wagen doch nicht etwa ohne Feuerschutz im Stich lassen? Immerhin stapelten sich Gewehr- und Munitionskisten unter der Plane. Und in der Mitte der Ladefläche erhob sich die wertvollste Waffe der Schwadron. Natürlich hatte er McCain für seinen Geleitschutz Transporthilfe gewähren müssen.

Lassiter traf wieder und gleich noch einmal. Gütiger Gott, wie der verfluchte Pfeil im Schenkel brannte! Wie viel Munition steckte eigentlich noch in seinem Waffengurt?

Kaum eine Handvoll Kavalleristen hatten sich links und rechts seines Wagens hinter toten Pferden in Deckung geworfen. Manche lagen wohl auch unter dem Wagen, jedenfalls stieg Pulverdampf von dort auf. Lassiter lud durch und schoss durch die stinkenden Pulverdampfwolken hindurch.

In einer langgezogenen Angriffskette galoppierten plötzlich indianische Reiter aus dem Wald, überholten ihre Stammesgenossen, die zu Fuß stürmten, und griffen den Major und seine Reiter an. Das sah überhaupt nicht gut aus.

Lassiter hasste Situationen wie diese; er hasste es, auf Indianer schießen zu müssen; er hasste es, die von der Sonne verbrannten Männer in Leder und Fransen stürzen zu sehen und vor Schmerzen schreien zu hören. Er hasste sich selbst für jede Kugel, die er abfeuerte – doch was blieb ihm übrig?

Zwischen Flusstal und Waldrand sah er, wie die Modocs Major McCain und seine schrumpfende Schar umzingelten. Die Zügel zwischen den Zähnen, schossen die Indianer aus kurzläufigen Karabinern auf die Soldaten. Die stürzten reihenweise aus den Sätteln.

Die Modocs aus dem Flusstal hatten die Kavalleristen, die sich ihnen entgegen geworfen hatten, längst zurückgedrängt und ihre Truppe zerrieben. Wenn Lassiter hinter sich blickte, konnte er ein Flussufer sehen, das von Körpern in blauer Uniform übersät war. Grausig! Manche Krieger machten sich schon daran, sich den Skalp ihres Gegners zu sichern.

Dreihundert Schritte weiter brüllte McCain herum wie ein Verrückter. Mit kaum noch zwanzig Männern formierte er eine Verteidigungslinie – oder versuchte es wenigstens. Lassiter sah kniende Schützen im Gras und Schützen, die dahinter standen. Doch ihre erste Gewehrsalve klang einfach nur jämmerlich, und der nächste Feuerstoß der um sie herum reitenden Indianer kostete McCain mindestens ein Drittel seiner Leute.

Der Major selbst stand wie ein Fels in der Brandung und feuerte aus zwei Revolvern auf die Modocs. Die schnürten ihren Ring enger und enger.

»Feuerschutz!«, brüllte Lassiter. Mit Schießen allein kam er hier nicht weiter, und ehrlich: Er wollte noch ein bisschen leben. »Gebt mir Feuerschutz, verdammt noch mal!«

Er hatte nur eine vage Ahnung, wie viele Kavalleristen unter und neben dem Wagen seine Aufforderung überhaupt noch hörten. Gleichgültig: Er zog seinen .38er von Remington, feuerte auf Indianer, die dem Wagen zu nahe gekommen waren, und robbte dabei an Munitions- und Waffenkisten vorbei zu der unförmig ausgebeulten Plane in der Mitte der Ladefläche.

Er riss sie weg. Eine Gatling-Gun kam zum Vorschein. Sie war geladen; natürlich – man bewegte sich schließlich in Kriegsgebiet. Lassiter packte die Kurbel, fasste den Griff, nahm den Waldrand ins Visier und schwenkte den schweren Lauf herum, während der Tod und Verderben spuckte. Der Pfeil in seinem Schenkel schmerzte wie die Hölle, doch er kurbelte weiter.

Über sein Gespann hinweg hielt er schließlich auf die Modocs, die McCain und sein armes Häuflein eingekesselt hatten. Schon der Schusslärm reichte aus, um die Indianer in Panik zu versetzen.

Leider nicht nur die Indianer – die vier Pferde seines Gespanns gingen durch, galoppierten dem Kessel aus Kriegern entgegen, in dessen Innerem Lassiter trotz des Geratters den Major Befehle und Flüche brüllen hörte.

Viele Männer gab es dort nicht mehr, die McCains Befehle verstehen, geschweige denn befolgen konnten. Allerdings lichtete sich auch der Angriffsring der Modoc unter dem Feuer der Schnellfeuerkanone.

Kaum hundert Schritte trennten Lassiter noch von Major McCain und dessen überlebenden Männern, da nahm er auf einmal Bewegung auf der linken Wagenseite wahr. Indianische Reiter waren vom Flusstal herauf geprescht. Ehe Lassiter die Schnellfeuerkanone herumreißen konnte, sprangen drei von ihnen schon auf den Wagen.

Einem konnte er eine Kugel aus seinem Remington in den Leib jagen, doch die anderen beiden packten ihn und rissen ihn zwischen die Kisten.

Lassiter schlug um sich, und es gelang ihm irgendwie, sich über den Seitenverschlag vom holpernden Wagen fallen zu lassen und beide Modocs mit sich zu reißen. Sie dürfen nicht an die Gatling kommen, dachte er nur, die Waffe ist McCains einzige Chance.

Der Wagen war in voller Fahrt, und Lassiter sah Sterne, als er am Boden aufprallte. Einer seiner Gegner brach sich irgendeinen entscheidenden Knochen, denn er blieb wie tot liegen. Der andere jedoch hockte auf seiner Brust und hob ein Messer.

Lassiter packte seinen Arm, überwand die drohende Ohnmacht und rammte ihm die Faust ins Gesicht. Doch kaum wich das Gewicht des Indianers von seiner Brust, stürzten sich die nächsten drei Modocs auf ihn.

Sie wollten seinen Skalp, was denn sonst? Und sie würden ihn kriegen.

Jetzt war es endgültig vorbei.

***

»Das Gespann!« McCain glaubte zu träumen. Vier Pferde galoppierten mitten unter die Indianer. Mindestens drei Modocs gerieten unter ihre Hufe und unter die Räder des Wagens. »Die Gatling …!«

Der Major ließ seine leergeschossenen Revolver fallen, bückte sich nach den Waffen seiner toten Leute und schrie: »Hinter mir her! Entert den verdammten Wagen, wenn ihr leben wollt!«

Folgte ihm jemand? McCain kümmerte sich nicht darum – er spurtete dem Gespann entgegen und sprang dann auf den Kutschbock und die Ladefläche. Erst als er nach Kurbel und Kolben der Schnellfeuerkanone griff, sah er, dass außer ihm noch ein Sergeant es bis auf den Wagen geschafft hatte.

»Ich schieße! Sie kümmern sich um die Munition!« Und schon donnerte der mörderische Schusslärm der Schnellfeuerkanone wieder über Wald und Fluss, spuckte die Gatling wieder ihre tödlichen Geschosse aus.

McCain brüllte seine Angst hinaus, schrie Befehle nach links und rechts. »Auf den Wagen mit euch!« Er wusste nicht, wer noch in der Lage war zu gehorchen, schrie dennoch: »Der Sergeant und ich brauchen Feuerschutz, sonst werden wir alle dem Heiligen Mauritius noch heute die Füße küssen!«

Der Heilige Mauritius war der Schutzpatron der Soldaten, und McCain war katholisch. Er hatte noch lange keine Lust, dem Heiligen Mauritius im Himmel zu begegnen, und in die Hölle wollte der Major schon gar nicht. Also schoss er wie ein Besessener und verfluchte den Sergeant, wenn der nicht schnell genug die nächste Patronenkette nachreichte.

Tatsächlich scharten sich nach und nach knapp zwei Dutzend Soldaten um den Wagen, die traurigen Reste seiner Schwadron. McCain brüllte vor Zorn, als ihm das klar wurde. Doch seine restlichen Männer...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.