Slade | Lassiter - Folge 2198 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2198, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2198

Sechs Kugeln für Fedora
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7325-0246-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Sechs Kugeln für Fedora

E-Book, Deutsch, Band 2198, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-7325-0246-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Abenteurer Bob Morley mochte es nicht, wenn er fremde Reiter hinter sich wusste. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, hieß seine Maxime. Deshalb lenkte er seinen Apfelschimmel und das Packmuli hinter ein acht Fuß hohes Geflecht von Dornbüschen, als er von Südwesten die Staubwolke auf sich zuwehen sah. Den Revolver schussbereit, legte er sich auf die Lauer. Binnen kürzester Zeit waren die Reiter heran - ein Mann und eine Frau, die wie ein Trapper gekleidet war. Die vorgestreckten Oberkörper der beiden berührten fast den Hals der Pferde. Schaumflocken flogen den Tieren aus dem Maul. Im Nu hatten sie das Versteck des Abenteurers passiert. Morley stand auf, klopfte sich den Staub aus dem Anzug und setzte seinen Weg fort. Er wusste nicht, dass er das Pärchen bald wiedersehen würde - in der Todeszelle von Los Lunas...

Slade Lassiter - Folge 2198 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vor der Theatre Hall in Los Lunas herrschte reger Betrieb.

Zur Premiere des Stückes hatten sich eine Menge Leute vor dem Hauptportal eingefunden. Die Männer trugen dunkle Anzüge, weiße Hemden und neumodische Derby-Hüte; die Damen waren raffiniert frisiert, rochen nach Parfüm und schwenkten kokett ihre Reifröcke.

In einer halben Stunde fing die Vorstellung an.

Das Stück hieß »Der Major und das Mädchen«, eine rührselige Lovestory, aber die Hauptrolle spielte Fedora Temple, und dieser Umstand hatte die Leute in Scharen angelockt. Im Übrigen war es der einzige Auftritt der berühmten New Yorker Schauspielerin in Los Lunas. Schon am nächsten Tag würde sie abreisen und ihre Tournee im Birdcage von Tombstone fortsetzen.

Zwei nicht mehr ganz junge Amüsiermädchen mit blond gefärbten Haaren und zur Schau gestellten Brüsten bogen um die Ecke. Beide trugen mit bunt schillernden Glasperlen verzierte Wildleder-Pompadours und hochhackige Absatzschuhe.

»Glaubst du, wir kriegen noch ’ne Eintrittskarte, Joy?«, fragte die Größere.

»Das will ich doch schwer hoffen.« Joy Alexander schnippte sich eine Korkenzieherlocke aus der Stirn. »Charlie, der Einlasser, hat’s mir fest versprochen.«

»Charlie? Ist das der Geizkragen, dem du’s neulich umsonst gemacht hast?«

Joy nickte kichernd. »Stimmt. Hab ihm drei Gratisnummern in Aussicht gestellt. Eine hat er schon abgerummelt. Bei der nächsten bist auch du mit von der Partie, Rose.«

»Ich? Wieso ich?«

»Charlie will ’nen Dreier.«

Rose Potts zuckte nervös mit der Nase. »Du hättest ruhig mit mir reden können, bevor du so freigiebig über mich verfügst«, maulte sie.

»Ach, was. Hab dich nicht so jungfernhaft, Baby! Für die Kunst muss man Opfer bringen.« Joy fing an zu lachen, und nach kurzem Zögern fiel Rose mit ein.

Ein kleiner, adrett gekleideter Mann blieb neben den Mädchen stehen. Ungeniert warf er einen Blick auf Joys üppigen Busen, der ihr aus dem eng geschnürten Mieder quoll. Dann sah er dem Mädchen ins Gesicht, lüftete seinen Hut und grinste breit. »Hast du Lust, dir ein hübsches Trinkgeld zu verdienen, schönes Kind?«, fragte er.

Joy schnaubte verächtlich.

Der Mann nannte einen Betrag, wie er im County für Liebesdienste üblich war.

Joy ging nicht darauf ein.

»Sie hat heute ihren freien Tag«, erklärte Rose.

Der Freier setzte seinen Hut auf und blickte zum Theatereingang, vor dem unvermittelt Gedränge entstanden war. Eben hatten die Einlasser die beiden Flügel des Portals geöffnet.

»Zutritt nur mit Eintrittskarte!«, rief der baumlange Texaner an der Tür.

»Das ist Charlie«, sagte Joy.

Die Leute, die Karten hatten, strömten ins Haus.

Die Mädchen wollten weitergehen, aber der kleine Mann vertrat ihnen den Weg. »Ich verdoppele mein Angebot«, verkündete er. »Nach der Aufführung treffen wir uns in Billy’s Saloon. Ist das okay?«

»Josef und Maria! Sie sind sehr hartnäckig, Mister«, entfuhr es Joy.

Er hob die Brauen. »Gegen zehn im Saloon?«

»Wir wissen nicht einmal, wie Sie heißen«, warf Rose Potts ein.

»John Markham, mein werter Name. – Was ist? Darf ich mich auf einen netten Abend freuen?«

»Also gut, ehe wir uns schlagen lassen: Wir kommen.« Joy wandte sich zum Gehen.

Der Freier tippte vergnügt an seinen Hutrand und machte den Weg frei. Die Mädchen schoben sich durch das Gedränge, bis sie am Einlass standen. Aus dem Inneren des Theaters drang vielstimmiges Gemurmel. Eine Frau juchzte laut auf. Mit überschnappender Stimme behauptete sie, jemand hätte ihr unter den Rock gefasst. Plötzlich einsetzende Klavierakkorde übertönten ihr Gezeter.

Charlie, der Texaner, ragte wie eine Pappel vor dem Eingang auf. »Eintrittskarten«, blaffte er die zwei Mädchen an.

Joy grinste schief. »He, Charlie. Mach hier kein Fass auf. Ich bin’s, Joy Alexander. Erkennst du mich nicht?«

Die dunklen Augen des Hünen funkelten wie zwei Stücke Obsidian. »Ohne Karten kein Zutritt«, leierte er.

»Wie?« Joy war baff. »Heißt das, wir kommen nicht rein?«

»Ja, das heißt es.«

Rose nahm ihre Umhängetasche von der Schulter und griff nach ihrer Geldbörse. »Na gut, dann kaufen wir eben zwei Karten.«

»Das geht nicht«, sagte der Türsteher. »Es gibt keine Karten mehr. Die Vorstellung ist ausverkauft.«

Joy stampfte wütend auf. »Charlie, was zum Henker ist in dich gefahren? Hast du vergessen, was du mir versprochen hast?«

Der große Mann schob sie zur Seite wie eine lästige Bettlerin. »Macht Platz für die Leute mit Karten«, erklärte er. »Ich kann euch nicht reinlassen. Kommt morgen wieder, dann ist die nächste Vorstellung.«

»Aber Fedora Temple tritt nur heute auf, bei der Premiere«, erinnerte Rose.

»Ist nicht mein Bier.«

»Du hast mich reingelegt, Charlie«, fauchte Joy.

Der Texaner tat, als wäre sie Luft. Im Nu hatten die umstehenden Leute die zwei Amüsiergirls an den Rand der Menschentraube gedrängt. Mit hängenden Köpfen schlichen Rose und Joy auf die Veranda des benachbarten Liquorshops.

»So ein Bastard!«, schimpfte Joy. »Ich könnte den Kerl mit meinem Strumpfband erwürgen. Er hat uns auflaufen lassen, und das vor allen Leuten!«

In diesem Augenblick tappten Schritte auf den Bohlen. Ein halbwüchsiger Jüngling stellte sich neben den Stützpfeiler. Er trug eine vor Schmutz starrende Latzhose und hatte ein Messer mit Hirschhorngriff am Gürtel: Pepe, der Botenjunge. »Hab was für euch, Mädels«, sagte er und hielt zwei bedruckte Pappen in die Höhe. »Mit besten Grüßen von Charlie, dem Texaner!«

»Die Karten!« Joy jubelte auf. Ihr Ärger war wie weggeblasen. Charlie hatte sie doch nicht hinters Licht geführt. Jetzt würde sie mit Rose die berühmte Fedora Temple bewundern können.

Joy blieb der Freudenschrei in der Kehle stecken.

In schneller Folge knallten im Theater mehrere Schüsse – und dann brach eine Panik aus, wie es sie noch nie in Los Lunas gegeben hatte.

***

Es dämmerte bereits, als Lassiter und Calamity Jane Cannary in Los Lunas einritten.

Irgendwo hinter den Häusern fiel ein vereinzelter Schuss. Wie auf Kommando stürzten mehrere Männer aus einer Seitengasse. Sie trugen Gewehre und Revolver in den Händen. Grölend und fluchend marschierten sie die Mainstreet entlang. Immer mehr Bewaffnete schlossen sich ihnen an. Sie kamen aus den Häuserblocks in der Hauptstraße und aus den Seitengassen. Binnen kürzester Zeit war die Schar auf gut zwei Dutzend angewachsen. Ein Mann mit fuchsrotem Kinnbart wedelte mit einer Seilschlinge durch die Luft.

»Aufhängen!«, rief ein dünnes Stimmchen.

Prompt griffen die Männer den Ruf auf. Schon gellte ein vielstimmiger Chor über die Straße.

»Auf-hän-gen! Auf-hän-gen!«

Lassiter ritt langsamer. Eine düstere Vorahnung überkam ihn. Vor dem Drugstore brachte er seinen Wallach zum Stehen.

Jane Cannary kam längsseits. »Kannst du mir mal sagen, was hier los ist, amigo

Er stützte sich auf das Sattelhorn. »Wir kommen zu spät, Jane«, sagte er dumpf. »Ich weiß es. Sie hat es nicht geschafft, verflucht noch mal!«

Die groß gewachsene Präriefrau schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. Ohne hinzusehen, langte sie in ihre Satteltasche. Eine angebrochene Whiskeyflasche kam zum Vorschein. Jane nahm einen kräftigen Schluck. Auf Männerart wischte sie sich mit der behandschuhten Hand über den Mund.

Nach kurzem Zögern hielt sie Lassiter die Flasche hin. »Auch’n Schluck, Partner?«

Lassiter schüttelte den Kopf. Ein Bussard hing hoch am blauen Himmel und schwebte über die Straße hinweg. Lassiter sah dem Vogel schmaläugig hinterher. Er machte sich bittere Vorwürfe. Wäre er früher losgeritten, hätte er womöglich noch etwas ausrichten können. Jetzt war das Kind in den Brunnen gefallen. Er ging jede Wette ein, dass Fedora Temple dem Anschlag des Attentäters zum Opfer gefallen war. Offenbar hatte man den Mörder auf frischer Tat geschnappt, und nun zog der Lynchmob los, um ihn zu hängen.

»Shit happens.« Er zog die Zügel straffer.

»Nun mal nicht gleich den Teufel an die Wand.« Jane rückte ihren Sombrero zurecht und rülpste nebenbei. »Bisher sind das alles nur Vermutungen. Bestimmt ist’s gar nicht so schlimm, wie du befürchtest. Man stirbt doch nicht, bloß weil eine Wahrsagerin es in den Sternen gesehen haben will.«

Lassiter hüllte sich in Schweigen. Er hatte seiner Weggefährtin weisgemacht, dass ihm eine Sterndeuterin von dem geplanten Mord an Fedora Temple erzählt hatte. Das war natürlich Humbug, eine Notlüge, extra für Jane. Lassiter glaubte nicht an Hellseherei.

In Wirklichkeit stammte die Information von der Zentrale der Brigade Sieben in Washington. For your eyes only, streng geheim! Auf keinen Fall durfte Jane Cannary, die sich seit ihrem zufälligen Treffen in El Paso wie eine Klette an ihn geheftet hatte, die Wahrheit erfahren. Deshalb hatte er die Version mit der Hellseherei aus dem Hut gezaubert. Jane hatte den Schwindel geschluckt. Lassiter wollte, dass es so blieb.

Auf dem Gehsteig kam ein Mann auf sie zu. Er war kaum mittelgroß und trug einen modernen, hellgrauen Anzug mit rot gestreifter Weste.

»Warum die Aufregung?«, rief Lassiter ihn an. »Alle Leute tragen Waffen und spielen verrückt. Ist Billy The Kid wieder da?«

Der...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.